Gummibund vs. Atemnot

11. Januar 2018 | von

Es ist Mon­tag­mor­gen und das Woch­enende war fabel­haft. Vor allem: fabel­haft leck­er! Das Essen mit Fre­un­den. Der Brunch am Son­ntag­mor­gen. Und zum Nach­mit­tagskaf­fee Mut­ters Kuchen. Abends dann Tatort mit Chips und Crack­ern. Nein, über­raschend ist es nicht, dass der Hosen­bund nun span­nt – gelinde aus­ge­drückt. Es drückt, ziept, kneift. Quillt! Und macht schlechte Laune. Kurzat­mig sowieso.

Frei­heit, wo bist Du?

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Während ich also verzweifelt meinen Bauch einziehe und möglichst flach atme, kommt in mir diese … Sehn­sucht hoch. Die Sehn­sucht nach mehr Bequem­lichkeit. Nach mehr Luft. Nach … Ganz unten im Schrank liegt sie, meine Wohlfühlhose, drückt sich ins Eck, schämt sich ein biss­chen. Und ich schäme mich mit. Für den Gum­mi­bund, der zwar so unsexy ist wie weiße Sock­en in Birken­stocks – aber so bequem wie ein Boxspring­bett der Luxu­sklasse. Kein Wun­der also, dass man hinein­schlüpfen, wohlig seufzen und nie wieder raus will.

Unschlüs­sig ste­he ich vor dem Schrank. Soll ich wirk­lich klein beigeben? Zugeben, dass mir die Jeans zu eng gewor­den ist? Dass ich mehr Platz brauche – für mehr Bauch? Oder soll ich mich lieber stolz durch den Vor­mit­tag quälen, mit geöffnetem Reißver­schluss und regelmäßi­gen Streck- und Atemübun­gen, um angesichts dro­hen­der Sauer­stoffnot nicht zu kollabieren?

Hallo, Dehnbund!

Ich erin­nere mich noch gut an unser Ken­nen­ler­nen. Den Gum­mi­bund nan­nte die Verkäuferin ele­gant Dehn­bund, die Hose euphemistisch Well­nesshose. Ja, das wäre sie, die eier­legende Wollmilch­sau aus modis­chem Chic und absolutem Kom­fort. Und über­haupt – mit einem län­geren Oberteil würde nie­mand merken, dass es keine richtige Jeans sei, ver­sprochen … son­dern ein Den­im-Fake mit ganz viel Stretch und Gummizug.

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Kontrollverlust? So what!

Ich schlüpfte hinein – und zog sie nie mehr aus. Vor­bei die Zeit­en, in denen ich Hosen­knopf und Reißver­schluss nur liegend schließen kon­nte und ange­zo­gen kaum Luft bekam. Endlich richtig dur­chat­men! Meine unter­ver­sorgten Zellen jubilierten. Meine Laune stieg. Hier war sie, tat­säch­lich, die ulti­ma­tive Bequem­lichkeit, die neue Frei­heit, hur­ra! Ja, vielle­icht würde ich mit dem Gum­mizug tat­säch­lich die Kon­trolle über mein Leben ver­lieren, wie Karl Lager­feld vor Jahren warnte. Aber, so what! Es lebte sich ein­fach so viel entspan­nter ohne kneifend­en Hosenbund.

Bis meine Fre­undin mir erzählte, dass ihre fast 80-jährige Mut­ter genau solche Hosen trägt. Weil sie so bequem und prak­tisch seien. Auch wenn es mal … schnell gehen muss. Tja. Danach zog ich meine geliebte Gum­mi­bund­hose aus – und nie wieder an.

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Bis heute mor­gen. Also, vielle­icht. Nur mal ganz kurz, für einen Moment rein­schlüpfen, entspan­nen, dur­chat­men … aaaah!

Letzte Kommentare (3)

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Freitag, 9. Oktober 2015, 10:26 Uhr

Liebe Susi,

ja der innere Zwist, zwis­chen Bequem­lichkeit und Stolz, Schön­heit und Wohlfühlen. Am Besten von allem ein wenig und alles zu sein­er Zeit 😉

Xx mar­ti­na

Mittwoch, 30. September 2015, 15:54 Uhr

Oh, ein “Rat­ge­ber” sollte dieser Text auch nicht sein, liebe Alexan­dra — son­dern mehr einen inneren Zwies­palt aufzeigen … :-))

Dienstag, 29. September 2015, 22:16 Uhr

Jaa, okay, aber … was will mir das jet­zt sagen? Gum­mi­bund ist gut? Oder schlecht? Oder man weiß es nicht? Trägst du jet­zt die bequeme Hose, oder trägst du sie nicht, weil eine ältere Frau auch solche Hosen trägt?
Ich finde das alles ein biss­chen unbefriedigend.