Was ist Naturkosmetik und wie erkenne ich sie?

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Was macht Naturkos­metik zur besseren Alter­na­tive und wie erkennst du sie? Hier find­est du Infos zur nach­halti­gen Kör­perpflege und einen Überblick über die wichtig­sten Siegel.

Von Lebens­mit­teln über Klei­dung bis zu Kos­meti­ka, egal in welchem Bere­ich  nach­haltige und ökol­o­gis­che Pro­duk­te sind im Auf­schwung. So auch Naturkos­metik. Mit einem Umsatz von 1,2 Mil­liar­den Euro nimmt Naturkos­metik im Jahr 2018 einen Mark­tan­teil von 10 Prozent ein. Die Ten­denz ist steigend. Grund dafür sind unter anderem die Präferen­zen der Verbraucher*innen, die sich durch den Auf­schwung der Nach­haltigkeits­be­we­gung geän­dert haben. Ökol­o­gis­che Alter­na­tiv­en sind beliebt und Pro­duk­teigen­schaften wie die Inhaltsstoffe wer­den genauer unter die Lupe genom­men. Doch welche Pro­duk­te gibt es eigentlich in der Naturkos­metik und wie kann man ökol­o­gis­che, nach­haltige Kos­metik von herkömm­lich­er Kos­metik unter­schei­den? 

Was ist Naturkosmetik?

Was Ist Naturkosmetik

Naturkos­metik beze­ich­net Kos­meti­ka, die aus „natür­licheren“ Rohstof­fen hergestellt wer­den und somit haut- und umwelt­fre­undlich­er sein sollen. Bei den natür­lichen Wirk­stof­fen han­delt es sich oft um Stoffe, die aus Pflanzen in Bio-Qualität gewon­nen wer­den und ökol­o­gisch verträglich­er als herkömm­liche sind. Inhaltsstoffe wie Silikone, Parabene, PEGs, syn­thetis­che Farb- und Duft­stoffe, sowie aggres­sive Ten­side wie Sodi­um Lau­reth Sul­fat (SLS) sind daher nicht erlaubt. 

Doch nicht nur die ökol­o­gis­che Verträglichkeit des Pro­duk­ts spielt in der Naturkos­metik eine Rolle, son­dern auch das umwelt- und ressourcenscho­nende Her­stel­lungsver­fahren, das eine opti­male Abbaubarkeit der Inhaltsstoffe gewährleis­ten soll. Das Ziel von Naturkos­metik ist es daher nicht nuunsere Haut mit natür­lichen Wirk­stof­fen zu pfle­gen, son­dern auch die Umwelt zu scho­nen. 

Die Auswahl an Pro­duk­ten ist im Naturkosmetik-Bereich unglaublich vielfältig. Von deko­ra­tiv­er Kos­metik über Gesichts- und Kör­perpflege bis hin zu Son­nen­schutz gibt es qua­si alle herkömm­lichen Pro­duk­te auch als Naturkos­metik. Nur wenige Aus­nah­men wie beispiel­sweise wasser­feste Mas­cara gibt es noch nicht, da für diese der Ein­satz chemis­ch­er Stoffe wie Poly­mere notwendig ist, die allerd­ings in der Naturkos­metik ver­boten sind. 

Unterschiede zur herkömmlichen Kosmetik 

Bio Kosmetik Tinktur

Kos­meti­ka kön­nen in drei Kat­e­gorien – Naturkos­metik, natur­na­her und herkömm­lich­er Kos­metik – unterteilt wer­den. Auch wenn von außen kaum Unter­schiede erkennbar sind, sind die Inhaltsstoffe teil­weise sehr ver­schieden. Vor allem, wenn man den umwelt- und gesund­heitss­chädlichen Aspekt betra­chtet. 

