Der Geheimbund der Plus-Size-Frauen

27. Mai 2019 | von

Irgend­wie ist da was zwis­chen uns – eine Ver­bun­den­heit, obwohl wir uns nicht ken­nen. Eine Art Gehe­im­bund, von dem ich dir heute erzählen möchte. Was verbindet uns Plus-Size-Frauen und wie kön­nen wir einan­der unterstützen?

Übergewichtige Frauen fühlen sich verbunden

Das Gefühl der Verbundenheit 

Um ehrlich zu sein, die, die am meis­ten nach Frauen schauen, sind Frauen! Es kann ein Klis­chee sein, aber irgend­wie stimmt es auch. Ich bin mir sich­er, dass ich nicht die Einzige bin, die sich zwis­chen Besorgun­gen und einem Täss­chen Kaf­fee ganz gedanken­ver­loren dabei wiederfind­et, wie man anderen Frauen nachgeschaut hat. Und diese Frauen, die ich da an mir vor­beige­hen sehe, lösen in mir so ein Gefühl von Ver­bun­den­heit und Bewun­derung aus. Ich merke vor allem immer wieder, dass ich mich beson­ders mit eben­falls kurvi­gen Frauen ver­bun­den füh­le. Da schaue ich ganz genau hin, denn auch wenn man sich nicht ken­nt und über die Leben­sum­stände der anderen nichts weiß, beste­ht plöt­zlich so ein Gefühl, dass man eine gemein­same Schnittstelle hat, einem geheimen Bund ange­hört. Die Mit­glieder dieses Gehe­im­bun­des ver­ste­hen einan­der, haben ähn­liche Gedanken, Prob­leme, Sor­gen – schwin­gen auf ein­er Wellen­länge.   

Selbstbewusst als Curvy

Was verbindet uns Plus-Size-Frauen? 

Genau diese Übere­in­stim­mungen sind es, die uns die Mit­glied­skarte zu diesem Club geben. Und irgend­wie habe ich so das Gefühl, dass wir auch eine Art Min­der­heit­en-Com­mu­ni­ty sind. Das empfinde ich oft, wenn ich an über­füll­ten Orten bin und mich so „zwis­chen­drin“ füh­le. Auch wenn ich mir die reinen Zahlen angucke, finde ich mich bestätigt. 2017 waren laut ein­er Studie des Sta­tis­tis­chen Bun­de­samtes 43 Prozent der Frauen in Deutsch­land übergewichtig. Für Curvys gibt es daher nur ein aus­gewähltes Ange­bot, z.B. bei Mode. Ich muss aber auch sagen, dass nicht jede Frau mit ihrem Kör­p­er und ihrem Look im Reinen und zufrieden mit sich selb­st ist. Das liegt zum Großteil an dem Druck, der auf sie aus­geübt wird. Es ist noch ein weit­er Weg für unsere Gemein­schaft, bis wir gegen­seit­ige Bestärkung in der Welt da draußen bekom­men, wo es noch sehr stark um herkömm­liche Schön­heit­side­ale geht. Natür­lich mag ich Looks und Trends und es gefällt mir, zu sehen, wie sich andere in ihren Styles aus­drück­en, doch was ich wirk­lich bewun­dere, ist die Hal­tung und die Ausstrahlung, die eine Frau hat, wenn sie sich schön fühlt. Um das zu erre­ichen, haben wir unseren Gehe­im­bund.  

So bekommst du mehr Selbstvertrauen

Mein Wunsch an die Curvy-Community 

Ich wün­sche mir, dass sich in unser­er kleinen Plus-Size-Com­mu­ni­ty noch mehr das Bewusst­sein ver­bre­it­et, dass es nicht ein­fach um Schön­heit­side­ale geht, son­dern sich selb­st in der eige­nen Haut wohlzufühlen. Dass wir uns das gegen­seit­ig ver­mit­teln und es das ist, was uns auch weit­er­hin verbindet, uns Kraft gibt. Wenn ich so vor mich hin sin­niere und dabei andere Frauen anläch­le, bekomme ich meis­tens ein Lächeln zurück und genau dieses Lächeln ist oft für mich wie ein geheimes Zeichen unter uns, ein Zwinkern, ein „Wir ver­ste­hen uns“! Ein Gruß der „Stammeszuge­hörigkeit“! Das habe ich auch schon oft bei Ras­tamän­nern beobachtet, die sich grüßen und anlächeln, ohne dass sie sich ken­nen, aber mit dem Bewusst­sein, dass man zueinan­der gehört. Ein stilles Übereinkom­men, dass man sich erken­nt und die gle­ichen Werte hat, die gle­ichen Erfahrun­gen etc.  

