Bedachter konsumieren: Öfter mal verzichten

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Wir alle leben in ein­er Umge­bung, in der Kon­sum so präsent ist wie wahrschein­lich nie zuvor. Viele von uns check­en schon nach dem Auf­ste­hen diverse Social Media Feeds, die uns nicht nur mit Wer­bung ver­sor­gen, son­dern selb­st schon Kon­sumgut darstellen. Wir kon­sum­ieren die Leben ander­er, Ide­ale, Mode, Unter­hal­tung, Ein­rich­tung, intime Momente. Und wir ergänzen damit – bewusst oder unbe­wusst – eine innere Wun­schliste. Das führt dann auch nicht sel­ten dazu, dass wir klas­sisch kon­sum­ieren, also: Geld ausgeben.

 

Bedachter konsumieren

Einfach statt stressiger

In let­zter Zeit wurde mir bewusst, wie wichtig mir der Lebens­mit­teleinkauf ist. Klar tut es gut, hochw­er­tiges, gesun­des, abwech­slungsre­ich­es, regionales und ver­ant­wort­bares Essen auf den Tisch zu brin­gen. Aber ich bin nicht, was ich esse. Mein Leben wird nicht weniger aufre­gend, wenn der grüne Salat am Abend ein­fach nur ein grün­er Salat ohne kreatives und noch nicht dagewe­senes Top­ping ist.

Damit meine ich nicht, dass ich mir ab heute bil­liges Fleisch und fer­tige Mahlzeit­en reinziehe, aber die Essenswahl ist keine essen­tielle Leben­sauf­gabe für mich. Es ist sich­er wichtig, Grund­sätze zu haben, aber eine „0815-Mahlzeit“ kann manch­mal sin­nvoller sein, als Stress um eine „Fancy-Mahlzeit“.

Kichererbsen Kuerbis Salat

Konsum hilft nicht gegen Frust

Der dritte große Bere­ich, für den min­destens meine Gen­er­a­tion ganz klas­sisch Geld aus­gibt, ist der Kon­sum von Klei­dung, Ein­rich­tung, Kos­meti­ka und was einem noch so ein­fällt. In dieser Hin­sicht hat­te ich eine fürchter­liche Selb­sterken­nt­nis, als sich vor einiger Zeit meine finanzielle Sit­u­a­tion geän­dert hat. Ich musste eine Spar-Phase ein­le­gen und da bemerk­te ich, wie sehr ich mich von der beschei­de­nen und sparsamen Stu­dentin ent­fer­nt hat­te hin zu einem Men­schen, der das eine oder andere Prob­lem erst mal mit Kon­sum lösen möchte. Rück­en­schmerzen? Mal Matratzen googeln. Ich füh­le mich nicht wohl? Der näch­ste Klei­dungskauf wird’s richt­en. Unkreativ? Bei Faber Castell stöbern. Keine Lust auf Kochen? Man kann ja was essen gehen.

Diese Aufzäh­lung kön­nte man end­los fort­set­zen. Kon­sum ist auch kein Mit­tel gegen Frust. Das Schlimme ist, dass das kurzfristig manch­mal so ver­dammt gut funk­tion­iert, aber es löst wed­er Prob­leme noch stärkt es mich in irgen­dein­er Weise zukün­ftig. All diese Aus­gaben sum­mieren sich nicht nur zu ein­er Menge Geld, son­dern ich bin überzeugt davon, dass sie uns unzufrieden, reak­tiv, von schlechtem Gewis­sen geplagt und nicht zulet­zt auch zu ziem­lich unnach­haltig agieren­den Men­schen machen.

Und es muss nicht sein

Bei allen Aspek­ten, die ein nach­haltigeres Leben für mich aus­machen, komme ich immer wieder zu dem Schluss, dass das ein­fach­ste und sin­nvoll­ste Konzept den bedacht­en Kon­sum bet­rifft. Denn damit begin­nt alles.

Ich habe deshalb drei Vorsätze gefasst, auf die ich wieder mehr Wert leg­en möchte.

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Ein paar Werkzeuge und Reste unter­schiedlich­ster Mate­ri­alien reichen aus, um mit dem zweit­en Vor­satz auf mein­er Liste zu beginnen.

