Zucker-Detox? Jein, danke!

14. Mai 2020 | von

Zuck­er­freie Ernährung – was bedeutet das und was sind die Vor- und Nachteile? Unsere bei­den Plus-Size-Blog­gerin­nen Susanne und Julia haben auf ihre ganz eigene Art und Weise die Zuck­er­frei Chal­lenge getestet. Ihre Erfahrun­gen und Fazite kannst du hier lesen!

Susanne: Seit eine Blog­gerkol­le­gin ein mehrwöchiges Zuck­er­freipro­gramm durchge­zo­gen hat (und ganz begeis­tert davon war), dachte auch ich über eine solche Auszeit nach. Mal auf all den Süßkram verzicht­en, den Kör­p­er „durchreini­gen“, richtig gesund leben – und nach ein paar Wochen mit glowiger Haut und glänzen­dem Haar belohnt wer­den! Wenn das mal keine Moti­va­tion für ein Zuck­er-Detox ist, dann weiß ich aber auch nicht!

Julia: Immer wieder bin ich im Inter­net über die „Zuck­er­frei Chal­lenge“ gestolpert. Dabei geht es darum, bei der Ernährung für einen gewis­sen Zeitraum auf den all­ge­gen­wär­ti­gen weißen, raf­finierten Indus­triezuck­er zu verzicht­en. Denn von wegen „weißes Gold“ – Zuck­er ist nicht nur offen­sichtlich für die Zähne schädlich, son­dern auch für unseren gesamten Organismus.Von daher habe ich entsch­ieden: diese Chal­lenge möchte ich mal aus­pro­bieren. Ich gebe mir drei Wochen und schaue mal, was passiert …

Zuckerfreie Ernährung

Susanne: Der Zeit­punkt war schnell gefun­den: nach dem Fam­i­lienurlaub, erfahrungs­gemäß eine Hochzeit der süßen Sün­den! Das Früh­stück mit Crois­sants, dazu Nutel­la; statt eines gesun­den Mit­tagessens bel­gis­che Waf­feln mit Pud­erzuck­er oder Vanilleeis und (als wäre das nicht Zuck­er­schock genug) zum Aben­dessen ein fettes Dessert – den Wein und die Cock­tails lassen wir bess­er uner­wäh­nt. Täuschte ich mich, oder wim­merten meine Zellen ger­adezu nach ein­er Auszeit vom Zuck­er? Möglich wär’s.

Sommerbluse für große Größen

Julia: Jed­er Deutsche isst im Schnitt 100 g Zuck­er am Tag. Hört sich erst mal nicht viel an? Im Jahr sind wir da schon bei über 36 kg. Das ist vier­mal so viel, wie von der WHO für eine gesunde Ernährung emp­fohlen. Dabei enthält Zuck­er kein­er­lei Vit­a­mine oder Nährstoffe, macht uns aber krank und sog­ar abhängig. Das einzig Pos­i­tive ist: er liefert Energie (und ist leck­er, ok…). Aber diese Energie bezieht unser Kör­p­er auch z.B. aus der Stärke, die in Getrei­de und Gemüse enthal­ten ist.

„Ein biss­chen Angst habe ich vor meinem Heißhunger auf Süßes, dem ich zugegeben­er­maßen nur schw­er NICHT nachgeben kann.” 
Julia 

Susanne: Anfang Sep­tem­ber ging es los: Vier Wochen ohne Zuck­er! Zur Begleitung hat­te ich mir ein Buch gekauft, das mich durch den Zuck­er­entzug führen sollte und mir mein zukün­ftig zuck­er­los­es Leben in den schön­sten Far­ben schilderte: voller Energie und Elan, kör­per­lich fit­ter, optisch schön­er – das Leben ohne Zuck­er erschien mir als einziges Fest.

Tat­säch­lich ging es mir die ersten Tage sehr gut. Entzugser­schei­n­un­gen hat­te ich keine, auch Heißhunger­at­tack­en überka­men mich kaum, was mich tat­säch­lich wun­derte, denn ich war schon ein eher „süßes“ Geschöpf gewe­sen, das ein­er Rippe Schoko­lade und einem Stück Kuchen sel­ten wider­ste­hen kon­nte. Dafür gab es für mich andere Hür­den: etwa die Ansage, dass auch Obst auf­grund des enthal­te­nen Fruchtzuck­ers ver­boten sei, dass ich meinen Kaf­fee statt mit Kuh­milch nun mit Soja- oder Man­delmilch trinken solle (wegen des Milchzuck­ers) und dass auch Brot (selb­st Vol­lko­rn­brot) nicht erlaubt sei. Hafer­flock­en­müs­li mit Beeren zum Früh­stück? Ver­giss es. Kartof­feln und Kür­bis zum Mit­tagessen? Ver­boten. Nudeln? Bloß nicht. Stattdessen wur­den reich­lich Pro­teine und Fette emp­fohlen – wobei ich fest­stellen musste, dass selb­st Hüt­tenkäse Zuck­er enthält.

