Graues Äußeres, grüner Charakter: Das Blockheizkraftwerk

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Der soge­nan­nte Earth Over­shoot Day zeigt uns jährlich an, zu welchem Zeit­punkt wir bere­its die natür­lichen Ressourcen eines Jahres aufge­braucht haben. Meis­tens passiert dies bere­its nach acht Monat­en. Also im August. Ab dem Monat machen wir sozusagen Schulden bei unserem Plan­eten. Der Gedanke, Gegen­stände zu recyceln oder à la Cra­dle to Cra­dle herzustellen, Energie zu sparen, oder auch autark zu leben, wird immer präsen­ter.

Auch bei OTTO ver­suchen wir, der Umwelt Gutes zu tun. Wir sor­gen für kon­se­quentes Abfall­man­age­ment, haben auf unserem Cam­pus LED-Lampen statt Glüh­bir­nen instal­liert und kooperieren mit grü­nen Dien­stleis­tern wie z. B. der AfB, um IT-Hardware umwelt­gerecht zu entsor­gen bzw. zu recyceln. Long way to go, aber es sind Schritte in die richtige Rich­tung.

Seit dem 5. März 2015 haben wir auf dem OTTO Cam­pus außer­dem ein Block­heizkraftwerk. Ein was? Ja genau. Klingt echt tech­nisch und grau. Ein Block­heizkraftwerk hat es aber in sich und ist außer­dem umwelt­fre­undlich. Im Gegen­satz zu herkömm­lichen Anla­gen gilt es als hoch wirtschaftlich und schadet der Umwelt nicht annäh­ernd so sehr. Dieses beson­dere Kraftwerk erzeugt mit­tels zweier riesiger Gas­mo­toren Strom, Heizwärme und Kälte für die hau­seige­nen Kli­maan­la­gen direkt vor Ort. Es erre­icht somit einen sehr hohen Gesamt­nutzen der Energie und senkt dabei CO₂-Emissionen.

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Sieht grau aus, ist aber ganz schön grün: Das Block­heizkraftwerk.

Was es damit auf sich hat, woll­ten wir nun auch noch mal genau wis­sen. Deswe­gen haben wir uns mit Jörg Zeise unter­hal­ten. Er arbeit­et bei OTTO im Team Gebäude-Projekte und hat uns etwas mehr über Kraftwerke im All­ge­meinen aufgek­lärt und Tipps gegeben, wie man zu Hause Energie sparen kann.

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Jörg Zeise ist Inge­nieur für tech­nis­che Gebäudeaus­rüs­tung bei OTTO und ken­nt sich aus mit dem Block­heizkraftwerk.

Hal­lo Herr Zeise. Schön, dass Sie heute hier sind. Vielle­icht kön­nen Sie uns erst­mal erk­lären was Ihre Auf­gabe bei OTTO ist?

Ich bin Inge­nieur für tech­nis­che Gebäudeaus­rüs­tung. Gemein­sam mit ca. 15 Kol­le­gen küm­mere ich mich in der Abteilung Gebäude-Projekte um die Gebäudeaus­rüs­tung bei OTTO. Sprich: Kli­maan­lage, Stromver­sorgung usw.

Also ist Ihr Team auch für das neue Block­heizkraftwerk ver­ant­wortlich? Was genau kann man sich denn darunter vorstellen?

Ein Block­heizkraftwerk erzeugt Strom und Wärme mit Hil­fe von Gas­mo­toren. Im Ide­al­fall direkt vor Ort. So kön­nen fast 90 % der Energie genutzt wer­den. Davon wer­den ca. 40 % in Strom umge­wan­delt und 50 % in Wärme. Diese Wärme nutzen wir im Win­ter für die Heizun­gen. Im Som­mer greifen wir auf eine soge­nan­nte Absorp­tion­skäl­tean­lage zurück. Diese kann die gewonnene Wärme-Energie in Kälte umwan­deln, welche wir dann wiederum für die Kli­maan­la­gen nutzen kön­nen.  

Energie erzeu­gen tut aber doch jedes Kraftwerk, was genau ist jet­zt der Unter­schied zwis­chen dieser und herkömm­lichen Lösun­gen?

Es gibt ver­schiedene andere Kraftwerk-Typen. Die Mehrzahl nutzt Kohle, oder früher auch Palmöl als Kraft­stoff, eben­falls in Block­heizkraftwerken. Bei­des wird häu­fig in Entwick­lungslän­dern auf nicht nach­haltige Art und Weise abge­baut. Speziell in ländlichen Gegen­den find­et man immer öfter Biogas-Anlagen. Sie ver­bren­nen Rohstoffe wie Mais als Treib­stoff. Wir sprechen da häu­fig von der „Teller-gegen-Tank“-Problematik. Essen ver­bren­nen, um Energie herzustellen – wo es doch Men­schen gibt, die hungern müssen. Das führt häu­fig zu Diskus­sio­nen.

