Meine erste
Lebensbilanz — Bin ich glücklich?

27. Juni 2019 | von

Ich bin tat­säch­lich glück­lich oder anders gesagt: Ich habe bish­er sehr viel Glück gehabt!

Ab 40 machen viele von uns einen ersten inten­siv­en Lebens-Check. Mit jedem Leben­s­jahrzehnt wird dieser Check inten­siv­er. Da stellen sich Fra­gen wie: War es doch falsch, die Beförderung aus­geschla­gen zu haben? War es ein Fehler, dass ich nie geheiratet habe? Warum nochmal habe ich mich gegen Kinder entsch­ieden? Wäre mein Leben als schlanke Frau anders ver­laufen, wäre ich heute glücklicher?

So wirst du zufriedener
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Susies Look zum Nachstylen:

Die Lebensziele meiner Kindheit 

Die Frage, ob sich meine Kind­heit­sträume, meine Pläne erfüllt haben, habe ich mir schon oft gestellt. Kon­nte ich wenig­stens einige mein­er Träume ver­wirk­lichen? Wir alle ziehen irgend­wann eine erste Bilanz, wägen ab, über­legen, wie viele Ziele erre­icht wur­den - und wir alle ver­suchen, das Nicht-Erre­ichte noch umzuset­zen, bevor es zu spät ist. Was kann, was will und muss ich noch tun in der zweit­en Leben­shälfte? Wie groß ist unser aller Angst, zu ster­ben und nicht das erre­icht zu haben, was wir uns erträumten? 

Kinderfoto aus den 60ern
Mädchen aus den 60ern

Berechtigte Fra­gen. Aber soll­ten wir an den Antworten verzweifeln? Ich per­sön­lich glaube, dass Dankbarkeit über das Erre­ichte den Blick auf unsere Lebens­bi­lanz erle­ichtert. Auch die Akzep­tanz unser­er Fehler und Nieder­la­gen macht uns stark und offen für einen ungeschmink­ten Blick auf das eigene Lebens­glück. Gerne werde ich etwas konkreter. Hier sind meine per­sön­lichen Fak­ten und Antworten: 

Mein Lebensen­twurf als kleines Mäd­chen war sim­pel, so sollte mein Leben sein: 

  1. Prinzessin wer­den 
  2. und Putzfrau 
  3. und natür­lich Mami 

All das wollte ich wer­den. Nicht unbe­d­ingt in dieser Rei­hen­folge, aber alle drei „Beru­fun­gen“ waren mir schon mit 4 Jahren sehr wichtig. Fast so ist es dann auch gekom­men …  

Lebensziel Prinzessin: Mein Prinz 

Ich habe einen liebevollen, wun­der­baren Mann gefun­den und geheiratet (natür­lich habe ich auf dem Weg dahin auch einige Frösche geküsst). Mein Mann Hen­drik trägt mich die meiste Zeit wie eine Prinzessin auf Hän­den. Wir haben aber bei­de auch über die Jahre viel voneinan­der gel­ernt und vor allem eine gute Stre­itkultur entwick­elt. Näch­stes Jahr sind wir 25 Jahre ver­heiratet und das soll auch weit­er so bleiben! Punkt eins auf mein­er Leben­sziel-Liste ist also abge­hakt, ich hat­te sehr viel Glück!  

Frisch verliebtes Paar
Älteres Pärchen

Lebensziel Putzfrau: Meine Liebe zu Ordnung 

Ich mag es gerne sauber und ordentlich und eine Grun­dord­nung zu erhal­ten, klappt auch die meiste Zeit. (Beson­ders gerne putze ich die Küche.) Aber den Wun­sch, das Putzen zum Haupt­beruf zu machen, habe ich ver­wor­fen. Auch das war die richtige Entschei­dung. 🙂 Warum, das erzäh­le ich dir später. 

Mami sein: Meine Kinder

Auch der größte Wun­sch auf mein­er Liste, mein Kinder­wun­sch, hat sich erfüllt! (Unser Fam­i­lien­por­trait von 2003 ist übri­gens von Star-Fotograf Chris­t­ian Schoppe.)

