Zucker-Detox? Jein, danke!

2. November 2018 | von

Zuckerfreie Ernährung – was bedeutet das und was sind die Vor- und Nachteile? Unsere beiden Plus-Size-Bloggerinnen Susanne und Julia haben auf ihre ganz eigene Art und Weise die Zuckerfrei Challenge getestet. Ihre Erfahrungen und Fazite kannst du hier lesen!

Susanne: Seit eine Bloggerkollegin ein mehrwöchiges Zuckerfreiprogramm durchgezogen hat (und ganz begeistert davon war), dachte auch ich über eine solche Auszeit nach. Mal auf all den Süßkram verzichten, den Körper „durchreinigen“, richtig gesund leben – und nach ein paar Wochen mit glowiger Haut und glänzendem Haar belohnt werden! Wenn das mal keine Motivation für ein Zucker-Detox ist, dann weiß ich aber auch nicht!

Julia: Immer wieder bin ich im Internet über die „Zuckerfrei Challenge“ gestolpert. Dabei geht es darum, bei der Ernährung für einen gewissen Zeitraum auf den allgegenwärtigen weißen, raffinierten Industriezucker zu verzichten. Denn von wegen „weißes Gold“ – Zucker ist nicht nur offensichtlich für die Zähne schädlich, sondern auch für unseren gesamten Organismus.Von daher habe ich entschieden: diese Challenge möchte ich mal ausprobieren. Ich gebe mir drei Wochen und schaue mal, was passiert …

Zuckerfreie Ernährung

Susanne: Der Zeitpunkt war schnell gefunden: nach dem Familienurlaub, erfahrungsgemäß eine Hochzeit der süßen Sünden! Das Frühstück mit Croissants, dazu Nutella; statt eines gesunden Mittagessens belgische Waffeln mit Puderzucker oder Vanilleeis und (als wäre das nicht Zuckerschock genug) zum Abendessen ein fettes Dessert – den Wein und die Cocktails lassen wir besser unerwähnt. Täuschte ich mich, oder wimmerten meine Zellen geradezu nach einer Auszeit vom Zucker? Möglich wär’s.

Sommerbluse für große Größen

Julia: Jeder Deutsche isst im Schnitt 100 g Zucker am Tag. Hört sich erst mal nicht viel an? Im Jahr sind wir da schon bei über 36 kg. Das ist viermal so viel, wie von der WHO für eine gesunde Ernährung empfohlen. Dabei enthält Zucker keinerlei Vitamine oder Nährstoffe, macht uns aber krank und sogar abhängig. Das einzig Positive ist: er liefert Energie (und ist lecker, ok…). Aber diese Energie bezieht unser Körper auch z.B. aus der Stärke, die in Getreide und Gemüse enthalten ist.

„Ein bisschen Angst habe ich vor meinem Heißhunger auf Süßes, dem ich zugegebenermaßen nur schwer NICHT nachgeben kann.”
Julia

Susanne: Anfang September ging es los: Vier Wochen ohne Zucker! Zur Begleitung hatte ich mir ein Buch gekauft, das mich durch den Zuckerentzug führen sollte und mir mein zukünftig zuckerloses Leben in den schönsten Farben schilderte: voller Energie und Elan, körperlich fitter, optisch schöner – das Leben ohne Zucker erschien mir als einziges Fest.

Tatsächlich ging es mir die ersten Tage sehr gut. Entzugserscheinungen hatte ich keine, auch Heißhungerattacken überkamen mich kaum, was mich tatsächlich wunderte, denn ich war schon ein eher „süßes“ Geschöpf gewesen, das einer Rippe Schokolade und einem Stück Kuchen selten widerstehen konnte. Dafür gab es für mich andere Hürden: etwa die Ansage, dass auch Obst aufgrund des enthaltenen Fruchtzuckers verboten sei, dass ich meinen Kaffee statt mit Kuhmilch nun mit Soja- oder Mandelmilch trinken solle (wegen des Milchzuckers) und dass auch Brot (selbst Vollkornbrot) nicht erlaubt sei. Haferflockenmüsli mit Beeren zum Frühstück? Vergiss es. Kartoffeln und Kürbis zum Mittagessen? Verboten. Nudeln? Bloß nicht. Stattdessen wurden reichlich Proteine und Fette empfohlen – wobei ich feststellen musste, dass selbst Hüttenkäse Zucker enthält.

