Entschleunigung in Afrika: Das Glück der kleinen Dinge

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Reisen heißt unterwegs sein und unterwegs sein heißt, Ressourcen zu verbrauchen. Das ist leider so. Aber deswegen muss Frau ja nicht auf das Reisen verzichten, habe ich mir gedacht und für unsere grüne Weltreise zusammen mit dem Mann das Credo „weniger ist mehr“ ausgerufen. Die Reise soll nachhaltig sein, und zwar im biologischen Sinne aber auch nachhaltig für uns. Wir wollen uns selbst entschleunigen und aus der Entfernung auf unser Leben schauen. Wir reisen mit kleinem Gepäck. Deswegen, weil auch Minimalismus nachhaltig ist und weil wir uns vom Leben und den Erlebnissen treiben lassen und nicht schwere Koffer von Termin zu Termin durch die Welt rollen wollen.

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Zwischen Glückssuchern und Aussteigern

In Namibia, unserer ersten Station, sitzen wir in unserem Eco-Hostel mit einem ziellosen Aussteiger, einem australischen Surfer, der einen Job als Buschpilot sucht und einem arbeitslosen Koch an einem Tisch. Sie alle suchen ihr Glück in Afrika. Wir auch. Wenn auch nur für einige Wochen. Zwischen all diesen Aussteigern und Glückssuchern, fühlen wir uns ein bisschen wie in dem Film „Jenseits von Afrika“. Die Hitze verlangsamt unsere Schritte, die Menschen sprechen unterschiedliche Sprachen und die Gesichter auf den Straßen schwanken zwischen Gelächter und Gelassenheit. Die Lebensfreude ist spürbar.

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Drei Frauen in afrikanischer Tracht sitzen am Straßenrand und lachen laut. Ein Taxifahrer, der uns von Windhuk zu einer Farm fährt, auf der wir einige Tage verbringen werden, entpuppt sich als Philosoph. Heimlich tippe ich seine Zitate mit: „Ihr Deutschen…, ihr rast durch euer Leben. Wenn man irgendwann von der Erde verschwindet, dann ist man weg. Aber das Leben ist ein Wunder und wir in Afrika feiern es jeden Tag“, sagt er und lacht leise. Ich denke über seine Worte nach, die zwischen uns in der Luft hängen, während wir weiter auf einer einsamen Straße durch den namibischen Busch holpern.

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Über das „weniger ist mehr“

Die Menschen in Namibia leben ihr Leben im Slow-Motion-Modus. Man läuft langsamer, man arbeitet weniger, aber man lacht mehr. Die Menschen kümmern sich weniger um das Morgen, erzählt uns der Taxifahrer. Sie leben im Hier&Jetzt, im Moment und entscheiden aus dem Jetzt heraus. „This is Africa!“, sagt er immer wieder und lacht. Ich beginne mich in die afrikanische Lebensart zu verlieben. Die Gegenwart ist zu schön, um sie aus Sorge vor der Zukunft zu ignorieren, beschließe ich, und die Zitate von unserem Taxifahrer schießen mir (langsam natürlich, denn die Slow Motion gilt ab jetzt auch für meine Gedanken) noch mal durch den Kopf.

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Ich lasse sie an mir vorbeigleiten, wie die Landschaft, während wir die letzten Meter durch den namibischen Busch fahren und lächle und freue mich an dem inneren „Ommm“, das mich gerade erwischt hat. Wir merken, wie sich Zufriedenheit breitmacht. Namibia erdet uns. Einfach nur zu sitzen und der Natur beim Wachsen zuzusehen, erdet. Mehr als jede durchgestylte Safari und jedes vollgestopfte Programm der spektakulären Erlebnisse.

Warum der Oryx der neue Elefant ist

Wer nach Afrika kommt, will die Big Five sehen. Punkt. Sie sind so eine Art Must-have des modernen Afrika-Urlaubers. Die Big Five sind Elefant, Löwe, Leopard, Nashorn und Büffel. So viel gleich vorweg: Wir haben sie nicht gesehen. Weder in Namibia, wo uns der erste Teil der Weltreise hin verschlagen hat, noch während unseres zweiten Stopps in Südafrika. Das macht aber nichts. Ich bin zufrieden und glücklich, weil ich mir erlaubt habe, einfach nur anzukommen.

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Ich habe einen wilden Oryx gesehen, einen Springbock und sogar knallbunte Schlangen. Das ist das Glück der kleinen Dinge, denke ich mir, während wir auf einer Veranda irgendwo im Nirgendwo mitten in Afrika sitzen und dem Zwitschern und Knarzen der Vögel lauschen. Wir vermissen nichts, denn Afrika zeigt sich von seiner schönsten Seite. Die unberührte Natur und der glitzernde Sternenhimmel beeindrucken mehr, als es Elefanten auf einer Touristen-Massen-Safaritour könnten.

Afrika macht uns das Geschenk vom Glück der kleinen Dinge

Wir sehen die kleinen Dinge und die Schönheit der stillen Natur, so wie sie sich uns in der Einsamkeit präsentieren wollen und nicht so wie sie in einem Nationalpark zusammengestellt werden. Das Glück der kleinen Dinge ist auch nachhaltig, denke ich mir. Daran könnten wir uns ein Beispiel nehmen in unserer Gesellschaft, in der alles immer schneller, höher und weiter gehen soll. Vielleicht können wir langsam anfangen, umzudenken und auf das „weniger ist mehr“ setzen, statt auf das „mehr ist mehr“. Vielleicht stimmt die Balance nicht mehr in unserem westlichen Stadtleben. Zu viel Büro, zu wenig Natur. Zu viel Stress, zu wenig Zeit für das Hier und Jetzt.