All die bit­ter-süßen Momente, die wir Plus-Size-Frauen machen mussten in unserem Leben: Mob­bing, Body Sham­ing, nicht mal in die größte Klei­der­größe von Stan­dard-Mod­e­la­beln zu passen, komis­che Blicke im Bus, weil man über den eignen Sitz hin­aus­ragt und all die kleinen und großen Dinge, die man so im All­t­ag erlebt. Sie alle rat­tern in meinem Kopf, wenn ich ein­er anderen curvy Frau zuläch­le oder sie grüße. Und irgend­wie habe ich das Gefühl, wir ver­ste­hen, warum wir uns zulächeln!  

Kalmotten für Große Größen

Geheimbund im Praxistest 

Für diesen Beitrag habe ich mich in ein Café am belebten Hack­eschen Markt mit­ten in Berlin geset­zt. Und ich habe tat­säch­lich nicht nur gegrüßt, son­dern einige Frauen ange­sprochen, um mit mir ein Foto zu machen. Um unserem Gehe­im­bund ein Gesicht zu geben. Viele haben sich sehr gefreut, woll­ten aber den­noch nicht so spon­tan fotografiert wer­den. Aber manche eben schon. Ich freue mich über ein paar neue Bekan­ntschaften und einen kurzen Aus­tausch. So dufte ich Katie ken­nen­ler­nen, die mit ihren Eltern ger­ade in Berlin zu Besuch ist und eigentlich aus Rug­by, Eng­land, kommt. Oder auch Ann-Kathrin aus Berlin mit ihren super-coolen Sneak­ern. Und Rabea, die mit ihrer Mama unter­wegs war und mich mit ihrer Her­zlichkeit sofort in ihren Bann gezo­gen hat.  

Dir gefällt Tatis Look? Hier gibt’s die Teile:

Dann war da noch Sheila aus Los Ange­les, mit ihr hat­te ich ein ziem­lich span­nen­des und inten­sives Gespräch über die Plus-Size-Com­mu­ni­ty in den Staat­en. Sie hat sich ins­beson­dere darüber beklagt, dass es dort immer noch zu wenig Auswahl an schick­er Mode für Große Größen gibt. Ich habe ihr natür­lich sofort den Link zu Otto gegeben. 😉 Doch das Wichtig­ste: Sie haben alle meine The­o­rie zum Gehe­im­bund der Plus-Size-Ladys bestätigt, auch wenn einige zugeben mussten, dass sie darüber noch nie nachgedacht haben. Den­noch haben sie es immer gefühlt, den geheimen Zusam­men­halt, die Unter­stützung und die Ver­bun­den­heit. 

Hast du dieses Gefühl auch?

Letzte Kommentare (1)

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Fritzi K.
Freitag, 31. Mai 2019, 14:10 Uhr

Abge­se­hen von dem Gemein­platz, dass allein Klei­der­größe und Gewicht keine wirk­lich sehr starke Basis für Zusam­menge­hörigkeits­ge­fühl sind, gibt es eine ganze Rei­he von Grün­den, warum es nicht funktioniert.
1. Die BMI-basierte Kat­e­gorisierung mit 43% übergewichtige Frauen lässt die Gruppe sehr viel größer erscheinen, als diese nach Anschau­ung in der realen Welt tat­säch­lich ist. “Übergewichtig” nach dieser Sta­tis­tik sind viele Klei­der­größe 40 oder 42 Frauen — die fühlen sich nicht wirk­lich “curvy”.
2. Da “dick sein” mit einem solchen gesellschaftlichen Stig­ma belegt ist, ist dies eine Gemein­schaft, zu der sich die wenig­sten beken­nen wollen — auch wenn sie objek­tiv dazu gehören. Es fol­gt meist den Gedanken: “Irgend­wann nehme ich schon ab, bin schlank und dann bin ich nicht mehr bei den ‘curvies’ ”…
3. Die meis­ten Frauen, die sich bewusst mit dem curvy sein auseinan­der geset­zt haben und iden­ti­fizieren sind diejeni­gen, die vor allem auch in jun­gen Jahren schon mit Gewichts­diskri­m­inierung und body sham­ing zu tun hat­ten. Das prägt. Bei den­jeni­gen, die erst spät dick(er) wer­den, ist dies meist kein The­ma. In meinem eige­nen Fre­un­deskreis war ich immer “die Dicke” — inzwis­chen “erbe” ich mit Größe 44/46 die chi­cen Klam­ot­ten der ehe­ma­li­gen Gr. 36-Mädels, die jet­zt größere Größen tra­gen. Aber sich wed­er dick, noch curvy find­en son­dern ein­fach nur sie selb­st in ein­er anderen Klei­der­größe sind.