So erkennst du nachhaltige & ökologische Hautpflege

| von 

Schädliche Sonnenstrahlen, oxidavtiver Stress, frühzeitige Hautalterung und freie Radikale sind die Feinde unserer Haut, wenn man der Kosmetikindustrie Glauben schenken darf. Die Wunder-Cremes sollen uns daher am besten vor all diesen schädlichen Einflüssen schützen und dazu noch eine wunderschöne und babyweiche Haut zaubern. Was uns vermittelt wird: Wir brauchen High-Tech Cremes um unsere Haut vor alldem zu schützen. Klar, dass es sich dabei schlicht und einfach um marketingwirksame Botschaften handelt und die überteuerten Luxus-Cremes für die Haut und auch die Umwelt oftmals eher schlecht als recht sind.
Bei all den Begriffen und Inhaltsstoffen, die die Hautpflege-Industrie verwendet, ist es oftmals schwer zu erkennen, welche Produkte wir mit gutem Gewissen benutzen können. Denn nicht immer steckt hinter scheinbar ökkologischen Marken das, was es verspricht – darum hilft es, sich in Sachen Inhaltsstoffen ein bisschen auszukennen.

Naturkosmetik ist nicht gleich Naturkosmetik

Der Begriff Naturkosmetik ist sehr weit gefasst und leider nicht immer eindeutig, da in Deutschland die Begriffe „Natur“ und „natürlich“ nicht rechtlich geschützt sind. Somit kann eigentlich jede Marke mit diesen Bezeichnungen werben und chemische Inhaltsstoffe verwenden und diese als natürlich tarnen. Am besten immer auf Nummer sicher gehen und sich vorab informieren, ob die Marke tatsächlich nachhaltig und ökologisch handelt.

Finger weg von Produkten mit Parabene

Ganz oben bei den Inhaltsstoffen vieler Pflegeprodukte stehen Parabene. Dabei handelt es sich um Konservierungsstoffe, die verdächtigt werden, eine hormonelle Wirkung, wie das weibliche Hormon Östrogen, zu haben. Somit sind sie insbesondere schädlich für Schwangere, Kleinkinder und Jugendliche in der Pubertät. Diese Hormone können zur Unfruchtbarkeit, Diabetes, Krebsarten wie Brust-, Hoden- oder Prostatakrebs und einer verfrühten Pubertät führen. Bevor du also das nächste Mal eine neue Creme kaufst, studiere erstmal die Inhaltsstoffe genau, denn Parabene verbergen sich meist hinter den Begriffen Methylparaben, Ethylparaben, Isobutylparaben und Propylparaben.

Aufgepasst bei Duftstoffen

Klingt auf den ersten Blick harmlos, denn wir alle erwarten von Pflegeprodukten einen wohlig riechenden Duft. Das schädliche dabei ist an sich nicht der Duftstoff, sondern die nitro- und polyzyklische Moschusverbindungen, die allergieauslösend sind. Bei Tierversuchen haben sie sogar Krebs ausgelöst und das Erbgut verändert. Dies konnte bereits in der Muttermilch nachgewiesen werden. Somit gilt auch hier: Erstmal die Inhaltsstoffe prüfen, bevor man etwas neues ausprobiert.

Umstrittenes Palmöl

Palmöl glättet unsere Haut, ist geruchsneutral und das beliebteste und billigste hochwertige Öl, das in der Natur vorhanden ist. Soweit so gut, jedoch steht es oftmals auch in Verbindung mit Naturbelastung und der Ausbeutung von Menschen im Regenwald.  Wer Interesse an Nachhaltigkeit hat, sollte Produkte und auch Lebensmittel, die Palmöl enthalten, so gut es geht umgehen bzw. sich darüber informieren, dass es sich um nachhaltig gewonnenes Palmöl handelt.

  • Was ist Palmöl eigentlich?

    Palmöl wird aus der Ölpalme (Elaeis guineensis) gewonnen, die ursprünglich in Afrika beheimatet ist, mittlerweile aber auch in Amerika und Asien kultiviert wird. Palmöl ist das meist angebaute Pflanzenöl der Welt –  gefolgt von Sojaöl.

    Der Großteil des weltweit produzierten Palm- und Palmkernöls wird für Nahrungsmittel (Schokolade, Margarine) verwendet (ca. 70%). Aber auch in Kerzen, Seifen, Reinigungsmitteln, Kosmetika und der Energiegewinnung findet Palmöl Verwendung.

    Seit einiger Zeit ist die Gewinnung von Palmöl in Verruf geraten, da der steigende Verbrauch der Umwelt und dem Mensch schadet: Es werden Urwälder abgeholzt und Lebensräume von Tieren zerstört. Seit dem 13. Dezember 2014 müssen daher Produkte mit Palmöl nach EU-Verordnung gekennzeichnet werden. Da Palmöl aber sehr günstig ist, können und wollen viele Hersteller nicht auf Alternativen umrüsten.