Herkömm­liche KosmetikNatur­na­he Kosmetik Naturkos­metik
Herkömm­liche Kos­metik achtet nicht expliz­it auf natür­liche oder ökol­o­gis­che Inhaltsstoffe. Da syn­thetis­che Inhaltsstoffe oft kostengün­stiger sind, wer­den diese dementsprechend ver­mehrt einge­set­zt. Parabene, Silikone, Paraf­fine oder syn­thetis­che Duft­stoffe sind keine Sel­tenheit in herkömm­lich­er Kosmetik.Die natur­na­he Kos­metik ste­ht zwis­chen der herkömm­lichen und natür­lichen Kos­metik. Sie verzichtet zwar größ­ten­teils auf syn­thetis­che Inhaltsstoffe, aber entspricht noch nicht den Ansprüchen von ganzheitlich­er Naturkos­metik. Pro­duk­te, die silikon- oder paraf­fin­frei sind, müssen daher nicht gle­ich Naturkos­metik sein, son­dern wer­den als natur­nah beze­ich­net. Das gilt eben­falls für Pro­duk­te, die mit Begrif­f­en wie "pflanzen­basiert" oder "von der Natur inspiri­ert" deklar­i­ert wer­den. Inhaltsstoffe wie das stark aggres­sive Ten­sid SLS dür­fen bei natur­na­her Kos­metik den­noch zum Ein­satz kommen.Im Gegen­satz zu der natur­na­hen Kos­metik han­delt es sich bei Naturkos­metik um voll­ständig natür­liche Inhaltsstoffe, die zudem meist sog­ar noch zer­ti­fiziert sind. Jedoch ist Naturkos­metik nicht immer veg­an, da unter natür­liche Inhaltsstoffe beispiel­sweise Bienenwachs fällt. Wie schon oben erwäh­nt, enthält Naturkos­metik keine Silikone, Parabene, PEGs, syn­thetis­che Farb- und Duft­stoffe sowie aggres­sive Ten­side wie SLS.

Das sind die wichtigsten Kosmetiksiegel 

Guetesiegel Fuer Naturkosmetik

Wer am Anfang ste­ht und sich nicht expliz­it mit einzel­nen Inhaltsstof­fen auseinan­der­set­zen möchte, kann auf Naturkosmetik-Siegel acht­en. Allerd­ings erfind­en mit­tler­weile auch einige Marken und Unternehmen eigene Siegel, die zu weit­eren Ver­wirrun­gen führen. Es gibt aber auch anerkan­nte Siegel wie das BDIH, NaTrue und weit­ere Siegel, die ein guter Anhalt­spunkt sind. 

BDIH

Naturkosmetik Siegel BDIH

Das BDIH-Siegel ist eines der bekan­ntesten und am weit ver­bre­itetsten Siegel für Naturkos­metik. Seit 2001 schafft das Siegel einen fundierten Kri­te­rienkat­a­log mit stren­gen Vor­gaben. Die Vor­gaben beziehen sich auf den gesamten Her­stel­lung­sprozess. Enthal­tene Rohstoffe müssen „so weit wie möglich“ aus biol­o­gis­chem Anbau oder kon­trol­liert­er Wild­samm­lung stam­men. Inhaltsstoffe wie Silikone, Parabene, PEGs, syn­thetis­che Farb- und Duft­stoffe sind nicht erlaubt. Naturkos­metik mit dem BDIH-Siegel ist aber nicht automa­tisch veg­an. Inhaltsstoffe aus toten Wirbeltieren wie beispiel­sweise tierische Fette und Öle sind zwar ver­boten, aber Milch und Honig sind erlaubt. 

NaTrue

Das NaTrue-Siegel hat 2008 einen verbindlichen Kri­te­rienkat­a­log an Naturkos­metik veröf­fentlicht und bietet drei Qual­itätsstufen. Ein Pro­dukt erster Qual­itätsstufe muss alle Grun­dan­forderun­gen an natür­liche Inhaltsstoffe erfüllen. Für die zweite Qual­itätsstufe muss das Pro­dukt Inhaltsstoffe bein­hal­ten, die zu 70 Prozent aus kon­trol­liert biol­o­gis­ch­er Erzeu­gung stam­men. Die dritte und damit höch­ste Qual­itätsstufe zer­ti­fiziert Pro­duk­te mit Inhaltsstof­fen, die aus min­destens 95 Prozent kon­trol­liert biol­o­gis­ch­er Erzeu­gung stam­men. Abseits der Qual­itätsstufen dür­fen alle Pro­duk­te, die das NaTrue-Siegel tra­gen, keine kün­stlichen Inhaltsstoffe bein­hal­ten. Eben­falls müssen alle Pro­duk­te tierver­suchs­frei sein und kom­men ohne syn­thetis­che Duft- und Farb­stoffe sowie Silikone und erdöl­basierte Inhaltsstoffe aus. 

