Mein peinlichstes Kilo-Erlebnis …

6. Mai 2019 | von

Ihr alle ken­nt das Spiel Wahrheit oder Pflicht. Eine sehr beliebte Frage in diesem Spiel ist: „Was war dein pein­lich­stes Erleb­nis?“. Pein­liche Geschicht­en gehen immer. Beson­ders, wenn andere sie erlebt haben, dann kann man so richtig schön darüber lachen.

Heute lautet die Frage: „Was war dein pein­lich­stes Erleb­nis, bei dem dein dick­er Kör­p­er eine Rolle gespielt hat?“

Vor eini­gen Jahren habe ich Urlaub in Ägypten gemacht. Ich hat­te das ganze Land bereist, war ger­ade im Sinai unter­wegs und hat­te eine Wan­derung im „Coloured Canyon“ gebucht. Es war eine geführte Wan­derung mit ein­er größeren Gruppe. Die Leute kan­nte ich vorher nicht, sie waren aber alle recht nett und auf der Wan­derung plaud­erte ich schon mit dem einen oder anderen. Es ging anfangs bergab und dann weit­er durch den Canyon. Der „Coloured Canyon“ hat wun­der­schöne Ste­in­for­ma­tio­nen und beein­druck­ende Far­ben­spiele – er ist atem­ber­aubend.

Grand Canyon

An manchen Stellen war es recht eng, manch­mal musste man etwas rutschen, aber alles in allem schlug ich mich wack­er. Bis, ja, bis wir an „das Loch“ kamen. Um weit­erzukom­men, musste man durch jenes Loch kriechen. Es war eigentlich eher eine Spalte im Fels, auf der ein riesiger Fels­brock­en lag. Man musste unter dem Fels­brock­en hin­durch in der Spalte etwa drei Meter nach unten rutschen, die Öff­nung war allerd­ings recht klein. Oben drüber klet­tern oder herunter sprin­gen ging nicht, weil es auf der anderen Seite zu hoch war, um sich­er wieder runter zu kom­men. Es ging mehrere Meter hinab. Ich sah das Loch und ich wusste sofort: da passe ich nicht durch. Alb­traum.

Meine Mit­stre­it­er ermutigten mich – ach, das passt schon, versuch’s mal. Ich klet­terte also mit den Füßen voran in das Loch und natür­lich blieb ich mit meinem dick­en Hin­tern darin steck­en. Unter­halb des Lochs zap­pel­ten meine Beine, oben meine Arme, die ver­sucht­en, meinen Arsch, der nun wie ein Korken in dem Loch fest­steck­te, irgend­wie wieder nach oben zu drück­en. An dieser Stelle wün­schte ich mir damals, Moses möge auf der Stelle nicht das Rote Meer, son­dern den Canyon teilen und ich ganz schnell tief darin versinken. Es gelang mir dann nach einigem Rumgezap­pel, mich wieder zu befreien. Alles auf Anfang. Wie über­winde ich jet­zt dieses Hin­der­nis? Es gab keinen anderen Weg. Zurück­ge­hen ging nicht, unsere Jeeps erwarteten uns bere­its am Zielpunkt. Und bis dahin war es nicht mehr weit. Aber dazwis­chen war: „das Loch“.

Peinliches Erlebnis einer Dicken
Peinliches Erlebnis als Dicke
Foto @ Roman’s Trav­el Web­site

Wenn es nicht dadurch ging, musste es also oben drüber gehen. Ich habe große Hochachtung vor Freeclimbern, die ihr Kör­pergewicht an einem einzi­gen Fin­ger hochziehen kön­nen. Ich kann das nicht. Ich schaffe es nicht ein­mal, meinen Kör­p­er mit bei­den Armen an ein­er Stange hochzuziehen. Ihr wisst, was ich meine. Ich würde es also auf gar keinen Fall schaf­fen, am nack­ten Fels fünf Meter her­abzuk­let­tern. Die Gruppe unter­halb des Lochs beratschlagte sich. Und ich, ober­halb des Lochs, wollte ein­fach nur noch heulen.

Dann wurde mir der aus­getüftelte Plan eröffnet: zwei sportliche und mutige junge Män­ner wür­den sich ein­er auf die Schul­ter des anderen stellen und sozusagen eine lebende Leit­er für mich bilden, ein Drit­ter kommt zu mir hoch und gibt mir Hil­festel­lung, bis ich mich am oberen der bei­den Leit­er­män­ner sich­er fest­gekrallt habe. Nein, nein, nein, nein, nein. Das wollte ich nicht. Aber ich hat­te keine Wahl. Und so bin ich also mit meinen ganzen gesam­melten Kilos von dem oberen Fel­splateau erst auf die Schul­tern eines völ­lig frem­den Mannes gek­let­tert und hab mich dann an ihm run­tergeschub­bert, meinen gesamten ver­schwitzen Kör­p­er ein­mal von oben nach unten durch sein Gesicht ziehend, hab mich am zweit­en Mann fest­gekrallt, bin auch an ihm mit Vol­lkör­perkon­takt langsam hin­un­tergeglit­ten, bis mich dann endlich viele Hände unten in Emp­fang genom­men haben.

