„This Is Us“ – der schönste Kitsch, den man sich vorstellen kann

31. Juli 2018 | von

Ich bin bekennender Serienjunkie. Ich liebe Action- und Thriller-Serien wie „The Walking Dead“, „Game of Thrones“, „Breaking Bad“, „24“ oder „Prison Break“. Aber eine kleine leise, vermeintlich altmodische Familienserie – ganz ohne Drogenbosse, Zombies und Drachen – hat sich nun auch in mein Herz geschlichen: „This Is Us – Das ist Leben“. In den USA war die Dramedy-Serie ein riesengroßer Erfolg. In Deutschland wurde sie auf ProSieben gezeigt und ist leider ziemlich gefloppt. Ich kann nicht so recht verstehen warum. „This Is Us“ ist lustig, traurig, berührend, manchmal überraschend – und einfach nur schön. Da ihr die Serie vielleicht noch schauen werdet, darf ich nicht zu viel über die Handlung verraten, denn es gibt einige Überraschungsmomente, die ich auf keinen Fall spoilern möchte. Nur soviel: Es geht um die Familie Pearsons, deren ergreifend schöne Geschichte behutsam nach und nach aufgerollt wird. Ihre Geschichte wird über mehrere Zeitebenen erzählt, verflechtet die Erzählstränge der einzelnen Personen und hält so manches Aha-Erlebnis bereit. Durch die verschiedenen Ebenen wird es nie langweilig. Man lernt die Protagonisten als Kinder und als Erwachsene kennen, und man versteht erst ganz allmählich, wie jeder einzelne vom Leben geprägt wurde und warum er so geworden ist, wie er ist.

Keine Klischees, sondern echte Emotionen!

Ich möchte Euch heute mit einem der Hauptcharaktere bekannt machen: der 36jährigen Kate Pearson, gespielt von der wunderbaren Chrissy Metz. Kate ist eine schöne, warmherzige und humorvolle Frau – die sehr dick ist. Sie war als Kind schon dick, wurde von anderen Kindern gehänselt und ausgegrenzt. Im Alter von acht Jahren wird Kate von ihrer Mutter (gespielt von Mandy Moore) auf Diät gesetzt, nimmt aber im Laufe der Zeit trotzdem immer mehr zu. Dadurch verschlechtert sich auch das Verhältnis von Mutter und Tochter. Ihre (dünne) Mutter meint es ja nur gut, wenn sie Kate zum Abnehmen drängt, verletzt sie aber ohne es zu merken dadurch immer mehr, und schwächt Kates Selbstbewusstsein. Die Beschäftigung mit Ihren Essgewohnheiten und ihrem Körperbild dominiert Kates Leben als Erwachsene. Sie besucht Selbsthilfegruppen, geht in ein Diät-Camp, erwägt eine Magen-Bypass-Operation. Sie kämpft, schwitzt, müht sich ab, verzichtet, ja beendet sogar eine Beziehung, weil ihr das Abnehmen wichtiger ist als die Partnerschaft. Dennoch stellt sich kein Erfolg ein. Ich habe mit ihr gefühlt, gelitten, gelacht und geweint. Oft werden Dicke in den Medien klischeehaft dargestellt – bei „This Is Us“ haben wir es nicht mit Stereotypen zu tun, sondern mit alltäglichen Menschen, die sehr liebevoll gezeichnet sind, ohne dabei kitschig zu wirken.

Fesselnde Geschichten mit viel Charisma

Kate ist nur einer von vielen Charakteren der Serie – alle anderen sind genauso vielschichtig und berührend. Die Schauspieler sind top, passen hervorragend in ihre Rollen und sind mir sehr ans Herz gewachsen. (Mein Tipp: wenn euer Englisch gut genug ist, schaut lieber im Original.) Der Vater, Jack Pearson, zum Beispiel wird gespielt von dem wahnsinnig gut aussehenden Milo Ventimiglia, von vielen geliebt als „Jess Mariano“ in der Serie „Gilmore Girls“.

Ich kann gar nicht sagen, welche der Figuren ich am liebsten mag. Und ich liebe es, wie unaufgeregt große Themen wie Mut, Liebe und Vergeltung behandelt, aber auch die kleinen Momente des Lebens großartig erzählt werden. Die New York Times schrieb: „This Is Us zu schauen ist, wie mit einem nassgeweinten Kissen verprügelt zu werden.“  Stimmt.

Aufmacherfoto: Chrissy Metz © shutterstock.com / JStone

Letzte Kommentare (1)

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Bella Greeny
Dienstag, 18. September 2018, 21:28 Uhr

Ich liebe diese Serie auch und kann überhaupt nicht verstehen, warum sie im deutschen Fernsehen gefloppt ist. So schade, dass wir nicht alle Staffeln sehen können. 😢😢