Gut zu Fuß: Seit 35 Tagen auf dem Jakobsweg

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Im Juni war es soweit und ich bin aufge­brochen, um den Jakob­sweg zu wan­dern – inzwis­chen bin ich in Frankre­ich angekom­men. 35 Tage habe ich für die rund 900 km von mein­er Haustüre in Nürn­berg durch Franken, Bay­ern, Baden-Württemberg und die Schweiz gebraucht. Das entspricht einem Tagess­chnitt von knapp 26 km pro Tag.
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Das Ulmer Münster

Die ersten Tage auf dem Jakobsweg

Der Jakob­sweg hat es mir bish­er nicht leicht gemacht. Oft ging es stun­den­lang auf Asphalt, immer wieder mussten Städte durch­quert wer­den. Die land­schaftlich schön­sten und natur­nah­sten Etap­pen waren aus­gerech­net die, auf denen ich auf eigen­er Route den Bodensee und den Vier­wald­stät­ter See umwan­dert habe.

Ich habe mir vorgenom­men, jeden Meter bis San­ti­a­go de Com­postela zu gehen und keine Fähren zu nehmen.
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Meine Geschwister wanderten ein Stückchen mit

Pil­ger traf ich in der Schweiz zum ersten Mal. Nur an vier Tagen kon­nte ich also der Frage nachge­hen, warum sich auch andere auf den Jakob­sweg machen. Auf eini­gen Etap­pen begleit­eten mich Fre­unde und Bekan­nte, die an mein­er Route leben und mich für eine Nacht auf­nah­men. Die meiste Zeit lief ich allein, hat­te also viel Zeit zu entschle­u­ni­gen und über mich und meine Zukun­ft nachzu­denken.

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Eine Apfelplantage im Linzgau

Vegan ernähren unterwegs

Mit der veg­a­nen Ernährung hat es prob­lem­los geklappt. Für den Fall, dass ich nichts Pflan­zlich­es bekomme und auch um Geld zu sparen, habe ich immer Vor­räte im Ruck­sack. In manchen Unterkün­ften gab es eine Küche, so dass ich abends kochen kon­nte. In Frankre­ich und Spanien wird es wohl schwieriger wer­den. Veg­anes Essen ist dort noch wenig pop­ulär und die Sprachen spreche ich auch kaum.

Für alle Neu-Veganer, die sich fra­gen, wie man möglichst unkom­pliziert und mit weni­gen Zutat­en veg­an kocht, schaut Euch zum Beispiel mal dieses Cur­ry an – es ist total ein­fach.

Das Gemüse kaufe ich direkt in der Region oder nehme es ein Stück mit auf meinem Weg, Curry-Gewürz -eben­so wie Brühe- passen prob­lem­los in den Ruck­sack und wer­den ja ohne­hin eher sparsam ver­wen­det.

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Sogar im Kloster gab es Veganes

Die möglichst voll­w­er­tige Pflanzenkost macht mich stark wie einen Goril­la. Die Regen­er­a­tion ist deut­lich schneller. Schmerzen in Muskeln, Sehnen und Gelenken kenne ich fast nicht mehr. An einem Tag bin ich 43 km weit gekom­men und hat­te danach noch Kraft auf ein Coun­tryfest zu gehen und mit einem Cow­girl in Hot Pants zu flirten.

Manchmal tut’s auch weh

Aus­ge­bremst haben mich lediglich Blasen an den Fersen. Jed­er Schritt fühlte sich an, als würde ich auf Messern gehen. Ich war kurz davor abzubrechen.

Nach zwei Ruheta­gen und in neuen leichteren Schuhen ging es dann doch weit­er. Noch heute, drei Wochen später, sind die Wun­den nicht ganz ver­heilt.

Blasen sind beim Wan­dern lei­der keine Sel­tenheit und wenn sie erst­mal da sind, hil­ft es meist nur, sie abheilen zu lassen – Blasenpflaster sind da aber eine echte Erle­ichterung und mildern den Schmerz. Beim näch­sten Mal beuge ich vor und klebe meine Fersen von Anfang an mit Tape ab. Eine weit­ere Hil­fe sind spezielle Sport­sal­ben, die zum Beispiel auch Marathon-Läufer benutzen. Diese beste­hen meist aus ein­er Basis von Vase­line und bewirken wahre Wun­der.
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Beste Aussicht am Zugersee

So klappt es mit dem Packen

Mit mein­er min­i­mal­is­tis­chen Aus­rüs­tung bin ich gut zurecht gekom­men. Alles, was ich in den vier Monat­en benötige, passt in einen 32-Liter-Rucksack und wiegt weniger als zehn kg. So macht das Fer­n­wan­dern Spaß und die Etap­pen tun weniger weh.

