Mein Leben mit der Schilddrüsen-
erkrankung

14. März 2018 | von

Schon seit früher Jugend steht meine ärztlich bestätigte Diagnose: Ich habe Schilddrüse. Für mich bedeutet das, dass ich seit meiner Jugend jeden Morgen eine kleine weiße Tablette schlucken und einmal im Jahr zur Kontroll-Untersuchung muss. Eigentlich stört mich das auch gar nicht weiter, aber manchmal zeigt sich meine vergrößerte Schilddrüse auf Fotos, vor allem, wenn ich aus vollem Hals lache. Beim Frisör lasse ich meinen Umhang immer ein Knöpfchen weiter machen. Enge Klamotten wie Rollkragenpullover sind mir ein Graus. Und nicht selten werde ich aus heiterem Himmel von medizinisch interessierten Menschen auf der Straße angesprochen: „Hast du vielleicht was an der Schilddrüse?“ Ja. Habe ich.

Und leicht hypochondrisch veranlagt wie ich bin, ordne ich meine (mit dem Alter auch noch zunehmenden) Zipperlein natürlich zum Großteil meiner Schilddrüsen-Erkrankung zu. Offiziell habe ich eine Struma, so nennt man eine Vergrößerung der Schilddrüse. Meine Symptome ähneln aber meist denen einer klassischen Unterfunktion. Die bekanntesten Ausprägungen sind wohl die Über- oder Unterfunktion, wenn die Drüse zu viele, beziehungsweise zu wenige Hormone produziert. Ich stelle euch in diesem Beitrag die bekanntesten Krankheitsbilder einmal kurz vor:

  • Struma
  • Schilddrüsen-Unterfunktion
  • Schilddrüsen-Überfunktion
  • Hashimoto-Thyreoiditis
Julia hat eine Schilddrüsen-Erkrankung.

Volkskrankheit Schilddrüse?

Immerhin bin ich damit nicht alleine. Schilddrüsen-Erkrankungen kommen in Deutschland relativ häufig vor. Man glaubt gar nicht, was die Hormone dieses kleinen Organs in Schmetterlings-Form vorne im Hals in unserem Körper alles beeinflussen: Stoffwechsel, Kreislauf, Wachstum und sogar die Psyche.

Julia über ihre Schilddrüsen Erkrankung.
Julia über ihre Schilddrüsen Erkrankung.

Struma

Wie in meinem Fall, ist es bei einer Struma so, dass die Schilddrüse es gerade noch so schafft, die erforderlichen Hormone zu produzieren, aber eben nur unter enormer Anstrengung. Daher ist die Schilddrüse vergrößert – der Mediziner spricht von einer Struma. Die Ursache liegt oft an Jodmangel. Eine vergrößerte Schilddrüse kann zum Glück weiterhin ganz normal funktionieren.

Schilddrüsen-Unterfunktion

Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse stehen folgende Symptome auf dem Programm: die Tendenz zur Gewichtszunahme, spröde Haare, trockene Haut, geschwollene Augen, Kälteempfindlichkeit, Antriebslosigkeit, ein verlangsamter Stoffwechsel oder depressive Verstimmungen. Bei einer Überfunktion ist der Körper mit Schilddrüsen-Hormonen überversorgt. Die Symptome äußern sich in Nervosität, Konzentrationsschwäche, vermehrtem Schwitzen, unerklärlichem Gewichtsverlust oder unruhigem Schlaf.

Hashimoto-Thyreoiditis

Eine weitere eher seltene (aber dafür eben auch leider selten erkannte) Ausprägung von Schilddrüsen-Erkrankungen sei an dieser Stelle auch noch erwähnt: die Hashimoto-Thyreoiditis. Dabei handelt es sich um eine chronische Entzündung der Schilddrüse, bei der das eigene Immunsystem das Schilddrüsengewebe angreift. Die Symptome ähneln einer Unterfunktion – oder tückischerweise auch einer Überfunktion, und dadurch werden sie oft auch bei Frauen um die 50 mit typischen Wechseljahrsbeschwerden verwechselt.

Untersuchung und Diagnose

Euer Hausarzt kann über eine normale Blutuntersuchung des sogenannten TSH-Wertes relativ sicher Aufschluss über eine mögliche Schilddrüsen-Erkrankung geben. Mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung kann der Arzt außerdem die Form und Größe der Schilddrüse ermitteln. Ein weiteres Verfahren ist die sogenannte Szintigrafie. Dabei können mit Hilfe eines radioaktiven Medikamentes Rückschlüsse auf die Funktion einzelner Schilddrüsenbereiche gezogen werden.

