Gute Dicke – schlechte Dicke?!

10. Juli 2020 | von

In den Medi­en tauchen endlich mehr Dicke auf, aber nur ganz bes­timmte Fig­ur­typen. Das wirft die Frage auf: Was sind gute Dicke und was schlechte?

Curvys werden in der Gesellschaft akzeptiert Dicke nicht

In den Medi­en wird eine bes­timmte Art der dick­en Frau immer wieder dargestellt, die eher sel­ten der Real­ität entspricht. Ger­ade als wir uns Plus Size-Frauen daran gewöh­nt haben, auch ein Teil der Medi­en-Gesellschaft zu sein, entste­ht ein Plus Size-Typus der uns wieder sug­geriert, wie wir – wenn schon dick – zu sein haben müssen. Denn wenn du dick und medi­al erfol­gre­ich sein möcht­est, dann musst du dich an gesellschaftliche Regeln hal­ten. Regeln, gegen die wir doch so sehr gekämpft haben.

So zeigen die Medien Plus Size Frauen
Spitzenbluse für Große Größen

Die guten Dicken 

Als ich zum ersten Mal Plus Size-Mod­els wie Denise Bidot und Ash­ley Gra­ham in den Medi­en gese­hen habe, war ich fasziniert von diesen schö­nen Frauen. Endlich richtige Plus Size-Mod­els die Dehnungsstreifen und Cel­lulite haben und mit einem großen faszinieren­den Lächeln über die Lauf­stege stolzieren. Voller Stolz und Liebe zu sich selb­st. Wun­der­schöne dicke Frauen, ich war hin und weg! Mit den Jahren kamen einige Mod­els dazu, die in den Medi­en gefeiert und als Zeichen der Body­pos­i­tiv­i­ty Bewe­gung zele­bri­ert wer­den. Eines haben die Mod­els gemein­sam: Sie haben wun­der­schöne Gesichter und einen bes­timmten Fig­ur­typ: üppiger Busen, bre­ite Hüften, eine schlanke Taille und wenig Bauch.

Nach anfänglich­er Euphorie machte sich auch schon bald etwas Frust bre­it. Es wurde nur ein bes­timmter Typ Plus Size-Frau gefeiert. San­duhr-Fig­ur mit max­i­mal Größe 46/48. Sobald irgend­wo in den Medi­en die Worte Plus Size, Body­pos­i­tiv­i­ty oder kurvig fall­en, wird nur dieser Typ Frau gezeigt. Sie ist die NON PLUS ULTRA Dicke. Die gute dicke Frau. Zudem bekam die Medi­en-Plus-Size-Frau eigene Charak­tereigen­schaften. Sie ist der Typ Frau, der regelmäßig Sport macht, der sich gesund ernährt und immer lacht. Auch gerne und am lautesten über sich selb­st, wenn es die Gesellschaft fordert. Sie ist die Curvy Woman, die jed­er gerne in den Medi­en sieht.

Wie präsent sind übergewichtige Frauen in den Medien

Curvy ja, dick nein! 

Sobald eine dicke Frau das Ram­p­en­licht betritt, die nicht der Medi­en-Norm entspricht, ist das Geschrei groß oder auch das Gelächter. Andere Dick-Typen wer­den gerne als Laien-Schaus­piel­er für diverse Trash-For­mate benutzt oder auch für einen Vorher-/Nach­her-Ver­gle­ich. Denn (Achtung Sarkas­mus!) wer will denn schon so ausse­hen wie eine richtige dicke Frau?! Zudem ist jede Frau jen­seits der 48 ein schlecht­es Vor­bild. So auch im Fall vom Mod­el Tess Hol­i­day, die mit Kon­fek­tion­s­größe 52 nicht für ihre Arbeit und ihre unglaubliche Schön­heit gefeiert wird, son­dern fast nur Schlagzeilen als Galions­fig­ur der Body­pos­i­tiv­i­ty Bewe­gung macht. Es waren nahezu immer Skan­dale um ihre Biki­ni-Fotos, die wegen des Ver­stoßes gegen Gesund­heits- und Fit­ness-Richtlin­ien von Social Media-Plat­tfor­men gelöscht wurden.

Ihr Name wird kaum ohne Kri­tik an ihrem Kör­p­er genan­nt. Sobald ein Bild von ihr oder jeman­den in ähn­lich­er Gewicht­sklasse und Kör­per­form erscheint, entste­ht eine Diskus­sion um starke Adi­posi­tas und Gesund­heit­sprob­leme. Wie auch im Fall von Anna O’Brien, die bei der Wer­beak­tion für einen Rasier­er-Her­steller einen Shit­storm erleben durfte – jen­seits von Gut und Böse. Die Wer­bung für den Rasier­er wurde so aus­gelegt, dass jede Frau sich ange­sprochen fühlen soll. Es wur­den so viele ver­schiedene Kör­per­bilder gezeigt … so viel  Diver­si­ty gab es noch nie. Die Einzige, die dabei einen Shit­storm bekam, war die dicke Frau, weil sie nicht dem entsprach, was die Gesellschaft sehen wollte.

