Roomstorys

Ein magischer Ort: zu Gast bei Künstlerin Doris

Wenn ich einen Ort Kleinod nennen würde, dann ist es das Haus meiner Nachbarin Doris. Eine Künstlerin und Stylistin. Kleinod, weil Königreich zu protzig klingt, aber für mich hat das Licht, das sich herrlich an diesen weißen Wänden spiegelt, etwas Feierliches. Fast ist es sakral. So wertvoll, dass ich jedes Mal ganz klein werde, vor Respekt vor diesem Ort, wenn ich dorthin eingeladen werde. Klein im positiven Sinne, ehrfürchtig. Was vielleicht daran liegen mag, dass Doris ein einzigartiges Gefühl für die Dinge und ihre Umgebung, die Natur, hat.

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Ein bestimmtes Maß an Steuern und Lassen. Als hätten sich die Dinge ganz von alleine so zusammengefunden, wie in einem Märchen: ein marokkanisches Messingtablett, das aus einem asiatischen Hocker einen Tisch macht. Ein Dutzend Insekten, das sich zufällig ein Porträtbuch von Richard Avedon ausgesucht hat, um zu sterben. Eine Sammlung von Gläsern, die optisch beginnen zu tanzen, wenn das Licht durch die Florentiner-Fenster auf sie fällt.

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Nur eine große Künstlerin kann so einen verwunschenen Ort über viele Jahre wachsen lassen. Auch der Garten spiegelt diese Philosophie, dass man Dinge sich selbst überlassen sollte, wider. Ich denke an das Gedicht „Was es ist“ von Erich Fried, als ich den Hang hinter dem Turmhaus hinunter laufe.

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Apfelbäume. Und dann und wann eine Bank zum Verweilen. Wild, aber begehbar.

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Ich blicke zurück auf das Haus, in dem Dornröschen im Turmzimmer schlafen könnte und ich heute feiere, dass sie irgendwann wachgeküsst wird. Und ich schaue mir alle Ecken nochmals genau an. Und entdecke die Genialität des Spiels von Licht und Schatten in diesem runden Wohn- und Speisezimmer, durch dessen Mitte eine spiralförmige Treppe, wie in einem Schneckenhaus in die oberen Etagen führt. Die so schön rund geschwungen ist, dass man sie umarmen will, wie einen Baum.

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Hier hat man Platz zum Atmen. Wie schaffst Du es, Deinen Wohnraum so schön leer zu lassen?

Es bringt mir einen Riesenspaß, den Wechsel des Lichts an meinen weißen Wänden zu beobachten, das durch die florentinischen Fenster so unregelmäßig fällt. Das Glas wird ja auch Arme-Leute-Glas genannt, weil es nicht perfekt glatt ist. Ich habe einmal eine Woche in einem leeren Haus gewohnt, in dem nur ein Stuhl, ein Tisch und eine Matratze standen. Und fand es herrlich so leer.

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Ich kaufe nicht viel. Das macht mich so frei. Dass ich nicht konsumieren muss. Und wenn ich etwas kaufe, weiß ich immer sofort, wo eine Sache in meinem Haus hingehört. Ich habe immer schon eine Idee, die durch irgendwas ausgelöst wurde, wie ein Bild in einem Buch. Und dann ist es Zufall, wann dieses Etwas zu mir kommt. Ich wollte schon lange ein marokkanisches Messingtablett haben, weil ich dieses Handwerk liebe und das goldene Licht, das darin steckt. Als mir dann der Chai in Marokko bei einer Trekkingreise darauf serviert wurde, habe ich gefragt, ob ich das Tablett kaufen kann. Obwohl mir die Leute eigentlich Teppiche angeboten hatten.

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Bleiben bei Dir die Dinge lange Zeit wie sie sind?

Ich will nicht das zerstören, was mir am Herzen liegt. Meine Einrichtung bleibt für Ewigkeiten gleich, manchmal lege ich ein Ding andersherum. Aber eigentlich verändere ich nicht viel. Das ist vielleicht langweilig. Aber warum sollte ich verändern, was ich liebe?

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Du hast so viele schöne Lampen, die wie eine Sammlung wirken …

Zur Einweihung dieses Hauses hatte ich noch kaum Möbel und habe daher eine Schmuck-Ausstellung organisiert. Und Nesselbahnen in den Raum gespannt. Für jede Nesselbahn brauchte ich eine Lampe. Ich hatte schon eine Tischleuchte von Ingo Maurer, dessen Schirm mir gut gefiel. Daher ging ich in den Laden und fragte, ob man mir den Schirm mit fünf Meter Kabel als Hängeleuchte anfertigen könnte. Ich mache gerne etwas anderes aus den Dingen, die ich finde. Mittlerweile gibt es diese Lampe als Hängeleuchte.

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Es gibt sicher Leute, die sich wundern, dass zu Deiner Einrichtung tote Insekten gehören…

Ich bekam dieses Buch von Richard Avedon geschenkt und mich stießen diese Bilder ab. Das Titelbild hat mich gar angewidert, diese Haut mit den Insekten drauf. Natürlich ist die Arbeit hervorragend, aber viele Gesichter sind so hart, so kaputt. Diese  Kälte befremdete mich. Ich musste in diesem Stil weiterarbeiten, oder dagegen arbeiten, damit das Buch bei mir bleiben konnte. Daher habe ich lauter Insektenleichen auf das Buch gelegt.

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Du hättest es auch einfach wegschmeißen können …

Das mache ich nicht. Ich arbeite lieber an einer Emotion weiter. Diese Käfer gibt es nur im Mittelmeerraum. Ist dieses Smaragdgrün nicht toll? Und schau, was aus den vertrockneten Quitten daneben geworden ist! Das ist so eine schöne Frucht. Und diese Wachteleier, jedes Ei ist anders.

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Hast Du Lieblingsstücke?

Eigentlich nicht. Aber als die geschwungene Rückenlehne dieses dänischen Stuhls abgebrochen ist, als sich ein schwerer Freund draufgesetzt hat, war ich schon entsetzt. Und so einen venezianischen Spiegel wollte ich lange haben, bevor ich ihn gefunden habe. Bevor ich diesen auf einer Auktion fand, waren mir die zweihundert Jahre alten Spiegel zu strukturiert, zu perfekt. Erst dachte ich bei meinem Spiegel, er wäre zu kaputt. Bis ich erkannte, dass genau das so schön daran ist. Diese Brüchigkeit. Dass in ihm diese ganze Zeit durchgelaufen ist. Das ist mein Spiegel.

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Deine Sachen sind so schön, benutzt Du sie?

Ich benutze alles. Aus dieser Kanne von Kati Jünger trinke ich jeden Tag Tee.

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Danke für den wunderbaren Besuch und das Interview!