Mein peinlichstes Kilo-Erlebnis …

2. November 2018 | von

Ihr alle kennt das Spiel Wahrheit oder Pflicht. Eine sehr beliebte Frage in diesem Spiel ist: „Was war dein peinlichstes Erlebnis?“. Peinliche Geschichten gehen immer. Besonders, wenn andere sie erlebt haben, dann kann man so richtig schön darüber lachen.

Heute lautet die Frage: „Was war dein peinlichstes Erlebnis, bei dem dein dicker Körper eine Rolle gespielt hat?“

Vor einigen Jahren habe ich Urlaub in Ägypten gemacht. Ich hatte das ganze Land bereist, war gerade im Sinai unterwegs und hatte eine Wanderung im „Coloured Canyon“ gebucht. Es war eine geführte Wanderung mit einer größeren Gruppe. Die Leute kannte ich vorher nicht, sie waren aber alle recht nett und auf der Wanderung plauderte ich schon mit dem einen oder anderen. Es ging anfangs bergab und dann weiter durch den Canyon. Der „Coloured Canyon“ hat wunderschöne Steinformationen und beeindruckende Farbenspiele – er ist atemberaubend.

Grand Canyon

An manchen Stellen war es recht eng, manchmal musste man etwas rutschen, aber alles in allem schlug ich mich wacker. Bis, ja, bis wir an „das Loch“ kamen. Um weiterzukommen, musste man durch jenes Loch kriechen. Es war eigentlich eher eine Spalte im Fels, auf der ein riesiger Felsbrocken lag. Man musste unter dem Felsbrocken hindurch in der Spalte etwa drei Meter nach unten rutschen, die Öffnung war allerdings recht klein. Oben drüber klettern oder herunter springen ging nicht, weil es auf der anderen Seite zu hoch war, um sicher wieder runter zu kommen. Es ging mehrere Meter hinab. Ich sah das Loch und ich wusste sofort: da passe ich nicht durch. Albtraum.

Meine Mitstreiter ermutigten mich – ach, das passt schon, versuch’s mal. Ich kletterte also mit den Füßen voran in das Loch und natürlich blieb ich mit meinem dicken Hintern darin stecken. Unterhalb des Lochs zappelten meine Beine, oben meine Arme, die versuchten, meinen Arsch, der nun wie ein Korken in dem Loch feststeckte, irgendwie wieder nach oben zu drücken. An dieser Stelle wünschte ich mir damals, Moses möge auf der Stelle nicht das Rote Meer, sondern den Canyon teilen und ich ganz schnell tief darin versinken. Es gelang mir dann nach einigem Rumgezappel, mich wieder zu befreien. Alles auf Anfang. Wie überwinde ich jetzt dieses Hindernis? Es gab keinen anderen Weg. Zurückgehen ging nicht, unsere Jeeps erwarteten uns bereits am Zielpunkt. Und bis dahin war es nicht mehr weit. Aber dazwischen war: „das Loch“.

Peinliches Erlebnis einer Dicken
Peinliches Erlebnis als Dicke
Foto @ Roman's Travel Website

Wenn es nicht dadurch ging, musste es also oben drüber gehen. Ich habe große Hochachtung vor Freeclimbern, die ihr Körpergewicht an einem einzigen Finger hochziehen können. Ich kann das nicht. Ich schaffe es nicht einmal, meinen Körper mit beiden Armen an einer Stange hochzuziehen. Ihr wisst, was ich meine. Ich würde es also auf gar keinen Fall schaffen, am nackten Fels fünf Meter herabzuklettern. Die Gruppe unterhalb des Lochs beratschlagte sich. Und ich, oberhalb des Lochs, wollte einfach nur noch heulen.

Dann wurde mir der ausgetüftelte Plan eröffnet: zwei sportliche und mutige junge Männer würden sich einer auf die Schulter des anderen stellen und sozusagen eine lebende Leiter für mich bilden, ein Dritter kommt zu mir hoch und gibt mir Hilfestellung, bis ich mich am oberen der beiden Leitermänner sicher festgekrallt habe. Nein, nein, nein, nein, nein. Das wollte ich nicht. Aber ich hatte keine Wahl. Und so bin ich also mit meinen ganzen gesammelten Kilos von dem oberen Felsplateau erst auf die Schultern eines völlig fremden Mannes geklettert und hab mich dann an ihm runtergeschubbert, meinen gesamten verschwitzen Körper einmal von oben nach unten durch sein Gesicht ziehend, hab mich am zweiten Mann festgekrallt, bin auch an ihm mit Vollkörperkontakt langsam hinuntergeglitten, bis mich dann endlich viele Hände unten in Empfang genommen haben.