Ich habe mich die ganze Zeit ein­fach nur zutief­st geschämt. Aber als ich mit knall­rotem Kopf unten ankam, empf­ing mich tosender Applaus und auch die bei­den Ker­le wur­den wie Helden gefeiert. Während mir alles ein­fach nur pein­lich war, war die Stim­mung in der Gruppe – meinem großen Hin­terteil sei Dank – phänom­e­nal. Man hat­te ein zusam­men­schweißen­des und erfül­len­des Team­er­leb­nis gehabt und die bei­den Leit­er­män­ner wer­den wahrschein­lich ihren Enkeln noch von der Ret­tungsak­tion erzählen. Und auch ich gebe die Geschichte vom Loch manch­mal noch zum besten und kann inzwis­chen her­zlich darüber lachen.

Und jet­zt bist du dran: Was war dein pein­lich­stes Kilo-Erleb­nis? Stüh­le, die zusam­menge­brochen sind? Neo­pre­nanzüge, die nicht passten? Karus­sel-Sicher­heits­bügel, die sich nicht schließen ließen? Sport­wa­gen, in die du nicht rein- oder noch schlim­mer — wieder her­aus­gekom­men bist?

Letzte Kommentare (10)

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Nies
Mittwoch, 24. April 2019, 17:55 Uhr

Hi, ich war mit meinem Mann im Europa­park und direkt die zweite Attrak­tion sollte die Sil­ber Star wer­den. Wir standen bes­timmt schon 30 Minuten an, als mich so ein Sicher­heit­styp vor ver­sam­melter Mannschaft in den Probe­sitz kom­pli­men­tierte. Beim ersten Ver­such ging es nicht und ich wollte schon auf­ste­hen, aber er meinte “Nein, wir ver­suchen weit­er”. Ende vom Lied war, dass er sich sehr the­atralisch auf den Bügel warf und es immer noch nicht zu ging. Die Leute drum rum fan­den das Spek­takel natür­lich sehr lustig. Ich stieg da raus und ging mit knall rotem Kopf weg. Danach hat es echt einige Zeit gedauert bis ich nicht mehr das Gefühl hat­te, dass jed­er den ich dort sah dabei war.…

Conny
Donnerstag, 29. November 2018, 15:22 Uhr

Liebe Vany­Hany, dig­ger­le, Asamari­ta, Isel und Foto­fan,
schön, dass ihr so mutig seid und EURE pein­lichen Erleb­nisse hier mit uns teilt.
Fahrgeschäfte scheinen ein großes The­ma zu sein — wird Zeit, dass die auch da mal außer­halb der Norm denken und uns nicht ständig aus­gren­zen.

@Zaunkönigin
Ja, nach der Sit­u­a­tion war ich ganz schön auf Adren­a­lin, aber natür­lich auch sehr glück­lich dass geschafft zu haben, es war ja doch eine ganz aben­teuer­liche Klet­ter­par­tie. Zusät­zlich has­se ich es näm­lich auch noch, im Mit­telpunkt zu ste­hen. Wie gut, dass ich so ver­ständ­nisvolle Mitreisende hat­te!

VanyHany
Dienstag, 27. November 2018, 21:13 Uhr

Im Som­mer waren wir mit unser­er 4 jähri­gen Tochter in einem Ferien­park. Seit der Geburt von ihr habe ich es nicht wirk­lich geschafft kilos zu ver­lieren und bin mit 184cm und 115cm Kör­per­größe recht fül­lig. Eine der let­zten Attrak­tio­nen war ein Ket­tenkarusell mir war schon vorher klat das es recht beengt wird aber ich wollte es degini­tiv durchziehen. Rein­set­zen ging noch zu ging nicht beim Kind kamen schon due Trä­nen. Ich wollte auf­ste­hen und mich unauf­fäl­lig aus dem Staub machen doch ich belam den Sitz nicht ab und ich sah dass die anste­hen­den Eltern began­nen zu schmun­zeln. meine Tochter weinte bit­ter­lich und es war wirk­lich schlimm trau­rig und pein­lich. gott sei dank sprang neine fre­undin ein und ist mit mein­er tochter gegahren

diggerle
Donnerstag, 22. November 2018, 8:47 Uhr

Mein Mann und ich sind bei­de “zier­liche gra­zien” und passten eines schö­nen Tages auf dem Volks­fest nicht zu zweit in einen Wagen der Geis­ter­bahn.
Das ist gott­sei­dank das einzige pein­liche Gewicht­ser­leb­nis, aber das hat­te es schon in sich. Habe mich sel­ten der­art geschämt für mich selb­st.
Mit­tler­weile ist es aber ein großer Lach­er zuhause.

