Wie nachhaltig sind Avocados?

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Sie ist lecker  und gesund: die Avocado. Und auch ihre dekorativen Qualitäten bleiben weltweit nicht unentdeckt: Wer den hashtag #avocado bei Instagram eingibt, dem werden über 4,5 Mio. grüne Food-Impressionen angezeigt. Selbst die Yoga-Matte, will sie hip sein, ist mit Avocado-Muster überzogen. Und: Sehr viele Cremes und Tinkturen setzen heute auf das pflegende Öl der Avocado.

Nachhaltigkeitscheck Avocado

Doch wie nachhaltig ist die wegen ihres hohen Fettgehaltes (100 Gramm haben ca. 215 Kalorien) auch „Butter des Waldes“ genannte Frucht eigentlich? Die Avodaco hat eine eher fragwürdige Ökobilanz. Auf den ersten Blick stimmt bedenklich, dass das trendige Superfood in jedem Fall einen weiten Weg hinter sich hat, wenn es auf deutschen Tischen landet: Avocados gedeihen eben vorwiegend in tropischen oder subtropischen Ländern.

Wie gesund ist die Avocado?

Noch im September empfahl das Magazin „Men’s Health“ seinen sporttreibenden Lesern besonders gesunde Lebensmittel. Auf Platz 36 von 38: die Avocado. Begründung: Die grüne Frucht, die erst nachdem sie vom Baum gefallen ist, zu Ende reift, besteht aus vielen gesunden, einfach ungesättigten Fettsäuren, die wesentlich zur Herzgesundheit beitragen. Außerdem liefert die Avocado Kalium und Vitamin E, Vitamin B2 und Vitamin B6. Die Deutsche „Apotheker-Zeitung“ weiß es etwas genauer: Rund 79 % der in der Avocado enthaltenen Fettsäuren sind ein- oder mehrfach ungesättigt. Besonders wirkungsvoll in Sachen Lipidstoffwechsel ist die in der Avocado enthaltene dreifach ungesättigte Linolensäure.

Gesundheitscheck Avocado

Diese Omega-3-Fettsäure ist ein gesundheitliches Multitalent: Seefisch, Walnuss- und Leinöl enthalten ebenfalls reichlich von dem Stoff, der für Gehirnfunktion und Immunabwehr lebenswichtig ist. Linolensäure kann zudem Entzündungsreaktionen einschränken und das Zusammenlagern von Blutplättchen hemmen, was wiederum die Gefahr verstopfter Gefäße verringert. Studien zeigen, dass der Verzehr linolensäurehaltiger Speisen das Herzinfarktrisiko deutlich senkt. Das ist auch für Veganer und Verfechter der Low-Carb-Ernährung – 100 Gramm der Avocado enthalten lediglich 0,4 Gramm Kohlenhydrate – interessant: Sie können sich durch den Genuss leckerer Guacamole-Dips mit dieser bedeutsamen Fettsäure versorgen.

Zwischenfazit Gesundheits-Check: Die Avocado hält aus wissenschaftlicher Sicht, was die Lifestyle-Postillen ihr zuschreiben!

Anbau, Ernte und Transport unter der Lupe

Zunächst einmal: Eigentlich ist es zu pauschal, von DER Avocado zu sprechen. Es gibt nämlich über 400 Sorten, die größten können zweieinhalb Kilo wiegen. Soll jedoch die durch den weltweiten Hype angeheizte Nachfrage bedient werden, ist Massenproduktion gefragt. Und die neigt zur Monokultur. Wer in Europa ins Avocado-Fach greift, hält in der Regel nur zwei Sorten in den Händen: „Fuerte“ ist die weltweit und in Deutschland meistverbreitete Variante, „Hass“ eine Sorte, die in Frankreich und den USA am häufigsten über den Tresen geht. Die meisten „Alligatorfrüchte“ – ein Beiname, der wegen der grünen, noppigen Schale erfunden wurde – stammen aus Mexiko, dem weltweit größten Anbauland. Und dort entstehen Probleme durch den Massenanbau und die damit verbundene illegale Abholzung.

Avocado Ernte

Umweltschützer und Wissenschaftler vor Ort warnen zudem vor den Folgen der intensiven Landwirtschaft für die Menschen. Insbesondere die Verschmutzung des Trinkwassers durch den Einsatz von Pestiziden wird als große Gefahr angesehen. Überhaupt ist der Anbau von Avocados mit einem enormen Wasserverbrauch von ca. 1000 Litern pro Kilo Avocado verbunden, auch das nicht vorteilhaft in Ländern, in denen die Wasserversorgung grundsätzlich ein Problem ist. Wer Bio-Standards im Anbau gewährleistet haben will, darf keine Avocados aus Chile, Mexiko und anderen tropischen Ländern kaufen. Denn diese Standards werden hier nicht kontrolliert. Die Alternative sind Avocados aus Südspanien oder Israel, die das EU-Biosiegel tragen. Last but not least schlagen die weiten Transportwege in Kühlboxen in der Ökobilanz negativ zu Buche.

