Fahrradland Deutschland: Der Zweirad-Check

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Wenn der Frühling erwacht, dann wird auch unsere Leidenschaft für das Radfahren wieder geweckt. Endlich ist es wieder soweit, dass wir Sonnenstrahlen und den warmen Fahrtwind auf der Haut spüren. Vor dem ersten Ausflug sollte man aber unbedingt einen Schnell-Check durchführen. Funktionieren die Bremsen noch einwandfrei? Ist der Reifendruck okay? Oder brauche ich gar ein neues Rad?

Schnell-Check und Reinigung

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Nach dem Winter sind Speichen, Kette und Zahnräder ziemlich verdreckt oder von Rost angegriffen. Zur Reinigung greifen viele zum Hochdruckreiniger von der nächsten Tankstelle – ein klassischer Fehler. Das Wasser spritzt direkt in die Gewinde, spült wichtiges Schmieröl heraus und ruiniert Lager, Steuersatz und Dichtungen. Mit anderen Worten: der Super-GAU für das Fahrrad. Jeder Radhändler rät deshalb, dass man zur Reinigung nur den klassischen Lappen und einen Gartenschlauch benutzen sollte.

Hartnäckigen Schmutz kann man vorab mit fettlösendem Radspray einsprühen und danach abwaschen. Auch biologisch abbaubarer Allzweckreiniger mit heißem Wasser funktioniert optimal. Nach der Reinigung sollte man Kette, Schaltwerk, Umwerfer und Gabel sowie Dämpferdichtungen mit Wartungsöl oder einem Allround-Öl einsprühen. Achtung, kein Öl auf die Bremsbeläge, sonst versagen die prompt ihren Dienst.

Fahrradwege in Deutschland

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Nach Schnell-Check und Reinigung kann es endlich losgehen: Laut ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club) gibt es in Deutschland insgesamt 45.000 Kilometer, die man befahren kann. Das klingt ziemlich viel – und ist es auch. Um diese imposante Zahl noch ein bisschen besser einordnen zu können: Der Erdumfang beträgt gerade mal 40.075 Kilometer. Eine Weltreise per Drahtesel kann man also auch getrost hierzulande bewältigen. Die schönsten Strecken zwischen Ostsee und Alpen findet man auf auf der Website vom ADFC.

Und die Wege werden immer besser und komfortabler. Seit 2014 investiert der Bund rund 80 Millionen Euro jährlich für den Ausbau von Radwegen. Bewohner in Hamburg, Köln oder anderen Großstädten wird es aufgefallen sein, dass auf urbanen Straßen immer mehr Platz und eigene Spuren für Radfahrer eingeräumt werden. Die deutsche Fahrradhauptstadt ist allerdings seit vielen Jahren Münster. Rund 40 Prozent der 280.000 Einwohner schwingen sich hier täglich in den Sattel. Nach Angaben vom Amt für Stadtentwicklung ist das Radwegenetz der Stadt auf mittlerweile 450 Kilometer ausgebaut.

Fahrradfahren wird immer attraktiver

Fahrrad geschmückt Blumenkorb

Auch in Zukunft soll die Situation für Radfahrer optimiert werden: Aktuell ist ein Schnellwegenetz für Pendler geplant, die dann vor allem mit E-Bikes auch auch längere Strecken locker bewältigen könnten. Die Innenstadt soll dadurch noch stärker vom Autoverkehr entlastet und die Bevölkerung noch mehr zum Radeln motiviert werden. Der Fahrrad-Hype hat nebenbei auch gesundheitliche Folgen, denn laut Statistiken sind Herzkreislauferkrankungen in Münster seltener als in anderen deutschen Städten.

Wie sehen weitere Fahrradprojekte in naher Zukunft aus? In Osnabrück wird bereits jetzt mit fluoreszierenden Streifen experimentiert, die Radwege im Dunkeln besser erkennbar machen. Bundesweit kann man dafür den anhaltenden Boom von E-Bikes beobachten, die allerdings noch immer ihren recht exklusiven Preis (1300-3000 Euro) haben. Verleihmodelle, wie etwa die per App mietbaren Stadträder in Hamburg, müsste es langfristig auch für E-Bikes geben, um das Thema Radfahren noch attraktiver zu machen. In Madrid hat sich E-Bike-Sharing bereits etabliert. In Deutschland gibt es seit kurzer Zeit erste Pilotprojekte für ländliche Räume, so zum Beispiel im Stuttgarter Umland. An fünf Bahnhöfen können sich Reisende ein E-Bike leihen und dank digitaler Vernetzung die Räder an verschiedenen Orten zurückgeben.

Nach Angaben des Zweirad Industrie Verbands (ZIV), der jährlich die offiziellen Absatzzahlen der Fahrradbranche herausgibt, ist die Zahl der E-Bikes auf deutschen Straßen im vergangenen Jahr um 15 Prozent gestiegen. Rechnet man Kinderräder und Rennräder aus dem Markt heraus, ist der Anteil sogar noch deutlich höher. Insgesamt sind damit rund drei Millionen E-Bikes unterwegs. Langfristig erhofft sich der Verband einen Anteil am Gesamtfahrradmarkt von bis zu 30 Prozent.

Eine Autobahn – für’s Bike

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Zukunftsweisend könnte auch Deutschlands erster Fahrrad-Highway werden. Der Radschnellweg R1 ist seit Ende 2015 freigegeben und soll bis zur Fertigstellung insgesamt eine Länge von 101 Kilometern durchs Ruhrgebiet von Duisburg bis Hamm führen. Bislang können Radfahrer nur eine zehn Kilometer lange Teilstrecke von der Uni Duisburg-Essen bis Mühlheim befahren. Die Idee ist gut, doch es hapert noch an der fahrradfreundlichen Umsetzung, so gibt es bislang etwa noch keine Streckenbeleuchtungen – nachts ist es hier Zappenduster.

Die gute Nachricht: Den Deutschen ist Radfahren wichtig und einiges wert, denn die Ausgaben sind in den letzten Jahren gestiegen. 2014 waren es laut Zweirad-Industrie-Verband im Schnitt 528 Euro pro Kopf, 2013 noch 495 Euro. Immer häufiger gefragt sind Luxusräder, deren Herstellung ökologisch durchdacht ist. Zum Beispiel mit Rahmen, die aus Holz oder Bambus gefertigt werden. So weicht das Statussymbol Auto immer mehr dem coolen Zweirad – und die Umwelt dankt!

Moin, ich bin Marie. Waschechte Hamburgerin und nordisch by nature. Hier bei OTTO halte ich für re:BLOG Ausschau nach spannenden Ideen und Menschen, coolen Eco-Outfits und berichte für euch von den kleinen und großen Schritten, die in Sachen Nachhaltigkeit gemacht werden. Das fängt für mich vor allem im Alltag bei jedem von uns an, wenn eben der Mehrweg-Kaffeebecher mitgenommen wird oder eben das köstliche vegane Gericht auf dem Teller landet.

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