Tech-Jobs bei OTTO: Sie erweitert unsere Realität
Technologie

Tech-Jobs bei OTTO: Sie erweitert unsere Realität

Kerstin sorgt für imaginäre Möbelstücke im eigenen Zuhause

10.03.2020 Von Linda Gondorf Lesedauer: 5 Minuten
Kerstin ist Produktmanagerin und für die multiplen Angebotshops zuständig. Für die Seite yourhome.de, die sich auf Home&Living spezialisiert hat, hat sie ein spannendes Projekt umgesetzt: Ein AR-Erlebnis. Kund*innen können mit der App Möbelstücke in ihrem eigenen Wohnzimmer platzieren. Im Porträt beleuchten wir die Frau hinter der App


Bei Kerstin kommt man nicht direkt auf den Gedanken, dass sie sich so sehr mit Virtual Reality, KI und Tech-Themen auseinandersetzt. Klischeedenken eben. Blond, schmal, eine gehörige Portion Energie, große blaue Augen. Kerstin ist Produktmanagerin bei OTTO und seit 2017 im Unternehmen. Gebürtig aus Kassel, verschlägt es sie nach einer Zwischenstation in Frankfurt nach Hamburg. Hier lebt sie seit ein paar Jahren mit Frau und Hund. Vorher Stationen bei Schwab und Tchibo. Damals verantwortete Kerstin als Product Owner bei Tchibo die Einführung eines Product-Information-Management Systems, das Produkt hinter dem Shop. Klingt nach viel Backend-Arbeit und das war es auch. „Die tiefen der Backend-Systeme zu durchforsten und einen genauen Blick für die Daten zu haben, wurde nie meine Leidenschaft. Das hat mich nicht glücklich gemacht“, so erzählt es Kerstin beim Café im OTTO-Bistro.

Heute ist sie bei OTTO für die multiplen Angebotshops zuständig. Das sind kleine Nischenshops, die ein neues Schaufenster, auf das OTTO-Sortiment bieten. Da gibt es otto-baumarkt.de oder yourhome.de, auf der sich alles um Home&Living dreht.

Ihre Leidenschaft für innovative Ideen

Wenn es um die User Experience geht, dann ist Kerstin in ihrem Element. Sie ist zwar als Produktmanagerin sehr breit aufgestellt, sieht ihren persönlichen Schwerpunkt allerdings im UX, also der User Experience, um das Nutzer*innen- und Nutzungserlebnis für Kund*innen so angenehm wie möglich zu gestalten. „Ich setze mich sehr stark mit Usability Engineering auseinander. UX fasst für mich alles zusammen, was ich von einer Marke wahrnehme. Das beinhaltet zum Beispiel wie ich etwas auf einer Seite verwenden oder finden kann“, so erklärt es Kerstin. Um die Erwartungshaltung der Kund*innen nicht zu enttäuschen, sollte die Seite nicht nur einwandfrei funktionieren, sondern im besten Fall auch spannende neue Ansätze bieten. An einem dieser neuen Ansätze hat Kerstin mitgearbeitet.

Für die Seite yourhome.de hat sie mit einem Team eine Shopping-App gebaut, auf der es ein AR-Erlebnis gibt: Klickt man auf den Button „im Raum platzieren“ können Kund*innen Möbelstücke, die sie sich ausgesucht haben, in ihr eigenes Wohnzimmer oder Schlafzimmer platzieren. „Ich habe also diese App und entdecke online einen Stuhl und möchte mir den gerne genauer ansehen. Dann greift die App ein, mit einer Genehmigung von mir wird die Kamera des Smartphones aktiviert und ich kann den Stuhl im Wohnzimmer platzieren, genau da, wo ich ihn später auch hinstellen würde“, erklärt die 41-Jährige das Prozedere. Der Stuhl lässt sich also verschieben, drehen, der*die Nutzer*in kann näher rangehen und sich sogar die Textur anschauen. „Du bist ein dynamischer Part. Wenn ich mich selbst wegdrehe, dann sehe ich den Stuhl auch nicht. Somit kann ich vorne im Raum einen Stuhl platzieren und hinter mir das neue Sofa. So habe ich alles in meinem Raum an der richtigen Stelle und kann mich direkt entscheiden, ob die Möbelstücke zu meinem Raumkonzept passen.“

Wie kommt es überhaupt zu solch einer Idee?