Cos­mos Organ­ic 

Siegel Comos Organic

Um weltweite Naturkosmetik-Kriterien zu schaf­fen, haben die Siegel BDIH, Cos­me­bioEco­CertSoil Asso­ci­a­tion und ICEA den COSMOS-Standard vere­in­bart. Das Siegel ist also als eine Art Dachver­band zu ver­ste­hen. Pro­duk­te, die den COSMOS-Stan­dard abbilden, dür­fen keine PEGs, Silikone und Paraf­fine enthal­ten.Außer­dem sind Tierver­suche ver­boten. 

Eco­Cert

Siegel Fuer Naturkosmetik Ecocert

Das franzö­sis­che Naturkosmetik-Siegel Eco­Cert vergibt zwei Öko-Siegel. Pro­duk­te bei­der Siegel müssen Inhaltsstoffe bein­hal­ten, die min­destens 95 Prozent natür­lichen Ursprungs sind. Sind die natür­lichen Inhaltsstoffe min­destens 95 Prozent aus kon­trol­liert biol­o­gis­chem Anbau, dür­fen die Pro­duk­te als Organ­ic deklar­i­ert wer­den. Beste­hen die natür­lichen Inhaltsstoffe nur aus min­destens 50 Prozent kon­trol­liert biol­o­gis­chem Anbau, wer­den sie als Eco­Cert Nat­ur­al deklar­i­ert. 

Weitere Siegel

Naturkosmetik Siegel

Und der Siegel-Dschungel geht noch etwas weit­er. Fol­gende Siegel ste­hen für tierver­suchs­freie, veg­ane oder faire Pro­duk­te, die allerd­ings keine Bio-Qualität haben müssen. Das heißt, Kos­metik, die die weit­eren Siegel alleine tra­gen, müssen dementsprechend keine Naturkos­metik sein. Sind die Siegel in Kom­bi­na­tion mit den oberen Naturkosmetik-Siegeln abge­bildet, schaf­fen sie ergänzende Anforderun­gen und Kri­te­rien. 

 

Fair­Trade

Siegel Fuer Fair Trade Kosmetik

Das Fair­Trade-Siegel ist ins­beson­dere im Lebensmittel-Bereich sehr bekan­nt. Doch auch Naturkosmetik-Produkte kön­nen dieses Siegel tra­gen, wenn sie einen Min­destanteil Fair-Trade-Rohstoffe enthal­ten. Da sich das Siegel auf den fairen Han­del konzen­tri­ert, müssen die Pro­duk­te allerd­ings keine Bio-Qualität aufweisen. 

Leap­ing Bunny

Siegel Fuer Tierschutz BEi Kosmetik Leaping Bunny

Das Leap­ing Bunny-Siegel wurde 1996 von einem inter­na­tionalen Net­zw­erk von Tier­schut­zor­gan­i­sa­tio­nen gegrün­det und gilt als einziges inter­na­tionales Siegel, das tierver­suchs­freie Pro­duk­te zer­ti­fiziert. Zwar dür­fen inner­halb der EU keine Tierver­suche durchge­führt wer­den, aber wird die Ware im Aus­land verkauft, wer­den oft noch Tierver­suche durchge­führt. Deswe­gen kön­nen nur Unternehmen, die gar keine Tierver­suche durch­führen, das Leap­ing Bunny-Siegel erhal­ten. 