Falls ihr jetzt meint, euch unter den oben erwähnten Symptomen an der einen oder anderen Stelle wieder zu finden, macht euch bitte bloß nicht verrückt! Sprecht doch einfach bei eurer nächsten Check-Up-Untersuchung am besten einmal euren Hausarzt gezielt auf eure Schilddrüse an.

Alle Fotos © Andrea Hufnagel

Letzte Kommentare (8)

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Montag, 3. Dezember 2018, 12:19 Uhr

In meiner Familie gibt es häufig Probleme mit der Schilddrüse. Ich glaube, dass das am Essen liegt. Wir essen oft viel Zucker und Kohlenhydrate reiche Lebensmittel. Ich konnte beobachten, dass andere Familien sich anders ernähren und dadurch auch gesünder sind. Daher lasse ich die Kohlenhydrate weitläufig weg. Danke für die Infos!

Gustav Sucher
Montag, 15. Oktober 2018, 11:40 Uhr

Hallo, danke für den Beitrag! Ich kann mir gut vorstellen, dass eine Schilddrüsenunterfunktion mit Kohlenhydraten zu tun hat. Schließlich lassen Kohlenhydrate den Insulinspiegel ansteigen, sodass der Stoffwechsel gebremst wird. Danke für den tollen Blog Beitrag!

Makellostanzen
Donnerstag, 27. September 2018, 22:13 Uhr

Hallo , da bei mir die Schilddrüse entfernt worden ist , habe ich arge Probleme bekommen . Ich habe mich dann belesen und Hilfe gefunden , nur nicht von den entsprechenden Ärzten . Ich kann nur sagen ändert Eure Ernährung und Ihr könnt Eure Schilddrüse wieder in Ordnung bekommen ohne Tabletten nehmen zu müssen . Ich würde Sie mir heute nicht wieder entfernen lassen . Leider habe früher nicht so auf meine Gesundheit geachtet und immer schön auf die Ärzte gehört .Würde ich heute auch nicht mehr machen . Nehmt es selber in die Hand und findet bessere Wege Euch aus der Tabletetten Abhängigkeit zu befreien .

Lena
Mittwoch, 18. April 2018, 6:28 Uhr

Ich habe vier Jahre nach der Diagnose Hashimoto noch ein Morbus Basedow dazu bekommen. Eine weitere Schilddrüsen- aber auch Autoimmunerkrankung, die hier nicht erwähnt wird.
Die Lösung war eine Radiojod Therapie, die Schilddrüse wurde quasi fast vollständig zerstört.
Es hat sich vieles verändert aber ich kann gut damit Leben.

Rita
Dienstag, 17. April 2018, 22:46 Uhr

Bei meiner letzten Blutuntersuchung wurde eine Unterfunktion der Schilddrüse festgestellt. Bin ständig müde und antriebslos. Nehme jeden Morgen eine Tablette, ist schon eine automatische Handlung. Man gewöhnt sich dran. Was mich stört die Gewichtzunahme. Mit 50 ist eben einiges anderst und man sollte sich mit seinem Körper arrangieren

Mel
Samstag, 14. April 2018, 22:12 Uhr

Hallo
Ich nehme L thyrox 112 … weiß nicht ob über oder unter Funktion . Genau wie du kann ich nichts enges am Hals haben . Wenn eine Bluse , Pullover mal eng am als liegt zuppe ich immer daran .

Marina
Mittwoch, 11. April 2018, 8:17 Uhr

Hi,
Ich habe auch eine vergrößerte Schilddrüse. Bis man das erkannt hat, wurde ich fast für verrückt gehalten. Ich habe schon Tabletten gehen nervöse Zustände bekommen. Allerdings habe ich einen wirklich tollen Hausarzt der mich für voll genommen hat und bei mir eine Ultraachall-Untersuchung gemacht hat und gesehen hat, dass die zu groß ist. Seitdem nehme ich Jodid 200 und ich fühlte mich fast wie bei geboren. Was so ein kleines Ding ausrichten kann.

Jane
Sonntag, 1. April 2018, 23:28 Uhr

Hi, wie gut ich das kenne. Ich bin ein Hashi, lange Zeit nicht erkannt worden, bis hin zur Arztbemerkung, dass ich mir das alles vielleicht nur einbilde.
Ich dachte das wirklich irgendwann u glaubte, ich werde verrückt.
Gott sei Dank ging der Doc in Rente u ein neuer Art übernahm die Praxis …. mein Hero ….. er erkannte u stellte die Diagnose Hashimoto Therioditis …..
Es geht mir manchmal nicht gut, aber ich weiß warum u habe über die Jahre gelernt, auf meinen Körper zu hören u mit der Krankheit umzugehen …..
LG Jane