Fatshaming in der Familie

11. November 2020 | von

Wir müssen reden. Über ein The­ma, das viele von uns bet­rifft, uns zutief­st ver­let­zt und geprägt hat, aber das meist unter den Tep­pich gekehrt wird. Fat­sham­ing (Gewichts­diskri­m­inierung) in der Fam­i­lie. Wenn ich mit Fre­undin­nen darüber spreche, fließen oft Trä­nen. Der Schmerz sitzt tief, denn es sind die Men­schen, die wir am meis­ten lieben, die uns ver­let­zen. Oft sog­ar ohne böse Absicht, aber die Fol­gen sind weitre­ichend. Durch die Ver­trautheit der Fam­i­lie scheint es ein­fach­er, Gren­zen zu über­schre­it­en und sehr ver­let­zende Dinge auszus­prechen, die man Frem­den gegenüber nie äußern würde.

Wenn die Eltern es nur gut meinen 

Bei mir war es meine Mut­ter, die manch­mal — ohne böse Absicht — Dinge gesagt hat, die sich bis heute in meine Seele gebran­nt haben und über Jahre mein Han­deln bes­timmten. Ein noch harm­los­er Klas­sik­er ist die Diskus­sion darüber, welche Klei­dung für mich schme­ichel­haft sei. Das Wort „kaschieren“ kam häu­fig darin vor — meist noch in Verbindung mit dem Ratschlag, den Bauch einzuziehen. Wirk­lich ver­let­zt haben mich aber Bemerkun­gen wie „So dick, wie du jet­zt bist, wirst du nie einen Mann abkriegen“, die ich mir im Tee­nieal­ter des Öfteren anhören musste. Die Absicht dahin­ter war, mich zum Abnehmen zu ani­mieren. Hat lei­der nicht geklappt. Nur mein Ver­hält­nis zu Män­nern war dadurch über lange Zeit geschädigt, denn es kon­nte nach diesen Bemerkun­gen in meinen Augen nicht sein, dass mich ein Mann attrak­tiv fand.

Wie geht man als Teenager mit Übergewicht um

Schon als Kind auf das Gewicht reduziert werden 

Fakt ist, dass ich als Tee­nie gar nicht wirk­lich dick war. Gefühlt habe ich mich aber, als wäre ich der dick­ste Men­sch der Welt. In dem Alter zweifelt man sowieso an allem, beson­ders an sich selb­st und lei­der hat mir damals nie­mand gesagt, dass ich okay bin, wie ich bin. Ganz im Gegen­teil: Man hat meine Zweifel noch ver­stärkt, mir ein­gere­det, dass ich viel zu fett wäre und mich schon früh in eine Diätenkar­riere ges­teuert. Was so sehr weh tut, ist, dass man bere­its im geschützten Bere­ich der Fam­i­lie nur auf sein Äußeres reduziert wird. Wenn die Eltern nicht stolz auf dich sein kön­nen, weil du bist, wie und wer du bist, und du dir nur Anerken­nung ver­schaf­fen kannst, indem du abn­immst, ver­schwindet dein Selb­st­wert­ge­fühl. Und wenn man von der Fam­i­lie immer wieder auf das The­ma Gewicht gestoßen wird, kann es schwierig sein, sich davon zu dis­tanzieren und den Fokus auf etwas anderes zu leg­en. Ich habe von ein­er Fre­undin gehört, dass sie als Kind von ihrer Mut­ter zweimal die Woche auf die Waage gestellt und dann gelobt oder getadelt wurde, je nach­dem, wie sich das Gewicht entwick­elt hat­te. Oder von einem Vater, der zu sein­er Tochter sagte: „Du hast so schöne Augen — wenn dein Gesicht etwas schmaler wäre, wür­den sie richtig gut zur Gel­tung kom­men.“ Das ist mal eine ziem­lich bösar­tige Vari­ante des Satzes „Du hast so ein schönes Gesicht, aber … “ , den wir wohl alle schon ein­mal gehört haben und der nichts anderes heißt als „Warum nur bist du so fett?“. Ein schönes Gesicht ist ver­schwen­det an einen hässlichen Kör­p­er. Dieser Satz, den tausende dicke Mäd­chen jeden Tag hören, ist ein Fun­da­ment für Diäten, Essstörun­gen und den Ver­lust von Selb­stver­trauen. Bitte sagt das nie wieder zu irgend jemandem.