In diesen „nor­malen Anla­gen“ gehen bere­its rund 50 % der erzeugten Energie als Abwärme ver­loren und der Trans­port der Energie von A nach B bringt weit­ere Ver­luste.  Das Block­heizkraftwerk hinge­gen hat kaum Trans­portver­luste, da es direkt vor Ort gebaut wurde und fast die ganze hergestellte Energie der Gas­mo­toren nutzt. Diese Motoren sor­gen unter anderem auch dafür, dass wir einen deut­lich niedrigeren Co₂-Verbrauch haben.

Zusam­men­fassend kön­nte man also sagen: Das Block­heizkraftwerk ist nicht nur hoch wirtschaftlich, son­dern spart außer­dem CO₂ ein, was gut für die Umwelt ist. Warum nutzt denn dann nicht jed­er so ein kleines, per­sön­lich­es BHKW?

Nun ja, tech­nisch mach­bar wären solche kleineren BHKW zwar schon. Je klein­er die Anlage jedoch ist, umso weniger rech­net sie sich. Der Bau ist näm­lich nicht ger­ade gün­stig.

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© Foto­lia – bee­boys


TIPPS ZUM ENERGIE SPAREN

  • Schal­tet Geräte aus, wenn ihr sie nicht benutzt.
  • Schafft euch Mehrfach­steck­dosen mit Zen­tralschal­ter an – so kön­nt ihr mit einem Knips mehrere Geräte auf ein­mal abschal­ten.
  • Ständi­ges online sein kostet Energie, schal­tet auch eure EDV-Geräte regelmäßig ab.
  • Sucht euch einen „grü­nen“ Stro­man­bi­eter.
  • Mit ein­er Zeitschal­tuhr kön­nt ihr genau ein­stellen, wann welche Geräte in eurem Haus on oder off sein sollen.
  • Fahrt mit dem Rad, statt mit dem Auto und führt ein Tankbuch, falls ihr doch auf vier Rädern unter­wegs seid.
  • Lest euren Stromzäh­ler wöchentlich ab und reflek­tiert euren Ver­brauch.

Wenn diese pri­vat­en Nutzun­gen nicht möglich sind, was habe ich als Pri­vat­per­son dann für Möglichkeit­en, um an möglichst grü­nen Strom zu kom­men?

Da gibt es ver­schiedene Wege. Wenn du deinen Strom weit­er­hin durch einen exter­nen Anbi­eter erwer­ben willst, kön­ntest du etwa den Stro­man­bi­eter wech­seln. Es gibt Anbi­eter speziell für grü­nen Strom. Ein Beispiel wäre da Green­peace Ener­gy. Diese Gesellschaften sind allerd­ings meist etwas teur­er als übliche. Will man sich also nicht auf einen Frem­dan­bi­eter ver­lassen und zusät­zlich die Stromkosten niedrig hal­ten, kann man seinen Strom auch selb­st pro­duzieren. Beispiel­sweise durch eine kleine Solar- oder Photovoltaik-Anlage auf dem Dach.

Mein­er Mei­n­ung nach ist und bleibt der Königsweg jedoch weit­er­hin das altherge­brachte Energies­paren selb­st. Nicht ver­brauchte Energie bedeutet qua­si eine Erspar­nis von 100 % und das schafft keine Anlage son­st!

Bei Energies­paren im All­t­ag fällt mir per­sön­lich immer nur das Licht auss­chal­ten ein. Was sind denn wesentliche Strom­fress­er? Worauf sollte ich acht­en?

Licht auszuschal­ten ist tat­säch­lich schon ein guter Anfang. All­ge­mein halte ich das Geräte-Abschalten für sin­nvoll. Um sich das etwas ein­fach­er zu gestal­ten, gibt es die Möglichkeit sich einige Mehrfach­steck­dosen zuzule­gen. Es gibt Mod­elle mit Zen­tralschal­ter, so lassen sich mit einem Knips gle­ich mehrere Geräte gle­ichzeit­ig abstellen. Generell sind die größten Energie­ver­brauch­er die EDV-Geräte. Heutzu­tage hat oft jedes Fam­i­lien­mit­glied ein bis zwei Appa­rate in Nutzung. Dieses ständi­ge online sein braucht ganz schön viel Energie.

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© Foto­lia – bramgi­no

Acht­en Sie selb­st im All­t­ag denn auch aufs Energies­paren?

Ja. Wir haben selb­st auch diese abschalt­baren Stecker-Leisten Zuhause. Zusät­zlich haben wir noch eine Zeitschal­tein­rich­tung fürs ganze Haus. Das ist echt super prak­tisch. Auch kleine Dinge, wie etwa der Radioweck­er, treiben den Stromver­brauch auf lange Sicht hin in die Höhe. Diesen im Urlaub abzuschal­ten lohnt sich also gle­ich zweimal!  

Also wür­den Sie von sich behaupten, dass Sie ein nach­haltiges Leben führen?

