Faces of OTTO: Das CR-Team besucht eine Strickfabrik in China

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Aus Medien-Dokumentationen und Ausstel­lun­gen wie Fast Fash­ion wis­sen wir, dass die Tex­tilin­dus­trie Schat­ten­seit­en hat. Doch selb­st wenn wir die Augen vor den Bildern der Aus­beu­tung ver­schließen, muss jedem Ver­brauch­er klar sein, dass eine Hose für fünf oder acht Euro nicht fair pro­duziert sein kann. Wo fängt Ver­ant­wor­tung an? Ganz sich­er beim bewussten Kon­sum. Aber für die Mitar­beit­er in der Tex­tilin­dus­trie, zu der auch OTTO gehört, eben viel früher: Bei OTTO müssen wir die gesamte Pro­duk­tions­kette von Klei­dungsstück­en betra­cht­en, um wirk­lich mit gutem Gewis­sen beurteilen zu kön­nen, ob hier sozialverträglich pro­duziert wurde. Und diesen Anspruch haben wir.

Zuständig für einen der­ar­ti­gen Check ist bei OTTO das CR-Team. CR bedeutet Cor­po­rate Respon­si­bil­i­ty, die Ver­ant­wor­tung, die ein Unternehmen gegenüber der Gesellschaft trägt. Dieses Team betra­chtet nicht nur die Arbeitssi­t­u­a­tion der Men­schen in den Fab­riken, son­dern auch die Bedin­gun­gen auf den Baum­wollfeldern, beim Holzan­bau, bei der Energieerzeu­gung und beim Energie­ver­brauch. Deshalb wer­den bei OTTO die Auswirkun­gen auf die Umwelt und die sozialen Risiken ent­lang der gesamten Wertschöp­fungs­kette unter­sucht und interne sowie externe Stake­hold­er befragt, also Inter­essens­grup­pen, die den Prozess mitgestalten.

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Die schiere Größe eines Unternehmens wie OTTO macht diese Prü­fung schwierig: OTTO-Lieferanten kooperieren näm­lich mit vie­len anderen Zulief­er­ern. Ins­beson­dere in der End­fer­ti­gung erfol­gen regelmäßige Audits, also Prüfver­fahren spezial­isiert auf die Tex­tilin­dus­trie, die durch unab­hängige Dritte durchge­führt wer­den, die auch die Sprache der Men­schen vor Ort beherrschen.

Kriterien für verantwortungsbewusste Produktion …

Mitar­beit­er aus dem CR-Team bei OTTO begleit­en diese Audits immer wieder. Im April 2017 waren zum Beispiel zwei Kol­legin­nen bei der Begutach­tung ein­er Strick­fab­rik im chi­ne­sis­chen Dong­guan, nördlich von Hongkong, dabei. Die Prü­fun­gen ori­en­tieren sich an einem streng vorgegebe­nen Kat­a­log mit Anforderun­gen und Kri­te­rien zu Bezahlung, Arbeit­szeit, Sicher­heitss­chutz am Arbeit­splatz, Gebäud­erichtlin­ien und Feuer­schutz. Zunächst wer­den alle bere­it­gestell­ten Unter­la­gen gesichtet, wie zum Beispiel die Nach­weise über die Arbeit­szeit­en der Angestell­ten oder die Gehäl­ter. Anschließend wer­den auf einem Rundgang durch die Fab­rik alle weit­eren Kri­te­rien gecheckt, die ein sicheres und men­schen­würdi­ges Arbeit­en gewährleis­ten. Außer­dem wer­den spon­tane Inter­views mit Angestell­ten geführt, angekündigte aber auch nicht angekündigte.

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… und die Schwierigkeiten der Beurteilung

„Spon­taneität“ ist ein Stich­wort, dass die Kri­tik­er dieser angekündigten Prü­fun­gen ins Feld führen: Wenn man weiß, wann eine Kon­trolle anste­ht, kann man doch ganz leicht die Fab­rik bess­er daste­hen lassen, als sie ist, oder? OTTO set­zt auf „halb“ angekündigte Prü­fun­gen, um zu gewährleis­ten, dass alle nöti­gen Unter­la­gen auch ein­se­hbar sind. Gle­ichzeit­ig wird das Zeit­fen­ster möglichst groß gehal­ten: Deras Audit wird nicht für einen bes­timmten Tag angekündigt, son­dern für einen Zeitraum von 4-6 Wochen. So lässt sich zum Beispiel Kinder­ar­beit in großem Stil schlecht ver­ber­gen und auch fehlende Notaus­gänge und unzure­ichende Fluchtwege etc. kön­nen nicht schnell noch errichtet wer­den. Wenn Prüfer erfahren sind und die Tricks unlauter­er Fab­rikan­ten ken­nen, wer­den sie diese auch bei angekündigten Prü­fun­gen ent­tar­nen, davon ist das CR-Team von OTTO überzeugt. Wer vor Ort ist, bekommt schnell ein Gefühl für die Stim­mung während des Audits und die Kom­mu­nika­tion mit dem Fab­rik­leit­er und den Mitar­beit­ern. Die Kol­legin­nen aus dem CR-Team bericht­en auch, dass sie zum Beispiel bei ihrem Besuch in Chi­na ler­nen mussten, die Ver­hält­nisse vor Ort nicht mit unserem „Wohl­stands­blick“ zu bew­erten. Für uns mag ein Sechs­bettz­im­mer in einem Fabrik-Wohnheim sehr unge­wohnt sein, für dor­tige Ver­hält­nisse ist es nor­maler, sog­ar guter Standard.

