Ausflug ins Moor: Zu Besuch im Hunsrück

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Okay – es ist früh morgens, es ist kalt, es regnet, ich stehe zusammen mit Anja im Schlamm und finde das auch noch toll. Warum ich nicht verrückt bin und wer eigentlich Anja ist? Das erzähle ich jetzt und ich verrate euch, warum mich diese Kombination so begeistert. Anja arbeitet für das Nachhaltigkeits-Team bei OTTO. Alleine das ist schon toll – wenn ein großes Unternehmen wie OTTO nicht nur Werbe-, Marketing- oder Sales-Teams hat, sondern eben auch ein Team, das sich ausschließlich um die Nachhaltigkeit kümmert. Jetzt kommt das Moor ins Spiel – genauer das Klimaschutzprojekt „Moorwiedervernässung“ im Nationalpark Hunsrück-Hochwald der NGO Bergwaldprojekt e.V..

Der Klimaschutz

OTTO unterstützte dieses Projekt 2016 mit der Aktion „Klimaschutz“. Für jedes im Aktionszeitraum verkaufte, besonders energieeffiziente Haushaltsgerät spendete OTTO 5 Euro an das Bergwaldprojekt. Zusätzlich bekommen die Kunden einen 100-Euro-Gutschein von OTTO. Sozusagen eine Win-Win-Situation in Wirtschaftssprech. Gutes tun und etwas Gutes bekommen. Energiesparen soll sich schließlich lohnen – für die Menschen und für die Umwelt. Einfach so. Das ist eine wichtige Botschaft. Nachhaltigkeit soll ja nicht anstrengend sein, sondern glücklich machen, die Umwelt schonen und für ein bewussteres Leben sorgen. Und auch 2017 ist OTTO wieder im Einsatz: Dieses Mal im Moor auf Rügen, erneut in Zusammenarbeit mit dem Berwaldprojekt.

Bach im Moor

Freiwillige im Moor: Warum das Moor so wichtig ist

Das ist auch die Botschaft, die das Bergwaldprojekt in die Welt tragen will. Seit 1991 widmet sich der Verein der Wiederherstellung von Naturlandschaften wie Wäldern, Mooren und Freilandbiotopen. Das Bergwaldprojekt arbeitet mit ehrenamtlichen Freiwilligen unter professioneller Anleitung von eigenen Projektförsterinnen und -förstern.

Mit all den Projekten will der Verein natürlich die Natur schützen und Naturlandschaften wiederherstellen, weil wir intakte Naturlandschaften brauchen für unser Überleben und unsere Zukunft. Aber gleichzeitig soll auch die nachhaltige Botschaft über die vielen Freiwilligen in die Welt getragen werden. Viele Freiwillige kommen immer wieder, die meisten ändern nach den ersten Einsätzen auch ihr Konsumverhalten und leben bewusster. Wer einmal im Moor geschuftet oder Bäume gepflanzt hat, macht sich viel bewusster wie wertvoll unsere Natur ist und wie schützenswert unser Ökosystem ist.

Warum die Moore?

Sie haben eine immense Bedeutung für unser Klima und unsere Umwelt. Sie saugen quasi CO2 auf, speichern den Kohlenstoff und sind deswegen wichtig für den Klimaschutz. Obwohl die Moorflächen nur etwa drei Prozent der Landmasse der Erde einnehmen, binden sie etwa ein Drittel des CO2. Das ist schon beeindruckend und zeigt wie dringend wir sie erhalten müssen. Sie speichern außerdem Wasser und sorgen so für ein ausgeglichenes Bodenklima in ihrem Dunstkreis und in der Natur um die Moorflächen herum. Und können so zum Beispiel bei den ganzen Starkregen der letzten Zeit durch die Schwammfunktion Hochwasserspitzen etwas abpuffern.

