Warum bist du
eigentlich so dick?

4. November 2020 | von

Ich werde öfters gefragt, warum ich eigentlich so dick bin. Und das von den unter­schiedlich­ste Men­schen. Ganz egal, ob sie mich ken­nen oder nicht.

Soulfully Bloggerin

Manch­mal fra­gen mich Fre­unde, wenn wir zum Beispiel gemein­sam im Urlaub sind und sie sich wun­dern, dass ich gar nicht so unge­sund esse, wie sie wohl erwartet hat­ten. Oder es sind Bekan­nte, die meinen, mit ein biss­chen Sport und etwas weniger Essen kann man doch ganz ein­fach abnehmen, warum ich das nicht tun würde? Grund­sät­zlich möchte ich Fol­gen­des dazu sagen:

„Es geht nie­man­den etwas an, warum ein Men­sch dick ist. Ein dick­er Men­sch muss sich nicht recht­fer­ti­gen dafür, dass er dick ist und sich schon gar nicht dafür entschuldigen.” 

Natür­lich kommt es immer darauf an, wer fragt und wie die Frage gemeint ist. Manch­mal gebe ich auch bere­itwillig Auskun­ft. Vielle­icht hil­ft es im Kampf gegen die Diskri­m­inierung von Dick­en, wenn die Men­schen bess­er Bescheid wis­sen. Allerd­ings habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass die Meis­ten das gar nicht hören wollen und lieber auf ihren Vorurteilen behar­ren. Denn in den Köpfen der Gesellschaft hat sich fest­ge­set­zt, dass gesunde Ernährung und Sport ver­ant­wortlich dafür sind, dass Men­schen dünn sind. Im Umkehrschluss sind also dicke Men­schen ein­fach nur wil­lenss­chwach, faul und undiszi­plin­iert. Dass diese Erkrankung sehr viel kom­plex­er ist, wird nicht akzep­tiert. Mehr noch, es wird nicht ein­mal als Erkrankung anerkan­nt, son­dern auch von Ärzten als selb­st ver­schuldet angesehen.

Es gibt viele Gründe und Aus­lös­er für Adi­posi­tas — bei mir ist es so, wie bei den meis­ten dick­en Men­schen: Es kom­men mehrere Fak­toren zusam­men. Die Erkrankung Lipö­dem, genetis­che Ver­an­la­gung, ein herun­tergewirtschafteter Stof­fwech­sel durch viele Jahre Gewichts-Jo-Jo mit unge­sun­den Diäten und schließlich auch emo­tionales Essen und Stress. Wenn man erst ein­mal in der Gewichtsspi­rale fest­steckt, bed­ingt manch­mal eines das andere und man weiß irgend­wann nicht mehr, was nun eigentlich zuerst da war. Stress und Depres­sio­nen zum Beispiel sind ein­er­seits Aus­lös­er für Gewicht­szu­nahme, ander­er­seits aber auch Folge von Diskri­m­inierung und Stig­ma­tisierung durch die Gesellschaft und der Schuld, die man empfind­et, weil man es nicht schafft, abzunehmen.

Überernährung und Bewegungsmangel

Natür­lich ist auch das ein Grund für zu viel Gewicht.

Genetische Disposition und Prägung im Mutterleib

Unsere Gene und das Ver­hal­ten sowie die Kon­sti­tu­tion unser­er Eltern spie­len eine große Rolle bei den Ursachen für Übergewicht. Ange­borene Fak­toren sind aber meist nicht der einzige Grund für Adi­posi­tas. Für Men­schen mit dieser genetis­chen Ver­an­la­gung ist es aber deut­lich schw­er­er, abzunehmen und dünn zu bleiben.