Die besorgten Verwandten 

Nervig ist es, wenn man bei Fam­i­lien­festen beim Essen beäugt wird, man Diät-Tipps bekommt oder die Auswahl auf dem Teller kom­men­tiert wird. Oft­mals wird Gewichts­diskri­m­inierung dabei als Für­sorge getarnt: „Wir machen uns doch nur Sor­gen um deine Gesund­heit!“ Es ist nor­mal, dass du dich über so blöde Kom­mentare aufregst. Aber bei Men­schen, die dir nicht viel bedeuten, so wie Onkel Dieter, den du eh nie lei­den kon­ntest und der dich bei der Fam­i­lien­feier fragt: „Willst du das Stück Torte wirk­lich essen?“, hil­ft es manch­mal ein­fach, ihn zu ignori­eren. Er ist die Aufre­gung nicht wert. Es kann schwierig sein, wenn die Men­schen, die du lieb­st, nicht densel­ben Zugang zu Kör­per­be­wusst­sein haben, wie du. Wenn du dein­er Oma zum Beispiel sagst, dass du nicht daran inter­essiert bist, eine Diät zu machen, kön­nte das möglicher­weise ziem­lich schock­ierend für sie sein. Das Prob­lem ist, dass unsere älteren Fam­i­lien­mit­glieder ihre eige­nen Kör­p­er selb­st nicht annehmen und Selb­stakzep­tanz und Selb­stliebe unver­ständlich für sie sind. Sie haben vielmehr die Vorurteile der Gesellschaft fest verin­ner­licht und leben selb­st danach. Lasse dich aber trotz­dem nicht von deinem Weg zu mehr Selb­stliebe abbringen!

Fatshaming in der Familie

Sorgsam mit Kindern umgehen 

Fat­sham­ing in der Fam­i­lie kann uns in jedem Alter wider­fahren. Als Erwach­sene haben wir die Möglichkeit, uns dage­gen zur Wehr zu set­zen. Wichtig ist aber, dass wir ein Bewusst­sein dafür entwick­eln, dass beson­ders Kinder sehr ver­let­zlich sind und dass wir möglicher­weise in früh­ester Kind­heit bere­its den Grund­stein für ein neg­a­tives Kör­per­bild leg­en, darum:

  • sei ein gutes Vor­bild und akzep­tiere deinen eige­nen Körper
  • lebe deinen Kindern vor, wie man entspan­nt mit dem eige­nen Kör­p­er umgeht
  • führe einen gesun­den Lebensstil, in dem Ernährung und Bewe­gung mit Spaß und Selb­st­für­sorge ver­bun­den sind und nicht mit Druck, Stress und schlechtem Gewissen
  • set­ze Essen nicht als Beloh­nung oder Trost ein, Essen ist Nahrung und sollte nicht an Emo­tio­nen gekop­pelt werden
  • kri­tisiere wed­er deinen eige­nen Kör­p­er noch den ander­er Men­schen. Und schon gar nicht den dein­er Kinder!
  • sag deinen Kindern immer wieder, dass du stolz auf sie bist und dass sie gut sind, wie sie sind

Wie sind deine Erfahrun­gen mit bösen Kom­mentaren und Bemerkun­gen aus der Fam­i­lie über deinen Kör­p­er? Wie bist du damit umgegangen?

