Partnersuche und Plus-Size

Hochzeitsfoto Susanne Ackstaller

„Lieb Dich selbst, sonst liebt Dich keiner!“

Ich weiß nicht genau, was mein Mann dachte, als er mich vor rund 27 Jahren das erste Mal sah. Vermutlich irgendetwas wie „ganz schön üppig“. Denn auch wenn ich damals nach meinen heutigen Maßstäben geradezu dünn war – zu der Zeit sah ich das natürlich ganz anders. Und tatsächlich war an mir auch mehr dran, als an meinen Studienkolleginnen: Mehr Hüfte, mehr Busen, mehr Po.

Das Schlimme: Ich hatte wirklich das Gefühl bei der Partnersuche im Vergleich zu meinen schlanken Freundinnen deshalb im Nachteil zu sein.

Hochzeitsfoto Plus-Size

Mit meiner Netzwerkkollegin und Freundin Britta Janzen habe ich mich kürzlich über dieses Thema unterhalten. Daraus entstand die Idee zu einem Interview, denn auch sie war immer schon ein bisschen „mehr“. Nun habe ich ihr ein paar Fragen rund um das Thema Plus-Size und Partnersuche gestellt – und freue mich sehr über ihre ehrlichen Antworten.

Britta hat sehr viele Jahre als Journalistin gearbeitet, für Frauenmagazine geschrieben und auch Radio und Fernsehen gemacht. Bis sie sich vor ein paar Monaten einen Lebenstraum erfüllte und in ihrer Heimatstadt Kiel ihr Wollgeschäft „Wolle & Wunder“ eröffnete. Hier lebt sie mit ihrem Mann und den zwei Söhnen, direkt an der Ostseeküste …

Liebe Britta, erzähl bitte kurz: Wie und wann haben Du und Dein Mann Euch kennengelernt?

1998 war ich Nachrichtenredakteurin bei einer Tageszeitung und habe bis zum Andruck gearbeitet, ich war also erst weit nach Mitternacht zu Hause. Was fängt man um die Uhrzeit mit dem Feierabend an? Ich habe im Internet gechatted, irgendwo auf der Welt war ja immer noch jemand wach. Und hatte dabei irgendwann ein nettes Gespräch mit einem Typen, der auch aus Deutschland war. Nicht nur das: Wir stellten schnell fest, dass wir beide aus der gleichen Stadt kamen und nur ca. 500 Meter voneinander entfernt vorm Computer saßen. Nach vielen Chats und mehreren Wochen trafen wir uns abends genau auf halber Strecke spontan auf eine Pizza. Es wurde ein sehr, sehr langer Abend …

Du warst ja auch damals schon eine Plus-Size-Frau. War das jemals ein Thema zwischen Euch?

Ich musste meinen Mann in Vorbereitung auf unser Gespräch direkt fragen, ob er damals dachte „Mann, die ist ja ganz schön moppelig!“. Er hat gesagt (und ich soll ihn wörtlich zitieren!), dass er geflasht war von meiner umwerfenden Ausstrahlung und meiner faszinierenden Persönlichkeit. Ich selbst habe mir nie Gedanken gemacht, ob er mich vielleicht dick fand – es war einfach klar, dass er mich toll fand. So wie ich ihn.

Britta Janzen
Foto links © Ines Matz-Boomgarden | Foto rechts: Britta mit der Liebe ihres Lebens

Ganz schön selbstbewusst! Warst Du immer schon so?

Ich habe als Teenager ziemlich zugelegt und war lange sehr unglücklich mit meinem Gewicht und meiner Figur, bis ich das Buch „Warte nicht auf schlanke Zeiten“ von Renate Göckel in die Hand bekam. Und für mich beschloss:

Das ist mein Leben, so bin ich – und wer damit nicht klarkommt, lässt es eben.

Dass ich früh beruflichen Erfolg hatte, tat meinem Selbstbewusstsein natürlich gut. Noch wichtiger war die Erfahrung, dass eine positive Ausstrahlung und eine interessante Persönlichkeit die meisten Menschen mehr beeindruckt als Größe 36. Auf die wenigen, für die nur der BMI zählt, konnte ich schon immer gut verzichten.

Hattest Du jemals das Gefühl für Deinen Mann abnehmen zu müssen?

Nein, nie. Mein Gewicht ist gelegentlich aber schon Thema. Ich bin Stress-Esserin und wiege je nach Lebensphase zwischen 90 und 150 Kilo. Und natürlich merkt er, wenn es mir körperlich nicht gut geht oder ich mich gar nicht mehr in meiner Haut wohlfühle. Oder beim Toben mit den Kindern sofort schlappmache. Dann versucht er, mich behutsam zu mehr Bewegung zu motivieren und schlägt öfter mal gesunde Rezepte für uns vor. Nicht immer erfolgreich …

Gab es in eurer Partnerschaft Situationen, in denen Du gerne schlanker gewesen wärst?

Ich erinnere mich an eine einzige Situation: Auf einem Volksfest wollten wir mit Freunden in ein Fahrgeschäft. Bei der letzten Kontrolle vor dem Start bat mich der Mitarbeiter vor den Augen hunderter Besucher, wieder auszusteigen – ich war zu üppig für den Sicherheitsbügel. Das war für mich demütigend und für ihn glaube ich in diesem Moment auch.

Hast Du schlanke Frauen bei der Partnersuche als Konkurrentinnen empfunden? Oder Dich irgendwie „unterlegen“ gefühlt?

Als ich jünger war, bestimmt! Ich habe aber irgendwann festgestellt, dass Männer, denen die gute Figur ihrer Freundin wirklich sehr wichtig ist, für mich als Partner sowieso uninteressant sind. Weil sie häufig oberflächlich sind und eher unsicher.

Mit 19 hatte ich kurz einen Freund, der mir hinter verschlossenen Türen Liebe schwor, aber in der Öffentlichkeit nicht mit mir Hand in Hand gehen wollte. Brrr, nie wieder!

Ich mag Männer mit starkem Charakter und gesundem Selbstwertgefühl, die wissen, was sie wollen. Natürlich ist Aussehen nicht egal, aber Attraktivität lässt sich doch nicht nur an Körpermaßen festmachen. Und für diejenigen meiner Freundinnen, die Modelmaße haben, war die Suche nach dem Traummann auch nicht leichter.


Hast Du einen Tipp für Plus-Size-Frauen, die auf Partnersuche sind?

So banal es auch klingt: „Lieb Dich selbst, sonst liebt Dich keiner!“ Wenn ich nicht mal selbst weiß, was an mir anziehend und liebenswert ist – wie soll es dann jemand anderes herausfinden? Oder auch nur Lust bekommen, es herauszufinden? Ich stelle oft fest, dass füllige Frauen nicht mal versuchen zu flirten, weil sie grundsätzlich davon ausgehen, dass niemand sich für sie interessieren könnte. Das ist Quatsch! Wenn man mit offenen Augen und lachendem Mund durch die Welt geht, findet man auch die Liebe.

Liebe Britta, danke für das Gespräch!

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