Der Stoffwechsel / Jo-Jo-Effekt

Men­schen haben unter­schiedlich aktive Stof­fwech­sel. Gute Fut­ter­ver­w­ert­er hat­ten früher einen evo­lu­tionären Vorteil, aber müssen heute gegen ihre Pfunde kämpfen. Wird die Nahrungsauf­nahme drastisch run­terge­fahren, z. B. durch Diäten, ergreift der Kör­p­er Gegen­maß­nah­men und fährt auch den Ver­brauch runter. Ist die Diät been­det, strebt der Kör­p­er eine Wieder­her­stel­lung des Aus­gangs­gewichts an und es kommt erneut zur Gewichtszunahme.

Hormonstörungen, Stoffwechselerkrankungen

Hor­mon­störun­gen wie das Cush­ing-Syn­drom, Prad­er-Willi-Syn­drom oder Schild­drüsen­erkrankun­gen führen zu Gewicht­szu­nahme. Auch hor­monelle Änderun­gen wie Schwanger­schaft oder Wech­sel­jahre kön­nen den Stof­fwech­sel­prozess verlangsamen.

Stress und Schlafmangel

Schlaf­störun­gen und Stress kön­nen dazu führen, dass die Bal­ance von Energiezu­fuhr und ‑ver­brauch durcheinan­der gerät.

Essstörungen

Die bekan­nteste Essstörung ist die Binge-Eat­ing-Dis­or­der — die Betrof­fe­nen ver­lieren immer wieder die bewusste Kon­trolle über ihr Essver­hal­ten. Bei soge­nan­nten Fres­san­fällen nehmen sie große Men­gen an hochkalorischem Essen zu sich. Wenn der Anfall vor­bei ist, schä­men sie sich für ihr Ver­hal­ten. Oft geht die Krankheit mit ein­er Depres­sion ein­her. Die Binge-Eat­ing-Dis­or­der ist eine extreme Form von emo­tionalem Essen.

Psychische Ursachen

Depres­sio­nen, Sor­gen, Ver­lus­ter­leb­nisse, innere Leere, Äng­ste und Stress wer­den häu­fig durch Essen kom­pen­siert. Mit der Nahrungsauf­nahme wer­den die belas­ten­den Gefüh­le unter­drückt. Psy­chis­che Prob­leme sind aber nicht nur die Ursache, son­dern auch eine Folge der Gewichts­diskri­m­inierung durch die Gesellschaft. Ein Teufelskreis.

Medikamente

Einige Medika­mente kön­nen zu Gewicht­szu­nahme führen, z. B. bes­timmte Anti­de­pres­si­va, Lithi­um, Kor­ti­son­prä­parate, Östro­gene, Beta-Block­er und Psychopharmaka.

Lipödem

Das Lipö­dem ist eine schmerzhafte Fettverteilungsstörung mit Ein­lagerun­gen beson­ders an der Hüfte, dem Po, Ober­schenkeln und Ober­ar­men und kann nicht durch Gewichtsab­nahme verän­dert werden.

Letzte Kommentare (18)

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Heidi
Freitag, 13. November 2020, 21:51 Uhr

Ich mache nach sehr vie­len unnöti­gen Diäten ger­ade eine Stof­fwech­selkur. ( San­guinum Kur) Es geht dabei darum, den lah­men Stof­fwech­sel wieder anzukurbeln. 3 mal wöchentlich gibt es eine sub­cu­tane Spitze in den Bauch und 3 mal täglich 2 Homöopathis­che Tablet­ten. Meine Ernährung habe ich auf gesunde Lebens­mit­tel umgestellt. Ich füh­le mich fit, bin tagsüber nicht mehr müde und habe in 6 Wochen schon 11 Kilo abgenom­men. Ich weiß nicht wie es anderen dick­en Men­schen geht, mir hat es ein­fach nicht gut getan und mit jedem Kilo mehr, habe ich mich unansehn­liche gefühlt.

