Warum ist es so schwer, unseren Busen zu mögen?

22. April 2020 | von

Ich habe meine Brüste noch nie gemocht. Immer schon waren sie mir zu groß, zu schw­er, zu auf­fäl­lig. Selb­st wenn mich schmal(er) gebaute Fre­undin­nen um mein schönes Dekol­leté benei­de­ten: Wie gerne hätte ich mit ihnen getauscht!

Wie sehr habe ich mir, ger­ade als Mäd­chen und junge Frau, Brüste à la Twig­gy gewün­scht – klein, fest, fast schon androg­yn –, während meine eher denen ein­er Marylin Mon­roe oder Ani­ta Ekberg glichen. Wie gerne hätte ich meine Brüste ver­steckt, wenn es denn möglich gewe­sen wäre! Aber sie waren nun mal da und sie waren präsent, sehr präsent … So sehr ich mich mit den unter­schiedlich­sten BHs mühte, sie klein­er zu mogeln. Kommt dir das bekan­nt vor? Ich bin mir fast sich­er. Aber warum ist das so?

Zu groß, zu klein – der Frust mit der Brust 

Ich kenne ehrlich gesagt kaum eine Frau, die ihre Brüste mag. Immer sind sie zu klein oder eben zu groß, ein A‑Körbchen wird eben­so wenig gemocht wie Doppel‑D. Und selb­st die, die mit­ten­drin liegen – und doch eigentlich zufrieden sein kön­nten – wün­schen sich andere Brüste. Vielle­icht, weil sie nicht mehr so straff sind wie mit 25, weil sie hän­gen oder flach sind, weil die Nip­pel zu groß oder zu klein sind. Ach, es gibt tausend Gründe, an sich und am Busen rumzumäkeln!

Warum ist das so? 

Ich habe keine Ahnung! Vielle­icht, weil wir Frauen (anders als Män­ner) so sozial­isiert sind, nie zufrieden mit uns zu sein. Und der Busen ist nun mal ein typ­isch weib­lich­es Attrib­ut! Immer haben wir Schön­heit­side­ale vor Augen, die wir zu erre­ichen suchen! Die mit den kleinen Brüsten sehnen sich nach einem Marylin-Busen, die mit großen wollen es lieber flach à la Twig­gy haben. Und die dazwis­chen lassen sich ein­fach von der all­ge­meinen Unzufrieden­heit anstecken.

Darum sind Frauen nie mit ihrem Dekolletee zufrieden

Was wir Frauen für mehr Busen-Liebe tun können 

Ein paar Ideen habe ich: Uns annehmen, wie wir sind! Uns selb­st lieben und schön find­en! Nicht ständig nach links und rechts schie­len, wer möglicher­weise den schöneren Busen (oder: Bauch, Beine, Po, Lip­pen, Nase, Haare, Augen und so weit­er) hat. Ja, ich weiß, klingt ein­fach – ist es aber nicht. Umso dankbar­er bin ich für #self­love und #body­pos­i­tiv­i­ty, die eben nicht nur Schlag­wörter und Insta­gram-Hash­tags sind, son­dern glob­ale Bewe­gun­gen, die (nicht nur) uns Curvys vor Augen führen, dass Selb­stakzep­tanz der erste Schritt ist, um sich selb­st zu mögen – mit großem oder kleinem Busen.

Was ich mir aber auch wün­schen würde: eine Mod­ein­dus­trie, die auf unter­schiedliche Kör­per­for­men noch mehr einge­ht. Die Klei­der und Blusen so pro­duziert, dass sie nicht über dem Busen span­nen und klaf­fen (und wir keine Sicher­heit­snadeln brauchen, um nicht zu viel Ein­blick zu gewähren). Die uns Biki­nis und Badeanzüge anbi­etet, die richtig guten Halt bieten. Und Unter­wäsche, die bei aller Form­sta­bil­ität auch noch sexy ist. Ja, in den let­zten Jahren ist schon einiges passiert – aber da geht noch was!

Wie bekomme ich mehr Selbstliebe

Hier find­est du Susannes Look zum Nachstylen:

In dem Kleid, das ich gemein­sam mit mein­er Tochter während unseres Som­merurlaubs fotografiert habe, gefalle ich mir übri­gens samt mein­er üppi­gen Ober­weite richtig gut. Und genau von diesen „Ich-mag-meinen-Busen!“-Momenten möchte ich noch mehr in meinem Leben haben!