„Google und Apple haben OTTO kontaktiert. Google hat es dann mit uns und yourhome.de aufgebaut. Es war erst eine reine AR-App, damals gab es keinen Shoppingprozess dahinter und wir testeten erstmal rund 50 Produkte“, so Kerstin. Überraschend für das ganze Team: Das Interesse an der App und der neuen Möglichkeit steigt rasant an, dazu erhält die App super Nutzer*innenfeedback. „Wir wollten natürlich mehr und das Erlebnis dann in den Shoppingprozess einbauen.“ Da kam Kerstin ins Spiel: Sie sorgt für eine bessere Nutzbarkeit, Verständlichkeit und natürlich Skalierbarkeit. „Ich habe skizziert, gescribbelt und wieder von vorne begonnen“. Kerstin betreut die Kund*innensicht, ein Kollege setzt die technischen Voraussetzungen, verknüpft den AR-Teil und den Shop miteinander. Nach gut einem halben Jahr intensiver Arbeit stand die App. „Es war ein sich rantasten und ausprobieren.“

Das Interesse an der App und der neuen Möglichkeit steigt rasant an

Kerstin Bremer, Produktmanagerin

Neuland, aber faszinierend

Für Kerstin ist es das erste Mal, dass sie so richtig in Berührung mit AR kommt. „Ich habe es vorher mal gespielt oder mit einer VR-Brille auf der Playstation gezockt, aber ich hatte beruflich noch nie damit zu tun. Spannend war, sich in diese neue Welt einzuarbeiten und zu merken, wie interessant und unterschiedlich man AR nutzen kann.“ Kerstin ist affin, wenn es um neue Technologien geht. Sie hat eine Apple-Watch, interessiert sich für die Entwicklung in der Automobilbranche. Ihr Autodisplay blendet ihr in die Scheibe ein, wie schnell sie fährt, oder zeigt ihr in der Scheibe den Weg an. „Auch das ist Augmented Reality. Eigentlich hat schon jede*r mit dieser Technologie einmal zu tun gehabt, weiß es aber im Zweifel nicht einmal.“

Spannend war, sich in diese neue Welt einzuarbeiten und zu merken, wie interessant und unterschiedlich man AR nutzen kann

Ist die Möglichkeit, Möbel im Raum zu platzieren, wirklich so innovativ?

Kerstin: „Ich kenne Beispiele, wo man mit solch einer Technologie Lippenstifte oder Nagellack ausprobieren kann, oder Schuhe, vor allem Sneaker. Anbieter im Möbelbereich, die es ernsthaft betreiben, gibt es nicht“, so Kerstin, mit ein wenig stolz in der Stimme. Denn der Prozess ist zwar für Kund*innen eine wunderbare, neue Möglichkeit, bedeutet aber im Vorfeld eine Menge Arbeit für die Entwickler*innen. So braucht es eine maßgetreue Textur des Stücks und die App muss stabil genug sein, um mehrere Möbel platzieren zu können.

AR wird zum must-have

Für die Zukunft der yourhome-App wünscht sich Kerstin, dass sie ein inspirativer Part wird und mehr als Augmented Reality ermöglicht. Zum Beispiel professionelle Raumplanung, Raumgestaltung, individuelle und personalisierte Beratung. „Nutzer*innen sollen sich austoben können, im besten Fall individualisierte Startseiten haben. Das ist meine Vision“, grinst Kerstin. AR wird ihrer Meinung nach zu einem Standard. Aufbauanleitungen sind ihrer Meinung nach eine der Revolutionen in den kommenden Jahren: „Irgendwann kann ich die Anleitung direkt via App und Smartphone projizieren. So könnte jedes Teil eines neuen Möbelsstücks via Kamera erkannt werden und die App sagt mir, mit welchen Teilen ich anfangen muss und zeigt dann ganz genau, welche Hölzer zueinander passen. Auch beim Kochen wird dann AR ganz einfach eingesetzt, um das perfekte Gericht zu kreieren. Oder im Operationssaal. Patientendaten werden in der Brille eingeblendet, oder kritische Stellen bei einer OP angezeigt“, Kerstin kommt ins Schwärmen. Sie weiß um kritische Stimmen rund um neue Technologien und Datenschutz. Doch die Produktmanagerin kennt durch ihre Arbeit auch die Chancen, die Technologie ermöglicht. Wer richtige und sichere Rahmenbedingungen schafft, kann von neuen Tools und Hilfsmitteln nur profitieren.

Diskutieren Sie mit ...

Es ist ein Fehler aufgetreten ...

Ihr Beitrag