Wildes Nordspanien: Das unberührte Asturien

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Die Prov­inz gilt noch immer als Geheimtipp: 90 Prozent der Touris­ten kom­men aus Spanien, Aus­län­der verir­ren sich bish­er kaum hier­her. Dabei punk­tet Asturien mit ein­er ein­ma­li­gen Natur und nach­haltigem Touris­mus: Ein Drit­tel der Fläche ste­ht unter Naturschutz.

Sattes Grün und kristallklare Flüsse

Asturien_Naturpark

Vom Städtchen Can­gas del Nar­cea fahren wir in die Berge, Rich­tung Natur­park „Fuentes del Nar­cea, Degaña y Ibias“, vor­bei an den typ­is­chen Hórre­os, den Getrei­despe­ich­ern auf hölz­er­nen Füßen. Die Gegend wird immer ein­samer, während sich die Straße in san­ften Kur­ven hin­aufwindet, durch das grüne Tal des Flusses Nar­cea. Dieser Fluss mit seinen kleinen Strom­schnellen ist ide­al für Pad­del­fre­unde und kein biss­chen über­laufen: Nur ein einziges Out­doorun­ternehmen hat hier eine Lizenz für eine begren­zte Anzahl von Booten. Men­sch und Natur sind im Gle­ichgewicht.

Asturien_Paddeln

Die Mühle mit Wasserkraft

Auf dem Weg in den Natur­park kom­men wir am Dör­fchen Vega de Pope vor­bei. Hier ste­ht eine 600 Jahre alte Wasser­müh­le, die immer noch uner­müdlich rat­tert. Aus grobem Stein ist sie erbaut, ihr Schiefer­dach mit Flecht­en bewach­sen. Nach­haltigkeit war den Men­schen damals noch kein Begriff. Trotz­dem: Hier draußen braucht der Müller José Mar­tinez keinen Stro­man­schluss, nur Wasserkraft.

Asturien_Muehle_Vegade_Pope

Das Getrei­de, das er ver­mahlt, stammt von den Bauern aus der Region. Wie ein Blick durch ein Zeit­fen­ster in die Ver­gan­gen­heit wirkt die Müh­le. Der Staub liegt auf dem dun­klen, alten Holz, tanzt im Lichtschein der here­in­fal­l­en­den Son­nen­strahlen. Es fällt uns schw­er, uns loszueisen, doch das näch­ste High­light wartet: das Dör­fchen Tabla­do. Es gibt über­haupt erst seit 50 Jahren eine befes­tigte Straße dor­thin.

Asturien_Muehle_innen

Holzschnitzerei und Honig

Dort oben, in dem „Dorf mit Aus­sicht“, tre­f­fen wir auf Vic­tor und Vitori­no Gar­cia: „Mein Onkel und ich, wir sind die bei­den Ver­rück­ten in dieser Region“, sagt Vic­tor. Sie bieten nicht nur Bären- und Wolf­sexkur­sio­nen an, son­dern erhal­ten auch ein 300 Jahre altes Handw­erk am Leben. Das der „Cun­queiru“, der tra­di­tionellen Holzschnitzer. Früher gab es hier vier Handwerker-Dörfer. Von denen ist nur noch Tabla­do bewohnt. Und Vic­tor und Vitori­no sind die let­zten der Cun­queiru. An den Wän­den ihrer Werk­statt hän­gen Ziegen­felle für Trom­meln, die sie selb­st bauen. Neben­bei hal­ten sie Bienen und verkaufen Honig.

Asturien_Cunqueiru

Auf den Spuren der Bären

„Nur weil die Natur hier noch so intakt und vielfältig ist, gibt es über­haupt Bären”, sagt Vitori­no. Im Gegen­satz zu den Pyrenäen, wo die Tiere bere­its aus­gestor­ben waren und nun wieder aus­gewil­dert wur­den, waren die Bären hier nie ganz ver­schwun­den. Allerd­ings fast: Der Bestand war schon ein­mal auf rund 40 Tiere dez­imiert, inzwis­chen gibt es wieder rund 200 von ihnen. Bei der Bären­suche teilen wir uns auf: Vitori­no geht mit Fer­n­rohr bergauf, um die gegenüber­liegen­den Berghänge abzusuchen.

Asturien_Landschaft_Fernrohr

Und wir fol­gen Vic­tor den Berg hinab ins Farndic­kicht und suchen Bären­spuren. Die find­en wir auch: Kratzspuren und Haare, weil die Tiere sich an den Bäu­men schub­bern. Ein aufge­bud­deltes Ameisennest zeigt, dass Meis­ter Petz ganz ver­rückt auf pro­tein­re­iche Insek­teneier ist.

Asturien_Kratzspuren

Unüberse­hbar: Kratzspuren von Meis­ter Petz.

Herzklopfen, Händezittern – ein Bär in freier Wildbahn

Und dann erschallt ein Ruf von oben. Vitori­no hat etwas ent­deckt. Wir marschieren in Winde­seile bergauf, blick­en durch das Fer­n­rohr und da ist er: Meis­ter Petz. Er mampft sich am gegenüber­liegen­den Hang durch die Hei­del­beer­büsche. Herzk­lopfen, Hän­dezit­tern, ein unglaublich­es Gefühl. Näher range­hen dür­fen wir nicht, um den Bären nicht zu stören.

Asturien_Baerbeobachtung

Asturien_Baer

Etwas ganz Beson­deres: ein Bär in freier Wild­bahn.

Aber so ist es ehrlich gesagt auch für uns angenehmer. Als wir abends gemütlich beisam­men sitzen, bei Wein, den wir aus den Holzschalen der Cun­queiru trinken, ist das Hochge­fühl immer noch da.

Asturien_Rotweinschale

Der Rotwein wird hier aus Holzschalen getrunk­en.

Und das Schöne daran: Wir Touris­ten helfen sog­ar, den Leben­sraum der Bären, Luchse und Wölfe zu erhal­ten. Weil Men­schen wie Vic­tor nicht ihre Heimat ver­lassen müssen, son­dern hier ihr Auskom­men find­en. Und immer mehr Ein­heimis­che die Raubtiere nicht nur als Gefahr für Schafe und Ziegen sehen, son­dern als Segen.

Asturien_Naturpark_Daemmerung

Ananas-Spüli und Sandstrände: 5 grüne Tipps für Thailand

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Thailand kann mehr als Massentourismus. Punkt. Nach wenigen Wochen in diesem Land kann ich das mit Überzeugung verkünden. An einigen Orten begegnen uns natürlich auch die Klischees: Touristen mit dicken Bäuchen, die auf der Khao San Road, Bangkoks Backpackerstraße, morgens schon ihr erstes Bier trinken. Nach einigen Wochen hier weiß ich aber: Wer Thailand darauf reduziert, tut dem Land Unrecht. Jeder Tourist hat hier die Wahl. Hier sind meine fünf Tipps für eine grüne Thailand-Reise. Reisetipp Nummer 1: Taucht ein in die Geschichte der Elefanten in Thailand Arbeitselefant – allein der Begriff sorgt erstmal für ein Stirnrunzeln. Elefanten im Tourismus?…

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet das Redaktionsteam Reisefeder unter anderem für Magazine wie Brigitte, Onlineportale wie Spiegel Online oder Reisebücher wie Merian. Seit ihrer Kindheit auf dem Bauernhof fühlt...

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Despedidas en Asturias
Sonntag, 5. Juli 2015, 22:04 Uhr

Vie­len Dank für Ihre Eingabe über Asturias. Wir haben eine Prov­inz voller Geheimnisse zu ent­deck­en. Ich hoffe, zurück.