Soziales Saftprojekt: Das Geld hängt an den Bäumen

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In einem einzi­gen Pro­jekt hun­dert­prozentig ökol­o­gis­che Säfte her­stellen, der Umwelt Gutes tun und dabei Arbeit­splätze für Men­schen mit Behin­derung schaf­fen. Geht nicht? Geht wohl! Das Pro­jekt „Das Geld hängt an den Bäu­men“ zeigt uns, wie mit ein biss­chen Unter­stützung und sehr viel Herzblut aus ein­er ein­fachen Idee ein richtiges Unternehmen gegrün­det wer­den kann. Auch ohne großes Startkap­i­tal.

Die Idee ist sim­pel: Anstatt die Apfel­bäume der Ham­burg­er Gärten und Streuob­st­wiesen, die nicht mehr abgeern­tet wer­den, ungenutzt zu lassen, ern­tet eine Gruppe von Beschäftigten mit Behin­derung diese Bäume gemein­sam mit einem Gärt­ner­meis­ter ab. Die geern­teten Äpfel wer­den dann zu ein­er Slow-Food-Mosterei gebracht, welche daraus naturtrüben Direk­t­saft presst. Alles in natür­lich­er Qual­ität. Der gewonnene Apfel­saft wird im näch­sten Schritt in Flaschen abge­füllt und im per­sön­lichen Ver­trieb an Fir­men und Pri­vatkun­den verkauft. Der Erlös fließt zu hun­dert Prozent zurück in das Pro­jekt und finanziert so die Arbeit der Mitar­bei­t­en­den.

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Bei der Auf­tak­tver­anstal­tung an einem reg­ner­ischen August­tag 2015 auf dem OTTO-Gelände, haben wir uns mit den vier ver­ant­wortlichen Azu­bis Luca, Annabelle, Lau­ra, Sask­ia und der Projekt-Mitarbeiterin San­dra unter­hal­ten und ihnen ein paar per­sön­lichere Fra­gen rund um das Pro­jekt und ihre eigene Ein­stel­lung zum The­ma Nach­haltigkeit gestellt.

Euer Saft­mo­bil von „Das Geld hängt an den Bäu­men“ sieht ja echt total schön aus und auch die Saf­tauswahl klingt leck­er. Und nun ganz ehrlich: Welch­er Saft ist denn der Beste bzw. eure per­sön­liche Empfehlung?

Sask­ia: Also mein per­sön­lich­er Liebling ist Apfel-Rhabarber. Der Saft schmeckt ein­fach total leck­er.

Ihr scheint ja echt einiges in die Aktion investiert zu haben, wenn man sich so euer Saft­mo­bil ansieht.

San­dra: Investiert ja, aber nicht im finanziellen Sinn. Das Saft­mo­bil haben wir selb­st aus einem alten Blu­men­wa­gen gebaut. Da der noch aus den 60er-Jahren war, gab es daran einiges zu repari­eren – der Wagen hat­te nicht mal mehr einen Boden. Aber mit viel Mühe und Team­work haben wir es geschafft, uns ein ganz per­sön­lich­es Pro­jek­t­mo­bil zu bauen.

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Was genau macht ihr dann mit diesem Saft­mo­bil? Wohin fahrt ihr damit?

San­dra: Wir fahren damit auf Stadt­feste, Firmen­events, Food­märk­te oder Messen und bieten dort unseren Saft an. Das ist für uns ein guter Weg, Sit­u­a­tio­nen zu schaf­fen, die Men­schen mit und ohne Behin­derung zusam­men­zubrin­gen und deut­lich zu machen, dass es uns bei der Aktion um mehr als „nur“ den Saft geht. Es geht auch und vor allem um Men­schen.

Das hört sich an, als würde eure Idee echt auf großes Inter­esse stoßen.

San­dra: Oh, ja. In den let­zten Jahren mussten wir tat­säch­lich ein paar Mal umziehen, da wir uns immer weit­er ver­größert haben und ständig mehr Platz braucht­en. Seit 2010 ist das Pro­jekt außer­dem offiziell zu ein­er gemein­nützi­gen GmbH gewor­den. Einige feste Kun­den haben wir auch schon. Dazu gehören viele große Ham­burg­er Unternehmen, aber auch das Ham­burg­er Rathaus.

