Die Erotik des Essens

16. Februar 2021 | von

Eva ver­führte Adam mit einem Apfel und schon in der Antike wur­den rauschende Feste mit einem ero­tisieren­den Essen begonnen. Essen und Erotik sind eng miteinan­der ver­bun­den. Sprich­wörter wie zum Beispiel „Liebe geht durch den Magen“ oder „Essen ist der Sex des Alters“ haben sich fest in unserem Sprachge­brauch ver­ankert. Aber warum verknüpfen wir diese Dinge miteinander?

Warum uns Foodporn so anspricht

Auf Insta­gram posten viele User ihre Essens­bilder mit dem Hash­tag #Food­porn. Und ja, das Essen soll zuerst das Auge erfreuen und dann den Magen, das wusste bere­its Johann Wolf­gang von Goethe. In der Lit­er­atur gibt es viele sinnliche Beschrei­bun­gen, welch ein Vergnü­gen uns das das Essen von etwas Leck­erem bere­it­et. Essen und Sex stim­ulieren unsere Sinne — und bei­des hat mit Genuss zu tun.

Erotisch essen und trinken

Wie mir die Verbindung zwischen Sex und Essen klar wurde

Als ich so um die 20 war, also vor über 30 Jahren (OMG!) kam der Film 9 1/2 Wochen in die Kinos. Für die Jün­geren unter euch: Der Film war so etwas wie ein früh­es Fifty Shades of Grey. Aber natür­lich viel bess­er. Es gab eine Szene, in der Mick­ey Rourke Kim Basinger füt­terte, die mit geschlosse­nen Augen vor dem geöffneten Kühlschrank saß. Er schob ihr Erd­beeren in den Mund, Schlagsahne, Wack­elpud­ding und schließlich Honig, der am Ende über ihre Zunge, Hände und ihren Kör­p­er floss. Der Film war sehr ästhetisch gemacht und sel­ten hat­ten wir so etwas Ero­tis­ches gese­hen – damals gab es ja noch kein Inter­net – ihr wisst schon, wir hat­ten ja son­st nichts … Kurze Zeit später erzählte mir mein dama­liger Fre­und, dass er es total stim­ulierend fände, wenn eine Frau mit ero­tis­ch­er Stimme sehr sinnlich Kochrezepte vor­lesen würde. Ich war etwas irri­tiert und wir waren dann auch nicht mehr lange zusam­men, aber damals ist mir klar gewor­den, dass es eine Verbindung von Essen und Erotik gibt.

Lolly lutschen und die Verbindung zur oralen Phase

Eine wissenschaftliche Erklärung

Zunge und Lip­pen gehören zu den wichtig­sten ero­ge­nen Zonen des Kör­pers. Essen wirkt als Reiz auf Zonen des Gehirns, die für das Vergnü­gen ver­ant­wortlich sind. Nach Sig­mund Freud erhal­ten wir in den ersten achtzehn Lebens­monat­en Befriedi­gung durch den Mund – er nen­nt das auch die orale Phase. Sie stellt die prim­i­tivste Stufe der psy­cho­sex­uellen Entwick­lung dar, in der der Mund durch Nuck­eln und Saugen als primäre Quelle der Befriedi­gung dient. Das Gehirn spe­ichert diese Infor­ma­tion im Unter­be­wusst­sein ab. Wenn wir erwach­sen wer­den, sehnen wir uns immer noch nach dieser ein­fachen mündlichen Befriedigung.

Austern sind aphrodisierende Lebensmittel

Was sind Aphrodisiaka?

In vie­len Kul­turen wer­den komis­che Dinge wie pul­verisiertes Nashorn oder Tier­ho­den gegessen, um die sex­uelle Aus­dauer und Stand­haftigkeit zu erhöhen. Auch bei uns sind Lebens­mit­tel als Aphro­disi­akum bekan­nt, die zur Bele­bung oder Steigerung der sex­uellen Lust beitra­gen sollen. Dazu zählen Austern, Kaviar, Avo­ca­do, Kür­biskerne, Gink­go, Spargel, Erd­beeren, Honig, Chili, Granat­apfel und Schoko­lade. Und ihr alle wisst dank Sex and the City, wann wir Ananas essen soll­ten. Wie auch immer –  zu einem roman­tis­chen Date gehört unbe­d­ingt ein exquis­ites Essen, gern mit oben genan­nten Speisen. Zu den bekan­nten No Gos gehören hinge­gen schwere und fet­tige Kost, eben­so wie Knoblauch und Bohnen. Ein biss­chen Alko­hol ist okay, zu viel wirkt eher kon­trapro­duk­tiv. Der Brud­er ein­er Fre­undin erzählte mir kür­zlich, dass er bei einem Date seine neue Flamme erst mal zum Essen ein­lädt. Er achtet genau darauf, was und wie die Frau isst. Stochert sie nur im Salat rum, wird es kein weit­eres Date geben. Isst sie mit Genuss und Lei­den­schaft ordentliche Por­tio­nen, kommt sie als Part­ner­in für ihn infrage. Denn nur wer das Essen genießen kann, kann auch den Sex genießen, so seine Meinung.

Esstoerung und ein problematischer Umgang mit Essen

Die dicke (essende) Frau als Fetisch

Ich habe schon viele merk­würdi­ge Vorurteile gegenüber dick­en Frauen gehört. Zum Beispiel: Wer maß­los beim Essen ist, ist auch hem­mungs­los im Bett. Es gibt viele Pornos, in denen dicke Frauen beim Essen gezeigt wer­den. Es scheint da also stim­ulierend ein gewiss­es Inter­esse bei eini­gen Män­nern zu geben, dick­en Frauen beim Essen zuzuschauen. Aber hier wer­den dicke Frauen fetis­chisiert, her­abgewürdigt und auf ihren Kör­p­er reduziert. Das find­et seinen Gipfel beim soge­nan­nten Feed­ing: Ein Feed­er (Füt­ter­er) empfind­et ero­tis­che Stim­u­la­tion dadurch, dass er eine Frau „füt­tert“, bis sie an Gewicht deut­lich zulegt. Es gibt Feed­er, deren Ziel es ist, die Part­ner­in solange zu füt­tern, bis sie immo­bil und damit vol­lkom­men von ihm abhängig ist. Es ist toll, dass es Män­ner gibt, die dicke Frauen ero­tisch anziehend find­en, aber wer andere Men­schen dazu drängt, zuzunehmen, um sex­uelle Stim­u­la­tion zu erleben, ist selb­st­süchtig und hat ein psy­chis­ches Problem.

Essen als Dicke genießen

Essen ist nicht immer nur Genuss, sondern auch Stress

Auch wenn die gängi­gen Vorurteile eine andere Sprache sprechen: Für viele dicke Men­schen ist Essen kein Vergnü­gen, son­dern Stress. Die Gründe fürs Dick­sein sind vielfältig und häu­fig ist Essen belastet mit Schuldge­fühlen, Scham, Selb­sthass und schlechtem Gewis­sen. Vielfach spie­len auch psy­chis­che Prob­leme bis hin zu Essstörun­gen eine Rolle. Das Essen in der Öffentlichkeit kann zu einem schreck­lichen Erleb­nis wer­den. Ärzte und die Gesellschaft set­zen uns unter Druck abzunehmen und zwin­gen uns Diäten auf. Wie schön wäre es, wenn wir zu einem nor­malen und natür­lichen Umgang mit Essen zurück­find­en kön­nten und dieses auch wieder ohne schlecht­es Gewis­sen genießen könnten.

Welch­es Ver­hält­nis hast du zum Essen?

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