Iris M.
Sonntag, 19. Juli 2020, 16:46 Uhr

Ich kämpfe seit mein­er Kind­heit mit den Pfun­den ! Seit Jahren nehme ich immer wieder Psy­chophar­ma­ka, da ich unter Depres­sio­nen lei­de! Richtig mas­siv zugenom­men habe ich in der Phase der Wech­sel­jahre wegen ein­er Schild­drüse­nun­ter­funk­tion , die viel zu spät erkan­nt wurde! Hashimo­to! Trotz der Medika­mente schaffe ich es nicht wirk­lich, die Kilos wieder runter zu bekom­men! Dazu kommt ein Band­scheiben­schaden, durch den ich sehr lange noch nicht ein­mal 400 m am Stück laufen kon­nte! Wirk­lich schlank war ich vom 24ten bis 30ten Leben­s­jahr! Da habe ich an sechs Tagen in der Woche Sport getrieben , mich gefühlt von ein­er hal­ben Bratwurst am Tag ernährt und zwanzig Zigaret­ten am Tag ger­aucht! Dann wurde ich schwanger , habe aufge­hört zu rauchen und drei Mahlzeit­en am Tag zu mir genom­men! Sport ging nur noch in Maßen! Damit begann mein Jojo Leben ! Nach jed­er Diät , für Sport fehlte mir bei zwei Kindern und eigen­em Betrieb meines Mannes die Zeit, habe ich hin­ter­her mehr als vorher drauf gehabt! Ich hat­te den Ein­druck, dass mein Kör­p­er jede Mahlzeit bunkert! Meine Blutwerte sind bis auf die Cre­a­tinin Werte im Norm Bere­ich! Ich habe trotz eines hohen Gewicht­es niedri­gen Blut­druck , kein Dia­betes und auch nichts am Herzen! Also ich kenne auch die schlauen Sprüche einiger schlanken Per­so­n­en, die kein Wass­er trinken wie ich, son­dern liter­weise süssen Sprudel und lock­er das dop­pelte von mir fut­tern! Mein Opa war sehr dick und seine Tochter, meine Mut­ter, ist es eben­falls! Danke für diesen Artikel, ich habe endlich mal gese­hen, dass es auch andere mit diesem Prob­lem gibt.

Anja
Samstag, 18. Juli 2020, 15:34 Uhr

Ihr sprecht mir aus der Seele habe Schild­drüse ent­fer­nt Lipö­dem Sta­di­um 3 abgelehnt von der Kasse mache Zum­ba ernähre mich richtig unter trotz­dem bleibt und ist man dick

Sandra
Mittwoch, 20. Mai 2020, 14:45 Uhr

Habe mir die Punk­te aus reinem Inter­esse durchge­le­sen. Ich sel­ber war ein­mal 84kg bei 1.65. Heute wiege ich 59kg, ich weiss also, was es heisst dick zu sein und abzunehmen. Was ich gut finde, sind die Fak­toren der Psyche/Seele. Adi­posi­tas ist defin­i­tiv häu­fig eine Folge davon. Ger­ade wenn es sich um eine Teufelsspi­rale han­delt. Man hat Stress oder andere seel­is­che Belas­tun­gen, man isst, man wird dick und dann depres­siv und alles wieder von vorne und man wird noch dick­er. Ich studiere Medi­zin im let­zten Jahr und kenne mich gut mit den Vorurteilen aus. Ich habe eine Schild­drüse­nun­ter­funk­tion und seit der Hor­mon­ab­nahme geht auch das Gewicht ständig runter. Ich kann also ver­sich­ern, dass das ein­er der ersten Punk­te ist, die ich anspreche und unter­suche. Auch andere Stof­fwech­sel­störun­gen sind oft dafür ver­ant­wortlich. ABER es ist nun ein­mal wirk­lich so, dass dickere Leute zu viel essen, d.h nicht unge­sund und d.h auch nicht im Ver­gle­ich zu anderen, aber zu viel für ihre Stof­fwech­sel­lage. Mir per­sön­lich ist das so Wurst, ob jemand 100 oder 200kg wiegt und ich behan­dle jeden gle­ich. Fakt ist, dass jede Per­son für sich selb­st ver­ant­wortlich ist und wenn es halt keine organ­is­che Ursache gibt, dann wäre evt. eine Abklärung wegen ein­er psy­chis­chen Ursache notwendig. Fakt ist auch und das finde ich gut geschrieben in deinem Text, dass sich nie­mand für sein Gewicht recht­fer­ti­gen muss-ob jet­zt dick oder dünn. Anfü­gen zum Schluss möchte ich, dass Pschophar­ma­ka wie Lithi­um, Anti­de­pres­si­va ect. NICHT dick machen son­dern den Appetit steigern. Ist ein wichtiger Unterschied.