Eine glückliche Familie
Kinder sind mein Lebensziel

Ich bin Mut­ter zweier beza­ubern­der, liebenswert­er, kreativ­er, humor­voller und gesun­der Töchter gewor­den. Dass das nicht selb­stver­ständlich ist, habe ich – haben wir – schnell begrif­f­en. Bei­de unsere Töchter sind Frühge­burten und wir sind so dankbar, dass sie trotz des viel zu frühen Starts ins Leben zu solch gesun­den Frauen herangewach­sen sind. Hap­pi­ness ist meine Fam­i­lie, sind meine Mäd­chen, und natür­lich mein Prinz!

Hin­ter all meinen Kind­heitswün­schen ste­ht ein großes CHECK! Was will man mehr?

Die Sache mit dem Berufswunsch 

Das war also meine ganz pri­vate Lebens­bi­lanz. Noch nicht ganz! Denn ich habe dir ja ver­sprochen, dass ich dir etwas mehr von mein­er Beruf­salter­na­tive zur Putzfrau erzäh­le. Was ich als Kind noch nicht überblickt habe, war die mon­etäre Seite des Lebens. Ich wusste aber schon früh, dass ich immer arbeit­en wollte. Ich wollte mein eigenes Geld ver­di­enen und nicht von einem Mann abhängig sein. Da war ich nicht anders als viele mein­er Fre­undin­nen in den 80ern. Und natür­lich wollte ich einen Job, der mir Spaß macht.  

Auch was die beru­fliche Seite des Lebens ange­ht, hat­te ich sehr viel Glück: Mein Traum­beruf sollte let­z­tendlich nichts mit Putzen, son­dern mit Mode zu tun haben. Als Mode-Redak­teurin begann ich 1987, nach meinem Design-Studi­um, meinen ersten Job bei ein­er von Deutsch­lands größten Frauen­zeitschriften, der Brigitte. Zu diesem Job gehörte alles, was ich liebe: Klam­ot­ten stylen, reisen und Bild-Träume im Team erschaf­fen. Meine Erin­nerun­gen an die Zeit­en bei Brigitte, Für Sie und myself sind nur Gute und sie wer­den bleiben: Ich habe die Bilder der Modestreck­en, die Begeg­nun­gen mit den vie­len beson­deren Men­schen immer im Kopf und ich werde sie hof­fentlich niemals vergessen. 

Traumjob Moderedakteurin

Ich bin froh und glück­lich, dass ich die unbeschw­erte Zeit des Jour­nal­is­mus noch erlebt habe. Dieser kreative Job begleit­et mich bis heute. Die Zeit im klas­sis­chen Print-Jour­nal­is­mus hat mich geprägt und ich hoffe, ich kann noch lange in der Mod­ewelt arbeit­en. 

Das Ende der Glückssträhne: Ein neuer Anfang 

Und doch war irgend­wann meine beru­fliche Glückssträhne vor­bei. Ich musste gehen und war am Boden zer­stört. Da war er, der Kar­riere-Bruch ab 50. Nun hat­te es auch mich erwis­cht. Die klas­sis­chen Exis­ten­zäng­ste waren plöt­zlich da. Ich, die immer pos­i­tiv denk­ende Susie, war dabei, in einem dun­klen Loch zu versinken. Aber aufgeben gilt nicht, nicht mit mir! Auf­ste­hen, Krönchen richt­en, ihr wisst schon 

Mein Leben als Curvy Bloggerin

Vor 7 Jahren begann mein zweites Beruf­sleben als Curvy-Blog­gerin. Ich habe meine ver­meintliche Schwäche — mein Curvy Me — zu mein­er Stärke gewan­delt. War ich im Print immer die dicke Mode-Chefin, wurde ich im Netz die Plus-Size-Influencerin mit den schicken Kur­ven und den wertvollen Mode-Tipps. Jet­zt, mit 58 Jahren, bekomme ich immer mehr Mod­el-Jobs. Wenn mir das vor 10 Jahren jemand erzählt hätte, ich hätte ihn aus­gelacht. Ich bin so dankbar für diese neuen Erfahrun­gen. 