Julia: Damit ich in meinem Alltag, der auch ohne Zuckerfrei-Challenge schon stressig genug ist, nicht den Überblick verliere, habe ich die eigentlich ausführlicheren Regeln für mich persönlich etwas gestrafft. Ich konzentriere mich auf folgende Punkte:

  1. Neben dem weißen Haushalts-Zucker werde ich möglichst auch auf künstliche Süßstoffe verzichten. Der natürliche in z.B. Obst enthaltene Zucker ist aber erlaubt. Hintergrund: Angeblich soll der Süßhunger schon nach kurzer Zeit nachlassen und dafür meine Geschmacksknospen wieder sensibler für Süßes werden.
  2. Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilen. Hintergrund: Ernährungs-Experten raten schon seit langem dazu, den Blutzuckerspiegel auf einem konstanten Level zu halten, um Heißhunger-Attacken zu vermeiden.
  3. Kein Weißbrot.
  4. Kein Alkohol.
Süßigkeiten

Susanne: Kurz gesagt: Es war schwierig, überhaupt Lebensmittel zu finden, die für mich passten! Erschwerend hinzu kam, dass ich zwar keine Vegetarierin bin, aber doch sehr wenig Fleisch und Fisch esse. Mittags hatte ich außerdem meine Familie zu bekochen, die schnell keine Lust mehr auf meine kartoffel-, nudel- und brotlose Küche hatte und ebenso wenig wie ich ständig Fleisch mit Gemüse essen wollte.

Zuckerfreie Ernährung

Julia: Ein Blick auf die Zutatenliste kann helfen, auf den Zuckergehalt aufmerksam zu werden. Je höher der Anteil in einem Lebensmittel, desto weiter vorne wird er gelistet. Da sich der Zucker manchmal auch in anderen Formulierungen wie „Sirup“ oder in auf „-ose“ endenden Wörten versteckt, ist es einfacher, auf die Nährwerttabelle zu schauen. In den tabellarischen Angaben findet man den genauen Zucker-Anteil nämlich schwarz auf weiß.

pinke leuchtschrift

Susanne: Damit sind wir auch schon beim Fazit meines zuckerlosen Daseins:

Ja, ich möchte auf Zucker verzichten – aber nicht auf Brot, Kartoffeln und Nudeln. Und ich möchte auch nicht ständig Fisch, Fleisch, Avocados (Hochgradig umweltschädlich! Ja, leider…) und Rührei essen müssen, um überhaupt etwas essen zu können. Ebenso wenig habe ich Lust darauf, zwei verschiedene Mittagessen (für mich und für die restliche Familie) kochen zu müssen. Nach zwei Wochen habe ich das Projekt „Zuckerlos“ deshalb abgebrochen – mit dem Gefühl, dass das Mehr an tierischen Proteinen und Fett langfristig ebenso wenig gesund ist wie Zucker. Vor allem ist aber der höhere Fleischkonsum für mich auch moralisch nicht zu vertreten.

Dass es gesund ist, auf raffinierten Zucker zu verzichten – ich denke, darüber müssen wir nicht diskutieren. Aber dass damit auch gesunde Stärke und Kohlenhydrate gemeint sind, das will mir nicht einleuchten.

Wie siehst du das? Hast du Erfahrung mit Zucker-Detox? Erzähl doch mal!

Candy Bar

Julia: Ansonsten gilt – lieber selbst kochen, als auf Fertiggerichte zurückzugreifen. Das Gute ist, dass es im Internet so viele fantastische Rezepte und Tipps zum Nachlesen gibt, dass wirklich für jeden etwas dabei ist. Sogar für Kochmuffel wie mich. Man kann sich sogar ganze zuckerfreie Einkaufslisten herunterladen. Ausreden zählen nicht! Los geht’s …

Klar ist es anfangs zeitaufwändiger und eine Umstellung von Gewohnheiten, immer darauf zu achten, wo (abseits der offensichtlichen Süßigkeiten) überall Zucker drin sein könnte. Aber wenn das Bewusstsein einmal in diese Richtung geschärft ist, fällt es viel leichter und macht sogar richtig Spaß, dem bösen Zucker wieder erfolgreich ein Schnippchen geschlagen zu haben, wenn man ihn irgendwo versteckt entdeckt und bewusst vermieden hat.