Besten Dank für den Bericht

Kraemie
Samstag, 8. Februar 2020, 10:54 Uhr

Eine Ursache für Übergewicht, die lei­der kom­plett unbekan­nt ist, ist Übergewicht als Komor­bid­ität von ADHS, wie es bei mir der Fall ist. Da mein Gehirn ein Prob­lem mit der Dopam­inauf­nahme hat ver­sucht es unbe­wusst, sich selb­st zu medika­men­tieren. Und dies geht unter anderem mit Zuck­er. Alle Ver­suche mein­er­seits abzunehmen scheit­erten, mein Essver­hal­ten war nie Wirk­lich gestört, aber ich hat­te große Lust auf Süßes. Ich hat­te wed­er hor­monelle Prob­leme noch Schild­drüse, die Ärzte wussten keinen Rat bei mir. Kein­er kon­nte sich erk­lären, warum ich so dick wurde/bin. Bis ADHS diag­nos­tiziert wurde. Seit dem ich auf Medikinet eingestellt bin nehme ich kon­tinuier­lich ab, die Lust auf Zuck­er ist kom­plett weg. Mein Gehirn bekommt ja endlich das, was ihm gefehlt hat.
Adi­posi­tas bei ADHS ist gar nicht so selten.

Reni
Montag, 25. November 2019, 16:22 Uhr

Ihr sprecht mir aus der Seele.
Ich (fresse nicht) ich esse bes­timmte Sachen gern aber in Massen.
LIP/LYMPF, STOFFWECHSEL , VERANLAGUNG gehe 3 mal die Woche zum Sport. Trotz­dem nach hun­dert tausend ver­suchen scheit­ere ich immer wieder.

Annette
Freitag, 22. November 2019, 19:47 Uhr

Der Artikel spricht mir aus dem Herzen! Ich war 10 Jahre lang mager­süchtig und bulim­isch. Mein Tief­st­pub­kt waren 32 kg.
Dann bekam ich Hashimo­to, eine Depres­sion, einen Herz­in­farkt und Epilep­sie. Ich nehme massen­weise Medika­mente, bin 100% schwer­be­hin­dert und musste aufhören zu arbeit­en. Selb­st im Kranken­haus und der Reha haben die Ärzte gesagt, ich esse eigentlich zu wenig. Ich war ein Leben lang sehr schlank, als einzige in unser­er Fam­i­lie — jet­zt bin ich adipös — aber nach Ansicht mein­er KK nicht dick genug für eine Kur oder Reha — dabei bin ich von 32 kg auf 84, lei­de darunter wie sau, kaufe Klam­ot­ten in der “Zeltabteilung” und habe ständig Angst, Bekan­nte von früher zu tre­f­fen. Alles macht keinen Spaß mehr, mein Selb­st­wert­ge­fühl ist auf 0.

