Food Shaming: Ich entscheide, was ich esse.

Food Shaming Erfahrungen

Food Shaming: Mein Leben, mein Körper. Und allein meine Entscheidung, was ich esse.

Ich esse gerne. Immer schon. Dafür bin ich dankbar, denn für eine Plus-Size-Frau habe ich ein erstaunlich gesundes und normales Verhältnis zum Essen. Ja, ich bin relativ unbeschadet aus vier Jahrzehnten voller Diäten hervorgegangen. Ich esse, wenn ich hungrig bin, ich höre auf, wenn ich satt bin. Ich kenne kein „Binge“-Eating (Essanfälle) und ich kann auch nur ein einziges Stück Schokolade nehmen, ohne gleich die ganze Tafel verspeisen zu müssen. Ich esse mit Freude und ohne Schuldgefühle.

Meistens zumindest.

Food Shame Erfahrungen

Denn manchmal … manchmal fühle ich mich doch schuldig. Wenn auf der Speisekarte ein Salat mit Putenstreifen steht – und ich mir das Wiener Schnitzel mit Pommes bestelle. Wenn ich keinen Obstsalat als Dessert ordere, sondern lieber die Mousse au Chocolat. Wenn ich noch ein zweites Mal zum Buffet gehe, weil die Lasagne so lecker war. Ja, dann schäme ich mich.

Weil ich beim Essen nicht als erstes an die Waage und mein Gewicht denke, sondern an den Genuss. Weil ich mich als Dicke besser im Griff haben und disziplinierter sein sollte.

Manchmal treffen mich dann Blicke, die mir genau das bestätigen: „Denk mal an Deine Figur!“ „Iss lieber den Salat!“ „Gehst Du wirklich noch ein zweites Mal zum Buffet? Kannst Du Dir das denn figürlich leisten?“ Manchmal kann ich sie abschütteln, diese Blicke, oder weglächeln. Manchmal stehe ich darüber und zucke gedanklich mit den Schultern, während ich die zweite Portion Lasagne genieße. Oder die Mousse au Chocolat. Manchmal aber schäme ich mich tatsächlich. Dafür, dass ich so wenig Selbstbeherrschung habe. Dafür, dass ich zu gerne esse. Vor allem aber dafür, dass ich es zulasse, dass mich diese Blicke treffen und mir zeigen, wie brüchig mein Selbstwertgefühl doch ist.

Erfahrung mit Food Shaming

Was mir in solchen Situationen hilft:

  • An mein Mantra denken: Mein Körper, mein Leben, meine Entscheidung. Es geht niemanden außer mir etwas an, was ich esse und wie viel.
  • Krönchen richten, weitergehen. Und lächeln. Ich lasse mir den Spaß am Leben und Essen doch nicht verderben!
  • Genießen – ohne Schuldgefühle! Wenn Du eine Mousse au Chocolat essen willst, dann iss keinen Obstsalat!
  • Gelassen bleiben. Mein Motto: Wenn jemand ein Problem mit mir, meiner Figur und dem, was ich esse, hat, dann ist es nicht mein Problem. Sondern seines.
  • Und zum Schluss mein Lieblingstipp – weil er zugleich schlagfertig und charmant ist: „Du hast mich so angeguckt, als hättest Du selber gerne ein Dessert. Da habe ich Dir eines mitgebracht!“ Der Wink mit dem Zaunpfahl wirkt oft Wunder.

Wie reagierst Du, bei strafenden Blicken oder – noch schlimmer – doofen Kommentaren? Hast Du Tipps?

Leserkommentare
3 Kommentare
Deamon schreibt am

Liebe Susanne, das kommt mir alles so unglaublich bekannt vor. Ich bekomme von den Kolleginnen jeden Tag vorgelebt, wie „Frau“ zu essen hat! Von Genuss kann da keine Rede mehr sein. Auch ich war als Kind schon dick, und das wurde mir im wahrsten Sinne des Wortes von allen auf das Butterbrot geschmiert. Heute habe ich auch noch diese Momente, in denen ich mir sage, dass es doch egal ist, was die anderen denken, allerdings ist es ein stetiger Kampf mit mir selber, hier stark zu bleiben.
Ein Erlebnis hat mir dabei geholfen. Wir waren mit einigen Kolleginnen und Kollegen essen in einem Steakhouse und einer der Kollegen meinte schon im Vorfeld: „Die Mädels essen doch eh alle Salat!“ – Es haben alle Salat bestellt, nur ich nicht. Und wurde belohnt mit den Worten: „Endlich mal eine Frau, die weiß, was schmeckt.“ Seitdem versuche ich, mich nicht zu verbiegen und das zu essen, was ich will. Und ich LIEBE Mousse au chocolat! 🙂 In diesem Sinne, genießt das Leben und das Essen. Liebe Grüße, Deamon

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Conny schreibt am

Liebe Susanne, die Erwartungen der anderen sind die Erwartungen der anderen. Sagt man doch so, oder? Wem hilft das, wenn Du im Restaurant Cola light zu Salat mit Putenstreifen isst und anschließend hungrig und frustriert nach Hause gehst? Ich hab früher gekellnert und mag generell Menschen, die genießen können. Bleib ja bei der Schokoladenmousse und lass die Finger vom Salat! Ist meistens eh fettes Fertigdressing draufgepampt. 😉 Liebe Grüße Conny

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Kathrin schreibt am

Liebe Susanne, ich kann das so gut verstehen! Blicke habe ich gottseidank noch keine bemerkt, aber ich denke manchmal auch so. Vor allem bin ich nicht unbeschadet, schon seit meiner Kindheit habe ich ständig das Gefühl zu dick zu sein (auch in den Zeiten in denen ich wirklich dünn war) meine Mutter hat mir da irgendwie so einen Knacks mitgegeben, weil sie mich schon in meiner Kindheit auf Diät gesetzt hat und mein Kinderarzt mir Adipositas bescheinigte! Schlimm sowas! Ich habe also zum Essen ganz und gar kein gutes Verhältnis! Ich überlege ständig wie viele Kalorien etwas hat und ob es nicht zu hochkalorisch ist! Früher wurden mir Schmalzbrote und Malzbier verboten, weil es zu viele Kalorien hat, sogar Bananen durfte ich nicht essen, weil sie stopfen! Mittlerweile versuche ich einfach mich gesund zu ernähren, mir nichts zu verbieten und endlich mit meinem Körper ins Reine zu kommen! Mal sehen, ob ich das schaffe! Hab Dank für Deinen Erfahrungsbericht und Deine Gedanken zum Thema! Viele liebe Grüße, Kathrin

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