Nachhaltiger Norden: das grüne Göteborg

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Göteborg in Westschweden hat das Zeug zur Lieblingsstadt: weltoffen, innovativ und dabei so angenehm bodenständig. Ein idealer Ort für weitsichtige Menschen und neue Ideen. Für nachhaltige Mode, Restaurants mit lokalen Bio-Lebensmitteln und sogar öko-zertifizierten Festivals. Unterwegs ist man am liebsten mit dem Fahrrad oder mit der himmelblauen Straßenbahn, dem Wahrzeichen der Stadt.

Umweltverträglich unterwegs

Göteborg_Fähre

Ankommen, runter von der Nachtfähre, rein in die blaue Straßenbahn und ab in die City.

Göteborg_Straßenbahn

Oder nein, vorher noch mal stoppen. Besser, als mit einem zweiten Frühstück in der Sonne auf der autofreien Haga Nygata in der alten Arbeitervorstadt Haga, kann man den Tag kaum beginnen. Schon lange kein Geheimtipp mehr, aber einfach total gemütlich: das Café Kringlan in der Haga Nygatan mit duftenden Zimtschnecken und anderen Köstlichkeiten. Schwedischer geht’s kaum.

Göteborg_Cafe_Kringlan

Danach rauf auf das Leihfahrrad, dessen Stationen überall in der 500.000-Einwohner-Stadt verteilt sind – die erste halbe Stunde ist sogar kostenlos – und weiter in Richtung Innenstadt.

Göteborg_Fahrräder

Tolle Stadtansichten ergeben sich auch vom Fluss Göta Älv aus. Ganz günstig geht das mit der Linienfähre „Älvsnabben“, bei der der Name Programm ist: Wie der Blitz (älv = Fluss, snabb = schnell) saust die Linie 285 des Göteborger ÖPNV von einem Ufer zum anderen. Für das Ticket für 26 Kronen (rund 3 Euro; wenn man den ganzen Tag in der Stadt bleibt, ist das Tagesticket für umgerechnet 10 Euro eine gute Wahl) gibt es günstiges Sightseeing vom Feinsten zwischen den historischen Häusern diesseits und den modernen Stadtteilen am Nordufer.

Mode mit gutem Gewissen

Eco&Fair oder DEM Collective heißen nur zwei der Göteborger Mode-Labels, die auf umweltverträgliche Produktion setzen. „Ich wollte nicht Teil des Problems sein, ich wollte Teil der Lösung sein“, sagt Annika Axelsson.

Göteborg_Annika_Axelsson

Die frühere Entwicklungshelferin hat deshalb das Mode-Label DEM Collective gegründet, das alle Produktionsschritte vom Anbau der Bio-Baumwolle über die Arbeitsbedingungen und fairen Löhne der Näherinnen bis zum Transport per Schiff im Blick hat. Nachhaltigkeit und Transparenz sind ihre obersten Grundsätze. So entsteht Kleidung, die sich sehen lassen kann – in jeder Hinsicht. DEM steht übrigens für „Don’t Eat Maccaroni and Cheese“ – Inbegriff für ungesundes Fast Food und unreflektierte Ex-und-Hopp-Mentalität.

Nachhaltig schlemmen

Die Göteborger wissen genau, wie man sein Leben genießt. Es gibt jede Menge Fisch-, vegetarische, vegane und gleich vier Sterne-Restaurants. Und Cafés an jeder Ecke – etwa das Hagabions Café in einem alten Kino in der Linnégatan, das nur vegetarisches Essen serviert. Das Bier stammt aus einer Brauerei um die Ecke. Um erstklassige Qualität und um ökologische Lebensmittel aus der Region, wenn nicht sogar direkt aus dem eigenen Küchengarten nebenan, dreht sich alles im Restaurant Gunnebo Kaffehus och Krog.

Göteborg_Küchengarten

Das gemütliche Restaurant-Café gehört zum alten Herrensitz Gunnebo Slott vor den Toren Göteborgs. Täglich ist ein dreigängiges Mittagsmenü im Angebot – wahlweise mit Fisch, Fleisch oder vegetarisch.

Grüne Oasen

Von Göteborgs Einkaufs- und Amüsiermeile Avenyn ist es nur ein Katzensprung in den Park des Gartenvereins – eine wunderschöne, bunte Oase mit von Künstlern angelegten Blumenbeeten und Skulpturen mitten in der City. Hier lümmeln die Göteborger in der Mittagspause auf dem Rasen und Kinder toben herum.

Göteborg_Palmenhaus

Göteborg_Park_Blumen

Mittendrin steht das weiße, viktorianische „Palmhuset“, dahinter ein herrlich altmodisches Lieblingscafé, das Rosenkafeet im braunen Holzhaus: Erst Blumen gucken, danach Gemüselasagne essen und hinterher „Fika“, ausgiebiges Kaffeetrinken auf der Sonnenterrasse. Tipp: der hausgemachte, schokoladige Kuchen „Kladdkaka“ und dazu duftenden Rosentee.

Verantwortungsvolle Musikmetropole

Göteborg_Vasastan

Göteborg ist eine leidenschaftliche Musikstadt. Livemusik spielt hier immer irgendwo, in kleinen Pubs genauso wie auf großen Bühnen. Und auch bei seinen Großveranstaltungen setzt die als Fairtrade City gelistete Westküstenstadt auf Umweltbewusstsein. Das jährliche, dreitägige Sommerfestival „Way Out West“ im Stadtpark Slottskogen mit internationalen Musikstars und mehr als 25.000 Besuchern – das übrigens zu den besten in Europa zählt – war das erste, das den Anspruch hatte, konsequent umweltfreundlich zu sein. Inzwischen ist es mit dem nordischen Öko-Siegel KRAV zertifiziert, die komplette Verpflegung ist zum Beispiel bio.

Göteborg_Avenyn

Allen, die jetzt Lust auf einen Göteborg-Trip bekommen haben, wünsche ich viel Spaß! Wenn ihr noch weitere Göteborg-Tipps habt, postet sie gerne in den Kommentaren. Vielleicht lerne ich ja noch was dazu?

Hier findet ihr außerdem ein paar nützliche Dinge, die euch auf eurem Schweden-Trip unbedingt begleiten sollten:

Schweden

Entschleunigung in Afrika: Das Glück der kleinen Dinge

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Reisen heißt unterwegs sein und unterwegs sein heißt, Ressourcen zu verbrauchen. Das ist leider so. Aber deswegen muss Frau ja nicht auf das Reisen verzichten, habe ich mir gedacht und für unsere grüne Weltreise zusammen mit dem Mann das Credo „weniger ist mehr“ ausgerufen. Die Reise soll nachhaltig sein, und zwar im biologischen Sinne aber auch nachhaltig für uns. Wir wollen uns selbst entschleunigen und aus der Entfernung auf unser Leben schauen. Wir reisen mit kleinem Gepäck. Deswegen, weil auch Minimalismus nachhaltig ist und weil wir uns vom Leben und den Erlebnissen treiben lassen und nicht schwere Koffer von Termin zu…

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet das Redaktionsteam Reisefeder unter anderem für Magazine wie Brigitte, Onlineportale wie Spiegel Online oder Reisebücher wie Merian. Anke hat Ökologie und Kommunikation studiert und...

Zum Autor

Montag, 6. April 2015, 0:35 Uhr

Unbedingt auf einer der Schären-Inseln fahren! Das würde ich noch gerne ergänzend erwähnen 🙂 Ich fand es im Herbst schon so schön, im Sommer muss es hier traumhaft sein.