Julia: Damit ich in meinem All­t­ag, der auch ohne Zuck­er­frei-Chal­lenge schon stres­sig genug ist, nicht den Überblick ver­liere, habe ich die eigentlich aus­führlicheren Regeln für mich per­sön­lich etwas ges­trafft. Ich konzen­triere mich auf fol­gende Punkte:

  1. Neben dem weißen Haushalts-Zuck­er werde ich möglichst auch auf kün­stliche Süßstoffe verzicht­en. Der natür­liche in z.B. Obst enthal­tene Zuck­er ist aber erlaubt. Hin­ter­grund: Ange­blich soll der Süßhunger schon nach kurz­er Zeit nach­lassen und dafür meine Geschmack­sknospen wieder sen­si­bler für Süßes werden.
  2. Mehrere kleine Mahlzeit­en über den Tag verteilen. Hin­ter­grund: Ernährungs-Experten rat­en schon seit langem dazu, den Blutzuck­er­spiegel auf einem kon­stan­ten Lev­el zu hal­ten, um Heißhunger-Attack­en zu vermeiden.
  3. Kein Weißbrot.
  4. Kein Alko­hol.
Süßigkeiten

Susanne: Kurz gesagt: Es war schwierig, über­haupt Lebens­mit­tel zu find­en, die für mich passten! Erschw­erend hinzu kam, dass ich zwar keine Veg­e­tari­erin bin, aber doch sehr wenig Fleisch und Fisch esse. Mit­tags hat­te ich außer­dem meine Fam­i­lie zu bekochen, die schnell keine Lust mehr auf meine kartoffel‑, nudel- und brot­lose Küche hat­te und eben­so wenig wie ich ständig Fleisch mit Gemüse essen wollte.

Zuckerfreie Ernährung

Julia: Ein Blick auf die Zutaten­liste kann helfen, auf den Zuck­erge­halt aufmerk­sam zu wer­den. Je höher der Anteil in einem Lebens­mit­tel, desto weit­er vorne wird er gelis­tet. Da sich der Zuck­er manch­mal auch in anderen For­mulierun­gen wie „Sirup“ oder in auf „-ose“ enden­den Wörten ver­steckt, ist es ein­fach­er, auf die Nährw­ert­ta­belle zu schauen. In den tabel­lar­ischen Angaben find­et man den genauen Zuck­er-Anteil näm­lich schwarz auf weiß.

pinke leuchtschrift

Susanne: Damit sind wir auch schon beim Faz­it meines zuck­er­losen Daseins:

Ja, ich möchte auf Zuck­er verzicht­en – aber nicht auf Brot, Kartof­feln und Nudeln. Und ich möchte auch nicht ständig Fisch, Fleisch, Avo­ca­dos (Hochgr­a­dig umweltschädlich! Ja, lei­der…) und Rührei essen müssen, um über­haupt etwas essen zu kön­nen. Eben­so wenig habe ich Lust darauf, zwei ver­schiedene Mit­tagessen (für mich und für die restliche Fam­i­lie) kochen zu müssen. Nach zwei Wochen habe ich das Pro­jekt „Zuck­er­los“ deshalb abge­brochen – mit dem Gefühl, dass das Mehr an tierischen Pro­teinen und Fett langfristig eben­so wenig gesund ist wie Zuck­er. Vor allem ist aber der höhere Fleis­chkon­sum für mich auch moralisch nicht zu vertreten.

Dass es gesund ist, auf raf­finierten Zuck­er zu verzicht­en – ich denke, darüber müssen wir nicht disku­tieren. Aber dass damit auch gesunde Stärke und Kohlen­hy­drate gemeint sind, das will mir nicht einleuchten.

Wie siehst du das? Hast du Erfahrung mit Zuck­er-Detox? Erzähl doch mal!