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Es wäre schön, wenn unsere Gesellschaft ein bisschen von der afrikanischen Slow Motion lernen könnte. Noch leben wir erst seit vier Wochen aus einem Rucksack, aber ich kann felsenfest behaupten, dass mir nichts fehlt. Wir haben nette Gesellschaft, gutes Essen, sind gesund und haben Zeit. Ich beschließe, dass ich die entschleunigte und minimalistische Petra in mir bewahren möchte und danke Afrika dafür, dass es uns gezeigt hat, wie wichtig es ist, im Hier und Jetzt zu sein – während ich mitten in Kapstadt auf einer Dachterrasse die Füße hochlege und das innere „Ommm“ genieße.

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Detox-Kur: Temporärer Verzicht fürs eigene Wohlbefinden

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„Aber das brauchen Sie doch gar nicht“, sagte der Verkäufer im Buchladen, als ich mir das Beauty-Detox-Buch von Hollywood-Beraterin Kimberly Snyder kaufte. Das war charmant gemeint. Aber doch. Ich brauchte es. Im Januar habe ich das Bedürfnis, die ganzen Weihnachtspräsente, bestehend aus Marzipanschweinen, Nugatpralinen und Omas selbst gemachten Schnäpschen, in die hintere Reihe der Speisekammer zu schieben. Die müden Knochen und der schwere Magen flüstern mir zu: runter vom Sofa, beweg dich, streck dich, mach dich fit.

Ganz klar, das neue Jahr braucht einen Energiekick. Damit wir die nächsten zwölf Monate große kleine und kleine…

Hi, ihr Lieben! Mein Name ist Petra und ich blogge auf „Hollightly“ über Fashion, Design und grünen Lifestyle. Ich bin bekennendes Modemädchen mit Hang zu schönen Dingen und überzeugt davon,...

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Montag, 23. März 2015, 16:50 Uhr

Liebe Vera, wie schön Dich auch hier zu treffen 🙂 und danke für Deinen lieben Kommentar. Du hast so Recht, die Entschleunigung kommt sehr schnell abhanden im Alltag. Vielleicht ist es beim Reisen leichter sie wiederzuentdecken, weil der Alltag gerade ruht. Vielleicht fällt es mir auch gerade so leicht, weil ich so viele Menschen erlebe, die ihren eigenen Weg der Entschleunigung gegangen sind. Die große Kunst wird es sein, sich dieses Gefühl zu bewahren.. Ich bin gespannt und freue mich darauf mich mit Dir hier oder auf Insta oder Facebook auszutauschen. Bis bald, Petra

Samstag, 28. Februar 2015, 9:03 Uhr

Liebe Petra,

ich verfolge deine Reise ja schon immer via fb und Instagram und werde bei dem ein oder anderen Bild ganz sehnsüchtig…
Was du beschreibst ist für mich gerade mein größtes Projekt. Ich glaube „Slow Motion“ kann man sich so richtig abtrainieren, wenn man nicht aufpasst – aber man kann es sicher auch lernen. Ob das jetzt im Alltag leichter ist als auf Reisen sei dahingestellt, in jedem Fall muss man es sich wohl wieder und wieder und wieder bewusst machen.
Danke für deine schönen Erinnerungen daran!

Sonnige Grüße,
Vera

Donnerstag, 19. Februar 2015, 6:22 Uhr

Es ist achon seltsam, da haben wir so viel von den unnützen Dingen – Kleider, Schmuck, Möbel… und doch so wenig von den nützlichen: Zeit, Gelasswnheit, Innere Ruhe.. Daran hat mich Afrika wieder erinnert 🙂 und ich hoffe sehr, dass wir uns das bewahren und mitnehmen können. Alles Liebe und vielen Dank für eure zauberhaften Kommentare, ich nehme sie mit in mein virtuelles Reisegepäck, Petra

sabine
Dienstag, 17. Februar 2015, 12:56 Uhr

Liebe Petra, wie schön Du das geschrieben hast! Und wir sollten uns wirklich jeden Tag bewusst machen, dass wir im Hier und Jetzt leben! Es fällt nur oftmals so schwer im Alltag…Man muss sich kleine Oasen suchen – Ihr befindet Euch jetzt gerade in einer großen Oase, die Euch hoffentlich nachhaltig reich macht! Habt eine tolle Zeit und ich freue mich auf weitere Posts von Dir!
Liebe Grüße, Sabine

Samstag, 14. Februar 2015, 13:42 Uhr

Das ist so ein schöner Post Petra! Vielen lieben Dank fürs Mitnehmen und heimliche mittippen des Zitates – großartig!

Erinnert mich an einen meiner schönsten Reise-Glücksmomente. Das war in Thailand, materieller Luxus Zuhause und dann auch im Hotel…aber den wahren Luxus habe ich dann auf der Strasse erlebt. Ein Pärchen auf einem Moped, sie die Waden verbrannt, weil die ja keinen Schutz am Auspuff haben und trotzdem so glücklich. Was haben die gelacht und eine Freude am Leben gehabt. Ein für mich sehr berührender Moment – die zwei hatten offensichtlich materiell weniger als viele von uns in Deutschland und trotzdem waren sie reich, so unglaublich reich an Lebensfreude, Dankbarkeit und Glück. Für mich unbezahlbar schön und ein toller Reminder für mich selbst…

Wünsche euch noch eine schöne Weiterreise und freue mich jetzt schon auf deinen nächsten Post 🙂

Fühl dich ganz lieb gedrückt xo