Kira
Mittwoch, 4. September 2019, 13:08 Uhr

Vie­len Dank für den schö­nen Artikel. Ich kann mich dem nur anschließen. Auch mein­er eige­nen Erfahrung nach — und der der meis­ten dick­en Men­schen, die ich kenne — hat wirk­lich­es Übergewicht meis­tens nicht nur *die* eine einzige Ursache. So gut wie immer kom­men da mehrere Aspek­te zusam­men. Eine Dis­po­si­tion zum Zunehmen, Stof­fwech­sel­prob­leme, zahlre­iche Diäten und “Ernährung­sum­stel­lun­gen”, Essstörun­gen, Stress, Rück­zugsver­hal­ten auf­grund neg­a­tiv­er Erfahrun­gen usw. usf. Nicht unter­schätzt wer­den sollte mein­er Ein­schätzung nach die Tat­sache, dass man es als dick­er Men­sch oft sehr, sehr schw­er hat, gesund­heitliche Prob­leme abzuk­lären. Viele Ärzte nehmen einen nicht richtig ernst, einige sind offen unfre­undlich. Spricht man sein Gewicht an, wird einem vorge­wor­fen, nur eine “Ausrede” zu wollen, erwäh­nt man das Gewicht daher extra nicht, wenn es einem haupt­säch­lich um andere Beschw­er­den geht, wird einem vorge­wor­fen, das eigentliche Prob­lem sei doch das Gewicht und dem wolle man sich nicht stellen. Hab ich lei­der bei­des schon mehrfach erlebt und aktuell mal wieder große Hem­mungen, über­haupt zum Arzt zu gehen. Stof­fwech­sel­prob­leme bei übergewichti­gen Men­schen wer­den (nicht nur) mein­er Erfahrung nach auch eher sel­ten abgek­lärt, auch dann, wenn sie selb­st einen Ver­dacht darauf äußern. Vielle­icht ver­muten manche Ärzte, das sei päd­a­gogisch falsch, weil es den Leuten eine Ausrede gäbe, obwohl ja die Lebensweise und die Ernährung trotz­dem wichtige Rollen spie­len. Ich ver­mute, da ist eher das Gegen­teil der Fall. Mit dem Wis­sen um die eige­nen gesund­heitlichen Ein­schränkun­gen kön­nten viele auch eine Ernährung­sum­stel­lung bess­er und selb­st­be­wusster ange­hen. Zu wirk­lich hohem, die Leben­squal­ität auch kör­per­lich ein­schränk­enden Übergewicht müsste es in vie­len Fällen dann gar nicht erst kom­men, wenn rechtzeit­ig Hil­fe ange­boten würde.

Conny
Montag, 29. Juli 2019, 7:48 Uhr

Liebe Lau­ra,
wun­der­bar auf den Punkt gebracht — dem habe ich nichts hinzuzufü­gen, danke!

Laura
Montag, 22. Juli 2019, 10:09 Uhr

Wie immer scheint es auch hier nur schwarz und Weiß zu geben. Es ist nicht falsch das Medika­mente, Hor­mon­um­stel­lung etc zu Übergewicht führen kön­nen. Und zwar dadurch daß sich der Energieum­satz ver­langsamt. Wup­ps hat man Kilos drauf obwohl man weit­er isst wie bish­er. Und oft auch bevor man begrif­f­en hat, das es an den Medika­menten etc liegt. Und jed­er hat Mal ver­sucht abzunehmen und weiß wie schw­er es fällt auch nur 3 oder 4 Kilo runter zu kriegen. Sich­er, wer mas­siv übergewichtig ist hat das Gewicht nicht in kurz­er Zeit erre­icht. Der Autorin ging es aber darum zu sagen das es nicht an uns ist zu beurteilen wie das ent­standen ist. Der eine hat ne harte Zeit und isst und nimmt zu. Jed­er sieht es und beurteilt es auch noch. Der näch­ste isst auch, nimmt aber nicht zu. Andere essen nicht, son­dern trinken, spie­len oder prä­gen andere Süchte aus. Manche essen gar nichts was genau­so unge­sund ist, bekom­men aber noch Lob weil sie ja abgenom­men haben. Es ist nicht unser Job zu beurteilen wie das Übergewicht ent­standen ist und ob der­jenige nun nur Ausre­den sucht etc. Zu guter Let­zt, sich­er ist das Leben ein­fach­er wenn man weniger Kilos mit sich rum schleppt. Aber schön­er sich­er nicht. Ob ein Leben Freude macht oder nicht hängt nun wirk­lich nicht am Gewicht oder der Beweglichkeit. Genau­so wenig wie am Ausse­hen generell. Und wer nicht abnehmen möchte braucht es auch nicht um anderen zu gefall­en, die sich eigentlich selb­st nicht gefall­en. Wer wirk­lich im Frieden mit sich ist, akzep­tiert auch andere Men­schen und wertet nicht an ihnen rum.

