Warum ich Umkleidekabinen (immer noch) nicht mag

20. August 2019 | von

Schon vor ein paar Jahren habe ich hier auf Soulfully über das Thema Umkleidekabinen geschrieben. Darüber, dass sie wohl nur von wenigen Frauen nicht gehasst werden. Und darüber, dass das Internet und der Onlinehandel womöglich nur deshalb überhaupt erfunden wurden, damit wir uns nicht mehr in diese muffigen 1,5 Quadratmeter quetschen müssen, wenn wir neue Kleider kaufen wollen.

Was soll ich sagen: Leider hat sich die Causa Umziehkabinen seit meiner letzten Bewertung nicht wirklich zum Positiven verändert. 

Fakt ist: Der stationäre Handel macht es uns nicht leicht. Einerseits wird gejammert, weil die Kunden zum Onlinehandel abwandern – anderseits wir uns das Einkaufen möglichst unvergnüglich gemacht: Sei es durch unfreundliche Verkäuferinnen (Es gibt natürlich auch ganz wunderbare, kompetente und nette!), durch vollgequetschte Kleiderstangen, auf denen man die einzelnen Modelle nur mit viel Ziehen und Zerren erkennen kann, durch eine Auswahl, die meistens bei Größe 42 endet (und wenn nicht, sind die großen Größen meistens ausverkauft!). Und eben durch Umziehkabinen, die in erster Linie (nicht nur) bei mir einen Fluchtreflex auslösen!

Warum ich Umziehkabinen so wenig mag:

  • Weil sie oft zu klein sind. Für zierliche Frauen mit einer Kleidergröße 34 mag es ausreichen, aber ich als große und dicke Frau wünsche mir etwas mehr Raum, Bewegungsfreiheit und Luft zum Atmen.
  • Weil sie meistens dunkel oder zumindest sehr dämmrig sind. Umziehkabinen sind regelmäßig im hintersten Eck von Geschäften platziert, irgendwo gleich neben der Kundentoilette und wo gerade ein Plätzchen frei war. Da, wo nie ein Sonnenstrahl hinfällt und eine kleine schwache Funzel oft die einzige Lichtquelle darstellt. Niemand wünscht sich grelle Neonbeleuchtung, aber eine gute Lampe in Tageslichtqualität sollte vorhanden sein. Wie soll man sonst die Farben und Materialien eines Kleidungsstücks beurteilen können?
  • Weil sie keine Privatsphäre ermöglichen. Ich werde es nie verstehen, warum Umziehkabinen nicht so gestaltet werden können, dass sie Privatsphäre ermöglichen! Da sind die Vorhänge, die nicht richtig schließen, Verkäuferinnen, die ohne Vorwarnung die Kabine betreten, und nicht zuletzt die Unmöglichkeit, nicht zu hören, was in den Nachbarkabinen gesprochen wird. Hier würde ich mir tatsächlich ein wenig mehr Datenschutz wünschen!

Was ich von einer Umziehkabine erwarte:

  • Genug Haken und Kleiderbügel, um meine Kleider aufzuhängen, während ich etwas Neues anprobiere
  • Ein kleines Schälchen für meinen Schmuck und meine Uhr
  • Füßlinge oder simple Schläppchen, damit ich beim Umziehen nicht barfuß auf dem Boden stehen muss
  • Licht, Raum und Bewegungsfreiheit
  • Einen Stuhl, damit ich mich bei Umziehen setzen (oder mich zwischendurch ein bisschen ausruhen) kann
  • Leise Musik, damit ich andere Unterhaltungen nicht mithöre

Also eigentlich alles sehr machbar und weit entfernt von einer Raketenwissenschaft! Ich meine: Wir fliegen zum Mars, da sollten doch auch schöne und funktionale Umkleidekabinen möglich sein, oder?

