Leben mit
Skoliose: meine Erfahrungen …

18. Juli 2018 | von

Manch­mal komm ich mir mit meinen 31 Jahren vor wie eine alte Oma. Mit Rück­en­schmerzen aufgewacht und mit den gle­ichen ins Bett gegan­gen. Es liegt jedoch nicht nur am sitzen­den Büro­job, son­dern an meinem Wirbelsäulenleiden.

skoliose folgen

Wie alles begann

Mit etwa 11 Jahren wurde bei mir eine Verkrüm­mung der Wirbel­säule — genan­nt Sko­liose fest­gestellt. In Deutsch­land lei­den vor allem Mäd­chen unter der orthopädis­chen Krankheit und es sind mehr davon betrof­fen, als gedacht. Die meis­ten wis­sen es gar nicht. Bei mir war es auch eher „Zufall“, dass man es ent­deckt hat. Der Papa mein­er Fre­undin war Phys­io­ther­a­peut und ihm ist meine schiefe Hal­tung mal aufge­fall­en. Ein Arzt bestätigte dann seine Ver­mu­tung und ein klein­er Lei­densweg begann.

Das etwas andere Korsett

Eine Verkrüm­mung von ca. 38 Prozent im oberen Rück­en­bere­ich war die Aus­sage. Das Mäd­chen braucht schnell­stens ein Korsett und eine Reha zur Sta­bil­isierung. Bei Korsett dachte ich natür­lich direkt an diese hüb­schen Teile zum Schnüren, aber diese Illu­sion wurde mir schnell genom­men. Ein Spezial­ist in Stuttgart war als bester Korset­tbauer bekan­nt und dieser nahm sich auch mein­er an. Her­aus kam ein hartes Plas­tik­teil mit beson­deren Stützpuffern im Inneren, die meinen Rück­en wieder ger­ade machen soll­ten. 23 Std. am Tag sollte ich das Ding tra­gen. Hab ich natür­lich NICHT gemacht, weil ich es bess­er wusste 🙂 Es war für mich auch kaum möglich, mit dem Korsett in der Schule zu sitzen, oder Klam­ot­ten darüber zu tra­gen. Ich trug es also nur nach der Schule und nachts. Es war mir auch irgend­wie pein­lich, mit dem riesi­gen Ding vor meinen Schulka­m­er­aden zu sitzen.

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Der Weg zur Besserung

Bis zum Beginn des 1. Aus­bil­dungs­jahres durfte ich auch jedes Jahr eine spezielle Reha-Klinik für Kinder und Jugendliche mit Sko­liose besuchen. Das war wirk­lich eine tolle Zeit. Mit eini­gen habe ich heute nach so vie­len Jahren noch ab und zu Kon­takt. Neben ein­er Menge Spaß stand hier tagtäglich „Rück­enübung“ auf dem Pro­gramm. Von 9:00 bis 17:00 Uhr. Das hat wirk­lich was gebracht. Die Rück­en­schmerzen waren ver­pufft und die Wirbel­säule im Anschluss nach 3–4 Wochen um 15 Grad gerader.

rueckenschmerzen bekaempfen

Dranbleiben ist das A&O

Der Büro­job und alles hat es natür­lich ver­schlim­mert. Ich sitze den ganzen Tag, zu Hause wird dann auf der Couch gelüm­melt und Sport kommt dann wieder zu kurz. Let­ztes Jahr hab ich mir von ein­er Phys­io­ther­a­peutin die bekan­nten Übun­gen wieder zeigen lassen, um sie zu Hause durchzuführen. Das möchte ich mir wieder vornehmen, da es die Schmerzen lin­dern kann. Es sind nur die Zeit und die Faul­heit — ich geste­he. Manch­mal ist es mit den Rück­en­schmerzen so schlimm, dass es mich im Brust­wirbel­bere­ich sticht und ich mir einen Herz­in­farkt ein­bilde. Ich habe Angst davor, mit 50 Jahren nur noch gebückt laufen zu kön­nen… Eine Heilung gibt es nicht. Es gibt die Möglichkeit der Oper­a­tion, aber das habe ich nie in Erwä­gung gezo­gen, da ich auch schon verp­fuschte Fälle mit Met­all­stange im Rück­en gese­hen habe.