Ein dreiwöchiger Erfahrungsbericht würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Aber soviel steht fest: Bereits nach kurzer Zeit hatte ich tatsächlich viel weniger Verlangen nach Süßem. Die Kuchenauslage in der Bäckerei kann mir mittlerweile fast nichts mehr anhaben. Auch an Eisdielen kann ich jetzt einfacher vorbei gehen. Außerdem fühle ich mich tatsächlich wacher als sonst. Einbildung? Oder tatsächlich der Zucker-Faktor

Ganz auf Zucker verzichten, kann und möchte ich nicht. Aber bewusster auf meine Ernährung und die Zusammensetzung meiner Lebensmittel und die meiner Kinder achten auf jeden Fall. Denn Zucker-Verzicht heißt keinesfalls Genuss-Verlust. Ganz im Gegenteil! Ich habe viele leckere Sachen für mich entdeckt, die ohne die Challenge bestimmt nie in meinem Einkaufswagen gelandet wären. Und in punkto Süßigkeiten kann ich nur empfehlen: aus den Augen – aus dem Sinn. Was ich nicht zu Hause habe, kann ich auch nicht essen.

Unsere Tipps gegen den Heißhunger zwischendurch:

  • Viel trinken! Am besten drei Liter am Tag. Natürlich am besten Wasser.
  • Obst oder Nüsse snacken! Wertvolle Nährstoffe und Energielieferanten.
  • Regelmäßig essen! So bleibt der Insulinspiegel konstant.
  • Keine Süßigkeiten im Haus haben!
  • Viel bewegen! Oder andere Ablenkung suchen.
  • Zähne putzen! Danach ist vor allem abends die Hemmschwelle größer, nochmal Süßes zu essen.
Letzte Kommentare (4)

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Peti
Dienstag, 27. November 2018, 18:13 Uhr

Dass „Meine Familie keine Lust mehr auf kartoffellose Essen hatte..“ ist ein Ausrede, die ich immer wieder höre, wenn Menschen es nicht schaffen, dem Zucker zu widerstehen. Ich habe Mitte 2016 mit einer zuckerfreien Ernährungsumstellung begonnen. Meine Familie musste nicht darunter „leiden“. Ich habe ganz normal gekocht und bei Bedarf gab es eben Kartoffeln, Reis oder Nudeln für die Familie. Und ausserdem gibt es sehr viele Alternativen für Nudeln
Reis oder Kartoffeln. An einem festen Tag in der Woche sind auch mal Zucker und „böse“ Kohlenhydrate erlaubt.
Aber wenn man eben keine Lust hat und immer Ausreden findet, dann wird das auch nichts. Ich bin froh, dass ich mich dafür entschieden habe. Meinem Körper geht es besser. Viele Krankheiten und Probleme gaben sich in Luft aufgelöst und ich habe 48 kg abgenommen.

Katareng
Freitag, 16. November 2018, 9:41 Uhr

Ich habe vor knapp 2 Jahren meine Ernährung auf zuckerärmer umgestellt. Ich esse aber nach wie vor vollwertige KH und auch Milchprodukte in denen ja auch Zucker ist. Bin jedesmal fasziniert, dass in Magerquark Zucker ist 😂 Es bedeutet für mich, sehr viel frisch zubereiten und Mahlzeiten vorkochen. Ich backe und koche auch viel mehr mit pflanzlichen Zutaten. Wenn ich dann mal etwas esse, dass viel Zucker enthält, bringt mich das aber auch nicht um. Allerdings bemerke ich, dass ich an solchen Tagen einen höheren Puls hab und zum Beispiel schlechter einschlafen kann. Mit tut es gut. Das ist mein Fazit aus fast 2 Jahren weniger Zucker. Und knapp 17 Kilo weniger und endlich auch mal Muskeln die ich bemerke. Mache schon seit 10 Jahren viel Sport. Auch Krafttraining. Aber die Muskeln wollten nie so wie ich. Das zuckerärmere Essen scheint diese aber nun aufgeweckt zu haben 😁