Auf­macher­fo­to: Anna Ziegler
Make-up: Eve­lyn Innerhofer

Letzte Kommentare (16)

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Tiki
Samstag, 1. Mai 2021, 23:21 Uhr

Ich hab dieses Prob­lem tat­säch­lich ständig. Nur dass meine Eltern mich skin­ny- und fat­shamen zur sel­ben Zeit. Jeden Tag wird mir gesagt dass ich fett wäre und das ganze wird mir nicht nur in Sit­u­a­tio­nen die mit Nahrung zu tun haben an den Kopf gewor­fen son­dern auch generell in unter­schiedlichen Sit­u­a­tio­nen. Dann wenn ich ein­mal nicht so viel esse wird mir direkt vorge­wor­fen mir würde das Essen nicht schmeck­en udn ich würde nichts wertschätzen was mir zuessen gegeben wird. Ich weine prak­tisch jeden Tag, weil ich das Gefühl habe dass ich egal was ich mache, nur das falsche mach. Meine Eltern leben mir keinen gesun­den Lebensstil vor udn haben es auch noch nie und er warten jet­zt von mir kom­plett anders zu sein als sie.

Es ist ein­fach unfass­bar frus­tri­erend und zer­stört einen men­tal total…

Vivien
Freitag, 20. November 2020, 13:56 Uhr

Es tut so unglaublich weh. Ger­ade von mein­er Mut­ter kom­men immer Kom­mentare. Erst vor kurzem meinte sie: „Wie kannst Du dich nur so gehen lassen.“
Am schlimm­sten tat es weh als sie meinte, dass ich früher nicht dick war (damit spielt sie auf einen Zeit­punkt an zu dem ich bere­its Übergewicht hat­te. Auch da hieß es immer, dass ich zu dick sei)

Mia
Montag, 2. November 2020, 21:59 Uhr

Dieser Artikel beschreibt es sehr treffend.
Lange hat mich dieses The­ma begleit­et… und tut es noch immer
Ich habe durch diesen ständi­gen Druck eine Bor­der­line Störung entwick­elt.… diese habe ich ver­drängt bis im let­zten Jahr eine schwere Depres­sion hinzukam
Ich habe Essen zu diesem Zeit­punkt so ver­ab­scheut und mein Gewicht von 180 kg auf 94 kg reduziert.… durch Erbrechen und nicht essen.… jed­er der mich früher bezüglich meines Gewichts kri­tisiert hat meinte plöt­zlich wie toll ich ausse­he und wie ich das mache… eine Zeit hab ich gel­o­gen und mir sel­ber ein­gere­det es ist alles gut.… doch das wars nicht.… früher dumme Kom­mentare wie man aussieht und wie abar­tig man ist… und plöt­zlich Kom­pli­mente, man wurde in der Schlange vorge­lassen hat Getränke aus­geben bekom­men.… ich kon­nte damit nicht umge­hen ich hab immer noch die 180 kg schwere mia gesehen,
kon­nte ein­fach nicht glauben was die Leute da sagten, denn ich hab es nicht gese­hen …und es wurde nur schlim­mer nicht bess­er dann bin ich dank ein­er Fre­undin und meinem Mann überzeugt wor­den, eine Ther­a­pie anzufangen…
Meine Eltern waren der Mei­n­ung das doch alles gut sei und mich Null ver­standen… erst als ich von Op’s sprach wacht­en sie auf und fin­gen an mir zu zuhören.… mit­tler­weile wiege ich wieder 123 kg.… und oft nervt mich das… jet­zt habe ich die wieder zu kleinen Sachen weggepackt mir neue gekauft und beschlossen erst­mal zu ler­nen mich zu mögen… nicht mehr warten bis wenn ich schlank bin… das werde ich ver­mut­lich auch nie, aber nur so kann es wer­den, ger­ade mein­er Tochter und meinem Sohn bin ich es schuldig die Kette des sham­ings zu unter­brechen… daran arbeite ich hart und jed­er Rückschlag und die jet­zige psy­chis­che Erken­nt­nis Schmerzen sehr, aber es hat Jahre gedauert so kaputt gemacht zu wer­den, nun dauert es zu reparieren…
Danke für einen so gut geschriebe­nen Artikel

Gabi Wiesnet
Montag, 2. November 2020, 11:11 Uhr

Da hat jemand meine Lebens­geschichte aufgeschrieben! Was auch noch schlimm ist, sind die Ärzte. Bei mir wür­den monate­lange Rück­en­schmerzen auf mein Übergewicht geschoben. Als ich dann eine Sep­sis bekam, wegen ein­er völ­lig ver­witweten Niere, hat­te ich Glück daß ich es über­lebte. Nun habe ich eine Niere weniger. Ich bin jet­zt 58. Mal sehen, wie lange das gut geht.