Sonnenblume
Montag, 20. Mai 2019, 13:57 Uhr

An Mause­jule, Ihre hohe Intel­li­genz und Ihr großes Wis­sen über dieses The­ma erken­nt man sofort an Ihrer Rechtschrei­bung. Sie sind anscheinend sehr “lebenser­fahren”.
Ich wün­sche Ihnen, dass Ihr Leben immer glatt läuft und dass die Sonne immer für Sie scheint.

An Ka
Freitag, 17. Mai 2019, 19:24 Uhr

Jemand, der 0 kcal am Tag ver­bren­nt, kann nicht abnehmen.
Für alle anderen gilt: mehr kcal ver­bren­nen, als man zu sich nimmt — dann klappts auch mit der Abnahme.
Ich spreche da aus eigen­er Erfahrung: habe 35 kg abgenom­men und kenne mit­tler­weile viele, die es auch geschafft haben.
Liebe adipöse Mit­men­schen — lasst euch nichts einre­den! Das Leben ist soviel glück­lich­er, wenn man Nor­mal­gewicht hat.

Mausejule
Freitag, 17. Mai 2019, 11:55 Uhr

Sor­ry.…. es gibt genau EINE Ursache für Übergewicht und das ist dauer­haft mehr kalo­rien zu sich zu nehmen als man ver­bren­nt. Punkt. Begrün­det sich schlicht in der Ther­mo­dy­namik. Materie entste­ht nicht aus dem nichts und die zusät­zliche “Materie” die man bei übergewichti­gen sieht ist irgend­wann mal als Materie aufgenom­men wor­den. Darum sind die meis­ten “Gründe”, die hier für Übergewicht ange­führt wer­den blödsinn. Ein verän­dert­er hor­mon­haushalt macht nicht dick. Medika­mente machen nicht dick (es sei denn es sind schlicht wasserein­lagerun­gen aber die zäh­le ich hier mal nicht) — sie sor­gen vielle­icht für einen langsameren Stof­fwech­sel. Dick wird man dann aber wieder erst wenn man seine kalo­rien­zu­fuhr dem nicht anpasst.

Kati
Donnerstag, 16. Mai 2019, 10:23 Uhr

Aber wenn die aller­meis­ten Aus­lös­er für eine zu große Nahrungsauf­nahme (die eigentliche Ursache von Übergewicht) durch diag­nos­tizier­bare Krankheit­en verur­sacht wer­den – warum soll ich das akzep­tieren? Das klingt so, als wür­den diese Fak­toren, weil sie eben eine Erkrankun­gen sind, unbe­d­ingt hin­genom­men wer­den müssen. Wenn meine beste Fre­undin Brustkrebs oder auch nur gesund­heits­ge­fährdende Kramp­fadern hätte, würde ich sie doch in jedem Fall ermuti­gen, etwas dage­gen zu tun. Einen Arzt aufzusuchen. Oder auch zwei oder drei. Eine Ther­a­pie einzuleit­en. Etwas dafür zu tun, dass sie wieder gesund wird. In diesem Fall würde es auch kein­er ver­ste­hen, wenn der erkrank­te Men­sch eine Behand­lung ablehnen und fordern würde, dass man ihn ein­fach so krank akzep­tiert. Weil er eben so ist. 