Candy Bar

Julia: Anson­sten gilt – lieber selb­st kochen, als auf Fer­tig­gerichte zurück­zu­greifen. Das Gute ist, dass es im Inter­net so viele fan­tastis­che Rezepte und Tipps zum Nach­le­sen gibt, dass wirk­lich für jeden etwas dabei ist. Sog­ar für Kochmuf­fel wie mich. Man kann sich sog­ar ganze zuck­er­freie Einkauf­s­lis­ten herun­ter­laden. Ausre­den zählen nicht! Los geht’s …

Klar ist es anfangs zeitaufwändi­ger und eine Umstel­lung von Gewohn­heit­en, immer darauf zu acht­en, wo (abseits der offen­sichtlichen Süßigkeit­en) über­all Zuck­er drin sein kön­nte. Aber wenn das Bewusst­sein ein­mal in diese Rich­tung geschärft ist, fällt es viel leichter und macht sog­ar richtig Spaß, dem bösen Zuck­er wieder erfol­gre­ich ein Schnip­pchen geschla­gen zu haben, wenn man ihn irgend­wo ver­steckt ent­deckt und bewusst ver­mieden hat.

Ein drei­wöchiger Erfahrungs­bericht würde an dieser Stelle den Rah­men spren­gen. Aber soviel ste­ht fest: Bere­its nach kurz­er Zeit hat­te ich tat­säch­lich viel weniger Ver­lan­gen nach Süßem. Die Kuchenaus­lage in der Bäck­erei kann mir mit­tler­weile fast nichts mehr anhab­en. Auch an Eis­die­len kann ich jet­zt ein­fach­er vor­bei gehen. Außer­dem füh­le ich mich tat­säch­lich wach­er als son­st. Ein­bil­dung? Oder tat­säch­lich der Zucker-Faktor

Ganz auf Zuck­er verzicht­en, kann und möchte ich nicht. Aber bewusster auf meine Ernährung und die Zusam­menset­zung mein­er Lebens­mit­tel und die mein­er Kinder acht­en auf jeden Fall. Denn Zuck­er-Verzicht heißt keines­falls Genuss-Ver­lust. Ganz im Gegen­teil! Ich habe viele leckere Sachen für mich ent­deckt, die ohne die Chal­lenge bes­timmt nie in meinem Einkauf­swa­gen gelandet wären. Und in punk­to Süßigkeit­en kann ich nur empfehlen: aus den Augen – aus dem Sinn. Was ich nicht zu Hause habe, kann ich auch nicht essen.

Unsere Tipps gegen den Heißhunger zwischendurch:

  • Viel trinken! Am besten drei Liter am Tag. Natür­lich am besten Wasser.
  • Obst oder Nüsse snack­en! Wertvolle Nährstoffe und Energielieferanten.
  • Regelmäßig essen! So bleibt der Insulin­spiegel konstant.
  • Keine Süßigkeit­en im Haus haben!
  • Viel bewe­gen! Oder andere Ablenkung suchen.
  • Zähne putzen! Danach ist vor allem abends die Hemm­schwelle größer, nochmal Süßes zu essen.
Letzte Kommentare (4)

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Peti
Dienstag, 27. November 2018, 18:13 Uhr

Dass “Meine Fam­i­lie keine Lust mehr auf kartof­fel­lose Essen hat­te..” ist ein Ausrede, die ich immer wieder höre, wenn Men­schen es nicht schaf­fen, dem Zuck­er zu wider­ste­hen. Ich habe Mitte 2016 mit ein­er zuck­er­freien Ernährung­sum­stel­lung begonnen. Meine Fam­i­lie musste nicht darunter “lei­den”. Ich habe ganz nor­mal gekocht und bei Bedarf gab es eben Kartof­feln, Reis oder Nudeln für die Fam­i­lie. Und ausser­dem gibt es sehr viele Alter­na­tiv­en für Nudeln
Reis oder Kartof­feln. An einem fes­ten Tag in der Woche sind auch mal Zuck­er und “böse” Kohlen­hy­drate erlaubt.
Aber wenn man eben keine Lust hat und immer Ausre­den find­et, dann wird das auch nichts. Ich bin froh, dass ich mich dafür entsch­ieden habe. Meinem Kör­p­er geht es bess­er. Viele Krankheit­en und Prob­leme gaben sich in Luft aufgelöst und ich habe 48 kg abgenommen.

Katareng
Freitag, 16. November 2018, 9:41 Uhr

Ich habe vor knapp 2 Jahren meine Ernährung auf zuck­erärmer umgestellt. Ich esse aber nach wie vor voll­w­er­tige KH und auch Milch­pro­duk­te in denen ja auch Zuck­er ist. Bin jedes­mal fasziniert, dass in Magerquark Zuck­er ist 😂 Es bedeutet für mich, sehr viel frisch zubere­it­en und Mahlzeit­en vorkochen. Ich backe und koche auch viel mehr mit pflan­zlichen Zutat­en. Wenn ich dann mal etwas esse, dass viel Zuck­er enthält, bringt mich das aber auch nicht um. Allerd­ings bemerke ich, dass ich an solchen Tagen einen höheren Puls hab und zum Beispiel schlechter ein­schlafen kann. Mit tut es gut. Das ist mein Faz­it aus fast 2 Jahren weniger Zuck­er. Und knapp 17 Kilo weniger und endlich auch mal Muskeln die ich bemerke. Mache schon seit 10 Jahren viel Sport. Auch Kraft­train­ing. Aber die Muskeln woll­ten nie so wie ich. Das zuck­erärmere Essen scheint diese aber nun aufgeweckt zu haben 😁