Ich habe mich die ganze Zeit einfach nur zutiefst geschämt. Aber als ich mit knallrotem Kopf unten ankam, empfing mich tosender Applaus und auch die beiden Kerle wurden wie Helden gefeiert. Während mir alles einfach nur peinlich war, war die Stimmung in der Gruppe – meinem großen Hinterteil sei Dank – phänomenal. Man hatte ein zusammenschweißendes und erfüllendes Teamerlebnis gehabt und die beiden Leitermänner werden wahrscheinlich ihren Enkeln noch von der Rettungsaktion erzählen. Und auch ich gebe die Geschichte vom Loch manchmal noch zum besten und kann inzwischen herzlich darüber lachen.

Und jetzt bist du dran: Was war dein peinlichstes Kilo-Erlebnis? Stühle, die zusammengebrochen sind? Neoprenanzüge, die nicht passten? Karussel-Sicherheitsbügel, die sich nicht schließen ließen? Sportwagen, in die du nicht rein- oder noch schlimmer – wieder herausgekommen bist?

Letzte Kommentare (9)

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Conny
Donnerstag, 29. November 2018, 15:22 Uhr

Liebe VanyHany, diggerle, Asamarita, Isel und Fotofan,
schön, dass ihr so mutig seid und EURE peinlichen Erlebnisse hier mit uns teilt.
Fahrgeschäfte scheinen ein großes Thema zu sein – wird Zeit, dass die auch da mal außerhalb der Norm denken und uns nicht ständig ausgrenzen.

@Zaunkönigin
Ja, nach der Situation war ich ganz schön auf Adrenalin, aber natürlich auch sehr glücklich dass geschafft zu haben, es war ja doch eine ganz abenteuerliche Kletterpartie. Zusätzlich hasse ich es nämlich auch noch, im Mittelpunkt zu stehen. Wie gut, dass ich so verständnisvolle Mitreisende hatte!

VanyHany
Dienstag, 27. November 2018, 21:13 Uhr

Im Sommer waren wir mit unserer 4 jährigen Tochter in einem Ferienpark. Seit der Geburt von ihr habe ich es nicht wirklich geschafft kilos zu verlieren und bin mit 184cm und 115cm Körpergröße recht füllig. Eine der letzten Attraktionen war ein Kettenkarusell mir war schon vorher klat das es recht beengt wird aber ich wollte es deginitiv durchziehen. Reinsetzen ging noch zu ging nicht beim Kind kamen schon due Tränen. Ich wollte aufstehen und mich unauffällig aus dem Staub machen doch ich belam den Sitz nicht ab und ich sah dass die anstehenden Eltern begannen zu schmunzeln. meine Tochter weinte bitterlich und es war wirklich schlimm traurig und peinlich. gott sei dank sprang neine freundin ein und ist mit meiner tochter gegahren

diggerle
Donnerstag, 22. November 2018, 8:47 Uhr

Mein Mann und ich sind beide „zierliche grazien“ und passten eines schönen Tages auf dem Volksfest nicht zu zweit in einen Wagen der Geisterbahn.
Das ist gottseidank das einzige peinliche Gewichtserlebnis, aber das hatte es schon in sich. Habe mich selten derart geschämt für mich selbst.
Mittlerweile ist es aber ein großer Lacher zuhause.

Zaunkoenigin
Mittwoch, 21. November 2018, 16:05 Uhr

@Conny,
ja, sie haben eben so reagiert, wie Menschen die Herzensbildung und Verstand haben, im allgemeinen reagieren. Dass Du Angst hattest kann ich sehr gut nachvollziehen. Mir wäre es wohl ähnlich gegangen.
Ich frage mich die ganze Zeit, ob ich etwas zum eigentlichen Thema beitragen kann und stelle fest.. ich muss passen und stelle erfreut fest: Peinliche Situationen habe ich nie aufgrund meines Gewichts erlebt. – Ich habe wohl Glück gehabt!
Blöde Bemerkungen kenne ich zwar, aber ausschließlich von meiner Mutter. Und das wäre noch mal ein völlig anderes Thema und hat im Grunde nichts mit meinem Gewicht zu tun. Denn, wären es nicht die Kilos, dann wäre es meine Haarfarbe, die Sommersprosse links unten, oder die Beine. Irgend etwas findet sich immer.