Ich arbeite daran. Und was denkst du?

Fotos: Eva Ack­staller 

Letzte Kommentare (2)

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Antonia
Montag, 16. Dezember 2019, 18:04 Uhr

Hal­lo Susanne, 

ich finde deinen Bericht sehr inter­es­sant, weil du anscheinend von der ganz anderen Seit aus kommst. Mir sind deine Wün­sche völ­lig fremd und unver­ständlich auf eine faszinierende Art.
Ich habe eine kleine, feste, runde 80A mit kleinen aber promi­nen­ten Brust­warzen. Objek­tiv gese­hen, würde ich sie an jemand anderem nicht hässlich find­en. Wenn ich Sin­gle bin, bin ich komis­cher­weise immer zufrieden mit mein­er Ober­weite und all­ge­mein sehr selb­st­be­wusst. Ich bekomme viel pos­i­tive Res­o­nanz von der Män­ner- und Damen­welt und bin ins­ge­samt zufrieden mit meinem Leben.
Jedoch immer, wenn ich in ein­er Beziehung bin und jemand an mein­er Seite ist, der mir das Gefühl gibt, mich zu mögen/lieben, werde ich von Zweifeln geplagt. Zweifel sind unter­trieben. Ich bin mir sich­er, dass er mich nicht attrak­tiv find­en kann und meine Brüste elendig klein und hässlich sind. Ich füh­le mich dann unweib­lich und nicht begehrenswert. Die sozialen Medi­en, Wer­be­bilder und die Kom­mentare im Netz geben mir das Gefühl, nur große Brüste seien begehrenswert und fem­i­nin. Ich kann es daher über­haupt nicht nachvol­lziehen, wie man sich kleine Brüste wün­scht, außer man hat Rück­en­schmerzen. Ich benei­de jede Frau mit nicht kleinen Brüsten um ihr Glück, nicht mein Leid teilen zu müssen. Ich war vor fünf Jahren auch schon mal für 18 Monate stark depres­siv wegen des Has­s­es meinen Brüsten gegenüber. Ich bin ein­fach zutief­st trau­rig, nicht das sein zu kön­nen, was sich die meis­ten Män­ner, inklu­sive des Men­schens, den ich liebe, wün­schen und was sie begehren. Er hat mir mal gesagt: „Brüste kön­nen nicht groß genug sein.”
Meine drei Schwest­ern haben alle sehr große Brüste (75C bis 90F), eine davon hat mich auch bere­its mit 13 Jahren für meine kleinen Brüste gemobbt und gehänselt vor Fre­un­den und meinem Schwarm. Heute weiß ich natür­lich, dass ihr geringes Selb­st­wert­ge­fühl und ihre eige­nen Zweifel dafür ver­ant­wortlich waren, trotz­dem haben diese Hand­lun­gen und das damit ver­bun­dene Schamge­fühl für meinen Kör­p­er Spuren hinterlassen.
Ich schäme mich für meine Gedanken, weil sie so furcht­bar ober­fläch­lich sind, da ich son­st eine gebildete, erfol­gre­iche Frau und denke, dass ich es eigentlich bess­er wis­sen sollte. Ich habe schon lange mit dem Gedanken gespielt deswe­gen eine Ther­a­pie zu machen, doch ist es mir viel zu pein­lich, darüber zu reden. Das würde meinen Zus­tand real wer­den lassen. Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll. Diese Zweifel sitzen so tief und ich weiß nicht, wie ich sie loswer­den kann. Falls es jemand bis zum Ende gele­sen haben sollte, vie­len Dank für die Aufmerksamkeit.

swantje
Montag, 23. September 2019, 15:52 Uhr

Ich habe meinen Busen (90F) immer gemocht. Aber ich musste mir viel anhören in all den Jahren und viele Blicke ertra­gen. Nicht meine Brust ging mur auf die Ner­ven, der die ist (immer noch) wun­der­schön, son­dern die Ker­le, die das Glotzen nicht abstellen kon­nten und die Frauen, die ver­sucht­en mich deswe­gen abzuw­erten und darauf zu reduzieren. Dieser Artikel set­zt ja auch schon fast Unzufrieden­heit voraus. Das finde ich schade.