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Konsequenzen von Tabubrüchen

Wer­den Zustände, die unter den Begriff ZT (Zero Tol­er­ance) fall­en, ent­deckt, hat das erhe­bliche Kon­se­quen­zen für das Unternehmen. Nicht tolerier­bar sind nach den Richtlin­ien, denen auch OTTO fol­gt, Kinder­ar­beit oder erhe­bliche Sicher­heitsmän­gel, etwa nicht aus­re­ichende Fluchtwege. Wenn dies in ein­er Fab­rik ent­deckt wird, löst der Prüfer einen Sofort-Alarm aus, der bei der Busi­ness Social Com­pli­ance Ini­tia­tive (BSCI) lan­det. Die BSCI ist eine Plat­tform zur Verbesserung der sozialen Stan­dards in der weltweit­en Wertschöp­fungs­kette. Die Organ­i­sa­tion mit Sitz in Brüs­sel bietet Wirtschaft­sun­ternehmen wie OTTO einen ori­en­tieren­den Ver­hal­tenskodex an sowie ein sys­tem­a­tis­ches Überwachungs- und Qual­i­fika­tion­ssys­tem. OTTO wird von der BSCI umge­hend von einem gemelde­ten Ver­stoß in ein­er Fab­rik informiert. Der ver­ant­wortliche Liefer­ant muss inner­halb von 72 Stunden reagieren und einen Vorschlag vor­legen, wie die Missstände zu beseit­i­gen sind.

Und vorbeugende Maßnahmen 

Damit es gar nicht erst soweit kommt, set­zt OTTO vor ein­er neuen Zusam­me­nar­beit mit Liefer­an­ten auf soge­nan­nte Entry Assess­ments. In diesen Testver­fahren wer­den die BSCI-Richtlinien abge­fragt. Anschließend gibt es in der Regel alle ein bis zwei Jahre ein Audit Wenn etwas opti­miert wer­den muss, wer­den jährliche Audits durchge­führt. Grund­lage zur Zusam­me­nar­beit ist immer der Code of Con­duct von OTTO, den jed­er Liefer­ant verpflich­t­end zu unterze­ich­nen hat.

Das skizzierte Kon­troll­netz, auf das sich OTTO stützt, ist ganz sich­er nicht lück­en­los. Aber es ist eines, auf das sich Wirtschaft­sun­ternehmen weltweit geeinigt haben und das die Pro­duk­tion glob­al ethis­ch­er machen soll – als Einzel­gänger ist da schw­er etwas zu bewegen.

Es liegt in der Ver­ant­wor­tung jedes Einzel­nen von uns, beim Kauf zu beurteilen, ob ihr oder ihm diese Stan­dards reichen – oder sog­ar völ­lig egal sind. Wom­it wir wieder bei der Augangslage wären: Zur Pro­duk­tions­kette gehören eben auch immer die Konsumenten.

Trigema: So geht faire Mode aus Deutschland

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Die Fashion-Industrie ist ein hartes Business. Produktionsstätten im Ausland, fragliche Arbeitsbedingungen, Dumping-Preise und Qualitätseinbußen sind leider keine Seltenheit. Eine große Ausnahme ist da Trigema. 1919 gegründet ist das Familienunternehmen heute Deutschlands größter Hersteller von Sport- und Freizeitmode. Der alleinige Geschäftsführer Wolfgang Grupp, der dieses Jahr 75 geworden ist, wird die Firma langfristig einem seiner beiden Kinder übergeben, die schon jetzt bei Trigema tätig sind – immer darauf bedacht, dass die Werte des Unternehmen weiter getragen werden.

Es wird ausschließlich in Deutschland produziert Trigema sind nämlich nicht nur der Standort Deutschland und eine nachhaltige Produktion wichtig, auch jeder einzelne…

Moin, ich bin Marie. Waschechte Hamburgerin und nordisch by nature. Hier bei OTTO halte ich für re:BLOG Ausschau nach spannenden Ideen und Menschen, coolen Eco-Outfits und berichte für euch von...

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