Donnerstag, 1. November 2018, 11:07 Uhr

Danke, liebe Victoria, für deinen ausführlichen Kommentar!! Das klingt in der Tat toll! Magst du noch mal schreiben, was für ein Programm du da gemacht hast? Das würde mich (und andere vielleicht auch!) sicher interessieren!

Ganz liebe Grüße!

Susi.

Viktoria
Dienstag, 30. Oktober 2018, 9:21 Uhr

Hi Susanne, ich möchte gerne meine Erfahrungen teilen. Schon immer war ich eine „süße“. Ein Eis, etwas Schokolade, ein Stück Kuchen konnte ich jeder Zeit essen, egal wie satt ich war. Und von Kind an war ich übergewichtig, in der Pubertät sogar adipös. Es gab Zeiten, wo ich fast alles essen konnte, was ich wollte, da ich durch Stress und keine Zeit zum Naschen nicht zunahm. Mein BMI war aber fast immer im Bereich leichtes Übergewicht. Nach der Geburt meiner Kinder habe deutlich zugenommen. Insbesondere nach der letzten Geburt. Mein Essen war sehr zuckerbelastet und ich litt darunter. Ich spürte wie ungesund ich lebe, hatte aber keine Motivation etwas zu ändern. Widerwillig entschied ich mich für ein Fitness-Abonement in der Hoffnung durch Sport einen Ansporn zu finden. Das war die richtige Entscheidung! Danach wollte ich meine Ernährung unter die Lupe nehmen. Beim Fitness-Studio habe ich ein Ernährungsprogramm gestartet und die Pfunden purzelten nur so. Jedenfalls könnte ich mich nie beim Süßen zurück halten. Die empfohlene Tagesmenge habe ich ständig mächtig überschritten und danach ging es mir seelisch wie körperlich schlecht. Ich musste zugeben, dass mein Körper zuckersüchtig war. Eine Freundin hat mir den Film „That Sugar“ empfohlen und der hat mir den besagten Tritt in den A…. gegeben. Nach meiner Internetrecherche zum Thema Zuckersüchtig habe ich mich für ein Zuckerfrei-Programm entschieden, was Recht moderat war. Acht Wochen, darunter die erste Woche nur etwas in Zucker eingeschränkt, dann eine Woche noch mit Obst, danach 4 Wochen ohne Obst und in den letzten zwei Wochen wurde langsam zuckerarmes Obst wieder eingeführt. Milch, Kohlenhydrate, süßlichen Gemüse und sogar trockener Rotwein bzw. Bier waren nicht unter Verbot! Lediglich sollte man versuchen auf Weißmehl zu verzichten. Ich hätte nie gedacht, dass es so einfach wird, selbst ohne Obst. Nur die ersten 7-10 Tage hatte ich mit Schwindelgefühl zu tun. Ich habe natürlich noch mehr angenommen (15 Kilo insgesamt) und das Beste ist, ich habe mein Gewicht gehalten! Im Moment bin ich wieder schwanger und logischerweise schwerer geworden. Aber ich fühle mich nicht mehr vom Zucker abhängig. Eine Tafel Schokolade kann bei mir jetzt mehrere Tagen, sogar Wochen angefangen bleiben. Früher undenkbar! Jedes Mal wenn ich früher mit etwas Süßem angefangen habe, konnte ich nicht aufhören bis mir richtig übel würde. Jetzt habe ich dieses Gefühl der Befriedigung nach einer kleinen Portion. Und ein Stück Kuchen reicht mir auch in der Regel. Süßes esse ich meist nach dem Mittag, abends habe ich kein Bedürfnis mehr. Kurzum, bei mir war der Zuckerverzicht ein voller Erfolg. Ich habe jetzt kein Ziel zuckerfrei zu leben, habe aber den bewussten Umgang damit gelernt. LG Viktoria