Auf den Spuren des Klimawandels – am Pitztaler Gletscher

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Wir waren Schneeschuh­wan­dern auf dem höch­sten Gletsch­er Tirols. Doch mit­ten in der Schön­heit dieser Land­schaft auf dem Pitz­taler Gletsch­er macht sich auch Wehmut bre­it, weil die weiße Traumwelt Risse bekommt.

Ger­ade ist der Doku­men­tarfilm „Before the Flood“ von Leonar­do di Caprio in aller Munde: Von der Süd­see bis zum ewigen Eis hat er die drama­tis­chen Fol­gen des Kli­mawan­dels unter die Lupe genom­men. Aber man muss gar nicht so weit reisen, um die Fol­gen zu spüren. Zum Beispiel am Ende des Pitz­tals: Hier rei­ht sich ein Höhen­reko­rd an den näch­sten, hier liegt nicht nur das höch­ste Win­ter­sport­ge­bi­et Öster­re­ichs, son­dern auch der höch­ste Gletsch­er Tirols, die höch­ste Seil­bahn und das höch­st­gele­gene Café Österreichs.

Urlaubsstimmung am Pitztaler Gletscher

Als Guide Michael und ich aus den Türen der Bergsta­tion treten, empfängt uns gleißen­des Son­nen­licht, reflek­tiert von den Schneemassen am Pitz­taler Gletsch­er. Alles ist so hell, unendlich­es Weiß, durchtüpfelt von Men­schen in bun­ten Schneeklam­ot­ten – Win­terurlaub­sstim­mung macht sich breit.

Gletscher Tirol Klima Schnee

Wir schnallen die Schneeschuhe unter, lassen die Welt der rat­tern­den Seil­bah­nen und bun­ten Schneeanzüge hin­ter uns, gehen hin­aus in die weiße Puder- und Gletscher­land­schaft. Der weiß gepud­erte Boden knirscht bei jedem Schritt, während wir die ersten Spuren im jungfräulichen Schnee hin­ter­lassen. Es hat frisch geschneit, trotz­dem sucht sich unterirdisch auch noch Schmelzwass­er seinen Weg durch die run­den Löch­er der Gletscher­mühlen. Und in der Ferne zeich­nen sich als dun­kle Lin­ien Gletsch­erspal­ten ab.

Wärme, die die Urlauber freut und der Natur schadet

Die bre­it­en Schneeschuhe stapfen über dicke Eiss­chicht­en, während direkt unter den Füßen ein Bach rauscht, ein Gefühl, als würdest Du über Glas laufen. Brüchiges Glas, denn an manchen Stellen gibt es Risse. Das Tröpfeln der Eiszapfen erin­nert daran, dass die ver­gan­genen Monate hier oben ungewöhn­lich warm waren, zu warm für den jahrtausendeal­ten Gletscher.

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Weiße Plastikplanen zum Schutz der Eismassen

Das hier ist nicht nur eine kleine Wet­terkapri­ole, son­dern fügt sich naht­los ein in die vie­len Extremereignisse in den let­zten Jahren. Die Tem­per­aturkurve zeigt nach oben, der Kli­mawan­del ist in den höheren Regio­nen der Alpen überdeut­lich spür­bar: „Jedes Jahr ver­liert das Eis hier oben um die vier Meter an Dicke“, erk­lärt Michael. „Das klingt erst­mal wenig, aber in zehn Jahren sind das schon vierzig Meter.“ Und das sieht jed­er mit Sorge, der den Pitz­taler Gletsch­er länger kennt.

Schon jet­zt wer­den im Som­mer weiße Plas­tik­pla­nen über dem Eis aus­gelegt, vor allem dort, wo Seil­bah­nen ver­ankert sind. Die Farbe Weiß reflek­tiert das Son­nen­licht, und die Pla­nen sollen das Wegschmelzen ver­hin­dern, umgekehrt erwär­men sich schwarze Flächen beson­ders stark, sie wirken auf die Gletsch­er­schmelze wie Brandbeschle­u­niger: „Sobald ein Stück dun­kler Fels her­auss­chaut, ver­stärkt dies das Abschmelzen der Eis­fläche drumherum“, erk­lärt Michael. Immer wieder zeigt er auf Fel­snasen und sagt: „Die da war früher ein­mal ganzjährig vom Eis bedeckt.“

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Die Vergänglichkeit der Natur

Im Café 3440, dem höch­st­gele­ge­nen Öster­re­ichs, das wie ein futur­is­tis­ches Raum­schiff auf dem Berg thront, schauen wir durch die Panora­mafen­ster auf schneebe­deck­te Gipfel. Die Aus­sicht­splat­tform eröffnet den Blick auf viele Dre­itausender in der Umge­bung, darunter auch die Wild­spitze, den hiesi­gen „Haus­berg“.

In der Ferne zeich­net sich die Zugspitze ab. Plöt­zlich bin ich dankbar, dass ich das hier noch genießen darf. Wie lange noch? Bleibt zu hof­fen, dass auch fol­gende Gen­er­a­tio­nen noch die weiße Welt auf dem Dach Tirols genießen kön­nen. Oder wie es Barack Oba­ma in „Before the Flood“ aus­drückt: „Es wäre trau­rig, wenn meine Nach­fahren nicht mehr erfahren kön­nten, wie ein Gletsch­er über­haupt aussieht.“

Tschüss Plastik, hallo gutes Gewissen!

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Plastik ist böse. Das wissen wir. Im Plastik sind Weichmacher, Plastik ist nicht wirklich abbaubar, es kostet Energie, Plastik herzustellen und es kostet Energie, Plastik wieder loszuwerden. In jedem Quadratkilometer der Weltmeere schwimmen laut WWF zehntausende Teile Plastikmüll. Mehrere Millionen Tonnen werfen wir jedes Jahr weg.

Muellmenge Im Meer
Seevögel schlucken die Plastikteile und sterben, Schildkröten verwechseln die Plastiktüten mit Quallen und wollen zubeißen und Fische futtern das Mikroplastik, weil sie es für Plankton halten. Das Ergebnis ist immer das Gleiche: Die Meere versinken im Plastik und letztlich essen und trinken wir auch wieder das Plastik, das wir weggeworfen haben. Zum Beispiel, wenn…

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet das Redaktionsteam Reisefeder unter anderem für Magazine wie Brigitte, Onlineportale wie Spiegel Online oder Reisebücher wie Merian. Seit ihrer Kindheit auf dem Bauernhof fühlt...

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