Bergwaldprojekt Hunsrück

Trocken oder feucht: Auf die Art des Mooses kommt es an

Das machen auch die Hangmoore im Hunsrück, die mit dem Klimaschutz wiederhergestellt werden sollen. Dort wo Anja und ich mitten im Schlamm stehen. Zusammen mit einer großen Gruppe Freiwilliger. Sie alle wurden vom Bergwaldprojekt organisiert und arbeiten gerade von morgens bis abends an der Wiedervernässung der Moore. Dafür haben sie sich frei genommen, schuften tagsüber im Moorgebiet und sitzen abends im Pfadfinderheim zusammen. Die Bandbreite ist groß: Vom Informatiker bis zur Sozialpädagogin ist alles dabei. Auch Anja packt mit an. Das ist harte Arbeit. Denn es bedeutet, die dicht gepflanzten Fichten zu fällen, um Platz für die Stauwerke zu schaffen.

Dann müssen Gräben quer zum Torf auf gegraben und mit sogenannten Spundwänden versehen werden. Diese sollen den Wasserabfluss stoppen. Damit die heiß ersehnten Moorpflanzen sich wieder ansiedeln. Es gibt nämlich gute Moose und schlechte Moose. Projektleiter und Forstingenieur Peter Naumann zeigt uns den Unterschied. Torfmoose sind nötig, damit die Moor- und Torflandschaften wieder entstehen können – Waldmoose mögen es lieber trockener. Begeistert zeigt er auf jedes „gute Torfmoos“, das sich schon angesiedelt hat. Ein Zeichen dafür, dass die Bemühungen greifen. Um das noch zu verstärken, werden zwischen die Schutzwälle noch Sägespäne eingebracht.

Pferd im Moor

Vier gewinnt: Karla bringt PS ins Moor

Dabei hilft Karla. Für die sind alle unglaublich dankbar. Karla schleppt immer wieder neue Säcke mit Sägespänen an. Die sind nötig um die Schutzwälle zu verdichten. Damit sie eine ähnliche Struktur bekommen, wie sie auch in der oberen Schicht der Moorlandschaft existieren würde. „Ohne Karla würden wir das gar nicht schaffen in der Zeit, wir müssten ja alles mit Schubkarren anschleppen und würden dann wieder zu viele Pfade im Wald austrampeln. Das wollen wir vermeiden. So ein Arbeitspferd ist viel bodenpfleglicher“, erklärt Peter.

Dank der vielen Freiwilligen entstehen langsam wieder die ursprünglichen Bedingungen. Die richtigen Moose können dann wachsen und das Ökosystem Moor kann über die nächsten Tage, Wochen und Jahrzehnte wieder entstehen. So ein Moor braucht 100 Jahre und länger, um wieder in seine alte Form zurückzukommen. Aber das Bergwaldprojekt kann den Prozess anstoßen und der Natur dabei helfen.

Moorwiedervernässung

Torfabbau und seine Auswirkungen

Heute gibt es nur noch etwa fünf Prozent der ursprünglich vorhandenen Moorflächen. Das ist tragisch, weil wir die Moorflächen eigentlich dringend bräuchten. Aber weil sie so braun und schmoddrig daherkommen werden sie leicht unterschätzt. Das war schon immer so – deshalb hat man sie über Jahrhunderte trocken gelegt. Zum Beispiel um mehr Flächen für die Landwirtschaft zu bekommen oder um Nadelwälder für die Forstwirtschaft hochzuziehen. Das hat nicht funktioniert – wie so oft wenn der Mensch sich einmischt – denn dort wo Moore entstehen, ist es sauer, nass und kalt. Das sind nicht die Bedingungen die landwirtschaftliche Nutzpflanzen oder Wälder brauchen. Weshalb all diese Projekte im Grunde gescheitert sind. Das ändert aber nichts am Ist-Zustand, die Moore waren ja erst einmal zerstört.

Dann hat man zusätzlich Torf abgebaut, als ob es kein Morgen gäbe. Zum Heizen im Mittelalter zum Beispiel oder für die Gärten und im Wellnessbereich heute. Torf wird durchaus eine heilende Wirkung nachgesagt, durch die enthaltenen Huminsäuren und die Wärme, die er sehr gut speichern und weitergeben kann.