  

Veg­an

Vegan Blume

Das älteste und eines der bekan­ntesten Siegel in der Gesellschaft ist das Vegan-Siegel. Das Siegel garantiert, dass nicht nur das Pro­dukt an sich veg­an ist, son­dern auch, dass der gesamte Pro­duk­tion­sprozess tierver­suchs­frei ist. Eben­falls dür­fen bei der Her­stel­lung und Entwick­lung von gen­tech­nisch verän­derten Organ­is­men keine Tier­gene oder Derivate tierisch­er Sub­stanzen enthal­ten sein. 

Bekannte Naturkosmetik-Marken

Bekannte Marken Im Naturkosmetikbereich

Nicht nur die Auswahl an Naturkosmetik-Produkten ist gestiegen, son­dern auch die Anzahl der Unternehmen. Bekan­nte und beliebte Marken wie Lav­era, Dr. Hausch­ka, Wele­da oder i+m Naturkos­metik gibt es mit­tler­weile schon in Drogerieket­ten. In Bio-Supermärkten sind weit­ere Marken wie Mar­ti­na Geb­hard, benecos oder Spe­ick erhältlich. Alle genan­nten Marken sind zer­ti­fiziert. 

Fazit

Fazit Natuerliche Kosmetikprodukte

Wer die Haut nicht nur mit natür­lichen Wirk­stof­fen pfle­gen, son­dern auch die Umwelt scho­nen möchte, ist mit Naturkos­metik gut bedi­ent. Durch die vielfältige Auswahl gibt es mit­tler­weile für fast alle Pro­duk­te eine ökol­o­gis­che Alter­na­tive. Doch durch die große Beliebtheit von ökol­o­gis­chen Pro­duk­ten bere­it­en Unternehmen teil­weise ihre Pro­duk­te grün­er auf, als sie es eigentlich sind. Eigens geschaf­fene Siegel sind oft nicht ser­iös, weshalb das Augen­merk auf anerkan­nte Naturkosmetik-Siegel gelenkt wer­den sollte. Dank der Naturkosmetik-Siegel wird ganzheitliche Naturkos­metik nicht nur schneller und bess­er erkan­nt, son­dern nimmt auch die Arbeit mit dem Auseinan­der­set­zen von einzel­nen Inhaltsstof­fen ab. Wer sich im Geschäft den­noch unsich­er ist, kann die Apps Codecheck oder Tox­Fox zum Abscan­nen der Pro­duk­te ver­wen­den. Diese Apps zeigten nicht empfehlenswerte Inhaltsstoffe oder Schad­stoffe an. Verbraucher(innen) haben heutzu­tage durch solche Apps vielfache Möglichkeit­en, herkömm­liche von natür­lich­er Kos­metik zu unter­schei­den. Gekauft wird immer öfter let­zteres. Und durch die steigende Nach­frage von Naturkos­metik wird sich der Absatz­markt in den kom­menden Jahren sicher­lich weit­er erhöhen. 

Bio-Bier: 10 nachhaltige Brauereien

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Im Dezember 2018 schmückten sich in Deutschland insgesamt 77.841 Produkte mit einem Bio-Siegel. Der Bio-Boom ist nicht zu leugnen und macht einen immer größeren Anteil im Lebensmittelmarkt aus.

Richtlinien Bio Bio
Jeder Deutsche kauft Bio-Produkte – mindestens ein Mal im Jahr. Und das ist auch gut so. Dabei sind Milch, Obst und Gemüse, Getreide, Eier, Fleisch und Wein die Highlights des Bio-Einkaufs und landen auch bei mir überwiegend in Bio-Qualität im Einkaufswagen. Vor allem beim Wein setzte ich auf ein Bio-Siegel. Warum? Weil ich ein miserabler Sommelier bin und nur wenig von Wein verstehe. Ein Bio-Siegel ist für mich das einzige nachvollziehbare…

Hi! Ich bin Laura und bin neben der Hauptstadt Berlin auf einem Binnenschiff groß geworden. Seit Ende 2016 gilt mein Interesse dem nachhaltigen Minimalismus. Einerseits, weil mir so wie früher...

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