Arielle
Montag, 2. November 2020, 2:36 Uhr

So ging ist mir, ins­beson­dere mit mein­er Mut­ter, mein ganzes Leben!
Oft hat sie es nicht aus­ge­sprochen, aber ihre Blicke waren mehr als eindeutig.
Ich fühlte mich selb­st dadurch ekelhaft.
Diesen Som­mer noch — ich bin mit­tler­weile 32 — saß sie da, guckt mich wieder “so” an und machte dabei einen Kommentar.
Am näch­sten Tag war noch es satt und sprach sie darauf an während mein Vater dabei war — sie stritt alles ab und behauptete das nicht gesagt zu haben!
Mit­tler­weile sind 45 Kilo von meinem Höch­st­stand weg — dazu wurde aber noch nichts gesagt. Was mir aber egal ist, ich habe von vie­len anderen Leuten pos­i­tives Feed­back bekom­men und mache es für mich und meine Gesund­heit und nicht um das selb­st nicht erfüllte Ide­al­bild mein­er Mut­ter zu erfüllen.

Fritzi
Dienstag, 16. Juni 2020, 22:42 Uhr

In dem Beitrag erkenne ich lei­der Vieles wieder, was ich selb­st zu hören bekom­men habe.
Das, was mich wirk­lich ein­mal schock­iert hat, war, dass ich als Erwach­sene beim Betra­cht­en von Kinder­fo­tos fest­gestellt habe: ich war ja ein ganz nor­males Kind! Mir wurde so lange einget­richtert, dass ich zu dick sei, dass ich meinen Kör­p­er gar nicht mehr wahrgenom­men habe, wie er wirk­lich aussieht. Ich war nur eben nicht so zier­lich, wie meine Schwester…

Sylvia
Mittwoch, 25. März 2020, 10:11 Uhr

Das schlimm­ste, was ich je im Zusam­men­hang mit meinem Gewicht erleben durfte, neben dem oben beschriebe­nen ständi­gen mir das Gefühl geben, ich sei zu dick, zu unweib­lich und all­ge­mein ein biss­chen komisch, waren die Erleb­nisse rund um meinen Ex und mein­er Familie:
Ich hat­te zu diesem Zeit­punkt 30 kg abgenom­men durch hungern und inner­lichen Druck. Mein Ex war wirk­lich sehr übergewichtig (knapp an die 200 kg), Ich liebte ihn aber. Fol­gen­des durfte ich mir dann von mein­er Fam­i­lie anhören: „wir machen uns sor­gen, dass du wieder so dick wirst durch ihn.“ „alles passt jet­zt zu deinem neuen Leben, nur dein neuer Fre­und nicht.“ „nicht, dass du durch ihn faul wirst und dein Studi­um nicht schaffst.“
Kein­er, wirk­lich nie­mand, hat mich unter­stützt und sich für mich gefreut, dass ich glück­lich und ver­liebt war. Ich habe mich ver­rat­en und ungeliebt gefühlt. Nur wegen meines und seines Gewichtes…
Als ich mich dann tren­nte, wurde alles noch ein­mal schlim­mer: „jet­zt kannst du ja wieder abnehmen, wo ihr nicht mehr zusam­men seid.“ „na, der Papa hat bes­timmt erst­mal nen Sekt aufgemacht.“ „jet­zt bist du ja wieder alleine, aber wenig­stens machst du noch Sport.“ und wieder: nie­mand kon­nte mich in meinem tren­nungss­chmerz ver­ste­hen und war in der Lage, mich zu unterstützen.
FAT sham­ing inner­halb der Fam­i­lie ist ein so wichtiges The­ma und ich bin mehr als motiviert, es bei meinen Kindern anders zu machen. Sie sollen nicht schlank sein um jeden Preis, son­dern glück­lich und zufrieden.