Wichtig, wenn das Gepäck die ganze Zeit geschul­tert wird, ist übri­gens auch die richtige Pack-Technik:

  • Nicht ein­fach alles rein­stopfen – ihr müsst das Gewicht so verteilen, dass es an Eure Kör­per­pro­por­tio­nen angepasst ist und Euch der Ruck­sack möglichst leicht vorkommt.
  • Sprich: Die schw­eren Inhalte soll­ten möglichst weit unten und an der Rück­wand sein, dann kön­nen eure Hüften das Gewicht abfan­gen.
  • Sehr prak­tisch sind übri­gens auch kleine Pack­taschen, mit denen ihr den Inhalt bess­er sortieren kön­nt und ihr nicht jeden Abend alles aus dem Ruck­sack raus­reißen müsst.

Schaut mal hier, wie effizient man pack­en kann:

Die Budget-Planung klappt

Auch mein Tages­bud­get von 50 Euro kon­nte ich ein­hal­ten. In Deutsch­land kam ich mit 35 Euro aus, weil ich mehrmals kosten­los über­nacht­en kon­nte. In der teuren Schweiz habe ich 60 Euro gebraucht.

Für gün­stige Unterkün­fte gibt es natür­lich ver­schiedene Möglichkeit­en: Hos­tels, Airbnb und Couch­surf­ing sind gute Möglichkeit­en, um gün­stig unterzukom­men. Auch Gasthöfe bieten Zim­mer an.

Sprecht unbe­d­ingt mit anderen Pil­gern über deren Erfahrun­gen, was Unterkün­fte ange­ht. Vielle­icht ist mal ein toller Geheimtipp dabei oder jemand ken­nt jeman­den, der jeman­den ken­nt … und ihr kön­nt irgend­wo umson­st in der Sche­une über­nacht­en und dabei auch noch neue Leute ken­nen­ler­nen.

Ich bin ges­pan­nt, was mich in Frankre­ich und Spanien und meinen restlichen rund 2100 Kilo­me­tern noch erwartet – ich habe ja erst ganz knapp ein Drit­tel mein­er Reise geschafft. Auf den ersten Kilo­me­tern hin­ter Genf gab es auf jeden Fall schon mal mehr Pil­gerkon­takt und mehr Natur.

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Ökologisch unterwegs: mit diesen Transportmitteln

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Immer weiter wollen wir reisen, immer neue Kulturen entdecken und überall vermeintliches Neuland betreten, denn Billigflüge locken nach Südostasien oder für ein Wochenende nach New York. Doch auch innerhalb Europas sorgen wir für Klimaschäden. Auf der Liste der liebsten Urlaubsziele der Deutschen steht Spanien an erster Stelle. Erst danach folgt die Ostsee als beliebtestes nationales Reiseziel. Der Vorsatz „näher, länger, intensiver“ scheint bei vielen Reisenden nicht vorhanden zu sein. Knapp 20 % der klimaschädlichen Treibhausgasemissionen entstammen dem Verkehrssektor. Bedenkt man, dass wir langfristig den Ausstoß von klimaschädlichen Emissionen um 60 bis 80 Prozent reduzieren müssen, um das Klima zu stabilisieren, erkennt…

Hallo, ich heiße Christof und schreibe auf meinem Blog über Minimalismus und Nachhaltigkeit. Ohne materiellen Überfluss, negative Beziehungen und unnötige Verpflichtungen zu leben, führt zu persönlichem Glück und gesellschaftlichem Gewinn....

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Joachim S.
Freitag, 19. August 2016, 0:55 Uhr

Guten Tag Christof!
Ein sehr guter Beitrag! Ich bin sel­ber ein lei­den­schaftlich­er Wan­der­er, hat­te bere­its auch schon vor den Jakob­sweg zu wan­dern doch da gab es lei­der Prob­leme mit der Zeit…
Ich finde es sehr gut wie du mit den 50 EUR am Tag auskommst, Respekt!
Würde gerne mehr dein­er Wan­derung erfahren und mir bei dir Inspi­ra­tion holen!
Weit­er so und Viel Glück weit­er­hin!
Liebe Grüße,
Joachim