  • Nachhaltig produziertes Palmöl

    Da die Nachfrage von Palmöl stetig wächst, werden Ölpalmen zunehmend in Monokulturen kultiviert. Außerdem werden immer neue Flächen für den Anbau benötigt, für die oftmals tropische Wälder gerodet werden. Deswegen hat der WWF 2004 den Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) gegründet. Palmöl-Anbauer, Händler und industriellen Abnehmern, sowie Umweltschutzverbänden sind Mitglieder. Das Ziel ist es, möglichst viele zur Einhaltung des Mindeststandards zu bewegen. Dazu hat der RSPO folgende Prinzipien definiert:

    1. Bekenntnis zu Transparenz
    2. Einhaltung von Gesetzen und sonstigen rechtlichen Bestimmungen
    3. Bekenntnis zu langfristiger wirtschaftlicher Tragfähigkeit
    4. Anwendung angemessener, bewährter und vorbildlicher Methoden durch anbauende Betriebe und Mühlen
    5. Verantwortung gegenüber der Umwelt und Wahrung natürlicher Ressourcen und der Biodiversität
    6. Verantwortungsvolle Berücksichtigung der Angestellten und betroffener Individuen und Gemeinden
    7. Verantwortungsvolle Entwicklung neuer Anbaugebiete
    8. Bekenntnis zur kontinuierlichen Verbesserung in Haupt-Arbeitsgebieten

    Der RSPO ist kein Öko-Label, sondern ist für die freiwillige Einhaltung für mehr Naturschutz und Menschenrechte auf den Plantagen.

    Im Oktober 2009 verzeichnete der RSPO bereits 312 Vollmitglieder.

  • Was ist überhaupt Naturkosmetik?

    Naturkosmetik bezeichnet Kosmetika, die aus „natürlicheren“ Rohstoffen hergestellt werden, als konventionelle Kosmetikprodukte. Im Vordergrund steht dabei, dass Naturkosmetik schonender für den Anwender, wie für die Umwelt sein soll. Zwar gibt es keine einheitliche Definition von Naturkosmetik, es gibt allerdings die Forderung, dass alle Inhaltsstoffe pflanzlichen, tierischen oder mineralischen Ursprungs sein sollten. Damit sind Inhaltsstoffe wie Silikone, Polyethylenglykol, synthetische Duftstoffe, Parabene, Paraffine und andere Erdölprodukte aus naturkosmetischen Produkten meistens ausgeschlossen.

    Möchte man wissen, welche Inhaltsstoffe in den eigenen Kosmetika eventuell bedenklich sein könnten, kann man auf Vergleichsportalen wie Codecheck die Inhaltsstoffe von Produkten analysieren lassen. Es werden außerdem Produkte mit „besseren Inhaltsstoffen“ vorgeschlagen, die alternativ benutzt werden können.

    Auch beim Kauf von Naturkosmetik und Naturnaher Kosmetik sollte am besten auf Labels und Zertifizierungen geachtet werden. Einige der wichtigsten sind das ECOCERT Label oder das BDIH-Zertifikat.

    Bei dem Umstieg von konventioneller Kosmetik auf Naturkosmetik können kurzfristig auch negative Symptome auftreten. Werden längerfristig konventionelle Produkte verwendet, werden das Haar und die Haut regelrecht süchtig nach Silikonen und Weichmachern. Oberflächlich wirken die Haare durch Silikone glänzend und die Haut durchfeuchtet, da sich die Silikone wie eine vermeintlich schützende Schicht auflegen. Auf Dauer gelangen so aber keine Pflegestoffe in Haut und Haar. Unter der Silikonschicht werden die Haare trocken und die Haut spröde. Wenn jetzt auf Naturkosmetik umgestiegen wird, können diese Sünden zu Tage kommen. Die Haut reagiert vielleicht sogar zuerst irritiert und das Haar wirkt stumpf.

    Das Bundesgesundheitsministerium schlug bereits im Jahr 1993 eine Definition für den Begriff „Naturkosmetik“ vor. Bis heute gibt es keine einheitliche Definition.

Etablierte Pflegelinien, die halten was sie versprechen

Doch es ist Hoffnung in Sicht, denn immer mehr Verbraucher wünschen sich nachhaltige und ökologische Hautpflegemittel, die tatsächlich ganz ohne schädliche Inhaltsstoffe auskommen. Und es gibt bereits eine Vielzahl an etablierten aber auch neuen ökologischen Pflegelinien auf dem Markt. Diese Produkte kannst du also mit gutem Gewissen benutzen und schützt dabei deine Haut und die Umwelt:

Dr. Hauschka
Bereits seit 1935 steht die Wala Heilmittel GmbH für natürliche Präparate. Entwickelt wurden die Cremes und Lotions von Rudolf Hauschka, die aus natürlichen Arzneimittel ohne jegliche Art von Konservierungsstoffen besteht. Und die Produkte werden auch heute noch regelmäßig vom Ökotest mit sehr gut bewertet.

