Best-Ager und Curvys unter Leistungsdruck

31. März 2021 | von

Sich selb­st opti­mieren und auch über die 50 hin­aus noch makel­los sein – das ist das Bild, das in den Medi­en von Best Agern geze­ich­net wird. Susie erk­lärt, warum sie da nicht mit­macht und wie sie als Plus Size Lady mit dem Älter­w­er­den umgeht.

Kleid mit Batikmuster fuer grosse Groessen

Die The­men Selb­stliebe und Body Pos­i­tiv­i­ty bein­hal­ten nicht nur die The­matik Plus Size, auch das Alter spielt oft eine Rolle. Und die Kom­bi­na­tion ist momen­tan in den Medi­en über­all präsent. Frei nach dem Mot­to: „Du bist Best Ager und Curvy? Zeig was du hast! Betone deine Kur­ven, färbe am besten nie wieder deine Haare, klei­de und füh­le dich jung, aber bitte nicht zu jung, son­st wird es pein­lich…“ Die Liste ließe sich ewig fort­führen. Aber was bewirkt diese medi­ale Aufmerk­samkeit eigentlich? Frei­heit oder doch eher eine Art Leis­tungs­druck? Ich möchte meine Erfahrun­gen mit dir teilen und dieses The­ma ein­mal näher beleuchten.

Die hohen Erwartungen an Plus Size Best Ager:

Mode fuer aeltere Frauen mit grossen Groessen

Falsche Vorbilder

Es macht mich stolz, wenn Online Por­tale oder Mag­a­zine mich um Sto­ries bit­ten und mich als Role-Mod­el vorstellen. Eine Rolle, die ich erst anzunehmen ler­nen musste. Wie viel von mir ich wirk­lich preis­geben will, war und ist auch jet­zt noch jedes Mal ein Lern­prozess, der mich gele­gentlich immer noch an meine per­sön­lichen Gren­zen bringt. Ich möchte authen­tisch sein, aber nicht gläsern und schon gar nicht belehrend. Wie weit darf man da gehen? Diese Frage treibt mich immer wieder um. Ich werde häu­fig gefragt, was die medi­ale Aufmerk­samkeit für mich bedeutet, ob ich sie als Frei­heit oder Leis­tungs­druck empfinde. Ich muss zugeben, dass – je nach Stim­mung – mal das eine, mal das andere zutrifft. An guten Tagen freue ich mich über jede Anfrage. Es gibt aber auch Tage, da wird mir beson­ders das „Mod­eln“ ein­fach zu viel.

Ich habe zudem erst ler­nen müssen, mich nicht von den Medi­en oder Social Media beherrschen zu lassen, son­dern selb­st­bes­timmt zu arbeit­en und mich nicht unter Druck set­zen zu lassen. Sei es nun bei meinem Job, mein­er Selb­st­darstel­lung oder aber auch mein­er Selb­st­wahrnehmung. Immer wieder wer­den in den Medi­en Best Ager gezeigt, die mit über 60 noch unglaublich aktiv und attrak­tiv sind. Das erzeugt Druck, für mich als Role-Mod­el, aber auch für die Leser. Man bekommt ein schlecht­es Gewis­sen, wenn man „sich gehen lässt“, ab und an lieber auf dem Sofa Serien schaut als seine Fig­ur oder seine Gesund­heit zu opti­mieren. Sprüche wie „50 ist das neue 30“ ver­stärken den Leis­tungs­druck noch mehr. Für mich ein Und­ing, denn warum sollte ich mir vorscheiben lassen, wie ich mich in meinem Alter zu fühlen und was ich zu tun habe? Das gilt natür­lich auch für die Mode. Auf der einen Seite soll man sich jung klei­den, aber bitte nicht zu jung, weil das son­st pein­lich ist. Wer macht diese Regeln? Egal ob Best Ager, Curvy, junge Frau, Mut­ter, Sin­gle …, es sollte nur darum gehen, was du möcht­est. Natür­lich ist es schw­er, sich nicht von den über­präsen­ten Medi­en bee­in­flussen zu lassen. Das merke ich jeden Tag aufs Neue. Aber wir soll­ten uns solche falschen Vor­bilder nicht zu sehr zu Herzen nehmen. Wir sind gut so wie wir sind!

Zu beacht­en gibt es nur drei Dinge:

  • Sei authen­tisch!
  • Arbeite daran, dich selb­st wertzuschätzen, ganz ohne die per­fek­ten Vor­bilder aus den Medien.
  • Denke daran: Wed­er Alter noch Fig­ur oder andere „Makel“ sind Schwächen. Nichts sollte dich stop­pen! Steh zu dein­er „Unvol­lkom­men­heit“ und lass sie zu dein­er größten Stärke werden.
Fruehlingsmode fuer Frauen ab fuenfzig

Selbstliebe in jedem Alter

Seit ich für Soul­ful­ly schreibe – und das sind jet­zt schon einige Jahre – beschäftige ich mich aus­giebig mit dem The­ma Selb­stliebe, Body Pos­i­tiv­i­ty und natür­lich auch mit styl­ishen Out­fits für Große Größen. Ich habe viel gel­ernt in den let­zten Jahren. Unter anderem meinen Kör­p­er anzunehmen, so wie er ist. Die Schön­heit mein­er Kur­ven nicht mehr weghungern zu wollen, son­dern sie zu akzep­tieren und sog­ar zu lieben. Wir alle leben noch immer zu sehr in ein­er Welt, in der makel­lose Schön­heit und eine per­fek­te Fig­ur als Garan­ten für Erfolg gel­ten, beson­ders die Wer­be­welt definiert sich noch immer über Jugend und Per­fek­tion. Ich habe bei­des nicht mehr im Über­fluss – ganz nor­mal in meinem Alter. Meine Haut und meine Haare sind schon lange keine Zwanzig mehr und meine Fig­ur kön­nte for­mvol­len­de­ter sein, wenn ich diszi­plin­iert­er und sportlich­er wäre. Aber soll ich dir etwas sagen? So what? Ich mag mich so, wie ich bin!