Auch bei OTTO sind wir stolz­er Part­ner von „Das Geld hängt an den Bäu­men“. Für uns Mitar­beit­er gibt’s die Säfte daher auch schon in unserem Restau­rant zu kaufen, aber woher kriegt man die Säfte denn als Pri­vat­per­son. So ganz offiziell?

Luca: Pri­vat kann man die Säfte entwed­er direkt am Pro­duk­tion­sort in der alten Halle am Alton­aer Bahn­hof kaufen. Oder auch in kleinen Cafés wie Mikkels und TIDE in Ottensen, sowie dem Delikatessen­laden Mut­ter­land. Wer nicht aus Ham­burg kommt, kann den Saft auch online über Solvi­no bestellen.

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Wie viele Mitar­beit­er habt ihr mit­tler­weile dort in eurem Unternehmen, San­dra?

San­dra: Mit­tler­weile beste­ht unser Team aus neun fes­ten Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­ern.

Du sprichst von „Team“. Speziell die Arbeit mit Men­schen mit Behin­derung erfordert sicher­lich ganz beson­deres Fin­ger­spitzenge­fühl. Wie läuft euer Arbeit­sall­t­ag ab?

San­dra: Die Arbeit ist ein großes Geschenk für uns alle! Unsere Mannschaft ist mit Herzblut und Liebe beim Pro­jekt dabei. Ger­ade diese Begeis­terung spüren zu kön­nen und zu sehen, wie einige durch das gemein­same Pro­jekt aufge­hen, sich öff­nen und sich für die Aktion begeis­tern, ist ein­fach schön. Der einzige Unter­schied zu anderen Betrieben kön­nte sein, dass wir in unser­er ganz eige­nen Geschwindigkeit arbeit­en. Es ist uns näm­lich sehr wichtig, dass sich jede und jed­er wohlfühlt und der Spaß an der Sache nicht ver­loren geht.

Darf ich als OTTO-Mitarbeiter auch beim Pflück­en helfen und euer Pro­jekt mit unter­stützen?

Luca: Ja, natür­lich. Seit 2010 wer­den gemein­same Pflück­tage für Unternehmen organ­isiert. Dort kann sich jed­er als Helfer bewer­ben. Als inter­essiert­er OTTO-Mitarbeiter kann man sich direkt an die Kol­le­gen aus der OTTO-Nachhaltigkeitsabteilung wen­den.

Kann denn auch mit­ge­holfen wer­den, wenn man kein Mitar­beit­er eines solchen Unternehmens ist?

Annabelle: Ja, klar kann man das. Beispiel­sweise durch Apfel­spenden. Dazu find­et man ganz easy Infos auf der Home­page von „Das Geld hängt an den Bäu­men“.

Wir haben schon von eini­gen span­nen­den, aber vor allem leck­eren Pro­jek­ten gehört. Gibt es da schon konkrete weit­er­führende Pläne?

Lau­ra: All­ge­mein haben wir momen­tan noch einen ganzen Haufen neuer Ideen, die wir gerne umset­zen möcht­en. Es bleibt also span­nend und wir Azu­bis bleiben auf jeden Fall dran und hal­ten euch mit Infos auf dem Laufend­en.  

Na gut. Dann bleiben wir mal ges­pan­nt. Last but not least noch ein paar per­sön­liche Fra­gen an euch Azu­bis. Achtet ihr auch pri­vat auf Nach­haltigkeit?

Sask­ia: Ja, ich liebe Sec­ond­hand, seien es Klam­ot­ten oder Möbel. Ich kön­nte stun­den­lang in Secondhand-Klamottenläden stöbern. In mein­er Woh­nung habe ich aus alten Möbeln wieder neue Lieblingsstücke gemacht. Das macht eine Woh­nung doch gle­ich viel per­sön­lich­er.

Luca: Ja, es gibt viele Aspek­te auf die ich pri­vat achte: z. B. Einkaufen mit Ruck­sack, Kauf von regionalen Lebens­mit­teln, lange Fahrten in Fahrge­mein­schaften, im Nah­bere­ich mit HVV oder Fahrrad, Energies­par­lam­p­en, Stecker-Leisten, Wass­er sparen, Leitungswass­er trinken. Aber auch bei Klei­dungsstück­en achte ich auf Nach­haltigkeit. Ich bin großer Fan von Nudie-Jeans, kom­plett trans­par­ent und ökol­o­gisch pro­duziert –finde ich gut!