Avocado Einkaufen Markt

Selbst wer frisch vom Markt kauft, sollte bei der Avocado auf das EU-Biosiegel achten, wenn ihm nachhaltige, fair erzeugte Lebensmittel wichtig sind

Zwischenfazit Produktions-Check: Das Gros der Avocados wird nicht nachhaltig angebaut, die Transportwege sind in der Regel zu weit, um ökologisch verträglich zu sein.

Auf der Suche nach Alternativen

Der nussige Geschmack in Verbindung mit der cremig-öligen Konsistenz ist sehr charakteristisch für die Avocado und kaum adäquat zu ersetzen. Wer auf nachhaltig erzeugte Lebensmittel setzt, kann also nur zu Früchten aus Spanien oder Israel greifen. Auch die eigene Klein-Züchtung fällt leider flach: Es macht zwar Spaß, aus dem Kern einer frischen, reifen Frucht im Topf einen kleinen Avocado-Baum wachsen zu lassen. Früchte wird er aber nicht tragen, da Avocados nicht selbstbefruchtend sind. Hinzu kommt, dass es selbst in tropischen Gefilden etwa zehn Jahre dauert, bis ein Avocadobaume Früchte trägt.

Avocado An Einem Baum

Avocados kauft man am besten fest und unreif, um sie zu Hause reifen zu lassen. Tipp: Die „Butterbirne“, auch ein beliebter Zweitname, in Zeitungspapier wickeln oder in der Papiertüte, in der man sie gekauft hat lassen, am besten zusammen mit einem Apfel. Der Apfel verströmt Ethylen, ein so genanntes „Reifegas“, dass den Reifeprozess beschleunigt. Das Paket bei Zimmertemperatur zwei bis fünf Tage lagern.

Reisegrad Avocado

Bevor ihr eine Avocado anschneidet, solltet ihr sich sicher sein, dass sie reif ist. Denn sobald die Frucht aufgeschnitten ist, reift sie nicht mehr nach. Um den Reifegrad zu testen, nehmt ihr die Avocado in die Hand. Wenn sie auf leichten Druck nachgibt, kann sie verzehrt werden. Die Farbe der Schale ist übrigens nicht unbedingt ein Hinweis auf die Reife der Frucht. Eine Avocado der Sorte „Hass“ bekommt mit zunehmender Reife eine schwarze Schale, „Fuerte“-Früchte bleiben grün, schwarze Stellen sind ein Zeichen dafür, dass die Avocado überreif ist.

Avocado Sorten

Jenseits von Guacamole: mit Avocados um die Welt

Die Avocado war schon auf allen Kontinenten beliebt, bevor die Welt das Wort „Superfood“ kannte. In Taiwan und auf den Philippinen wird ein flüssiges Dessert aus einer pürierten Mixtur aus Avocados, Milch und Zucker zubereitet und zum Nachtisch getrunken. In Frankreich toppt eine Avocado-Haube ein Erdnussbrioche. Die Südamerikaner schätzen Eis aus Avocados, in Japan wird die Frucht in Sushi gerollt. In Indonesien ist Alpokat beliebt, ein Shake aus Avocados, braunem Rohzucker, Kakao und gecrushtem Eis. Wer also eine hoffentlich mit Bio-Siegel bestückte Avocado ersteht, kann sich in aller Welt für die Zubereitung inspirieren lassen.

Rezept Avocado
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Hallo, mein Name ist Laura. Im zarten Alter von fünf Jahren stellte ich meiner Mutter folgende Frage: „Warum bin ausgerechnet ich ein Bio-Öko-Kind?“ Damals wie heute sind für mich in...

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Letzte Kommentare (1)

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mungo
Freitag, 29. September 2017, 17:30 Uhr

Was für eine haarsträubende Falschaussage:
„Wer Bio-Standards im Anbau gewährleistet haben will, darf keine Avocados aus Chile, Mexiko und anderen tropischen Ländern kaufen. Denn diese Standards werden hier nicht kontrolliert.“

Ausserdem:
Die Frage, ob Avocado aus den Wüstengebieten Europas oder aus den subtropischen Ursprungsgebieten nachhaltiger ist kaum allgemein zu beantworten ausser man vergleicht einzelne Betriebe.