Beim Klamottenshoppen für Große Größen kommt oft Frust auf

Susis Outfit zum Nachstylen: 

heine TIMELESS Overall mit Bindegürtel
leslii Ohrhänger mit eleganter Textil-Bommel
Skagen Quarzuhr »AAREN, SKW2765«
LASCANA Zehentrenner mit Korkfußbett und Kroko-Optik

Hier kannst du noch mal meinen alten Post zum Thema Umkleidekabinen lesen:


So gerne wir Frauen shoppen, so sehr hassen wir Umkleidekabinen. Ja, ich vermute sogar, das Internet wurde überhaupt nur deshalb erfunden und der Onlinehandel genau aus diesem Grund so erfolgreich – weil wir uns dadurch nicht mehr in diese 1,5 Quadratmeter quetschen müssen, wenn wir uns neu einkleiden wollen.

Dabei liebe ich es eigentlich, durch Geschäfte zu streifen, Materialien zu berühren, mir vorzustellen, wie diese oder jene Kollektion wohl an mir aussieht. Doch kaum greife ich mir ein Teil, bugsiert mich eine Beraterin auch schon in den hintersten Teil des Geschäfts. Dort, wo es so dämmrig wird, dass man die Farben nicht mehr richtig erkennt. Und die Luft steht. Außer, wenn sich gerade die Tür zum Lager öffnet. Oder zu den Kundentoiletten. Neonröhren sorgen für grell-kaltes Licht und lassen einen um 20 Jahre altern. Cellulite? Besenreiser? Kleine oder größere Fältchen? Niemals kommen sie besser zur Geltung als genau dort. In der Umkleidekabine.

Dies ein Outfit, das ich online bestellt und fernab der der Umkleidekabinen anprobiert habe: Man sieht’s … 

Daheim konnte ich das Outfit samt Schuhe in Ruhe perfekt zusammenstellen: Die Sneaker nehmen den Schwarz-Weiß-Kontrast des Kleides  auf …

Es riecht ein wenig muffig. Da nützen auch die drei Duftstäbchen nichts, die auf dem kleinen Sims links stehen. Mein Fluchtreflex erwacht. Ich unterdrücke ihn und schäle mich in der schwülen Enge tapfer aus meiner Jeans. Just als ich nur noch in der Unterwäsche vor dem schmalen Spiegel stehe und versuche, mich in das schmale Kleid hineinzuhangeln, wird der Vorhang resolut weggezogen. Ein Mann, der auf seine Frau in der Nachbarkabine wartet, wirft einen kurzen Seitenblick auf mich – ich, halbnackt, gucke verschämt.

„Und – wie sieht’s aus? Passt doch!?“, stellt die Verkäuferin geschäftstüchtig fest, während sie energisch versucht, den Reißverschluss hochzuziehen. Ich halte die Luft an, ziehe den Bauch ein. Überm Busen wird es eng, sehr eng. Die Nähte ächzen. Mein Wunsch nach einer Größe mehr wird mit leisem Schnauben kommentiert. Noch größer würde der Hersteller nun mal nicht produzieren, das sei hier schon die größte Größe, erfahre ich. Beim Ausziehen reißt die Naht.

… und die weiße Tasche mit der schwarzen Biese in der Naht ebenfalls.

Ist es da ein Wunder, dass ich lieber online kaufe?

Noch schlimmer erging’s kürzlich allerdings meiner Freundin Henrike. Sie kauft ihre Hemden häufig in der Herrenabteilung – wegen der größeren Größen und der besseren Passform. Als sie eine Reihe von Hemden dann aber in den Damenkabinen anprobieren wollte, wurde sie von der resoluten Abteilungsleiterin wieder zu den Herren zurückgeschickt – und musste sich dort von einem Jungspund im Alter ihres Sohnes beraten lassen. Dieses Geschäft hat seitdem eine Kundin weniger.

Letzte Kommentare (2)

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Matzmieze
Sonntag, 30. August 2015, 10:02 Uhr

sieht toll aus

limone
Sonntag, 19. April 2015, 20:36 Uhr

schöne kombi – und die tasche ist ein traum. 🙂
(das mit den umkleidekabinen kann ich sehr gut nachvollziehen…)