Susanne Kaufmann
Auf die heilenden Kräfte der Natur zu vertrauen, dass ist die Philosophie von Susanne Kaufmann. Aus dem Alpental stammend, hat sie eine Menge Erfahrung an der Wirkung der einzelnen Pflanzen. Im Vordergrund stehen Gesundheit und Wohlbefinden der Haut.

Weleda
Die hochwertigen Inhaltsstoffe der Produkte von Weleda stammen überwiegend aus kontrolliert biologischem Anbau. Synthetische Farb-, Duft- und Konservierungsstoffe werden grundsätzlich nicht verwendet und das schon seit über 90 Jahren.

Lavera
Lavera stellt ausschließlich echte Naturkosmetik her. Als Grundsatz hat es sich die Marke zur Aufgabe gemacht, niemals Chemikalien, Silikone, Erdöle, Aluminiumsalze oder Mikroplastik für die Herstellung ihrer Produkte zu verwenden. Somit sind alle Produkte natürlich, verträglich und auch wirksam.

Neues auf dem Markt: Frische Pflege

Ganz neu auf dem Markt sind Produkte, die frisch hergestellt werden und auf Konservierungsmittel komplett verzichtet wird. Dadurch halten sie zwar deutlich kürzer, die Haut kommt durch die Frische aber ganz auf ihre Kosten. Auf lange Lieferketten und Lagerzeiten wird verzichtet und nur geringe Mengen können produziert werden.

Nuori
Der dänische Hautpflege-Hersteller Nuori stellt Produkte her, die so frisch sind, dass sie innerhalb von zwölf Wochen aufgebraucht werden müssen. Auf jegliche Art, die Cremes künstlich haltbar zu machen, wird verzichtet. Dadurch sind die Produkte besonders Feuchtigkeitsspenden und pflegend. Die Produkte sind nicht ganz billig, aber es lohnt es sich zu investieren.

Ringana
Das deutsche Pendant zu Nuori heißt Ringana. Auch hier heißt es: Nur reine Zutaten bewirken eine echte Wirkung. Absolute Frische, keine Tierversuche und die Schonung von unseren natürlichen Ressourcen stehen im Vordergrund. Die Produkte sind vegan und ethisch und pflegen dabei sanft und gründlich.

Zukunfts-Trend: Essensreste als neue Inhaltsstoffe in unseren Cremes

Der zukünftige nachhaltige Pflege-Trend kommt übrigens aus dem Essensbereich. Die aus den Niederlanden stammende Tech-Firma Phytonext, forscht aktuell nach Möglichkeiten, unsere Pflanzenreste neu zu verwerten und daraus spezielle Pflegeprodukte herzustellen. Und viele Pflege-Marken ziehen bereits nach. Der britische Retailer M&S verwertet für die hauseigene Pflegemarke Pure zu 95% natürliche Inhaltsstoffe, unter anderem werden die Reste von Trauben für die Cremes verwendet. Die Europäische Kommission hat zudem das Projekt APROPOS gegründet, welches aktiv nach Möglichkeiten der Verwertung von Essensresten für Pflegeprodukte forscht.

Es gilt beim Kauf von Hautpflegeprodukten: Erstmal online Recherche über die Marken betreiben, dann Inhaltsstoffe checken und schließlich mit gutem Gewissen ein neues Produkt ausprobieren. Der Werbung nicht all zu viel Glauben zu schenken ist auch ratsam.

Holt Euch jetzt pflegende Naturkosmetik!

Und wenn ihr nicht das richtige findet, einfach Pflegeprodukte selber machen!

 

Titelbild: © Shutterstock

Hallo, mein Name ist Michael, ich komme aus dem wunderschönen Bayern und arbeite als freier Journalist, Blogger und DJ. Am liebsten schreibe ich über Reisen, Kultur, Lifestyle, Musik und Mode, sowie über gesellschaftsrelevante Themen. Ich bin begeistert von alternativen Lebens- und Wohnkonzepten, versuche minimalistisch und bewusst zu leben, liebe vegetarisches Essen und bin immer auf der Suche nach neuen Inspirationen. Ich kann die Welt zwar nicht retten, aber ich versuche es. Umso schöner, dass ich ab sofort auf re:BLOG meine Gedanken mit Euch teilen kann.

Keine Kommentare vorhanden

Kommentar schreiben: Werde aktiv und rede mit!