Komm mit nach Budapest!

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Budapest ist perfekt für eine Winterreise. Vor allem morgens entwickelt die Stadt an der Donau ihren ganz eigenen Zauber. Nebel liegt in der winterkalten Luft. Ein wolkiges Weiß hat sich über die Häuser gelegt. Es ist morgens um sechs – beste Zeit und bestes Wetter für einen Spaziergang entlang der Donau. Das andere Ufer des Flusses ist verschwunden, als hätte jemand einfach einen dichten Schleier darüber geschmissen.

Nebel An Der Donau Budapest
„Nebel ist wie ein Filter, blendet das Ferne aus und zeigt das, was ganz nah vor mir liegt. ”

Die Promenade ist menschenleer, Krähen picken Brotkrumen vom Boden. Und plötzlich ist es da, das Bild, das ich nicht mehr vergessen werde: Die Széchenyi-Kettenbrücke taucht aus dem Nebel auf. Oben beleuchtet von den ersten Sonnenstrahlen, weiter hinten verschwindet sie im Dunst. Eine alte Straßenbahn klappert durch das Bild und lässt es wie einen 1930er-Jahre-Spielfilm wirken. Der Dunst hält nur eine halbe Stunde, dann badet die Sonne alles in ihrem weichen Licht. Was für ein Start in den Tag – hier in Pest, meiner Lieblingsseite der Donaustadt.

Die durch die Donau getrennte Stadt 

Budapest gliedert sich in zwei Teile, ständig heißt es: Buda oder Pest? Buda ist die Keimzelle der Stadt mit dem Burgberg. Er bietet unter anderem eine traumhafte Aussicht auf die Zwei-Millionen-Stadt. Hier errichtete ein russisches Reitervolk vor mehr als 1200 Jahren die Stadt Buda.

Sehenswuerdigkeit Budapest Burg

Die Burg ist ein Muss beim Stadtbesuch und hat ihren ganz eigenen Zauber mit den vielen Gassen, dem Szentháromság tér, den Galerien und Museen. Buda als Königssitz war vornehm, aber langweilig. Die quirligen Künstler und Handwerker siedelten sich in Pest, am gegenüberliegenden Ufer der Donau, an. Bis heute ist Pest das kreative Zentrum geblieben und Buda die gediegene Schöne auf dem Berg. In Pest finden sich nicht nur die schönsten Kaffeehäuser der Stadt, sondern auch die Markthalle, die sich gut zum Frühstücken eignet: Ein kleiner Kaffee, ein frisches Blätterteiggebäck mit Apfelstücken oder ganz gesund einen frischgepressten Fruchtsaft – die Budapester Markthalle ist der Bauch der Stadt. Im ersten Stock stöbern Souvenirjäger nach Kunsthandwerk. Anschließend setze ich mich in die Straßenbahnlinie 2 und verschaffe mir einen Überblick, denn praktischerweise tuckert sie auf der Pester Seite einmal die Donau entlang bis hin zum wunderschönen Budapester Parlament.

Budapest Parlament

Die blaue Stunde

Auf der anderen Seite lockt der Burgberg, zu dem auch eine alte Zahnradbahn hochzuckelt. Doch den spare ich mir für den Abend auf, denn von dort aus hat man den schönsten Blick auf die leuchtende Stadt – zur blauen Stunde. Wenn sich die Nacht senkt und überall die Lichter angehen, dann zeigt Budapest sein zweites Gesicht: Bunt, leuchtend und flirrend schön.

Burgberg Budapeste

Ganz in der Nähe des Burgberges befindet sich das wohl schönste der drei berühmten Budapester Bäder. Budapest ist die einzige Hauptstadt Europas, die sich Kurort und Bäderstadt nennen darf. Am berühmtesten ist zwar das Széchenyi-Bad, aber ich mag das Géllert-Bad mit seiner Jugendstilarchitektur am meisten.

Budapest Géllert Bad

Und dann wieder ab nach Pest…

Im Paris des Ostens, wie Budapest auch genannt wird, liebe ich die Häuser, an denen der Putz ein wenig bröckelt, denn genau an diesen Straßenecken pulsiert das Leben. Ruinenkneipen heißt der Trend, der aus der ungarischen Metropole stammt. Häuser muss man nicht abreißen, man kann sie auch in ihrer unperfekten Marodität als Kneipe nutzen. Im Ruinenpub Szimpla, dessen Möbel aus buntem Sperrmüll bestehen, blinkt es nachts in bunten Lichtern und überall wird getanzt. Ich lasse mich auf eine Bank, gemacht aus einer alten Kühlerhaube, sinken und betrachte das Geschehen im jüdischen Viertel. Aber auch tagsüber ist dieses Viertel empfehlenswert, vor allem sonntags, wenn ein Wochenmarkt mit Livemusik lockt.

Nachtleben Budapest

Weiter geht es, nach einem Abstecher in die Synagoge, die übrigens die größte Europas ist, per Rad durch die Stadt. Erstmal zur Váci utca. Dort duftet es herrlich nach Hefeteig. Bei Molnár’s Kürtöskalács gibt es den berühmten Baumkuchen direkt vom Spieß namens Kürtöskalács. Und dann auf zum Andrássy út. Auf in die vielen Second-Hand-Läden, die sich in diesem Viertel befinden. Denn Budapest macht es vor: Es muss nicht immer alles neu und fabrikfrisch sein. Gebraucht und mit Spuren hat seinen ganz eigenen Charme. Wie die Häuser und Kneipen der Stadt.

Nützliche Infos:

ÜbernachtenDas Continental Hotel Zara liegt zentral im jüdischen Viertel und hat eines der schönsten Schwimmbäder: Auf dem Dach des Hauses mit Blick auf die Skyline der Stadt.
AnreiseMan muss nicht nach Ungarn fliegen, es gibt auch wunderbare Zugverbindungen, etwa von Berlin oder München aus nach Budapest.
WährungIn Ungarn wird mit Forinth bezahlt, 1 Euro entspricht etwa 310 Forinth.
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