Cardigan mit Mustermix fuer grosse Groessen

Seit ich vor acht Jahren ange­fan­gen habe zu Bloggen, habe ich Erfolg, trotz mein­er ver­meintlichen Makel. Oder ist es vielle­icht genau wegen dieser „Makel“, die zu meinen Marken­ze­ichen wur­den? Ich denke Let­zteres trifft zu. Viele ältere Frauen aus der Gen­er­a­tion mein­er Mut­ter und Groß­mut­ter haben sich ab Fün­fzig unsicht­bar gefühlt und sich oft selb­st als alt und dick beze­ich­net. Sie glaubten, sie müssten sich damit abfind­en, nicht mehr begehrenswert zu sein. Sie haben über ihre Fig­ur meist nur noch gescherzt und sie glaubten fest daran, unat­trak­tiv zu sein. Diese Hal­tung war im Nach­hinein sich­er Moti­va­tion genug für mich, es ihnen auf keinen Fall nachzumachen.

Aber wie sieht das heute all­ge­mein in mein­er Gen­er­a­tion aus? Gehören wir Fifty-Plus-Ladies „zum alten Eisen“, sobald wir die magis­che 50 über­schrit­ten haben? Oder ist man nur attrak­tiv, wenn man nach wie vor die Ide­ale der Wer­be­branche bedi­ent, sprich jung und schlank ist? Ich habe Gott sei Dank ganz andere Erfahrun­gen machen dür­fen. Von Anfang an habe ich große Akzep­tanz und Zus­pruch von vie­len Lesern erfahren. Lob für meine Artikel und Posts sind immer wieder ein Boost für mein Selb­st­be­wusst­sein und ein Geschenk für mein Ego! Sie bestäti­gen mich in dem, was ich tue und wie ich denke.

Pigmentflecken ab fuenfzig

Die Spuren des Alters

Mein Alter kann ich nur akzep­tieren – logisch. Jünger machen geht nicht und das sollte auch nicht das Ziel sein. Ich lege großen Wert darauf, in meinen Posts zu zeigen, wie schön es sein kann, älter und reifer zu wer­den. Denn alt sind wir 50er noch lange nicht! Natür­lich ist es völ­lig okay, Fal­ten zu haben, oder Pig­ment­fleck­en oder dünne Haare, die weit weg sind von meinem Ide­al­bild. Selb­stver­ständlich ist es auch okay, wenn wir ver­suchen, mit Kos­meti­ka und Mode das Beste aus uns her­auszu­holen. Nicht für die Gesellschaft, son­dern für uns. Denn es geht darum, sich in sein­er eige­nen Haut schön und gut zu fühlen. Die Spuren des Alters kön­nen wir bed­ingt ändern, ähn­lich wie unsere Fig­ur. Mode kann beispiel­sweise kaschieren, beto­nen oder ein­fach nur Spaß machen. Aber all das wirkt nicht, wenn wir uns nicht selb­st akzep­tieren und lieben. Meine Erfahrung: So manch­er Pig­ment­fleck wird mit der Zeit zu ein­er lieb gewonnenen, per­ma­nen­ten Som­mer­sprosse. Was ich eigentlich sagen möchte, ist: Auch bei den lästi­gen Alters­be­gleit­er­schei­n­un­gen geht es um Akzep­tanz und Selb­stliebe. Wer sich mag und annimmt, gibt den Lach­fal­ten eine größere Chance als den trau­ri­gen Sorgenfalten.

Midi Kleid mit Batikmuster fuer grosse Groessen
Midi Kleid mit Streifen fuer Plus Size

Der neue Umgang mit Mode

Noch ein paar weit­ere Gedanken zu mein­er Pas­sion, der Mode: Auch meine Out­fits, die Art wie ich Mode ver­ste­he und trage, hat sich im Laufe der Jahre verän­dert. Einst war ich die ewig schwarz gek­lei­dete Mod­eredak­teurin mit dem per­fek­ten Make-up, die jeden Trend in Schwarz mit­machte. Heute habe ich ein sehr viel entspan­nteres, fröh­licheres Ver­hält­nis zur Mode. Trends inter­essieren mich nach wie vor, nur bew­erte ich sie heute anders. Ich bin sehr viel tol­er­an­ter und diplo­ma­tis­ch­er gewor­den. Sich­er auch eine pos­i­tive Seite des Alters – wenn man es so sehen mag.

Ich liebe noch immer das Spielerische an der Mode, inter­pretiere Trends aber jet­zt aus mein­er deut­lich erwach­seneren Sicht. Auch das ewige Schwarz hat für mich seine Dom­i­nanz ver­loren. Mehr Farbe ist mit der Zeit in meinen Klei­der­schrank einge­zo­gen. Ich liebe kräftige Töne und kom­biniere gerne Muster. Es macht mir großen Spaß, meine neu gewon­nen Erfahrun­gen zu teilen und meinen Lesern Tipps zu geben. Ich glaube fest daran, dass es bess­er ist, seine Makel und Schwächen anzunehmen, als sich von ihnen herun­terziehen zu lassen oder zu ver­suchen, einem utopis­chen Bild zu entsprechen, das die Medi­en uns ver­mit­teln. Wir müssen nicht per­fekt sein, son­dern nur uns selb­st gefallen.

Wie ist deine Mei­n­ung zu dem The­ma „Leis­tungs­druck und curvy Best Ager“?

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