Ja, wir acht­en schon auf unseren Energie­ver­brauch. Meine Frau und ich fahren zum Beispiel in der Regel Rad statt Auto. Oben­drein lese ich jeden Son­ntag den Stand des Stromzäh­lers ab und wir über­legen uns dann gemein­sam, was die Erk­lärung für die Zif­fer sein kön­nte. Wir fra­gen uns dann, was wir ver­gan­gene Woche gemacht haben. Hat­ten wir vielle­icht Besuch und haben viel gekocht, oder waren wir nur wenig zu Hause? Wie war das Wet­ter, mussten wir viel heizen? Das ist für uns wie ein kleines Rit­u­al gewor­den. Das kann jed­er mal pro­bieren.

Sieht man den Strom­stand am Ende des Monats, so sieht man nur irgen­deine hohe Zahl und weiß nur sel­ten, wie diese zus­tande kom­men kon­nte. Kon­trol­liert man den Stromzäh­ler hinge­gen wöchentlich, so hat man ein­fach einen guten Überblick über den eige­nen Energie­ver­brauch und kommt schnell dahin­ter, wo Prob­leme liegen kön­nten. 

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© Foto­lia – blu­raz

Fühlen Sie sich durch diese Acht­samkeit manch­mal eingeschränkt oder ver­mis­sen Sie etwas?

Nein, ich ver­misse nichts! Das liegt aber auch daran, dass ich mich tat­säch­lich nicht zu drastisch ein­schränke. Es gibt ein­fach Dinge, die ich nicht mis­sen möchte. Dazu gehört mein Auto. Der Smart ist unser klein­er Luxus. Obwohl wir das Auto nur ganz sel­ten nutzen, wis­sen wir doch, dass eins da ist, wenn man es mal braucht. Mal ganz prak­tisch gesprochen: Auch wenn ich Wert auf Nach­haltigkeit lege, beste­he ich nicht darauf, im strö­menden Regen mit dem Rad zu fahren, oder die Heizung so sehr zu drosseln, dass mir auf dem Sofa die Füße frieren.

Haben Sie son­st noch ein kleines Öko-Laster, auf das Sie nicht verzicht­en möcht­en?

Ja, das habe ich tat­säch­lich. Meine Schwäche ist das Reisen. Flu­greisen eingeschlossen. Wenn wir fliegen, dann ist das für uns aber auch etwas Beson­deres und wir genießen es, auf so angenehme Art und Weise von A nach B zu kom­men.

Wann haben Sie Ihr Inter­esse für Nach­haltigkeit ent­deckt?

Tat­säch­lich schon sehr bald. Mein Papa hat mir schon als Kind beige­bracht, acht­sam mit Energie zu haushal­ten. In unserem VW-Käfer war das Tankbuch sei­ther ein fes­ter Bestandteil. Mein Vater hat­te stets Kon­trolle über den Spritver­brauch und genau im Blick, wie häu­fig wir das Auto nutzen. Ich bin so groß gewor­den. Meine Frau und ich führen das heute so fort. Wir ver­suchen weit­er­hin, möglichst wenig Sprit zu ver­brauchen und führen auch ein Sprit­buch zur Kon­trolle. Kür­zlich erst stell­ten wir tat­säch­lich fest, dass das let­zte Mal tanken drei Monate her ist. Das war ein nettes Aha-Erlebnis für uns. Ich finde ja, Sparsamkeit kann auch Spaß machen. 

Was war als Kind Ihr Beruf­swun­sch?

Ich habe tat­säch­lich schon als Kind davon geträumt, Inge­nieur zu wer­den. Effizien­ter Umgang mit Energie hat mich ein­fach schon immer begeis­tert.

Lieber Herr Zeise, her­zlichen Dank für das Gespräch!

Titel­bild © Foto­lia – Sulamith Sall­mann

Von Süd bis Nord: Eco Fashion Stores in Deutschland

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„Wo kann ich das denn kaufen?“. Diese Frage wird im Zusammenhang mit nachhaltiger Mode häufig gestellt. Die Filialen bekannter Modeketten finden sich inzwischen fast in jeder Fußgängerzone, ganz so groß ist die Verbreitung von Eco Fashion leider noch nicht. Glücklicherweise gibt es aber jetzt schon zahlreiche Adressen in ganz Deutschland, deren Besuch sich lohnt. Nürnberg: Hier gründete und eröffnete Bernd Hausmann 2007 den Concept Store glore. Hinter dieser Abkürzung steckt globally responsible fashion und genau das findet sich auf den Kleiderbügeln und in den Regalen des Ladens. Inzwischen ist die glore-Familie ziemlich gewachsen und es gibt weitere inhabergeführte Läden in…

Moin, ich bin Marie. Waschechte Hamburgerin und nordisch by nature. Hier bei OTTO halte ich für re:BLOG Ausschau nach spannenden Ideen und Menschen, coolen Eco-Outfits und berichte für euch von...

Zum Autor

Franz
Dienstag, 8. September 2015, 9:29 Uhr

Einen Tipp kann ich euch auch noch geben, wenn ihr in den Urlaub fahrt, dann kön­nt ihr so Kosten senken Kli­ma schützen, in dem Ihr näm­lich den Kühlschrank abtaut.

Guß
Franz