Verherrlichung und Vorbildfunktion 

Wenn eine dicke Frau in den Medi­en gezeigt wird, wird von Ver­her­rlichung und Vor­bild­funk­tion gesprochen. Ihre pos­i­tiv­en Stärken und eigentliche Inten­tion wird kom­plett in den Hin­ter­grund gedrängt, denn sie soll gar nicht die Chance haben, in ein­er anderen Weise ihre Vor­bild­funk­tion auszus­pie­len. Es ist schlichtweg nicht fair, ein­er dick­en Frauen jen­seits der Größe 48 vorzuw­er­fen, unge­sund und ein schlecht­es Vor­bild zu sein. Denn wir kön­nen nicht hin­ter der Fas­sade sehen, wie ein Men­sch lebt. Sich wohlzufühlen wird sofort abges­traft, denn du darf­st und sollst dich nicht wohlfühlen, wenn du dick bist.

Wie dick darf man heute sein

Wir Dicken in unserer eigenen Welt 

Ich haue jet­zt mal einen Vorstadt­mut­ti-Satz raus. Das Inter­net ist Fluch und Segen zugle­ich. Denn zum einen kann ich mich schön darüber aufre­gen, wie sich Men­schen von Mei­n­ungs­mach­ern infizieren lassen und typ­is­che Sätze wie „das ist Ver­her­rlichung von Fet­tleibigkeit“ bei jedem dick­en-fre­undlichen Bild kom­men­tieren. Zum anderen kann ich ein­fach die Medi­en kon­sum­ieren, die mir ein gutes Gefühl geben. Ich entziehe mich den neg­a­tiv­en all­ge­meinen Medi­en und lasse mich in mein­er eige­nen Welt von dick­en Frauen inspiri­eren. Denn ich bin immer noch der Mei­n­ung, dass sich schön fühlen nichts mit Kör­per­fülle zu tun hat, son­dern mit der Ein­stel­lung zu sich selb­st. Wir sind nicht gut oder schlecht. Wir haben ver­schiedene Kör­per­typen und jed­er von uns darf glück­lich sein. Es darf keine Norm geben, die uns glauben lässt, schlechter zu sein als andere. Wir sind alle die guten Dick­en, jed­er auf seine eigene Weise.

Wie find­est du die Darstel­lung der Dick­en in den Medien?

Letzte Kommentare (11)

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Flocke
Dienstag, 22. Dezember 2020, 14:10 Uhr

Man muss schon unter­schei­den zwis­chen Curvy Mod­ellen und richtig dick­en Frauen . Curvy Mod­elle tra­gen über­wiegend Kon­fek­tion­s­größe 44–46 , max 48 . Da hätte ich vor Jahren reingepasst . Heute trage ich Kon­fek­tion­s­größe 54 und wiege 138 kg . In dieser Gewicht­sklasse kenne ich keine Modelle .

Kitty
Donnerstag, 20. August 2020, 16:05 Uhr

Plus­size-Mod­els haben nie ein Dop­pelkinn und keinen dick­en Bauch. Ich trage etwa Gr.46/48 bei 1,72m. Ich hat­te früher eine San­duhrfig­ur, jet­zt aber eben Bauch und Dop­pelkinn durch Hashimo­to. Es scheint so, als sei ein Bauch das Schlimm­ste, was es bei Frauen gibt. Lei­der kann ich mich von dem Ein­fluß nicht freis­prechen und schäme mich immer für meinen Kör­p­er. Ganz sel­ten gibt es mal Mod­els mit Bauch, z.B. bei Kill­star, die mit­tler­weile ein gutes Beispiel für Diver­si­ty sind. Was da aber für Belei­di­gun­gen unter den Insta­gram­fo­tos ste­hen, ist echt schlimm. Ich würde mir generell wün­schen, mehr diverse Mod­els zu sehen. Bon­prix z.B. verkauft oft hüb­sche Sachen bis zu Gr. 50, aber es sind immer nur schlanke Mod­els abge­bildet. Warum nicht zu jedem Klei­dungsstück ver­schiedene Fotos, damit man/frau sich bess­er vorstellen kann, wie das an ein­er dick­en Frau aussieht.

Maxieins
Samstag, 1. August 2020, 23:29 Uhr

D’ac­cord, was die guten und die schlecht­en dick­en Frauen ange­ht! Aber hört bitte auf zu erzählen, Tess Hol­i­day trägt Größe 52 — es sei denn, sie musst unge­fähr einen Meter. Über diesen Umgang mit Kon­fek­tion­s­größen kann ich mich näm­lich auch nur ärgern.

