Muss ich mich wirklich immer lieben?

17. April 2020 | von

Selb­stliebe – Google verze­ich­net über 4 Mil­lio­nen Tre­f­fer zu diesem Wort. Bei Insta­gram sind es 350.000 Post­ings, die sich mit dem Hash­tag #selb­stliebe beschäfti­gen, bei #self­love kom­men ganz 29 Mil­lio­nen dazu. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass dieses Wort seinen Siegeszug durch Social Media antrat und mit­ten in unser­er Gesellschaft lan­dete: Es gibt Büch­er rund um Selb­stliebe, unzäh­lige Artikel, Blog­posts sowie Pod­casts und Youtube-Videos, die einem „7 Tipps, wie du lernst, dich sel­ber zu lieben“ ver­sprechen. Wird hier nicht etwas übertrieben?

Selbstliebe kann zum Problem werden
Warum muss man sich selbst lieben

Imperfect perfect: Das anfängliche Hochgefühl

Erst war ich begeis­tert. Selb­stliebe! Endlich durfte ich mich und meinen Kör­p­er mögen. Nicht nur meine Haare, Augen, Lip­pen (Die mochte ich immer schon!), son­dern auch den ganzen Rest von mir: die bre­it­en Hüften, den üppi­gen Hin­tern, die Taille, die erst unter drei Schwanger­schaften und dann unter den Wech­sel­jahren gelit­ten hat­te. Ich durfte ich sein. Ich musste mich nicht mehr selb­st per­fek­tion­ieren, denn ich war okay, so wie ich bin – hurra!

Selbstliebe als Zwang: Ein schaler Beigeschmack 

Irgend­wann begann mich das The­ma aber zu ner­ven. Selb­stliebe hier, Selb­stliebe dort, Selb­stliebe über­all … Selb­stliebe wurde langsam zur omnipräsen­ten Verpflich­tung: „Du musst dich sel­ber lieben ler­nen!“, schallte es auf allen Kanälen durchs Inter­net. Beto­nung auf „müssen“. Sich selb­st zu mögen, war keine Option mehr – son­dern ein Befehl. Keine Möglichkeit, son­dern ein Muss.

Ich gebe zu, dass ich mich nicht immer mag. Trotz all der Selb­stliebe und ihrer medi­alen Omnipräsenz gibt es Tage, an denen ich mich grässlich finde: Der schwabbe­lige Bauch, die Brüste mit Ten­denz nach unten, die Cel­lulite – Gründe gibt es viele. Manch­mal wäre ich gerne schlank, hätte gerne eine Biki­ni-Fig­ur wie damals Pamela Ander­son und wün­schte, ich kön­nte Klei­der in Größe 38 von der Stange kaufen. Nein, ich liebe mich nicht immer selb­st – und auch das will ich dür­fen. 

Selbstbestimmung statt öffentlicher Druck 

Body Pos­i­tiv­i­ty und Self­love sind toll. Sie helfen vie­len Frauen, zweifel­los. Aber lasst uns doch bitte den Druck raus­nehmen. „Hab dich gefäl­ligst lieb!“ als das neue „Nimm endlich ab!“ verur­sacht (nicht nur) bei mir genau so viel Stress wie unerr­e­ich­bare Kör­p­er- und Schön­heit­side­ale. Lasst uns ein­fach gelassen mit unseren Kör­pern umge­hen. Dazu gehört auch, sich ein­fach mal nicht zu mögen. Das sollte uns – bei aller Selb­stliebe – auch ges­tat­tet sein.

Was denkst du über das The­ma Selbstliebe?

Letzte Kommentare (3)

Kommentar schreiben: Werde aktiv und rede mit!

Uta
Freitag, 30. August 2019, 22:10 Uhr

Danke. Das spricht mir aus der Seele!

doro
Freitag, 30. August 2019, 9:46 Uhr

Hal­lo
Gibt es einen Link für die bunte Bluse die Susanne trägt?
Lieben Dank

    Kathrin
    Mittwoch, 4. September 2019, 9:29 Uhr

    Liebe Doro,
    genau die Bluse vom Foto gibt es lei­der nicht mehr, aber wenn du auf otto.de unter Blusen den Fil­ter Muster: geblümt set­zt, find­est du einige ähn­liche Modelle.
    Liebe Grüße,
    Kathrin vom Soulfully-Team