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Als Kind denkt man ja oft noch nicht so viel über sowas nach. Wann habt ihr denn ange­fan­gen, euch über­haupt dafür zu inter­essieren?

Sask­ia: Mit dem Auszug aus meinem Eltern­haus in meine eigene Woh­nung habe ich erst so richtig das Bewusst­sein für Nach­haltigkeit entwick­elt. Hier geht es vom Kon­sumver­hal­ten über Müll­tren­nung, das machen jet­zt nicht mehr Mama und Papa, son­dern liegt voll in mein­er Ver­ant­wor­tung.

Lau­ra: Eine rel­a­tiv nach­haltige Lebensweise kenne ich schon von zu Hause. Meinen Eltern ist das The­ma Umwelt glück­licher­weise ähn­lich wichtig wie mir und sie haben mir schon früh beige­bracht, dass es z. B. wichtig ist, Müll zu tren­nen und so wenige Plas­tikver­pack­un­gen wie möglich zu nutzen. Richtig ange­fan­gen, mich für das The­ma zu inter­essieren, habe ich aber tat­säch­lich, als ich mich bei OTTO bewor­ben habe. Hier wird das The­ma für abso­lut wichtig und unumgänglich gehal­ten und das finde ich beachtlich. Es geht nicht nur um die Wirkung nach außen. OTTO meint das wirk­lich ernst.

Luca: Im Englisch-Leistungskurs haben wir das The­ma Glob­al­iza­tion behan­delt und uns kri­tisch mit Trans­portwe­gen und Energiegewin­nung auseinan­derge­set­zt. Das The­ma und die Arbeit im Einzel­han­del, mit kri­tis­chen Kun­den und nach­haltiger Mode gaben mir den Anstoß, mich damit zu beschäfti­gen.

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Annabelle: Meine Eltern haben mir rel­a­tiv schnell beige­bracht, dass es wichtig ist, auf Dinge wie Ver­schwen­dung zu acht­en und gegen diese vorzuge­hen. So wurde ich beispiel­sweise immer wieder gebeten, doch bitte das Licht im Trep­pen­haus auszu­machen, wenn ich mich dort ger­ade nicht aufhalte. Ich denke, diese kleinen, aber wichti­gen Impulse haben dazu geführt, dass sich die Sen­si­bil­isierung und das Inter­esse über die Zeit von selb­st eingeschlichen haben. Das erste Mal bewusst inter­essiert habe ich mich für Nach­haltigkeit dann mit 15, als wir das The­ma in der Schule behan­del­ten – so ein großer Begriff, aber endlich mal etwas, wo man auch selb­st rel­a­tiv ein­fach dran teil­haben kann, das hat mich damals schon fasziniert.

Heißt Nach­haltigkeit für euch „Verzicht“, bzw. ist es „schw­er“?

Sask­ia: Nach­haltigkeit sollte Spaß machen. Man kann schon mit vie­len Kleinigkeit­en im All­t­ag viel bewe­gen. Nach­haltigkeit ist so ein­fach. Das The­ma bet­rifft uns doch alle und wird auch in Zukun­ft ein immer wichtigeres The­ma. Wenn man bewusst nach­haltig lebt und beispiel­sweise nur ein­mal die Woche Fleisch isst, statt jeden Tag, dann tut man dies aus ein­er Empfind­ung her­aus und frei­willig. Es ist vielle­icht schw­er, aber ich würde es nicht unbe­d­ingt als Verzicht beze­ich­nen, son­dern als Gewinn.

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Lau­ra: Nach­haltigkeit heißt vor allem ein­fach, einen kleinen Schritt weit­er zu denken. Muss die Nacht­tis­chlampe wirk­lich an sein, wenn ich doch im Wohnz­im­mer sitze? Kann ich die Unter­lage nicht vielle­icht auch am PC bear­beit­en und erst die finale Ver­sion aus­druck­en? Bringt die Bahn mich nicht vielle­icht viel schneller ans Ziel, weil ich mit dem Auto im Stau ste­hen würde? Oft reicht ein ganz klein­er Moment, um sog­ar einen Vorteil zu erken­nen, den eine nach­haltigere Lebensweise bringt.