  1. Bewusst verzicht­en. Ich habe ein­mal eine Zeit lang auf Klei­dungskäufe verzichtet. Das war nicht nur leichter als gedacht, son­dern auch inspiri­erend. Man ent­deckt alte Teile oder Kom­bi­na­tio­nen im Klei­der­schrank und über­legt sich Alter­na­tiv­en: Man bemerkt, was man hat. Was bei mir der Klei­der­schrank war, kann für jeden etwas anderes sein. „Kon­sumsper­ren“ (auch z.B. für Social Media) für bes­timmte Bere­iche und Zeiträume sind sich­er genau­so wohltuend wie ein bewusstes „Das nehme ich jet­zt nicht mit“. Wider­ste­hen zu kön­nen macht frei und unabhängig.
  2. Sel­ber machen. Man kann so vieles selb­st basteln, bauen, nähen oder ein­fach nur neu arrang­ieren, dass es nicht nötig ist, viel Neues zu kaufen. Noch mehr am Herzen liegt mir, auch mal was zu repari­eren. Das kann natür­lich müh­sam sein, zahlt sich am Ende aber in viel­er­lei Hin­sicht aus und macht das Leben indi­vidu­eller als Trends, die jed­er zweite Wohn-Instafeed aus dem Wohnz­im­mer zeigt.
  3. Nochmal nach­denken. Das passende Argu­ment für einen Kauf find­et man immer. Im Zweifels­fall gön­nt man sich halt mal was. Die Emo­tio­nen, mit denen Brands arbeit­en, scheinen attrak­tiv­er als das Denken. Ein Bekan­nter erzählte neulich, er würde niemals etwas kaufen, ohne darü­ber geschlafen zu haben oder zumin­d­est mal aus dem Laden rauszuge­hen. Weil ich ihn kenne, weiß ich, dass es ein­fach sein Ding ist, aber eigentlich ist das ziem­lich beein­druck­end, oder? Brauche ich das wirk­lich? Ist es wirk­lich das richtige? Gehört es zu den Din­gen, die gemacht wur­den, um nach kurz­er Zeit kaputt zu gehen? Was sind die Alter­na­tiv­en? Ver­nun­ft ist vielle­icht nicht sexy, sein Hirn zu benutzen aber sehr wohl.
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Auch Geschenk-Verpackungen kann man sel­ber machen. Und die Resul­tate sind oft sog­ar schön­er, als gekaufte Lösungen.

Ich spreche nicht davon, zum Geizhals zu wer­den. Man darf sich und anderen ja auch mal was gön­nen und ein Essen mit Fre­un­den ist sich­er nicht die Art von Kon­sum, von der ich spreche.

Weniger Konsum, mehr Spaß

Den­noch bin ich überzeugt, dass Kon­sum niemals wirk­lich beein­druck­en kann und dass er wed­er als angemessene Beloh­nung, noch als langfristige Beschäf­ti­gung oder Prob­lem­lö­sung taugt. Wir und unsere Welt soll­ten uns ja wohl mehr wert sein. Weniger Kon­sum macht mehr Spaß. Ich glaube, dass diese Auf­gabe essen­tiell ist, um zu sich selb­st zu kom­men, weniger Stress und mehr Selb­st­ge­fühl zu haben und am Ende auch im Reinen zu sein mit seinem Han­deln und Verhalten.

Welt sehen oder Umwelt schützen? Vielleicht geht ja beides.

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Die Idee des grünen Reisens geisterte schon Jahre bevor ich meinen Blog startete in meinem Kopf herum, denn der Tourismus hat einen großen Anteil an der Umweltverschmutzung und der globalen Erwärmung. Ich hatte das Gefühl, dass wir das Erbe der Natur mehr schützen sollten, wollte aber auch nicht darauf verzichten, die Welt zu sehen. Was tun? Flug- und Transportemissionen, der Bau von riesigen Hotelkomplexen und All-inclusive-Angebote haben den Tourismus in den letzten zwanzig Jahren zu einem regelrechten Schmuddelkind gemacht. Also suchte ich nach nachhaltigeren Reiseformen. Ich probierte Zug- statt Flugreisen, übernachtete in kleinen inhaberbetriebenen Unterkünften und bevorzugte saisonale Speisen statt…

Es ist viel nachhaltiger, in das zu investieren, das wir lieben, als diese Leidenschaft durch falsche Ideale und Konsum zu ersetzen. Hi, ich bin Vera und blogge seit 2012 auf...

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