Vom Älterwerden. Und von der Leidenschaft fürs Leben

13. Dezember 2017 | von

Vor zwei Wochen bin ich 50 gewor­den und ich habe es nicht gemocht.

50! Ein halbes Jahrhun­dert! So alt wie meine Oma, als ich Kind war. Damals, als Omas noch wie Omas aus­sa­hen und eine Kit­telschürze tru­gen. Eine schi­er unfass­bare Vorstel­lung. So sehr ich den Strom an Grat­u­lanten, den Reigen an Glück­wün­schen, die Fülle an wun­der­schö­nen Geschenken genoss – so sehr war der Tag doch auch durchtränkt von einem mauen, fast trost­losen Gefühl: Nun also habe ich die Mitte meines Lebens über­schrit­ten. Endgültig und zweifel­los. Ab jet­zt geht es nur noch bergab. Und ich würde den langsamen Ver­fall nicht aufhal­ten kön­nen. Bewe­gung, gesunde Ernährung, Kos­meti­ka, Anti-Aging – sich­er. Aber let­ztlich nützt alles nichts. Jaja, klar, Alter ist nur eine Zahl und man ist so alt, wie man sich fühlt. Den­noch. Ich würde nie wieder richtig jung sein und manche Leben­sphasen sind unwieder­bringlich vorbei.

Antje Ritter

Antje Rit­ter, Über­set­zerin und Psy­chother­a­peutin, 50. (Foto: Stef­fen Baraniak)

Aber dann fie­len mir die vie­len tollen Frauen ein, die ich kan­nte. Frauen jeden Alters. Sie sind 30, 40, 50. Manche auch schon 60 oder 70. Sie haben mehr oder weniger Fal­ten. Manche sind blond oder brünett. Andere haben graue Sträh­nen oder sind weißhaarig gewor­den. Sie leben ver­schieden­ste Leben an ver­schieden­sten Orten mit ver­schieden­sten Berufen. Doch so unter­schiedlich sie sind, so gle­ichen sie sich doch in einem: Sie sind alle jung – selb­st wenn manche den Jahren nach schon älter oder sog­ar alt sind. Weil sie bren­nen. Fürs Leben, für ihre Arbeit, für ihre Lei­den­schaft. Für das, was sie lieben, leben, tun. Auch jen­seits der Lebens­mitte haben sie das Strahlen in ihren Augen nicht ver­loren, die Lust auf das Neue. Auf Wag­nisse und Veränderung.

Annette Bopp

Annette Bopp, Jour­nal­istin und Autorin, 62. (Foto: Carsten Strübbe)

Friederike Schmitz

Friederike Schmitz, Lek­torin, 70. (Foto: Ruth Frobeen)

Und mir fiel wieder ein, was mich bren­nen lässt. Das Schreiben. Das Reisen. Die Neugi­er auf jeden neuen Tag. Über­haupt diese ganze wun­der­bare Welt da draußen, die auf mich wartet und der ich ges­pan­nt ent­ge­gen­blicke. Plöt­zlich war mir angesichts der 50 nicht mehr bange. Ich werde ein­fach weit­er bren­nen und das Feuer in mir nicht aus­ge­hen lassen. Das Leben selb­st wird mein Anti-Aging-Pro­gramm sein, nicht irgendwelche hochdosierten Vit­a­mine und Spurenele­mente. Die pure Freude am Sein ist mein Fal­tenkiller – statt Hyaluron, Botox und Co.

Janne Klöpper

Janne Klöp­per, Mod­er­a­torin und Über­set­zerin, 56. (Foto: San­dra Wille)

„Eines Tages wer­den wir alle ster­ben!“ sagt Char­ly Brown in einem Car­toon zu Snoopy. Und Snoopy antwortet: „Ja, aber an allen anderen Tagen nicht!“

In diesem Sinne: ein Hoch auf das Leben und die Lei­den­schaft – in jedem Alter!

Susanne1

 

Letzte Kommentare (6)

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Montag, 25. Januar 2016, 10:26 Uhr

Liebe Susanne,
mein 30. und mein 50. Geburt­stag haben mir nicht gefall­en. Sei’s drum. Mit der Begeis­terung und dem Bren­nen hast du es getrof­fen. So lange wir noch neugierig sind auf das Leben, sind wir jung. So hat es auch Bob Dylan in “For­ev­er Young” gesun­gen und der ist über 70.

Liebe Grüße
Renate

Freitag, 22. Januar 2016, 10:00 Uhr

Liebe Susanne, Älter­w­er­den sei nichts für Fei­glinge meinte einst Bette Davis. Wenn ich mir gle­ichal­trige Frauen in mein­er Umge­bung anschaue oder auch die vier, die Du aus­gewählt hast, möchte ich allerd­ings aus­rufen: “Wann werde ich endlich (noch) älter?”. Im ver­gan­genen Jahr bin ich eben­falls 50 gewor­den und nie zuvor hat sich mein Leben so stim­mig ange­fühlt. Danke für Deinen schö­nen Beitrag.

Freitag, 22. Januar 2016, 6:22 Uhr

Liebe Susanne,

yes zum Leben. Genau das, hast du sehr, sehr schön beschrieben.

Her­zliche Grüße 

Clau­dia

Donnerstag, 21. Januar 2016, 17:01 Uhr

Liebe Susi, darf ich dir mal was sagen, was offen­sichtlich in dein­er eignen Wahrnehmung inner­halb eines blind­en Flecks liegt? Du hast es. Dieses grandiose Strahlen, ganz von innen her­aus, mit dem man nie niemals nich wirk­lich alt wer­den kann! Ganz ehrlich! Mein einziger Kri­tikpunkt wäre: Deine Füße sehen (noch) ein biss­chen zu sauber aus.…

Donnerstag, 21. Januar 2016, 16:31 Uhr

Alle hier so wun­der­schön por­traitierten Frauen sind Role Mod­els, und sie per­sön­lich zu ken­nen, ist ein Priv­i­leg. Danke für diesen schö­nen Text, liebe Susi!

Dörte Behrmann
Donnerstag, 21. Januar 2016, 15:39 Uhr

Ha, liebe Susi, jet­zt hast du den richti­gen Dri­ve bekom­men, das Alter zu nehmen, was es ist. Eine Jahreszahl. Erfahrung. Reife. Gelassen­heit. Nicht änder­bar. Freue mich sehr. Und danke für die wun­der­baren Fotos dieser faszinieren­den Frauen.
Her­zlich, Dörte