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Wohngeschichten: Skandinavien auf 80 Quadratmetern

Achtung, jetzt bitte nicht verwirren lassen! Wir haben hier sozusagen ein Doppel-Special! Zum einen haben wir mit Giovanna die nächste Workshop-Bloggerin ins Boot geholt, die uns heute mit einem Gastbeitrag beglückt. Und dazu passt ihr Interview mit Kea aus Wiesbaden PERFEKT zu unserem Skandinavien-Special, welches Ihr diese Woche auf Roombeez verfolgen könnt. Und jetzt, Bühne frei für Giovanna!


Wenn es dunkel ist, und Ihr seht schattige Umrisse vor Eurem Fenster und ein neugieriges Augenpaar – keine Angst, das ist kein Stalker oder Einbrecher, das bin nur ich. Ich kann einfach nicht anders: Hell erleuchtete Fenster ziehen mich magisch an. Wie sieht es bei anderen aus? Wie sind sie eingerichtet? Ach, das ist aber eine hübsche Vase… Wenn Ihr genauso gespannt darauf seid wie ich und wissen wollt, wie andere Menschen leben, was sie mögen, wo sie einkaufen, was sie inspiriert, dann seid Ihr hier genau richtig. In meinen „Wohngeschichten“ öffnen Menschen ihre Türen für mich und alle Interior-Begeisterten. Wir dürfen aber nicht nur durchs Schlüsselloch gucken, sondern erfahren auch etwas über die Person und ihren Wohnstil. Was gibt es Schöneres, als auch die Geschichte hinter den Dingen zu erfahren?

Ich war bei Kea aus Wiesbaden. Kea lebt in einer wunderschönen Altbaumaisonette, dekoriert gern ihr Daybed um und verwechselte einmal Weiß mit durchsichtig. Seither nennt sie einen „Geisterstuhl“ ihr Eigen (siehe Galerie 2, mittleres Bild). Und sie hat sich mutig meinen neugierigen Fragen gestellt. Los geht’s!

Hallo Kea. Sag mal ein paar Worte zu Dir.

In Stichworten könnte man mich vielleicht so beschreiben: 29, selbstständige Grafikdesignerin, Freizeit-Schriftstellerin, Katzenmama, dekosüchtig, meditationsfreudig, Berlin im Herzen, Träume im Kopf, ’nen Stift in der Hand und verliebt in ihren Mann und ihre Möbel.

Wie lange lebst Du schon in Wiesbaden und was magst Du an der Stadt?

Ich bin damals eigentlich nur fürs Studium von Frankfurt nach Wiesbaden gezogen und fand es hier schrecklich dörflich. Der Liebe sei Dank bin ich nun aber schon seit sieben Jahren hier und lebe mit meinem Mann und unseren zwei Stubentigerinnen in einer schnuckeligen Altbau-Maisonette. Ich mag an Wiesbaden vornehmlich die lieben Menschen, die ich hier um mich habe. Herzenswunschtechnisch hat es mich in die große Stadt an der Spree gezogen, hier darf ich seit Beginn des Jahres eine Mini-Zweitmietwohnung mein Eigen nennen.

Hast Du einen Lieblingsstadtteil?

Für mich ist Wiesbaden ja fast ein großer Stadtteil, weil man durch die übersichtliche Größe schnell zu Fuß überall hinkommt. Meine Lieblingsorte sind deshalb quer über die Stadt verteilt.

Warum bist Du in Deine Wohnung gezogen? Was gefällt Dir am besten an ihr?

Skandinavien_Bad
Den Spiegel schwarz zu lackieren hat einigen Mut gebraucht, die Wirkung aber überzeugt – in der Kombination mit Holz und viel Weiß gibts einen klaren, grafischen Akzent.

Ob eine Wohnung mein Zuhause werden kann, weiß ich nach drei Sekunden, denn das entscheidet mein Bauchgefühl. Als ich die Wohnungsfotos damals im Netz gesehen habe, war eigentlich schon alles klar. Bei der Besichtigung waren wir dann endgültig verzaubert: Wunderschöne, idyllische Umgebung, Altbau-Charme mit schönen Details, flexibel nutzbare, kleine Räume. Wo wir wohnen, könnte man auch Urlaub machen, so schön finde ich’s hier.

Wieviel Platz hast Du?

Offiziell hat die Wohnung circa 80 Quadratmeter, durch die Dachschrägen sind es de facto aber mehr.

Wie würdest Du Deinen Einrichtungsstil beschreiben?

Das ist eine spannende Frage. Bis vor zwei Jahren mochte ich Shabby Chic, alte Weichholzmöbel, den romantischen Landhausstil. Dann gab’s einen radikalen Bruch. Seitdem liebe ich den skandinavischen Stil: helle Räume, keinerlei Schnörkel, geometrische Formen, gradlinige Designs. Weil das bedeutete, quasi mein komplettes Mobiliar rundzuerneuern (eine Aufgabe, die bis heute anhält), entsteht bei uns zur Zeit manchmal ein wilder Mix.