Wie ging es Dir eigentlich nachdem Du die Situation überstanden hattest? Warst Du nicht auch etwas stolz auf Dich?

Asamarita
Dienstag, 20. November 2018, 20:56 Uhr

Ja, das ist ein Grund, warum ich es die letzten Jahre vermieden habe, in einen Freizeitpark zu gehen. Ich habe keine Probleme mit meiner Figur ( meistens 😉 ) aber das wäre mein persönlicher Albtraum: „ tut mir leid, Sie sind zu dick für das Fahrgeschäft…“ Na, danke auch … 🙂

Isel
Dienstag, 20. November 2018, 20:45 Uhr

Es war die Kommunion meiner Nichte. Die Feier fand im Garten der Familie statt. Viele Gäste, viele Kinder und ich spielte ‚fangen‘ mit ein paar davon. Um es etwas lustiger zu gestalten, blieb ich etwas hinter den kleineren zurück und lief nicht immer so schnell ich hätte können. Mitten auf der Wiese, vor den gedeckten Tischen und allen Freunden und Verwandten, bleibt meine Nichte plötzlich stehen und dreht sich zu mir um und sagt:
„Jetzt weiß ich warum du die kleinen nicht fangen kannst Tante Isel. Weil du so dick bist!
Ich bin schreiend vor lachen auf dem Rasen zusammen gebrochen.

Fotofan
Sonntag, 18. November 2018, 23:30 Uhr

Bei einer großen Wasserrutsche mit Sitzkissen bin ich meinem Sohn zuliebe mitgefahren. Er saß hinter mir und war die rutsche noch nie so schnell runter gerutscht. Wir haben bestimmt den Rekord gebrochen. Unten bin ich super weit im Auffangbecken aufgeschlagen und erst einmal untergetaucht. Krass war wie hoch wir an den kurven an den wänden entlang gefahren sind. Ich würde bestimmt auch jeden Bob-Bahn-Rekord brechen.

Conny
Mittwoch, 7. November 2018, 13:29 Uhr

@Zaunkoenigin
Ja, genau so ist es! Danke, dass Du das noch herausgestellt hast. Die Gruppe hat absolut vorurteilsfrei und cool agiert. Niemand hat gelacht oder einen blöden Spruch gemacht. Alles genau so, wie man es sich wünschen würde. Sehr tolle Menschen. Aber in meinem Kopf hatte die Angst vor Hohn und Spot die Führung übernommen. Man ist durch die vielen negativen Erfahrungen schon so darauf konditioniert, dass man gar nicht mehr damit rechnet, dass es auch anders kommen kann.

Zaunkoenigin
Dienstag, 6. November 2018, 18:32 Uhr

Darf ich auch etwas schreiben was nichts mit Deiner Frage zu tun hat?

Darf ich schreiben, dass mich gerade diese Geschichte berührt hat und dass ich sie weniger humorig finde, als mehr.. menschlich und warm?
Sicher, die Sache hatte auch – zumindest im Finale – Situationskomik. Aber mehr noch waren da
– Gemeinsinn
– Sorge
– Mitgefühl
– Mut
– Überwindung
– Freundschaft (und sei es nur für diese kurze Zeit)

Das ist eine Geschichte in der keines der üblichen Klischees gegriffen hat. Da hat kein Schlanker gelacht, da war keine Dicke unsportlich (ganz ehrlich.. die Tour hätte ich mir nicht einmal mit 55KG zugetraut. So sportlich war ich nie und beim Anblick des Loches hätte ich mir vermutlich auch damals vor Angst in die Hosen gemacht) .. es ging nicht um Dick und Schlank. Es wurde einfach ein Mensch in seiner Not wahrgenommen und wohl auch, was es Dich für eine Überwindung gekostet haben mag, die Hilfestellung anzunehmen – und das ohne, dass am Ende ein „G’schmäckle“ gestanden hätte.