Wer ist Ghrelin und was macht er mit mir?

7. März 2019 | von

Wer schon ein­mal Diät gehal­ten hat — und ich bin mir ziem­lich sich­er, dass alle, die hier mitle­sen, schon mehr als eine Diät gemacht haben — der weiß, dass man nach ein­er Diät und dem Gewichtsver­lust beson­ders hun­grig ist. Nun scheint man endlich den Bösewicht aus­gemacht zu haben, der dafür ver­ant­wortlich ist: Ghre­lin. Was sich anhört wie ein Zwerg aus „Herr der Ringe“, ist nichts anderes als ein Hor­mon, das in unser­er Magen­schleimhaut pro­duziert wird und Hunger sowie Sät­ti­gung regelt. Der Name Ghre­lin ist ein englis­ches Akro­nym und ste­ht für „Growth Hormone Release Induc­ing“ („Freiset­zung von Wach­s­tumshormo­nen“). Es wurde erst 1999 ent­deckt und wird auch „Hunger­hor­mon“ genannt.

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Croque Monsieur

Gestatten, Ghrelin!

Ist dir beim Betra­cht­en des Fotos mit dem Sand­wich das Wass­er im Mund zusam­men gelaufen und hast du jet­zt großen Appetit? Ha! Auch dabei hat Ghre­lin seine Fin­ger im Spiel: Er will uns zum Essen ver­führen. Er ist ein echt übler Geselle. Nach ein­er Gewicht­sre­duk­tion steigt die Ghre­lin-Konzen­tra­tion im Blut an, ver­stärkt das Hungerge­fühl und bleibt dauer­haft erhöht. Sie sinkt erst wieder bei Gewicht­szu­nahme. Das heißt, wir wer­den uns nach ein­er Gewichtsab­nahme hun­griger fühlen und das wird auch dauer­haft so bleiben.

Ghre­lin ver­stärkt den Hunger, ver­langsamt den Stof­fwech­sel und schränkt die Fettver­bren­nung ein. Er ist für das ver­ant­wortlich, was wir JoJo-Effekt nen­nen. Aber auch Stress treibt den Ghre­lin-Spiegel in die Höhe, was wieder dazu führt, dass wir in belas­ten­den Sit­u­a­tio­nen essen wollen. Schlaf­man­gel erhöht die Ghre­lin-Auss­chüt­tung eben­so und trägt zur Gewicht­szu­nahme bei. Wer müde ist, hat ver­mehrt Appetit auf Süßes und Fettes.

Schlafmangel

Was tun mit Ghrelin?

Um Ghre­lin einiger­maßen in Schach zu hal­ten, soll­ten wir auf genü­gend Schlaf acht­en und ver­suchen, Stress zu reduzieren. Erhol­samer Schlaf kann auch dazu beitra­gen, mehr Lep­tin zu pro­duzieren. Lep­tin — eben­falls ein Hor­mon — ist der Gegen­spiel­er Ghre­lins und sorgt dafür, dass wir ein lang anhal­tendes Sät­ti­gungs­ge­fühl haben und zum Beispiel nachts nicht hun­grig aufwachen. Lep­tin und Ghre­lin wirken bei der Appetit­s­teuerung gegen­sät­zlich: hem­mend und fördernd. Stu­di­en zeigten außer­dem, dass Eiweiß die Grehlin-Pro­duk­tion reduziert. Iss also am besten Pro­teine (Milch­pro­duk­te, Soja, Eier, Hülsen­früchte, Fisch, mageres Fleisch) zu jed­er Mahlzeit und reduziere Kohlen­hy­drate. Damit kannst du nicht nur den Insulin­spiegel, son­dern auch die Ghre­lin-Konzen­tra­tion senken.

Proteinhaltiges Essen

Warum gibt es keinen Ghrelin-Blocker?

Die Forschung weiß noch recht wenig über Ghre­lin. Es ist zum Beispiel so, dass Übergewichtige nicht, wie zu erwarten wäre, sehr viel, son­dern weniger Ghre­lin im Blut haben als dünne Men­schen. Man ver­mutet, dass bei dick­en Men­schen nur geringe Men­gen notwendig sind, um ein Hungerge­fühl auszulösen. Wis­senschaftler loten ger­ade aus, ob es möglich ist, ein Medika­ment zu entwick­eln, mit dem man Ghre­lin kon­trol­lieren kann. Aber das ist noch Zukun­ftsmusik und wird, wenn es über­haupt möglich ist, noch viele Jahre dauern. Bis dahin müssen wir uns weit­er mit Ghre­lin rumschlagen.

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