Detox-Kur: Temporärer Verzicht fürs eigene Wohlbefinden

| von 

„Aber das brauchen Sie doch gar nicht“, sagte der Verkäufer im Buch­laden, als ich mir das Beauty-Detox-Buch von Hollywood-Beraterin Kim­ber­ly Sny­der kaufte. Das war char­mant gemeint. Aber doch. Ich brauchte es. Im Jan­u­ar habe ich das Bedürf­nis, die ganzen Wei­h­nacht­spräsente, beste­hend aus Marzi­pan­schweinen, Nugat­pra­li­nen und Omas selb­st gemacht­en Schnäp­schen, in die hin­tere Rei­he der Speisekam­mer zu schieben. Die müden Knochen und der schwere Magen flüstern mir zu: runter vom Sofa, beweg dich, streck dich, mach dich fit.

Ganz klar, das neue Jahr braucht einen Energie­kick. Damit wir die näch­sten zwölf Monate große kleine und kleine große Tat­en voll­brin­gen kön­nen. Die, die wir uns vorgenom­men haben, genau­so wie die, von denen wir noch gar nicht wis­sen, dass sie auf uns zukommen.

Die Idee des tem­porären Verzichts und regelmäßige innere und äußere Reini­gung geht quer durch alle Kul­turkreise. Welch­es Detox ist für mich das Richtige? Es gibt unzäh­lige Büch­er und Blogs, Pod­casts und YouTube-Anleitungen zum The­ma Saftkuren und Rohkost-Wochen, Dig­i­tal Detox und Vegan-Challenges, Makrobiotisch-Monat und Clean-Eating-Philosophie. Wis­senschaftlich bis ins Detail belegt ist der Großteil eh nicht, daher geht es bei Detox-Kuren darum, das zu find­en, was einen per­sön­lich gut fühlen lässt.

Ich habe mir nach dem Lesen und Testen und Fühlen eine indi­vidu­elle „Julias-4-Wochen-Detox-Kur“ zusam­men gebastelt, die mir ein wach­es Gemüt, Frische und Energie ver­lei­ht. Die mich her­aus­fordert, ohne mich kom­plett aus meinem Leben zu reißen. Und so sieht sie aus:

Lass deine Ernährung deine Medi­zin sein (Hip­pokrates)

Ja, jede Detox-Liste begin­nt mit ein­er lan­gen Verzicht­srei­he. Raus­geschmis­sen wird alles, was schw­er ver­daulich ist oder wenig Nährstoffe liefert. Ich stre­iche tierische Pro­duk­te, Weißmehl, Zuck­er, Alko­hol, Zigaret­ten (ja, ich bin manch­mal ein Par­tyrauch­er) und Kaf­fee. Uff. Kein Crois­sant, keine Marme­lade, kein Feierabendbierchen.

Aber dafür kom­men schöne Dinge auf meinen Speise­plan. Los geht jed­er Tag mit einem Green Smooth­ie, dessen Zutat­en vari­ieren. Die Basis liefern Spinat, Man­gold oder Grünkohl, dessen Chloro­phyll ja fast zauber­hafte Wirkung nachge­sagt wird. Als Obst kom­men Orange, Apfel, Birne oder Banane hinzu. Abgerun­det wird das Ganze mit ein­er Prise Super­foods, zum Beispiel Moringa-Pulver oder Chia-Samen. Super­foods sind natür­liche Nahrungsmit­tel mit ein­er extrem hohen Nährstoffdichte. Moringa-Pulver ist eine kleine Wun­derpflanze, die mehr Vita­min C als Möhren besitzt und genau­so viel Cal­ci­um wie Ei – nur eben ohne Ei. Ich benutze das Pul­ver von Essence of Africa, das ist aus fairem, biol­o­gis­chem Han­del. Um nicht jeden Mor­gen einen riesi­gen Aufwand zu haben, bere­ite ich jedes Mal zwei Por­tio­nen zu und stelle dann eine fer­tig abge­füllt in den Kühlschrank.

Zum Mit­tag gibt es Salat mit Vol­lko­rn­brot, Gemüse-Eintopf oder Suppe. Kann man bei­des her­vor­ra­gend mit ins Büro nehmen und ist auch in den meis­ten Kan­ti­nen und Mittagstisch-Cafes vorhan­den. Abso­lut Büro-kompatibel also.

