Wiederverwenden: Die Hanseatische Materialverwaltung

| von 

Die Hanseatische Materialverwaltung ist ein in Europa einzigartiges Projekt. Film- und Theaterrequisiten werden zur Weitergabe gesammelt und so vor der Entsorgung bewahrt. Die Hamburger Idee sollte Schule machen.

Schon als Kind faszinierten mich Theateraufführungen. Besonders beeindruckten mich die aufwändigen Bühnenbilder. Riesige Kulissen, tolle Dekorationen – davon konnte ich nicht genug bekommen. Das Gleiche dann später, als ich anfing, mich für Filme zu begeistern. Da war die Ausstattung dann wirklich großes Kino. Traumwelt eben. Ein wahrer Albtraum sind jedoch die Abfallmengen, die bei Film- oder Theaterproduktionen entstehen und auf Messen anfallen. Immer wieder. Denn die meisten Requisiten oder Dekorationsartikel werden nur einmal verwendet, auch wenn sie zauberhaft sind, abenteuerlich oder spektakulär. Allesamt landen sie im Müll.

Hanseatische_Materialverwaltung_Elbtrand

© Hanseatische Materialverwaltung

„Was für eine Verschwendung“, dachte sich Jens Gottschau, „kann das Material nicht für andere nützlich sein?“ Der Bildende Künstler war mit seinen Überlegungen nicht allein. Auch die Werbefilmausstatterin Petra Sommer fand es immer einen Jammer, dass die schönen Dinge nach den Drehs unweigerlich in der Tonne landeten. „Ich konnte es nicht fassen, dass es in einer Medienstadt wie Hamburg keine Institution gibt, die diese Sachen rettet und weitervermittelt.“

Zum Glück brachte eine gemeinsame Freundin die beiden Enthusiasten zusammen. Das war vor vier Jahren. Seitdem hat sich einiges getan. Im Mai 2013 wurde die Hanseatische Materialverwaltung (HMV) gegründet, an Pfingsten steigt anlässlich das zweiten Geburtstags ein Frühjahrsfest. Die HMV ist auf dem Areal des ehemaligen Hamburger Güterbahnhofes im Oberhafen beheimatet. Auf rund 600 Quadratmetern einer alten Halle finden sich unweit der HafenCity wahre Schätze.

Hanseatische_Materialverwaltung_Panorama

© Hanseatische Materialverwaltung

Jens Gottschau selbst wundert sich immer wieder, was alles zu finden ist. Schaufensterpuppen oder Kutschen, ausgestopfte Tiere und andere Kuriositäten. „Die Leute stöbern gerne bei uns“, sagt er. Der 34-Jährige ist mit der Entwicklung sehr zufrieden: „Wir freuen uns, dass die HMV so gut angenommen wird.“ Mitstreiterin Petra Sommer hofft, dass das Projekt Schule macht und auch andere Städte nachziehen. In Europa ist es bislang einmalig. Dabei ist die Idee der Weiterverwertung naheliegend. „Unsere Motivation basiert schlicht und einfach auf gesundem Menschenverstand“, sagt Petra Sommer, „wir sind Macher und hatten keine Lust, bestehende Missstände einfach nur zu beklagen.“

Hanseatische_Materialverwaltung_innen

© Hanseatische Materialverwaltung

Das große Vorbild der Hamburger ist die Initiative „Materials for the Arts“ in New York. Die MFTA ist seit 35 Jahren erste Anlaufstation für studentische Projekte, Schulen, Jugendzentren oder Underground-Produktionen. Wie die MFTA bietet auch die HMV als gemeinnütziger Fundus ihre Materialien für das Gros der Interessenten günstig an. „Je nach gesellschaftlichem Wert des Vorhabens wird ein Abgabepreis vereinbart, eventuell gibt es das Material sogar umsonst“, sagt Petra Sommer. Die Aktivistin, Jahrgang 1970, weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, ein künstlerisches Projekt ohne Budget realisieren zu wollen. „In solchen Fällen sind wir dann eine große Unterstützung.“

Hanseatische_Materialverwaltung_Team_Kartons

© Hanseatische Materialverwaltung

Doch alleine mit Begeisterung lässt sich eine Unternehmung wie die Hanseatische Materialverwaltung nicht betreiben. „Am liebsten würden wir die Sachen nur verwalten und alles kostenlos weitergeben“, sagt Jens Gottschau, „aus finanziellen Gründen müssen wir aber auch auf den Verleih und Verkauf zurückgreifen.“ An den Kosten für zum Beispiel die Miete der Halle beteiligt sich auch die Stadt Hamburg. Unternehmen stiften Geld. Renommierte Hamburger Kultureinrichtungen wie das Deutsche Schauspielhaus, die Staatsoper oder die Kunsthalle helfen mit Sachspenden weiter.

„Inzwischen hat sich unsere Idee durchgesetzt, wir stoßen auf offene Ohren und erfahren viel Zuspruch“, erklärt Jens Gottschau. Zum Glück steht die Finanzierung für die nächsten beiden Jahre und so kann die Hanseatische Materialverwaltung erst einmal weiterhin viele Projekte glücklich machen.

Hanseatische_Materialverwaltung_Boot

© Hanseatische Materialverwaltung

Titelbild: © Hanseatische Materialverwaltung

Für OTTO schwärmen: Von Großstadtbienen und Honig

| von 
Golden, natürlich und lecker: Honig versüßt vielen von uns den Alltag. Im Tee oder auf dem Brot, als Lippenpflege oder in Gesichtscreme. Sobald die Frühlingssonne endlich warm genug ist, schwirren und summen unsere fleißigen Honigproduzenten auf Feldern, Wiesen und in den Wäldern. Für die Produktion eines Honigglases legen die Bienen knapp 160.000 Kilometer zurück. Eine Biene fliegt dabei knapp 800 Kilometer, die Strecke von Hamburg nach München. Fleißige Bienchen Als eines der wichtigsten Nutztiere weltweit sind sie zudem im Einsatz, sämtliche Blüten unserer Pflanzenwelt zu bestäuben und so zu deutlich besseren Ernten beizutragen. Mehr als ein Drittel der globalen landwirtschaftlichen…

Hallöchen, ich bin Christina. Ich wollte schon von klein auf die Welt retten. Und zwar die ganze. Zugegeben, das grenzt an Größenwahnsinn. Als ich älter wurde, beschloss ich, erstmal bei...

Zum Autor

Dienstag, 5. Mai 2015, 16:08 Uhr

Oh, das finde ich toll!!

Als Kostümbildnerin nervt es mich auch immer wieder und ich versuche schon von vorneherein meine Entwürfe so zu entwickeln, dass ich zu einem Großteil auf den vorhandenen Fundus zurückgreifen kann!

Was ich mir unbedingt noch wünsche, ist so etwas wie Materialmafia in Berlin und 2nd-Hand-Baumärkte, wie ich sie aus New York oder dem autonomen Kopenhagener Stadtteil Christiania kenne! Da landen intakte Materialien und Bauelemente nämlich nicht auf dem Sperrmüll, um als Feuerholz benutzt zu werden. 🙂