Luca: Verzicht ist 80er. Für mich ist Nach­haltigkeit ist ein Lebens­ge­fühl und eine Ein­stel­lung. Ich habe ange­fan­gen, bewusst zu leben und zu kaufen und. Es ist ein Prozess und ich lerne immer dazu und ver­suche auf neue nach­haltige Aspek­te zu acht­en. Vor 200 Jahren war es wahrschein­lich ein­fach­er, nach­haltig zu leben, aber ich finde, wir kön­nen in der glob­al­isierten mod­er­nen Welt leben und soll­ten trotz­dem nach­haltig sein.

Annabelle: Für mich ist Nach­haltigkeit abso­lut kein Verzicht! Ich glaube, wenn man sich wirk­lich dafür inter­essiert und sich schon ein­mal mit dem The­ma auseinan­derge­set­zt hat, fällt es fast schw­er­er, auf Nach­haltigkeit zu verzicht­en, als möglicher­weise auf Dinge, die man ihretwe­gen „ein­büßen“ muss (was mein­er Mei­n­ung nach meist nicht ein­mal der Fall ist).

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Wenn ihr jedem einen kleinen Tipp für den Start in ein nach­haltigeres Leben geben dürftet, welch­er wäre das?

Sask­ia: Jed­er sollte sich die Frage stellen, was er selb­st im All­t­ag zum The­ma Nach­haltigkeit tun kann oder möchte. Nach­haltigkeit leben und die Welt ein biss­chen bess­er machen!

Lau­ra: Denkt diesen kleinen Schritt weit­er. So geben sog­ar alltägliche Prozesse noch ein gutes Gefühl, denn wer tut nicht gern Gutes, vor allem, wenn es so ein­fach ist?

Luca: Beim Einkaufen mal aufs Herkun­ft­s­land der Pro­duk­te acht­en. Strom und Wass­er sparen ist gut für die Umwelt und den Geld­beu­tel.

Annabelle: Nehmt euch ein kleines biss­chen Zeit und informiert euch mal ganz unvor­ein­genom­men über Nach­haltigkeit! Nach­haltigkeit kann so ein­fach sein: ange­fan­gen beim Licht auss­chal­ten, wenn man den Raum ver­lässt, über einen Jute­beu­tel, den man mit zum Einkaufen nimmt (der by the way sowieso viel schön­er ist als die Plas­tik­tüten, die ihr dort bekommt), bis hin zum Kauf von Bio-Lebensmitteln, wenn man das nötige Klein­geld dafür hat (meist han­delt es sich dabei sog­ar nur um ein paar Cent). Sucht euch ein­fach ein, zwei kleine Dinge, die ihr ohne großen Aufwand durch­führen kön­nt und ihr werdet merken, so schw­er ist das gar nicht und dem einen oder anderen von euch bringt es ja vielle­icht sog­ar ein biss­chen Spaß!

Sharing is Caring: Giveboxen und Tauschkisten

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Mit einem Mal stand da diese Box, in der Größe einer Telefonzelle. Irgendwo in einem kleinen Städtchen in Südschweden. Von einer Seite offen, kein Schild, nichts. Aber gut drei Dutzend Bücher standen darin. „Man kann sich ein Buch herausnehmen, oder eins hineinstellen. Oder beides.“ erklärte mir mein schwedischer Vermieter. Verrückt, dachte ich mir. In Deutschland fiel mir dann kurze Zeit später auf Sankt Pauli eine ähnliche Box auf. Nur, dass es darin neben Büchern auch noch andere Sachen gab: Klamotten, eine kleine Tischlampe, ausrangierte Deko, Geschirr und sogar eine Gartenschaufel. Was mir auffiel war, dass alles ordentlich und sauber aussah. Die…

Moin, ich bin Marie. Waschechte Hamburgerin und nordisch by nature. Hier bei OTTO halte ich für re:BLOG Ausschau nach spannenden Ideen und Menschen, coolen Eco-Outfits und berichte für euch von...

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