Donnerstag, 1. November 2018, 11:07 Uhr

Danke, liebe Vic­to­ria, für deinen aus­führlichen Kom­men­tar!! Das klingt in der Tat toll! Magst du noch mal schreiben, was für ein Pro­gramm du da gemacht hast? Das würde mich (und andere vielle­icht auch!) sich­er interessieren!

Ganz liebe Grüße!

Susi.

Viktoria
Dienstag, 30. Oktober 2018, 9:21 Uhr

Hi Susanne, ich möchte gerne meine Erfahrun­gen teilen. Schon immer war ich eine “süße”. Ein Eis, etwas Schoko­lade, ein Stück Kuchen kon­nte ich jed­er Zeit essen, egal wie satt ich war. Und von Kind an war ich übergewichtig, in der Pubertät sog­ar adipös. Es gab Zeit­en, wo ich fast alles essen kon­nte, was ich wollte, da ich durch Stress und keine Zeit zum Naschen nicht zunahm. Mein BMI war aber fast immer im Bere­ich leicht­es Übergewicht. Nach der Geburt mein­er Kinder habe deut­lich zugenom­men. Ins­beson­dere nach der let­zten Geburt. Mein Essen war sehr zucker­be­lastet und ich litt darunter. Ich spürte wie unge­sund ich lebe, hat­te aber keine Moti­va­tion etwas zu ändern. Wider­willig entsch­ied ich mich für ein Fit­ness-Abone­ment in der Hoff­nung durch Sport einen Ans­porn zu find­en. Das war die richtige Entschei­dung! Danach wollte ich meine Ernährung unter die Lupe nehmen. Beim Fit­ness-Stu­dio habe ich ein Ernährung­spro­gramm ges­tartet und die Pfun­den purzel­ten nur so. Jeden­falls kön­nte ich mich nie beim Süßen zurück hal­ten. Die emp­foh­lene Tages­menge habe ich ständig mächtig über­schrit­ten und danach ging es mir seel­isch wie kör­per­lich schlecht. Ich musste zugeben, dass mein Kör­p­er zuck­er­süchtig war. Eine Fre­undin hat mir den Film “That Sug­ar” emp­fohlen und der hat mir den besagten Tritt in den A.… gegeben. Nach mein­er Inter­ne­trecherche zum The­ma Zuck­er­süchtig habe ich mich für ein Zuck­er­frei-Pro­gramm entsch­ieden, was Recht mod­er­at war. Acht Wochen, darunter die erste Woche nur etwas in Zuck­er eingeschränkt, dann eine Woche noch mit Obst, danach 4 Wochen ohne Obst und in den let­zten zwei Wochen wurde langsam zuck­er­armes Obst wieder einge­führt. Milch, Kohlen­hy­drate, süßlichen Gemüse und sog­ar trock­en­er Rotwein bzw. Bier waren nicht unter Ver­bot! Lediglich sollte man ver­suchen auf Weißmehl zu verzicht­en. Ich hätte nie gedacht, dass es so ein­fach wird, selb­st ohne Obst. Nur die ersten 7–10 Tage hat­te ich mit Schwindel­ge­fühl zu tun. Ich habe natür­lich noch mehr angenom­men (15 Kilo ins­ge­samt) und das Beste ist, ich habe mein Gewicht gehal­ten! Im Moment bin ich wieder schwanger und logis­cher­weise schw­er­er gewor­den. Aber ich füh­le mich nicht mehr vom Zuck­er abhängig. Eine Tafel Schoko­lade kann bei mir jet­zt mehrere Tagen, sog­ar Wochen ange­fan­gen bleiben. Früher undenkbar! Jedes Mal wenn ich früher mit etwas Süßem ange­fan­gen habe, kon­nte ich nicht aufhören bis mir richtig übel würde. Jet­zt habe ich dieses Gefühl der Befriedi­gung nach ein­er kleinen Por­tion. Und ein Stück Kuchen reicht mir auch in der Regel. Süßes esse ich meist nach dem Mit­tag, abends habe ich kein Bedürf­nis mehr. Kurzum, bei mir war der Zuck­erverzicht ein voller Erfolg. Ich habe jet­zt kein Ziel zuck­er­frei zu leben, habe aber den bewussten Umgang damit gel­ernt. LG Viktoria