Generell versuche ich, langlebige Einrichtungsgegenstände in Schwarz, Weiß oder Holz zu kaufen. Deko, wie Kissen oder Kerzenständer, kann dann ausgetauscht werden und den Raum im Nu verändern. Momentan ist die Abwesenheit von Farbe mein augenblicklicher Lieblingstrend – monochromes Design in Weiß, Schwarz und Grau hat es mir einfach angetan. Aber ein Zimmer darf noch an die alte, verspieltere Zeit erinnern, das Esszimmer bildet mit dem alten Tisch und der Tapete eine kleine, heimelige Oase.

Skandinavien_Esszimmer
Die Tapete von Graham & Brown zaubert aus dem Esszimmer im Handumdrehen 11 Quadratmeter Gemütlichkeit. Der dezente Farbton macht alle farblichen Tischdeko-Ideen problemlos mit.

Was ist Dein Lieblingsmöbel oder Lieblingsding in Deiner Wohnung? Erzähl uns seine Geschichte.

Oh, das ist leicht! Mein Daybed von Knoll. Ich liebe es, ihm mit neuen Kissen und Überwürfen ein anderes Gesicht zu geben. Es ist so zeitlos schön, dass ihm einfach alles steht. Ich habe es damals auf Ebay entdeckt und fiel fast in Ohnmacht. Dabei hatten wir zu der Zeit bereits zwei Sofas und ich war nicht gerade flüssig – also war’s im Grunde vollkommen unvernünftig! Aber ich wusste sofort, dass mich dieses Stück für immer begleiten würde und habe den Kauf nicht eine Minute bereut. Mit fieberndem Blick erhielt ich am Ende der Auktion den Zuschlag und durfte es dann aus einem Haus, dessen Nachlass versteigert wurde, abholen. Seitdem vergeht kein Tag, an dem ich mich an der vollendeten Form nicht erfreue.

Skandinavien_Daybed

Gardinen oder lieber keine?

Das kommt ganz auf den Raum an. Aber wenn, dann nur weiße Vorhänge ohne Chi-Chi. Die verbreiten sommerleichtes Flair, schützen vor neugierigen Blicken und geben dem Raum trotzdem einen Rahmen.

Wo sammelst du Inspiration für Deine Wohnideen?

Meistens in Magazinen, allen voran die CouchSchöner Wohnen und 20 private Wohnträume. Außerdem bei SoLebIch und allem, was mir so im Netz begegnet, manchmal auch auf Blogs wie decor8.

Wo shoppst Du am liebsten für Deine Wohnung?

Ich liebe fast alles von Ferm LivingHouse DoctorHayOYOYBloomingvilleBoConcept und Bolia. Gern shoppe ich auch in den kleinen und großen Läden in Berlin, die sich überraschend an der nächsten Straßenecke auftun, oder natürlich auf den legendären Flohmärkten: Mit meiner besten Freundin habe ich im Frühjahr fünf Märkte an einem Tag geschafft – es war ein wunderbares Erlebnis.

Skandinavien_Deko
Viele Blasen an den Händen hat sich Kea an diesen (ursprünglich neongrünen) Kerzenhaltern geschliffen, damit ihr schöner Holzkern zum Vorschein kam.

Hast Du einen Blog? Wenn ja, erzähl doch mal ein bisschen was darüber.

Ja, den habe ich: Hello Mrs Eve. Hier poste ich Bilder aus meinen Wohnungen – der Plural klingt irgendwie noch obszön für mich. Ich berichte von Bloggertreffen und Messen und in meiner Rubrik „Zu Besuch bei…“ stelle ich meine Lieblingsläden vor. Außerdem habe ich schon eine feine Liste an wunderschönen Wohnungen in meinem Bekanntenkreis angesammelt, die ich meinen Lesern vorstellen werde. Das wird also der nächste Schritt meines Blogs werden, der sich ein bißchen anfühlt wie eine Matroschka: Angefangen mit reinen Bildern meiner eigenen vier Wände, kamen nach und nach die Hausbesuche in den Shops dazu und nun hat mich also auch das Homestory-Fieber gepackt. Wer weiß, was noch alles kommt! Ich habe jedenfalls übers Bloggen schon so viele liebe Menschen kennengelernt und das ist doch irgendwie das Schönste daran!

Dein City-Tip für Wiesbaden: Wohin sollten Wiesbaden-Besucher unbedingt gehen oder was sollten sie machen?

Flohmarktliebhaber sollten sich den Markt am Mann Mobilia in Biebrich anschauen. Für eine gemütliche Teestunde empfehle ich den Heimathafen, einen Coworking-Space mit angrenzendem Café – Umschlagplatz für Kreative aller Art und definitiv mein kleines Stück Berlin in Wiesbaden. Im Advent lohnt sich die Weihnachtsabteilung von Pflanzen Kölle mit nach Farben sortierten Räumen – da kann man mich stundenlang absetzen und ich bin im Paradies.

Danke für das spannende Interview und den Einblick in Dein Zuhause!

Fotos © Kea von Garnier