Kein Barbie-Mädchen

Barbies und plus size

Vor einem Monat war ich zu Besuch in Argentinien, mit dabei war mein vier Monate altes Baby. Ich stand vor dem Haus meiner Eltern und viele Erinnerungen an meine Kindheit kamen zurück. Ehe ich mich versah, hörte ich mich meine Mutter fragen, ob sie noch meine alten Barbie-Puppen hat, mit denen ich als Kind gespielt habe. Da meine Mutter so gut wie alles aufgehoben hat, war die Antwort hierauf „Na klar“. Ich öffnete also eine Box: In ihr waren ungefähr 15 Barbies, ein Ken und eine Batman- Figur.. Und natürlich ein riesiger Haufen von Barbie-Anziehsachen. Einige davon waren gekauft, die anderen von meiner Oma selbst genäht.

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Es hat mich etwas Zeit gekostet, nur zwei Puppen auszusuchen und dazu noch Kleidung, um sie mit nach Deutschland zu nehmen, denn mein Koffer war natürlich schon sehr voll. Die ganze Szenerie brachte mich zurück in meine Kindheit, als ich viel mit ihnen gespielt habe. Ich habe gemerkt, dass das mein erster Kontakt mit Fashion war: „Designs“ und Kleider herstellen sowie Stylings kreieren und Outfits entwerfen.

Aber auch mein erster Kontakt mit einem Self-Body-Image, wie ich mich selbst in und mit meinem Körper wahrnehme. Obwohl ich es geliebt habe mit Barbies zu spielen – ich habe mir zum Beispiel eine eigene Seifenoper ausgedacht und habe meine Freundinnen dazu gebracht noch weitere Charaktere zu erfinden, wenn sie mich besuchten – gab es doch auch immer etwas, das mich frustriert hat. Und das kann man in einem Satz, den ich meiner Mutter damals gestellt habe, gut zusammenfassen: „Mama, warum gibt es keine Barbie, die so aussieht wie du oder ich?“

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Schon früh beschlich mich das Gefühl, dass mit diesen Figuren etwas nicht stimmt. Und ich habe mich gefragt, warum es keine Barbie gibt, die wie „wir“ aussieht, nicht nur brünett (bis spät in die 80er Jahre gab es in Argentinien nur die blonde Basis-Barbie) sondern auch kurvige Modelle! Moppelig, rund, wie auch immer man das nennen mag, da gab es keine Diversität in diesen Körpern. Alle waren gleich!

Zu dünn, zu lang. Die Proportionen von diesen Körpern waren nicht „normal“, auf jeden Fall kannte ich niemanden mit so einer Figur. Und das hat mich schon etwas genervt. Aber ich habe natürlich weiter gespielt. Ich habe Glück, denn ich bin ziemlich widerstandsfähig, was meinen Körper betrifft und ich hatte auch immer eine positive Einstellung zu ihm. So habe ich nie eine Diät gemacht und es akzeptiert, dass ich einen anderen Körper als die Barbies habe. Aber ich habe mir immer gewünscht, dass es auch eine Barbie wie mich gibt.

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Sehr viel später habe ich nun entdeckt, dass es Barbies in Plus-Size gibt, die natürlichere Proportionen haben, also einem Körper aus der echten Welt entsprechen.


Zu spät für mich. In ein paar Jahren wird vielleicht auch meine Tochter mit Barbies spielen wollen, da werde ich ihr auf jeden Fall erklären, dass diese Körper nicht echt sind, sondern einer „Fantasie-Welt“ entstammen, erfundene Figuren, sowie Trolle, Elfen oder Playmobil. Und ich möchte ihr vermitteln, dass diese Körper keine Norm darstellen, wie wir aussehen sollten. Ich wünsche mir, dass das alle Mütter ihren Töchtern erklären, um sie von der Vorstellung zu befreien, dass unsere Körper in echt so aussehen sollen.

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