Meine 3 To Do´s ab sofort:

  • Ger­ades Sitzen im Büro
  • Jeden 2. Tag Rück­enübun­gen machen und die Musku­latur stärken
  • Während der Arbeit stehen
rückenübungen bei skoliose
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Letzte Kommentare (5)

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Ariane
Samstag, 14. September 2019, 1:03 Uhr

Ich bin mit 13 Jahren auch nach Har­ring­ton mit zwei Stan­gen im oberen und unteren Bere­ich der Wirbel­säule ver­steift wor­den, heute fast 58 Jahre. Ich habe 4 Kinder und manch­mal (nicht oft) Rück­en­schmerzen, wenn ich nicht meine Übun­gen mache, der Gang ist nicht opti­mal, aber ich bin froh, dass meine Eltern sich für die OP für mich entsch­ieden haben. Mit 6 Jahren wurde die Sko­liose nach einem Schlüs­sel­bein­bruch ent­deckt und danach nur Krankengym­nas­tik und Korsett, welch­es ich gehas­st habe wie die Pest. Nach der OP in Dort­mund ein halbes Jahr nur Liegen im Gip­sko­rsett, danach noch ein halbes Jahr im Gip­sko­rsett in die Schule, und dann noch ein Jahr ein Korsett bis zum Hals in dem Alter, es war ein­fach nur ätzend, während meine Schwest­ern machen kon­nten was sie woll­ten. Ich bin eins von sechs Mäd­chen, das vom Schick­sal aus­ge­sucht wurde, also Kopf hoch für alle, die diese doofe Krankheit haben. Eine mein­er drei Töchter hat auch eine leichte Sko­liose, was mich sehr belastet, warum wird so etwas vererbt? Ich weiß, dass es heute bessere Oper­a­tions­meth­o­d­en gibt, aber ich bin froh, dass man mir nicht am Schienen­bein die Knochen­späne für die Fix­ierung ent­nom­men hat, obwohl meine Beck­en­knochen schon sehr empfind­lich sind. Im Biki­ni sehe ich durch die vie­len Nar­ben nicht sexy aus, aber es ist wie es ist. Alles Gute für alle, die diese Schick­sal mit mir teilen. Think pink…

Susanne Goeke
Samstag, 23. Februar 2019, 21:57 Uhr

Ich habe auch Skoliose.Im Alter von 14 Jahren wurde ich operiert und habe eine Wirbel­säu­len­vol­lver­stei­fung mit Implan­ta­tion Har­ring­ton Metallstab.Damals 68 Grad.Mein Leben wurde ganz schön geprägt.Heute bin ich 53 Jahre alt

Anja Washington
Donnerstag, 21. Februar 2019, 21:12 Uhr

Ich bin 53 Jahre alt und habe 2 Kinder. Sko­liose wurde bei mir bere­its im Kleinkin­dal­ter fest­gestellt. Zunächst habe ich seit dem 6. Leben­s­jahr Kampf­s­port gemacht. Später dann eine Aus­bil­dung zum Qi gong Lehrer. Rück­en­schmerzen und Korsett sind mir erspart geblieben deswe­gen. Verkrümmt bin ich trotz­dem im Atlas­bere­ich bis Brust­wirbel. Aber Gott sei Dank schmerzfrei wegen Sport etc.

Oompa-loompa
Samstag, 1. Dezember 2018, 12:19 Uhr

Ich hat­te schon als Kind mit Sko­liose zu tun und kann mich an end­lose Ein­heit­en Krankengym­nas­tik erin­nern, die mir allerd­ings Spaß gemacht haben und die defin­i­tiv geholfen haben. In der Pubertät dann das fiese Erwachen, eine OP scheint unumgänglich. Man könne es noch mit einem Korsett udn Schuher­höhung ver­suchen. Also musste auch ich mich in dieses hüb­sche Teil pressen. Es war furcht­bar. Mit­ten in der Pubertät wird man in sowas gesteckt, noch dazu die Schuher­höhung. Zudem bekam ich dann auch noch eine Brille und eine Zahnspange. Von alle. Habe ich bis heute prof­i­tiert, vor allem vom Korsett, aber es war damals die Hölle für mich und ich denke ein Grund für mein geringes Selb­st­be­wusst­sein. Auch wenn es dafür keinen Grund gibt… Also für mich Fluch und Segen zugle­ich. Ich hat­te nie jeman­den, der in ein­er solchen Sit­u­a­tion war, daher habe ich mich über den Artikel gefreut und mich ein klein wenig wieder gefun­den. Alles Gute der Autorin!

Silviale68
Samstag, 17. November 2018, 13:42 Uhr

Hal­lo Cecile,
auch ich habe eine Sko­liose und so ein tolles Korsett getra­gen und auch ich war in der Schroth-Klinik mehrmals und ich habe mich mit 38 Jahren für eine Ver­stei­fungs Oper­a­tion entsch­ieden. Schade daß es hier noch keinen Kom­men­tar zu Dein­er Geschichte gibt. Ich finde Deine Ein­stel­lung toll.