Sieben der oben aufge­führten neun Punk­te sind Aus­lös­er für eine zu große Nahrungsauf­nahme und zu wenig Ver­brauch durch man­gel­nde Bewe­gung. Medika­mente machen beispiel­sweise nicht automa­tisch über Nacht dick. Sie fördern viel eher den Appetit, lagern Wass­er ein, bee­in­flussen neg­a­tiv die Psy­che – sodass man dann am Ende mehr isst, als macht braucht und sich noch weniger bewegt, als vorher. Davon nimmt man dann zu. Was sich da „in den Köpfen der Gesellschaft“ zu The­ma Energieauf­nahme und ‑ver­brauch fest­ge­set­zt hat, ist also ganz ein­fach der richtige Zusammenhang. 

Warum kön­nen denn Übergewichte Men­schen dann nicht auch dieser dieser Wahrheit ste­hen „Ja, ich nehme regelmäßig mehr Nahrung auf, als ich brauche. Und das hat übri­gens fol­gende Gründe … “. Es sieht immer so aus, als sollte dieser Umstand (den ich im Übri­gen wed­er verurteile noch grund­sät­zlich als wil­lenss­chwach und undiszi­plin­iert ein­stufe), unbe­d­ingt kaschiert wer­den muss. Weil es pein­lich ist zu sagen, dass man zu viel Energie zu sich nimmt? Weil man dann doch eine per­sön­liche Ver­ant­wor­tung hat? 

Ich glaube, wenn mehr adipöse Men­schen zu diesem Zusam­men­hang „erhöhte Nahrungsmit­te­lauf­nahme — hohes Gewicht“ selb­st­be­wusst ste­hen wür­den, kön­nten sie die Aus­lösern dafür auch bess­er ange­hen. Es ist ein­fach psy­chol­o­gisch und moti­va­torisch ein gravieren­der Unter­schied, ob man sich und anderen immer wieder bestätigt, dass es für die Adi­posi­tas ja ganz viele Aus­lös­er gibt, auf die man keinen Ein­fluss hat. Weil diese ja Krankheit­en sind. Oder ob man dazu ste­ht, dass man gravierende Baustellen hat, die einen immer mehr essen lassen, als man braucht. Und diese dann auch angeht. 

Natür­lich ist es da nicht mit ein­er hal­ben Stunde auf dem Step­per und ab und zu einem grü­nen Salat getan. Das wäre eine sehr sim­ple Sichtweise für ein kom­plex­es The­ma. Der Weg ist anstren­gend und braucht lange. Aber er ist möglich! Ich wün­sche allen viel Mut und gut Vibes, um diese Baustellen anzugehen.

PS: Einen gedrossel­ten oder kaput­ten Stof­fwech­sel durch Diäten gibt es so nicht. Dieser mod­erne Mythos hat sich irgend­wann in der Pop­ulär- Ernährungswis­senschaft und Frauen­zeitschriften-Szene fälschlicher­weise eingeschlichen. Und führt wiederum nur dazu, dass man sich als Übergewichtiger nicht hand­lungs­fähig, mut­los und aus­geliefert fühlt. Ich KANN ja gar nicht abnehmen. Mein Stof­fwech­sel ist kaputt. Bitte informiert Euch und stre­icht dieses gefährliche Märchen aus den Köpfen der Gesellschaft.
Es gibt allerd­ings in der Tat einen JoJo-Effekt. Dieser entste­ht, wenn Men­schen nach ein­er Diät wieder genau so viel essen wie vorher und in alte Ernährungsweisen (die zu Übergewicht geführt haben) zurück­fall­en. Da sie nach ein­er Diät in der Regel auch weniger wiegen, benöti­gen sie noch weniger Energie als vorher. Sie nehmen durch die Nahrungs­menge wie vor der Diät also schneller zu, als je zuvor. Schuld ist nach nicht ein selt­samer Kör­per­me­ch­a­nis­mus, son­dern das eigene Essverhalten.

