Muss ich mich wirklich immer lieben?

7. Juni 2019 | von

Selbstliebe – Google verzeichnet über 4 Millionen Treffer zu diesem Wort. Bei Instagram sind es 350.000 Postings, die sich mit dem Hashtag #selbstliebe beschäftigen, bei #selflove kommen ganz 29 Millionen dazu. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass dieses Wort seinen Siegeszug durch Social Media antrat und mitten in unserer Gesellschaft landete: Es gibt Bücher rund um Selbstliebe, unzählige Artikel, Blogposts sowie Podcasts und Youtube-Videos, die einem „7 Tipps, wie du lernst, dich selber zu lieben“ versprechen. Wird hier nicht etwas übertrieben?

Selbstliebe kann zum Problem werden
Warum muss man sich selbst lieben

Imperfect perfect: Das anfängliche Hochgefühl

Erst war ich begeistert. Selbstliebe! Endlich durfte ich mich und meinen Körper mögen. Nicht nur meine Haare, Augen, Lippen (Die mochte ich immer schon!), sondern auch den ganzen Rest von mir: die breiten Hüften, den üppigen Hintern, die Taille, die erst unter drei Schwangerschaften und dann unter den Wechseljahren gelitten hatte. Ich durfte ich sein. Ich musste mich nicht mehr selbst perfektionieren, denn ich war okay, so wie ich bin – hurra!

Selbstliebe als Zwang: Ein schaler Beigeschmack 

Irgendwann begann mich das Thema aber zu nerven. Selbstliebe hier, Selbstliebe dort, Selbstliebe überall … Selbstliebe wurde langsam zur omnipräsenten Verpflichtung: „Du musst dich selber lieben lernen!“, schallte es auf allen Kanälen durchs Internet. Betonung auf „müssen“. Sich selbst zu mögen, war keine Option mehr – sondern ein Befehl. Keine Möglichkeit, sondern ein Muss.

Ich gebe zu, dass ich mich nicht immer mag. Trotz all der Selbstliebe und ihrer medialen Omnipräsenz gibt es Tage, an denen ich mich grässlich finde: Der schwabbelige Bauch, die Brüste mit Tendenz nach unten, die Cellulite – Gründe gibt es viele. Manchmal wäre ich gerne schlank, hätte gerne eine Bikini-Figur wie damals Pamela Anderson und wünschte, ich könnte Kleider in Größe 38 von der Stange kaufen. Nein, ich liebe mich nicht immer selbst – und auch das will ich dürfen. 

Selbstbestimmung statt öffentlicher Druck  

Body Positivity und Selflove sind toll. Sie helfen vielen Frauen, zweifellos. Aber lasst uns doch bitte den Druck rausnehmen. „Hab dich gefälligst lieb!“ als das neue „Nimm endlich ab!“ verursacht (nicht nur) bei mir genau so viel Stress wie unerreichbare Körper- und Schönheitsideale. Lasst uns einfach gelassen mit unseren Körpern umgehen. Dazu gehört auch, sich einfach mal nicht zu mögen. Das sollte uns – bei aller Selbstliebe – auch gestattet sein.

Was denkst du über das Thema Selbstliebe?

Letzte Kommentare (3)

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Uta
Freitag, 30. August 2019, 22:10 Uhr

Danke. Das spricht mir aus der Seele!

doro
Freitag, 30. August 2019, 9:46 Uhr

Hallo
Gibt es einen Link für die bunte Bluse die Susanne trägt?
Lieben Dank

    Kathrin
    Mittwoch, 4. September 2019, 9:29 Uhr

    Liebe Doro,
    genau die Bluse vom Foto gibt es leider nicht mehr, aber wenn du auf otto.de unter Blusen den Filter Muster: geblümt setzt, findest du einige ähnliche Modelle.
    Liebe Grüße,
    Kathrin vom Soulfully-Team