Moorbegehung

Alternative für Hobbygärtner: Kompost statt Torf

„Aber in den Gärten hat Torf nichts zu suchen“, sagt Peter vom Bergwaldprojekt. „Weder ist der Torf besonders nährstoffreich, noch hat er eine positive Wirkung auf die Pflanzenwelt – dafür ist er zu sauer. Nur die Durchlüftung des Bodens wird besser und hier bietet sich Komposterde als Alternative an.“ Die Naturschützer vom Bergwaldprojekt wären begeistert, wenn der Torf nicht mehr in Privatgärten landen würde. „Das ist eine Torfmoos-Legende, die dringend abgeschafft werden muss“, erklärt Peter uns, während wir mit den Gummistiefeln bis zu den Knöcheln im Moor stehen.

Denn den Torf brauchen wir vor allem dort, wo er entsteht – in den Mooren. Als Wasserspeicher, als Kohlenstoffspeicher und für die ganz besondere Artenvielfalt, die es nur in den Mooren gibt. Besondere Froscharten zum Beispiel oder Pflanzen, die das saure und nasskalte Klima der Moorlandschaft zum Überleben brauchen.

Dass ihre Arbeit sinnvoll ist und viel bewirkt, zeigt Peter uns zum Schluss noch zusammen mit seinen Kollegen anhand einer weiteren Moorlandschaft, die schon vor einigen Wochen bearbeitet wurde. Dort haben sich schon die heiß ersehnten Torfmoose niedergelassen und ausgebreitet, die es dringend braucht, damit aus dem ehemals trockengelegten Gebiet, wieder ein anständiges und gesundes Moor werden kann. „Das perfekte und komplett wiederhergestellte Moor werden wir nicht mehr erleben“, sagt Peter noch lachend, während er mit leuchtenden Augen durch die Moorlandschaft stapft und uns die Tiere und Pflanzen zeigt. „Das dauert Jahrhunderte“, sagt er noch, „aber es ist toll, dass in der kurzen Zeit schon so viel Gutes entstanden ist und die Natur sich nach und nach ihre Moorlandschaft zurückerobert.“

 

 

 

 

 

 

Die Welt von Morgen: Eine Familie auf den Spuren des Klimawandels

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Dem Klimawandel auf der Spur: Tatsächlich begann die Geschichte der Reise von Familie Steingässer mit Huhn und Ei. In diesem Fall zuerst da: Henne Emma. Im Dezember 2011 beschloss das Zwerghuhn nämlich vier Eier in seinen Brutkasten zu legen. Woher sollte es bei milden 18 Grad auch wissen, dass Winter und damit eigentlich auch Legepause ist. Jana und Jens Steingässer begannen zu recherchieren. Könnte es sein, dass der warme Winter eine Auswirkung des Klimawandels ist? Schnell stellen sie fest, was ihnen eigentlich schon klar war – nämlich, dass in vielen Teilen der Erde bereits weit stärkere Auswirkungen zu spüren sind.…

Hi, ihr Lieben! Mein Name ist Petra und ich blogge auf „Hollightly“ über Fashion, Design und grünen Lifestyle. Ich bin bekennendes Modemädchen mit Hang zu schönen Dingen und überzeugt davon,...

Zum Autor

Peter Naumann, Dipl. Ing. Forstwirtschaft (FH), Projektleiter Bergwaldprojekt e.V.
Mittwoch, 6. Juli 2016, 15:28 Uhr

Die Maßnahmen in den Hunsrück-Hangmooren sind in einem EU-Life Projekt eingebettet und werden in genauer Absprache zwischen dem Nationalpark-Hunsrück, der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz und dem Bergwaldprojekt e.V. schonend und nachhaltig durchgeführt.