„Die Mode mit all ihren Facetten ist und bleibt mein Lebensin­halt und meine Fam­i­lie meine größte Stütze in allem, was ich tue: Ich bin eine glück­liche Frau! ” 

Wenn ich also zurückblicke, klingt mein bish­eriges Resümee fast zu schön, um wahr zu sein. Ich habe stets ver­sucht, die neg­a­tiv­en Erleb­nisse, die trau­ri­gen und tragis­chen Ereignisse in meinem Leben anzunehmen, das Neg­a­tive aber nur bed­ingt zuzu­lassen. Es ist wichtig, aus Fehlern zu ler­nen und Schick­salss­chläge zu akzep­tieren, aber sie dür­fen einen nicht bezwin­gen. Ich bin überzeugt, dass es wichtig ist, das Neg­a­tive, die schlecht­en Vibes irgend­wann loszu­lassen. Mir hat das immer geholfen!  

Würde ich rückblickend etwas anders machen?  

Ein ganz klares NEIN! Ich glaube, dass alle Entschei­dun­gen, die ich für mich getrof­fen habe, richtig waren — am Ende jeden­falls, auch wenn es zwis­chen­zeitlich mal anders aus­sah. Es öffnet sich immer eine neue Tür, wenn sich eine andere ger­ade geschlossen hat. Ein so wahrer Spruch, der mir immer hil­ft, auch wenn die Zeit­en mal wieder etwas unstet sind. Deshalb sei nicht so hart zu dir, wenn du deine Lebens­bi­lanz ziehst. 

Letzte Kommentare (3)

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Jana
Dienstag, 27. August 2019, 9:22 Uhr

Erst gestern meinte mein Kol­lege, jet­zt ist er 33 und hat so vieles noch nicht geschafft. Ich habe ihm ger­at­en, auf das zu schauen, was er schon geschafft hat und darauf stolz zu sein. 

Nur so kon­nte ich mein Glück find­en. Wenn ich näm­lich solch eine Check­liste für mein Leben abhak­en müsste, blieben viele Punk­te uner­füllt. Kinder z.B., die irgend­wie immer zu meinem Lebensen­twurf dazuge­hörten, die mein Kör­p­er aber nicht wollte. Ich wollte Jour­nal­istin wer­den und bin nun Zahlen­jon­gleur und hochzufrieden. Jede Wen­dung in meinem Leben hat mich dahin geführt, wo ich heute bin. Es sollte ein­fach so sein. Es hat lange gedauert zu akzep­tieren, dass ich manch­es nicht ändern kann. Aber ich kann ver­suchen, das zu ändern, was geht und mir mein Leben zu gestal­ten. Ich denke, das habe ich ganz gut hingekriegt. 

Ich wün­sche dir und deinen Töchtern und deinem Prinzen noch viele glück­liche Jahre.

Katharina Sager
Samstag, 29. Juni 2019, 4:04 Uhr

Eine zauber­hafte Lebensgeschichte:
Mutig und erfol­gre­ich im Job und durch die sehr glueck­liche Ehe mit dem ‘Prinzen’ und den erfol­gre­ichen Toechtern ist dieser Blog in unser­er heuti­gen Zeit etwas ganz beson­deres ‚dazu kann man Susie sehr gratulieren

Tichri
Freitag, 28. Juni 2019, 21:58 Uhr

Hal­lo Susanne,

ein Leben ver­läuft sel­ten so rei­bungs­los und ger­ade die Krisen und Schick­salschläge, die wir bewälti­gen müssen machen uns im besten Fall zu einem mit­füh­len­deren und tol­er­an­terem Men­schen. Ich finde, Du hast Dich durch Dein Leben zu einem starken Men­schen entwick­elt, der vie­len Men­schen, die eben nicht Ideal­maße — oder das was uns als Ideal­maße vorgeschrieben wird- Spaß am Leben zurück­gibt und das Gefühl, etwas wert zu sein.
Und Du hast eine Fam­i­lie, auf die Du stolz sein kannst. Ich finde, das ist eine große Lebensleis­tung und Du strahlst sehr viel Wärme und Lebens­be­jahung aus.
Ich wün­sche Dir weit­er­hin alles Gute und viel Glück!
Christine