Tina
Montag, 21. Oktober 2019, 11:06 Uhr

Ich habe auch sehr ähn­lich­es erlebt, wurde auch nur auf mein Gewicht reduziert. Dabei war ich als Kind nicht übergewichtig son­dern ein­fach nur pum­melig. An Feierta­gen wurde auch immer genau beobachtet was ich esse und kom­men­tiert. Mit ca 10 Jahren wurde ich jeden Son­ntag, bei mein­er Oma, von meinen Ver­wandten, auf die Waage gestellt. Und wenn ich nicht abgenom­men hat­te durfte ich kein Stück Kuchen essen. Es wurde dann immer gesagt, wir wollen nur dein Bestes, wollen nicht dass du später ein­mal Mager­süchtig wirst. Welch eine Ironie, einem Kind zu ver­mit­teln das es nur dünn etwas Wert ist und dann auch noch zu sagen es soll vor Mager­sucht schützen! Das war sehr schlimm für mich. Dick sein wurde als Charak­ter­schwäche dargestellt und als etwas sehr schlimmes. Ich habe erst als Erwach­sene gel­ernt meinen Kör­p­er zu akzep­tieren. Und dabei bin ich heute wirk­lich übergewichtig, dank Jojo­ef­fekt nach unzäh­li­gen Diäten. Zwis­chen meinem 10 und 30 Leben­s­jahr gab es kein Jahr ohne Diäten… Jet­zt habe ich selb­st Kinder und frage mich wie meine Eltern da mit­machen kon­nten. Ich würde das niemals zulassen wenn jemand sowas mit meinen Kindern machen wollte.

    Annika
    Donnerstag, 24. Oktober 2019, 17:20 Uhr

    Liebe Tina,
    wir hof­fen sehr das du diese schlim­men Erfahrun­gen dein­er Kind­heit ein wenig ver­ar­beit­en kon­ntest. Das ist wirk­lich eine trau­rige Art und Weise dir das The­ma Gewicht und Kör­perge­fühl näher zu brin­gen. Wir wün­schen dir alles Gute.
    Liebe Grüße
    Dein Soulfully-Team

Biclinium
Montag, 7. Oktober 2019, 4:49 Uhr

Ich habe gefühlt genau das beschriebene erlebt. Grund­sät­zlich wäre ich zu dick, eh nicht wirk­lich nor­mal und und und.

Am schlimm­sten war, dass mein Vater mich kri­tisierte und mir dann Abends selb­st immer gefragt hat, will ich nicht noch hier was und da was essen, vorallem dann Zeug, dass zum Schlaf hin schlecht abge­baut wer­den kann.

Irgend­wann, als ich endlich die Pubertät erre­icht habe und dann mal mitgedacht habe, habe ich ihm das mal gesagt.

Er schaut mich an und meinte, du hättest es ja nicht annehmen brauchen.

Zum Teil fragte jet­zt noch nach und ich gebe alle Mühe ihn mund­tot dann zu bekommen.
Ich weiß auch jet­zt mit 75 Jahren wird er sich nicht mehr verän­dern kön­nen. Nur hab ich bis heute drin, sobald er damit ankommt, will ich im Frust­fressen versinken, Haupt­sache ich mache genau nicht das was er will. Er kostet sehr sehr viel Wil­len­skraft dem dann nicht nachzugeben.
Aber er darf ja jet­zt sehen, was er damit über Jahre angerichtet hat. Ich liege jet­zt an der Gren­ze der Übergewichts, der Gesund­heitss­chädi­gend wer­den kann. Und das nur, weil seine “gut gemein­ten Ratschläge” mich tief ver­let­zt haben und bei mir nicht auf Ehrgeiz son­dern auf Frust gestoßen sind.