Ein Mitte Juni durchgeführtes EU-Audit der Maßnahmen durch die unabhängigen Spezialisten des Lehrstuhls für Renaturierungsökologie der TUM München hat die Arbeiten als vorbildlich bewertet.

Die Meinung des im Ruhestand befindlichen Dr. A. Hölzer mag hier entgegenstehen.

Dr. A. Hölzer
Donnerstag, 30. Juni 2016, 16:48 Uhr

Es ist zwar schön, daß junge Leute beschäftigt werden, aber muß das ausgerechnet in Mooren geschehen! Sonst wird immer wieder betont, wie empfindlich das Ökosystem Moor ist. Dem „Normalbürger“ ist es in Schutzgebieten verboten, die Wege zu verlassen oder nur ein Blümchen zu pflücken, aber hier wird im geschützten Moor eine „Schlammschlacht“ veranstaltet, wie man in verschiedenen Videos der Projekte sich ergooglen kann.
Entgegen der Trivialliteratur „wirken Gebirgsmoore keinesfalls ausgleichend auf das Abflußregime der Bäche und Flüsse“ (GÖTTLICH, 1990, s. 301 ff.). Moore mit stark zersetzten Torfen, mit denen man es hier zu tun hat, können nur 3 bis 1 Vol.-% Wasser reversibel festhalten. Was geschieht mit den restlichen Niederschlägen? Nun, sie fließen den Hang hinab! Sie umfließen natürlich auch die neu gebauten Sperren, wie man selbst beobachten kann, da sich sonst ja ein See bilden müßte, was am Hang nicht möglich ist. Hat man Euch die früher gebauten Sperren und ihre „Wirksamkeit“ nicht gezeigt?
Es wird auch immer wieder die Geschichte verbreitet, daß hier Kohlenstoff akkumuliert würde und die Moore im Hunsrück von „immenser Bedeutung“ für den Klimaschutz wären. In den etwa 10.000 Jahren vor den Eingriffen der Menschen haben die Moore nur etwa 1-2 Meter Torf auf kleiner Fläche akkumuliert, meist nicht einmal so viel! Ist dabei überhaupt eine nennenswerte Menge an Kohlenstoff festgelegt? Sollen durch „Herumwühlen im Matsch“ die Moore jetzt in den Himmel wachsen?
Im Hunsrück sind die immer wieder erwähnten Torfmoose auch außerhalb der Schutzgebiete sehr häufig. Man muß dazu nur in eine feuchte Rinne neben einem Waldweg oder in einen feuchten Fichtenwald schauen. Warum wachsen dort die Moore nicht in den Himmel? Dazu müßte man aber wieder etwas mehr zu den Arten wissen!
Auf den Flächen und in der Umgebung werden Bäume gefällt, deren Substanz erst als Torf neu gebildet werden müßte, um nur eine ausgeglichene Bilanz zu bekommen. Negativ in die Bilanz gehen auch die aufgewandten Millionen an Euro bis zu dem Benzin für die Sägen ein!
Auch wird immer wieder die Archivfunktion der Moore betont, die wirklich von immenser Bedeutung ist. Erhält man aber ein Archiv, indem man darin „herumwühlt“, egal ob mit schweren Maschinen oder in Handarbeit? Für die Archivfunktion ist der Erhalt ungestörter Torfe notwendig.
Der Einsatz eines Pferdes erinnert mehr an einen schnulzigen Heimatfilm als an sinnvollen Einsatz. Man schaue sich nur die Schleifspuren an. Diese werden bald wieder grün sein, aber mit Störzeigern. Dadurch müßte man die Arten und ihre Ökologie aber ansprechen können und etwas mehr von Moorkunde wissen.
Engagement ist eigentlich positiv zu sehen, aber man sollte dabei auch etwas rechnen und denken und sich nicht für zwar pressewirksame Aktionen einspannen lassen, die aber für das Ökosystem eher sinnlos bis schädlich sind!
Dr. A. Hölzer
(Arbeitet seit Jahrzehnten an Mooren und Torfmoosen, wie man leicht ergooglen kann)