Zaunkönigin
Freitag, 31. Juli 2020, 8:22 Uhr

Tja, wo fängt Dick an?
Sind Denise Bidot und Ash­ley Gra­ham tat­säch­lich Dicke? 

Auch ohne diesen Artikel habe ich mich speziell bei den Fotos von Ash­ley Gra­ham gefragt, wo ich da eine dicke Frau ent­deck­en soll. Diese Frau hat Kur­ven… aber dick? In den 50ern und 60ern wäre das unter “Durchschnitt/Normal/die Norm” gelaufen. 

Schon alleine deshalb, weil häu­fig in der Presse ein Men­sch als Dick beze­ich­net wird der es gar nicht ist, verz­er­rt sich das Bild. Und wir Dick­en, wir tra­gen das auch noch mit.

Laura
Samstag, 20. Juni 2020, 13:29 Uhr

Danke für diesen Artikel, er entspricht zu 100% mein­er Wahrnehmung. Ich bin dick, wiege 99kg, habe aber kom­plett kon­träre Pro­por­tio­nen als die üblichen Plus Size Mod­els in den Medi­en: habe schmale Hüften, einen flachen Po und dünne Beine, dafür aber eine bre­ite Taille/dicken Bauch und viel Busen. Ich füh­le mich daher von den “Main­stream Dick­en” nicht repräsen­tiert. Hier würde ich mir auch mehr Diver­sität in den Medi­en wünschen!

Breath Life
Dienstag, 21. April 2020, 0:22 Uhr

Frauen sind schön. Punkt.
Mich faszinieren dicke Frauen mehr, als die vorzeige Mod­els der Mode Branche. Frauen sind von Natur aus üppiger als Män­ner auch durch ihre Beschaf­fen­heit. Z.B. auch das weib­liche Hor­mon Östro­gen beträgt zur Gewicht­szu­nahme bei. Also kurz gesagt, die Natur möchte die Frauen üppiger gestal­ten. Tut es ja auch. Warum also um Gottes Willen sollte das natür­lich weib­liche Ausse­hen hässlich und schlecht sein?
Curvy hin Curvy her.
Für mich ist Dick chic, Rund gesund, Schw­er mehr. Schön­heit hat über­all Gewicht. Punkt.
Über Geschmäck­er lässt es sich bekan­ntlich nicht stre­it­en, über die Natür­lichkeit aber bitte auch nicht.

Mariaanna158
Mittwoch, 18. März 2020, 7:18 Uhr

Auch ich muss dies alles bestäti­gen, repräsen­ta­tiv sind die Mod­ells für große Größen nicht, wer von den Mädels hat denn die Größe 54/56 so wie ich oder größer in vie­len Mod­e­häusern gehen die Größen bis 62/64 ja bitte schön wo sind die Mod­ells dafür?? Alle ver­steckt damit die kein­er sieht.

Roni
Samstag, 21. Dezember 2019, 23:18 Uhr

Wie oft habe ich mich schon über das Bild der dick­en Frauen in den Medi­en aufgeregt. Män­ner dür­fen dick sein, alt sein. Sie sind selb­st­be­wußt, sind gute Lieb­haber, ein­fach tolle Typen. Schauen wir uns die dick­en Frauen an: Meist psy­chisch angeschla­gene graue Mäuse voller Hem­mungen, eventuell die müt­ter­liche Frau, aber keines­falls die selb­st­be­wußte Geliebte. Lei­der gibt es zuviele männliche Regis­seure, die ihre Filme vol­lkom­men an der Real­ität vor­bei drehen bzw. zuwenig selb­st­be­wußte dicke Frauen, die den Män­nern mal ihre Mei­n­ung sagen.

Stella
Dienstag, 17. Dezember 2019, 7:19 Uhr

Endlich jemand der es genau­so sieht wie ich. Ich mag einige “Curvy Mod­els” sehr, aber wirk­lich repräsen­tiert füh­le ich mich von ihnen nicht, mit Aus­nahme von Tess Hol­i­day. Und aus­gerech­net sie soll ein schlecht­es Vor­bild sein. Bull­shit! Ich hat­te meine diversen Erkrankun­gen lange bevor ich ihren Namen kan­nte und ich arbeite an mein­er Gesund­heit trotz ihr. Das eine hat doch mit dem anderen gar nichts zu tun.

Lisa
Freitag, 13. Dezember 2019, 23:22 Uhr

Ich finde auch die xxl mod­els wun­der­schoen. Wiege selb­st 98 kg und weiss wie viele einen kri­tisieren. Aber das sto­ert mich nicht. Es gibt so tolle Mode fuer unsere Kur­ven. Da kann man sich richtig chic machen .

Weserblume
Dienstag, 10. Dezember 2019, 10:15 Uhr

Der Artikel entspricht genau meinem denken und mein­er Wahrnehmung.