Zum Abend koche ich leckere veg­ane Gerichte aus frischen Zutat­en. Zum Beispiel gefüllte Kohlra­bi mit Soja-Joghurt. Leck­er! Außer­dem ist reich­lich Flüs­sigkeit wichtig, ich habe immer ungesüßten Tee auf dem Schreibtisch: Brennnes­sel, frischen Ing­w­er, Kräuter­tee, Früchtetee.

Bewegung bringt den Körper zum Leuchten

Sport muss man regelmäßig machen und nicht nur vier Wochen, das ist klar. Aber in den vier Wochen nehme ich mir extra viel Zeit dafür. Ich beginne den Tag mit zehn Minuten Rück­enübun­gen. Streck­en, dehnen, Muskeln kräfti­gen, den Tag begrüßen. Mein Fit­nessstu­dio sieht mich zwei- bis dreimal die Woche für Aus­dauer­train­ing auf dem Crosstrain­er, sowie Pilates und Yoga. Toll sind in dieser Zeit auch Aus­flüge in eine Therme. Rund um Berlin haben wir großar­tige Sauna-Thermen, wie die Spree­wald Therme oder die Fontane-Therme in Neu­rup­pin. Nach vier Wochen regelmäßigem, inten­sivem Schwitzen habe ich das Gefühl, alle Gift­stoffe endgültig aus dem Kör­p­er gespült zu haben.

Genauso wichtig wie der Körper: der Geist

Kör­p­er und Geist sind nur gemein­sam stark. In mein­er Detox-Phase ver­suche ich, mit neg­a­tiv­en Ange­wohn­heit­en zu brechen, sie zu reduzieren und sie bewusster wahrzunehmen. Zum Beispiel pro­biere ich, nicht zu jam­mern. Dafür konzen­triere ich mich auf kleine Mantras: Ich lebe mein Leben frontal, aufgeschlossen und als han­del­ndes Sub­jekt. Meine Detox-Phase ist meine Ego-Phase. Ich richte meinen Blick mehr auf mich und möchte mich davon so wenig wie möglich ablenken lassen. Als Inter­netkind hänge ich nor­maler­weise ziem­lich an meinen Social-Media-Accounts. Ich dad­del auf Twit­ter rum, guck mir Facebook-Profile von alten Schul­fre­un­den an, lese fünf­mal am Tag Spiegel Online, bewun­dere Instagram-Profile von tollen Fotografen und kom­men­tiere gerne toll geschriebene Blogposts.

Die ganze Dosis bere­ich­ern­der, aber auch zer­streuen­der Inter­netwelt halt. Während mein­er Detox-Wochen beschränke ich meine Zeit im Netz, chat­te wenig und gucke mir auch weniger Katzen­videos an, seien sie noch so süß. Dafür lese ich Romane, genieße Stille und Spaziergänge.
Daher ver­ab­schiede ich mich an dieser Stelle, mache meinen Lap­top zu und wün­sche euch viel Erfolg bei eur­er Detox-Kur.

Abfallvermeidung: Ein Leben ohne Müll

| von 
Alles ist verpackt: Nudeln, Käse, Shampoo – sogar bei Süßigkeiten ist jedes einzelne Bonbon fast immer extra mit Plastik umwickelt. Bei jedem Gang in den Supermarkt kauft man also nicht nur die jeweiligen Produkte ein, sondern zwangsweise auch eine Menge Müll. Die prall gefüllte Mülltonne wird von der Müllabfuhr geleert ­– aus den Augen, aus dem Sinn. Der amerikanische Fotograf Gregg Segal hat sich genau darüber Gedanken gemacht und diese Problematik in seiner Fotoreihe „7 Days of Garbage“ dargestellt. Er bat Familie, Freunde und Bekannte, ihren Müll eine Woche lang zu sammeln, um sie dann darin liegend zu fotografieren. [caption id="attachment_918" align="alignnone"…

Seit 2011 blogge ich auf Green Friday über alle Facetten des nachhaltigen Großstadtlebens. Mein Herz schlägt für Ideen, die die Welt ein bisschen besser machen. Deshalb interviewe ich junge Macher...

Zum Autor

Sonntag, 8. Februar 2015, 12:58 Uhr

Vie­len Dank für diesen Artikel zum The­ma Detox, der endlich mal mit dem Detox Mythos aufräumt und eine prag­ma­tis­che Sichtweise auf das The­ma widergibt. Und ja, „dig­i­taler Detox“ gehört auch dazu.