Zaunkoenigin
Mittwoch, 21. November 2018, 16:05 Uhr

@Conny,
ja, sie haben eben so reagiert, wie Men­schen die Herzens­bil­dung und Ver­stand haben, im all­ge­meinen reagieren. Dass Du Angst hat­test kann ich sehr gut nachvol­lziehen. Mir wäre es wohl ähn­lich gegan­gen.
Ich frage mich die ganze Zeit, ob ich etwas zum eigentlichen The­ma beitra­gen kann und stelle fest.. ich muss passen und stelle erfreut fest: Pein­liche Sit­u­a­tio­nen habe ich nie auf­grund meines Gewichts erlebt. — Ich habe wohl Glück gehabt!
Blöde Bemerkun­gen kenne ich zwar, aber auss­chließlich von mein­er Mut­ter. Und das wäre noch mal ein völ­lig anderes The­ma und hat im Grunde nichts mit meinem Gewicht zu tun. Denn, wären es nicht die Kilos, dann wäre es meine Haar­farbe, die Som­mer­sprosse links unten, oder die Beine. Irgend etwas find­et sich immer.

Wie ging es Dir eigentlich nach­dem Du die Sit­u­a­tion über­standen hat­test? Warst Du nicht auch etwas stolz auf Dich?

Asamarita
Dienstag, 20. November 2018, 20:56 Uhr

Ja, das ist ein Grund, warum ich es die let­zten Jahre ver­mieden habe, in einen Freizeit­park zu gehen. Ich habe keine Prob­leme mit mein­er Fig­ur ( meis­tens 😉 ) aber das wäre mein per­sön­lich­er Alb­traum: „ tut mir leid, Sie sind zu dick für das Fahrgeschäft…“ Na, danke auch … 🙂

Isel
Dienstag, 20. November 2018, 20:45 Uhr

Es war die Kom­mu­nion mein­er Nichte. Die Feier fand im Garten der Fam­i­lie statt. Viele Gäste, viele Kinder und ich spielte ‚fan­gen‘ mit ein paar davon. Um es etwas lustiger zu gestal­ten, blieb ich etwas hin­ter den kleineren zurück und lief nicht immer so schnell ich hätte kön­nen. Mit­ten auf der Wiese, vor den gedeck­ten Tis­chen und allen Fre­un­den und Ver­wandten, bleibt meine Nichte plöt­zlich ste­hen und dreht sich zu mir um und sagt:
„Jet­zt weiß ich warum du die kleinen nicht fan­gen kannst Tante Isel. Weil du so dick bist!
Ich bin schreiend vor lachen auf dem Rasen zusam­men gebrochen.

Fotofan
Sonntag, 18. November 2018, 23:30 Uhr

Bei ein­er großen Wasser­rutsche mit Sitzkissen bin ich meinem Sohn zuliebe mit­ge­fahren. Er saß hin­ter mir und war die rutsche noch nie so schnell runter gerutscht. Wir haben bes­timmt den Reko­rd gebrochen. Unten bin ich super weit im Auf­fang­beck­en aufgeschla­gen und erst ein­mal unter­ge­taucht. Krass war wie hoch wir an den kur­ven an den wän­den ent­lang gefahren sind. Ich würde bes­timmt auch jeden Bob-Bahn-Reko­rd brechen.

Conny
Mittwoch, 7. November 2018, 13:29 Uhr

@Zaunkoenigin
Ja, genau so ist es! Danke, dass Du das noch her­aus­gestellt hast. Die Gruppe hat abso­lut vorurteils­frei und cool agiert. Nie­mand hat gelacht oder einen blö­den Spruch gemacht. Alles genau so, wie man es sich wün­schen würde. Sehr tolle Men­schen. Aber in meinem Kopf hat­te die Angst vor Hohn und Spot die Führung über­nom­men. Man ist durch die vie­len neg­a­tiv­en Erfahrun­gen schon so darauf kon­di­tion­iert, dass man gar nicht mehr damit rech­net, dass es auch anders kom­men kann.

Zaunkoenigin
Dienstag, 6. November 2018, 18:32 Uhr

Darf ich auch etwas schreiben was nichts mit Dein­er Frage zu tun hat?

Darf ich schreiben, dass mich ger­ade diese Geschichte berührt hat und dass ich sie weniger humorig finde, als mehr.. men­schlich und warm?
Sich­er, die Sache hat­te auch — zumin­d­est im Finale — Sit­u­a­tion­skomik. Aber mehr noch waren da
— Gemeinsinn
— Sorge
— Mit­ge­fühl
— Mut
— Über­win­dung
— Fre­und­schaft (und sei es nur für diese kurze Zeit)

Das ist eine Geschichte in der keines der üblichen Klis­chees gegrif­f­en hat. Da hat kein Schlanker gelacht, da war keine Dicke unsportlich (ganz ehrlich.. die Tour hätte ich mir nicht ein­mal mit 55KG zuge­traut. So sportlich war ich nie und beim Anblick des Loches hätte ich mir ver­mut­lich auch damals vor Angst in die Hosen gemacht) .. es ging nicht um Dick und Schlank. Es wurde ein­fach ein Men­sch in sein­er Not wahrgenom­men und wohl auch, was es Dich für eine Über­win­dung gekostet haben mag, die Hil­festel­lung anzunehmen — und das ohne, dass am Ende ein “G’schmäckle” ges­tanden hätte.