Joanna
Sonntag, 6. Oktober 2019, 20:33 Uhr

Hi, ich bin Joan­na und ich komme aus Polen.
Diese The­ma hat mich seit ich 6–7 war begletet und hat in mir sehr tiefen Spuren hinterlassen.
Ich habe das alles sehr ähn­lich wie du es beschreib­st erlebt. Ich war auch nicht wirk­lich dick, aber habe ich mich sehr groß und hesslich gefühlt.
Nach­dem ich wegen meinem Ex nach Deutsch­land gekomme­nen bin, also vor 19 Jahren hat sich viel geän­dert und muss verbessert.
Hier habe ich die Ent­deck­un­gen meines Lebens gemacht 🙈😄…
Zuerst, da es gibt viel mehr solchen Mäd­chen wie ich und die fühlen sich wohl mit ihren Körper.
Zweit­ens, da in diesen Vielfälti­gen Gesellschaft gibt es keinen einzi­gen und richti­gen Schön­heits Muster (Vorbild).Wie sind alle so unter­schiedlich und das ist so toll und wunderschön!
Und das let­zte aber das wichtig­ste das meine Äußeres sollte nicht auf meine selb­stschätzung bee­in­flussen. Mich als bessere oder schlechtere Per­son definieren.
Aber solchen unschöne und gifti­gen Gedanken­muster die man seit Jun­gen Jahren über sich sel­ber in der Unter­be­wusst gesam­melt hat es ist nich so ein­fach zu ent­fer­nen. Gut, dass mit den Zeit ändert sich viel und die Neue Gen­er­a­tio­nen von Eltern immer mehr bewusster umge­hen mit seinen Kindern.

Holly
Mittwoch, 11. September 2019, 20:32 Uhr

Meine Oma und meine Mut­ter sind und waren bei­de seit eh und je aufs Gewicht fixiert.
Mit mein­er Mut­ter habe ich keinen Kon­takt mehr, aber mein­er Oma gebe ich mit­tler­weile Kon­tra. Sie fängt näm­lich jet­zt bei mein­er Tochter (4) an zu bew­erten, hat aber keine Maßstäbe. Ich sage ihr genau­so direkt wie sie mir, dass ihr Ver­hal­ten uner­wün­scht ist und Gewicht nicht alles ist, nach dem man eine Per­son beurteilen kann. Bei ihr kommt es kaum an, aber ich muss die Min­der­w­er­tigkeits­ge­füh­le, die über solch abfäl­li­gen Bemerkun­gen trans­portiert wer­den, nicht bei mir behal­ten, son­dern ver­weigere die Annahme. Es ist egal, was ich getan habe, es war nie recht in der Hin­sicht. Habe ich 4x die Woche Sport gemacht, sollte ich nicht zuviel tun, mache ich keinen Sport, bin ich faul…

Ich habe lange daran gear­beit­et, mich akzep­tieren zu kön­nen wie ich bin und das lasse ich mir von nie­man­dem kaputt machen.

Kira
Donnerstag, 29. August 2019, 10:48 Uhr

Her­zlichen Dank für diesen klu­gen, tre­f­fend­en und schön geschriebe­nen Artikel. Ich kann mich dem voll anschließen. Auch ich galt als Kind und Tee­nie bei Ver­wandten, Nach­barn und teil­weise sog­ar Lehrern eben­so wie bei Gle­ichal­tri­gen immer als “zu dick”. So einige Szenen und “spitze Bemerkun­gen” aus ver­schiede­nen Zeit­en und in unter­schiedlich­sten Kon­tex­ten sind mir da im Gedächt­nis geblieben und “stechen” beim Gedanke daran noch immer. Nur — Fotos aus mein­er Kind­heit und Jugend zeigen kein dick­es Mäd­chen. Stattdessen ein Mäd­chen, das nicht direkt dünn und das für sein Alter jew­eils groß und kör­per­lich früh entwick­elt war. Auch schon sehr früh “weib­liche For­men” entwick­elte. Lei­der haben die Bemerkun­gen und die vie­len Ver­let­zun­gen bei mir zu ein­er Art “selb­ster­fül­len­den Prophezeiung” geführt. Heute, viele Jahre später, bin ich wirk­lich dick, und ich habe wed­er einen Part­ner und eine eigene Fam­i­lie. Ein entspan­ntes Ver­hält­nis zu meinem Kör­p­er habe ich nie entwick­eln kön­nen, und inzwis­chen halte ich es auch ganz objek­tiv für unwahrschein­lich, jemals noch eine gute Part­ner­schaft zu erleben. Ein­fach, weil es für Frauen ja mit den Jahren tat­säch­lich im Ver­hält­nis zu Män­nern der gle­ichen Gen­er­a­tion immer schwieriger wird, ich dick, kör­per­lich und seel­isch nicht wirk­lich gesund bin und so einige “Baustellen” habe. Da Zuver­sicht und ein pos­i­tives Kör­perge­fühl zu entwick­eln, ist alles andere als ein­fach. Aber ich möchte es nicht aufgeben.

