Fit zu Fuß: Meine 2. Passage auf dem Jakobsweg

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Der Jakob­sweg eine Mam­mu­tauf­gabe? Ich wollte es herausfinden!

Schwitzen und Schmerzen inklu­sive natür­lich! – In meinem let­zten Artikel habe ich erzählt, wie es mir bei meinen ersten Schrit­ten zu Fuß auf dem Jakob­sweg ergan­gen ist. 35 Tage habe ich für die rund 900 km von mein­er Haustüre in Nürn­berg durch Franken, Bay­ern, Baden-Württemberg und die Schweiz gebraucht.

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Mor­gens läuft es sich am besten!

Mit­tler­weile habe ich St-Jean-Pied-de-Port direkt vor den Pyrenäen und der Gren­ze zu Spanien erre­icht. 42 Tage habe ich für die 1.124 km auf der Via Geben­nen­sis und der Via Podi­en­sis durch Frankre­ich gebraucht. Das sind fast 27 km pro Tag.

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Mit Dominik und Mar­ti­na durch Frankre­ichs Weinberge

Die 53 km lange Strecke von Con­dom nach Nog­a­ro habe ich an einem Stück gemacht. So weit bin ich noch nie in meinem Leben gegan­gen. Nach der Ankun­ft hat­te ich noch Kraft, mich und meine Klei­dung zu waschen, meinen Tages­bericht zu schreiben, einzukaufen, zu kochen, zu essen und mit ein paar franzö­sis­chen Pil­gern zusammenzusetzen.

Die schönsten Etappen: Vorbei an Sonnenblumenfeldern, großen Wäldern und Flüssen

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Frisches Wass­er aus dem Jakobus­brun­nen in Les Setoux

Ich schaffe all das ohne Prob­leme, nicht obwohl, son­dern weil ich mich veg­an ernähre. Die leichte Kost und die schnelle Regen­er­a­tion ermöglichen mir, jeden Mor­gen frisch und schmerzfrei loszu­laufen.

In vie­len Unterkün­ften und Restau­rants habe ich eine Extrawurst bekom­men. So kon­nte ich in den Gite d’Etappes meist an den gesel­li­gen Aben­dessen mit den anderen Pil­gern teilnehmen.

Ein­mal wollte mich ein Fran­zose von den Vorzü­gen von Blutwurst überzeu­gen. Am näch­sten Mor­gen tauchte er beim Früh­stück in einem weißen Kit­tel auf, was ich auf englisch mit „Hüb­sch­er Mor­gen­man­tel“ kom­men­tierte. Erst dann merk­te ich, dass es ein weißer Talar eines Pfar­rers war, den der Blutwurst­fan beim Wan­dern zu tra­gen pflegte.

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Nicht das erste und nicht das let­zte Son­nen­blu­men­feld auf dem Weg nach San­ti­a­go di Compostela

Der Jakob­sweg hat es mir auch in Frankre­ich nicht leicht gemacht. Manche Etap­pen, etwa die in der Aubrac-Hochebene, führten durch schöne Natur­land­schaften. Oft ärg­erte ich mich aber über den vie­len Asphalt und die Pas­sagen durch die über­wiegend land­wirtschaftlich genutzten Gebi­ete. Tage­lang sahen wir nicht viel mehr als Son­nen­blu­men und Maisfelder.

Die schön­sten Etap­pen kamen aus­gerech­net dann, als ich die Haup­troute ver­ließ und die Vari­ante durch das Célé-Tal machte. Dort lief ich auf Wan­derp­faden durch große Wälder, ent­lang des Flusses und an hellen Felsen entlang.

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Der Weg führt auch an schö­nen Flüssen vor­bei: Die Rhone ist auch heute noch naturbelassen.

Hat mich die längste Fernwanderung meines Lebens verändert?

Der Reiz am Jakob­sweg liegt eher an den Begeg­nun­gen mit anderen Pil­gern und Pil­gerin­nen. Beson­ders ab Le Puy-en-Velay hat man aus­re­ichend Gele­gen­heit, Kon­tak­te zu knüpfen. Man lernt unter­wegs oder in den Her­ber­gen täglich neue Leute ken­nen oder trifft auf neue Gesichter.

Da ich kaum Franzö­sisch spreche und die Fran­zosen kaum oder ungern länger Englisch sprechen, war ich meist mit Deutschsprachi­gen unter­wegs, darunter Fee aus Frank­furt, Kari­na aus Mün­ster, Andrea aus Esslin­gen, Ela aus der Schweiz und Michi aus Österreich.

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Wegge­fährten: Fee, Gabriela, Andrea und ich

In den näch­sten vier bis fünf Wochen wird der berühmte (oder vielle­icht berühmt berüchtigte) Camino Frances mich und viele andere Pil­ger bis nach San­ti­a­go de Com­postela führen. Vielle­icht kann ich nach mein­er Ankun­ft die Frage beant­worten,  ob und wie mich mein Jakob­sweg verän­dert hat.

Bis jet­zt fühlt er sich nur wie die läng­ste Fer­n­wan­derung meines Lebens an, von der ich mit ein­er lan­gen Liste mit Ideen und Impulsen für meine Zukun­ft zurück­kom­men werde.

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Die besten Fotos entste­hen in den Morgen- oder Abendstunden

Wenn ihr auch Lust auf diesen beson­deren Weg habt:  In meinem ersten Teil zum Jakob­sweg gebe ich Tipps, wie man 3000 km mit aus­ge­wo­gen­er Ernährung, dem richti­gen Train­ing und der passenden Aus­rüs­tung erfol­gre­ich meis­tern kann.

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Gite d’Etape, Kirche Sainte-Agathe und Ruine in Chaumont

Egal ob Campingplatz oder Wildnis – Das Zelt ist mein Zuhause!

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Als Kind wollte ich ständig draußen zelten – ob in irgendeinem Garten oder auf einem Campingplatz. Ich freute mich jedes Mal darauf, wenn es im Sommer ein paar Tage auf den Campingplatz ging – mein Onkel hat dort einen festen Standplatz, und somit war das Zelten einmal im Jahr auf jeden Fall sicher. Als Jugendliche bevorzugte ich es, im Sommer einfach meinen Schlafsack zu schnappen und unter freiem Himmel zu schlafen. Als ich älter wurde, habe ich das immer weniger gemacht. Doch irgendwann fragte ich mich, was da nur passiert ist. Was ich jedoch bemerkte: Dass es schwieriger geworden ist,…

Hallo, ich heiße Christof und schreibe auf meinem Blog über Minimalismus und Nachhaltigkeit. Ohne materiellen Überfluss, negative Beziehungen und unnötige Verpflichtungen zu leben, führt zu persönlichem Glück und gesellschaftlichem Gewinn....

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