Badenserin
Donnerstag, 16. Mai 2019, 8:28 Uhr

Die Autorin schreibt:
“Denn in den Köpfen der Gesellschaft hat sich fest­ge­set­zt, dass gesunde Ernährung und Sport ver­ant­wortlich dafür sind, dass Men­schen dünn sind.” Was sich da fest­ge­set­zt hat, ist aber auch tat­säch­lich zutreffend. 

Natür­lich hat sie recht, wenn sie alle möglichen Gründe anführt, die zu ein­er erhöht­en Kalo­rien­auf­nahme führen. Am Ende vernebelt sie aber mit einem falsch gezo­ge­nen Umkehrschluss (Dicke sind faul und undiszi­plin­iert) die Tat­sache, dass phys­i­ol­o­gisch “mehr rein als raus” zu ein­er Zunahme führt,

Mit einem Satz gibt sie als Grund für Adi­posi­tas dann auch Über­ernährung an und räumt immerin hin an, dass das “auch” der Grund ist. Tat­säch­lich ist das aber “der” Grund. Alles andere, was sie aufzählt, sind Aus­lös­er für die Über­ernährung. Im HIn­blick auf das Aus­maß, das Übergewicht in Deutsch­land mit­tler­weile angenom­men hat, sollte man da schon klar differenzieren.
Ich bin eine Ex-Dicke.
Mich haben solche Beiträge früher sehr ent­mutigt. Bei mir ist ein Gefühl an Hil­flosigkeit ent­standen. Ja, kann man nicht viel machen, Genetik, ruiniert­er Stof­fwech­sel, am besten gle­ich nichts mehr ver­suchen, son­st ist der Stof­fwech­sel vol­lends hinüber. Zum Glück habe ich die Kurve gekriegt. Ich weiß noch, wie schlecht es mir mit meinem Übergewicht ging, auch wenn ich das lange ver­drän­gen und schönre­den kon­nte. Vie­len Ex-Dick­en wird ja auch vorge­wor­fen, dass sie sich um 100 Grad drehen, während sie früher doch einen zufriede­nen Ein­druck gemacht haben. Wenn man aber erst mal erlebt hat, wie man im wahrsten Sinne des Wortes leichter durchs Leben geht, verän­dert das den Blickwinkel.

Sprache ist übri­gens sehr ent­lar­vend. Richtige Ernährung und Sport führt nicht zwangsläu­fig dazu, dass Men­schen “dünn” sind, son­dern schlank und fit.

Dana Danila Ka
Mittwoch, 24. April 2019, 14:17 Uhr

Jedes “Dick­sein” hat seine Geschichte. Es ist schade, daß dünne Men­schen das so oft abtun und stigmatisieren.
Ich wün­sche jedem, der Übergewicht mit sich herum trägt, daß er/sie es schafft, zu ver­ste­hen, daß es darauf nicht ankommt. Son­dern auf das Wesen, das Innere.
Mir selb­st auch 😉
Und Mut. Mut weit­er­hin raus zu gehen in die Welt, denn es ist lebenswert da draußen! Ver­steckt Euch nicht und erzählt Eure Geschichten 🤗

Alles Liebe 👋
Eure dana

Fritzi
Mittwoch, 24. April 2019, 11:50 Uhr

Das bekan­nte ital­ienis­che Mod­e­haus mag zwar für einiges ver­ant­wortlich sein — aber defin­i­tiv ist es eine krankhafte Ursache von Übergewicht. Die Krankheit heißt Prad­ER-Willi-Syn­drom — benan­nt nach dem Schweiz­er Kinder­arzt Andrea Prader.

    Conny
    Donnerstag, 25. April 2019, 12:54 Uhr

    Danke für den Hin­weis Fritzi, ist korrigiert.