Sari
Freitag, 23. August 2019, 0:11 Uhr

In allen vier Zwis­chenüber­schriften dieses Artikels, den ich sofort anklick­en und lesen musste, habe ich mich direkt wiedergefunden.

Mein Gewicht war und ist auch heute noch ständig The­ma in der Fam­i­lie, speziell müt­ter­lich­er­seits. Weise Ratschläge (Ober­arme kaschieren, Bauch einziehen), die genaue Analyse meines Essver­hal­tens von Oma, Tan­ten und Mut­ter bei allen Tre­f­fen, fast täglich­es Wiegen sowie ermü­dende Diskus­sio­nen (“Oma hat auch gesagt, dass du schon wieder zugenom­men hast!!!”) waren schon im Alter von 6 Jahren eine Tor­tour für mich. Wozu hat es geführt? Abge­se­hen davon, dass ich damals wik­lich nicht dick aber halt auch nicht dünn war, fol­gten ständig Diäten mit Jojo-Effekt um anderen, v.a. der Fam­i­lie, zu gefall­en. Denn bei ersten Erfol­gen war man wieder das hüb­sche, liebe Kind (“Jet­zt sieht man dein schönes Gedicht viel bess­er!” , “Deine Ober­arme fühlen sich viel dün­ner an!”)… 

Beim Schreiben dieser Zeilen wird mir erst jet­zt bewusst, wie sehr mir das alles geschadet hat.

Als ich während mein­er Schwanger­schaft ein biss­chen ver­söhn­lich­er mit meinem Kör­p­er wurde und stolz auf das wurde, was er alles leis­ten kann, kamen den­noch Sprüche wie “Die Kilos müssen danach aber schnell wieder runter!” oder “Hof­fentlich hast du nicht noch mehr zugenommen!”
Ver­rückt, was man sich alles gefall­en lässt. Ich lerne immer mehr meinen Kör­p­er zu akzep­tieren wie er ist, aber es ist ein langer Weg.… famil­iäre Unter­stützung würde dabei natür­lich helfen.…

Fritzi K.
Donnerstag, 22. August 2019, 10:27 Uhr

Ich wün­schte, ich hätte den Mut, diesen Artikel auszu­druck­en und meinen Eltern zu geben. 

Bei mir war das ähn­lich — als Kind und Teenag­er war ich nie so dünn wie erforder­lich — aber nie richtig dick; so Klei­der­größe 42/44. Aber ich wurde von allen behan­delt, als wäre ich dop­pelt so schw­er gewesen. 

Was die meis­ten Fam­i­lien anscheinend unfähig sind zu begreifen, ist dass sie mit ihrem Ver­hal­ten in der Mehrheit der Fälle genau das Gegen­teil von dem erre­ichen, was sie meinen erre­ichen zu kön­nen. Denn “fat sham­ing” führt sel­ten zu radikalen und erfol­gre­ichen Diäten mit anschließen­der lebenslänglich­er Schlankheit. Son­dern meis­ten zu gestörtem Essver­hal­ten und Kör­per­bild mit der dann sich fast selb­st erfül­len­den Prophezei­hung, dass man immer dick­er wird.

Andrea Schmidt
Dienstag, 20. August 2019, 11:33 Uhr

Wow!! Genau­so!!!
Tolle Fotos! Und die bei­den let­zten erst, wunderschön.
Danke für den Artikel, das The­ma ist sooo wichtig!