Digital Nomads – Bist du bereit dafür?
Kultur im Digitalen

Digital Nomads – Bist du bereit dafür?

8.4.2019 Von Markus Oliver Peitz Lesedauer: 4 Minuten
Digitale Nomaden verkörpern das Gefühl von Freiheit, Fortschritt und digitaler Revolution. In diesem Artikel klären wir, was es technisch, aber auch mental für das digitale Nomadentum braucht, welche prozessualen Anpassungen dafür nötig sind und ob wirklich jeder ein Digitaler Nomade werden kann.

Sie bereisen die ganze Welt, arbeiten pro Tag nur ein paar Stunden vom Strand aus und verdienen dank minimaler Lebenshaltungskosten leichtes Geld – so oder so ähnlich sieht das Bild aus, das viele Menschen im Kopf haben, sobald sie die Phrase „Digitaler Nomade“ hören. Die Realität sieht jedoch ganz anders aus. Hinter dem Traum steckt oft jede Menge Arbeit und Disziplin. Was genau macht also das (Arbeits-)Leben eines Digitalen Nomaden aus?

Digitale Nomaden: In der Welt zu Hause

Als Digitale Nomaden bezeichnet man Unternehmer, Freelancer und Angestellte, die ihrer Arbeit weitestgehend digital über das Internet nachgehen. Auch die Kommunikation mit Kunden oder Kollegen findet hauptsächlich online statt. Die Arbeit ist dabei unabhängig von Ort und Zeit durchführbar, sodass Digitale Nomaden sehr frei und selbstbestimmt reisen und arbeiten können. Besonders gut eignen sich hierfür also alle Berufe, für die kein festes Büro und keine strikten Arbeitszeiten nötig sind und die sich rein digital abwickeln lassen. Typische Berufsfelder sind beispielsweise Programmierer, digitale Assistenten, Consultants, Coaches, Fotografen, Journalisten, Übersetzer, Texter und jegliche Tätigkeiten in der allgemeinen Wissensvermittlung. Dieses selbstbestimmte Arbeiten ist für Digital Nomads oftmals wichtiger als das Streben nach dem materiellen Gewinn. Stattdessen stehen Abenteuer- und Reiselust sowie der Wunsch, neue Länder und Kulturen kennenzulernen, im Fokus.

Digitales Nomadentum für Einsteiger und Fortgeschrittene

Doch man muss nicht gleich sämtliche Zelte in seinem Heimatland abbrechen, um als Digitaler Nomade durch die Welt zu ziehen. Wie so oft gibt es auch hier feine Nuancen und Abstufungen, die es auch weniger abenteuerlustigen Personen erlauben, diesen Lifestyle für sich zu entdecken. Klar, sie existieren, die Langzeitreisenden, die jahrelang nur aus dem Rucksack leben und mit ihrem Laptop von einem exotischen Land ins nächste ziehen; genauso gibt es aber auch Reisende, die weniger weit in die Weltgeschichte ziehen, oder „Teilzeit-Nomaden“. Sie arbeiten ein halbes Jahr aus ihrem Heimatland, beispielsweise den Sommer über aus Deutschland, und „überwintern“ dann an einem wärmeren Ort wie beispielsweise Mallorca, um von dort aus remote zu arbeiten. Selbst ganze Familien bereisen als Digitale Nomaden die Welt, sodass Eltern mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen können, indem sie aus dem Home-Office arbeiten.

Für wen eignet sich das digitale Nomadentum – und für wen eher nicht?

Eine wichtige Grundvoraussetzung, bevor man sich für die den Schritt ins digitale Nomadentum entscheidet, ist die Beschäftigung mit der eigenen Persönlichkeit sowie den eigenen Wünschen, Vorstellungen und Zielen. Nicht für jeden eignet sich die selbstbestimmte Arbeit ohne festen Arbeitsplatz oder vorgeschriebene Arbeitszeit.

Diese Eigenschaften und Voraussetzungen solltest du als Digitaler Nomade mitbringen:

  • Motivation: Du musst Lust dazu haben, etwas Sinnvolles zu schaffen, und von deiner Idee überzeugt sein.
  • Unternehmergeist: Besonders, wenn du dich selbstständig machst, ist ein gewisses Geschäftsverständnis unabdingbar.
  • Offenheit: Sei dir bewusst, dass dir der Umgang mit Kollegen vielleicht fehlen wird – du bist erst einmal auf dich gestellt. Sei daher offen für neue Kontakte und vernetze dich.
  • Durchhaltevermögen: Es wird nicht immer alles so laufen, wie du es dir vorstellst. Lass dich von kleinen Rückschlägen daher nicht entmutigen.
  • Disziplin: Im Ausland warten jede Menge spannende Ablenkungen. Nur wenn du diszipliniert bist und trotz Sonne, Strand und Meer arbeitest, wirst du Erfolg haben.

Für wen ist das Digitale Nomadentum eher ungeeignet?

  • Menschen mit hohem Sicherheitsbedürfnis: Die neue Umgebung, fehlende Freunde und Familie, der neue Job – all das stellt große Unsicherheitsfaktoren dar.
  • Menschen ohne Organisationstalent: Zeitmanagement und Produktivität sind nötig, um nicht den Überblick zu verlieren.
  • Unflexible Menschen: Im Ausland warten viele ungewohnte Situationen, Umstände und Herausforderungen – wer da nicht flexibel reagieren und sich anpassen kann, hat schon verloren.
  • Menschen mit Heimweh: Ein Jahr oder länger von Familie oder Freunden getrennt zu sein, ist nichts für jedermann. Am besten, du testest erst einmal mit einem kürzeren Aufenthalt im Ausland, ob du dich ohne dein gewohntes Umfeld wohlfühlst.

Um herauszufinden, ob das Leben als Digitaler Nomade wirklich zu dir passt, solltest du dich vorab mit Leuten austauschen, die diesen Schritt bereits gewagt haben. Online findest du zahlreiche Netzwerke und Portale dafür, aber auch auf Messen oder Meet-ups kannst du nach Erfahrungen fragen. Auch das zeitweise Arbeiten in einem Coworking Space, von zu Hause aus oder in einem Café kann dir einen ersten Eindruck vermitteln, wie sich die Arbeit ohne festes Büro anfühlt und ob du auch in einer lauteren Umgebung konzentriert arbeiten kannst. Am besten ist es natürlich, wenn du schon einmal für einen kürzeren Zeitraum (z. B. für einen Monat oder ein halbes Jahr) dein Heimatland verlassen und die Arbeit aus dem Ausland testen kannst.

Womit solltest du dich als Digitaler Nomade technisch ausstatten?

Ganz oben auf der Liste steht natürlich ein Laptop – ohne ihn kommst du nicht weit. Er sollte am besten leistungsstark und gleichzeitig leicht sein. Mindestens genauso wichtig ist eine stabile und schnelle Internetverbindung. Doch daneben gibt es auch das ein oder andere Tool für dein digitales Büro, dass dir deinen Arbeitsalltag als Digitaler Nomade erleichtern wird. Hier eine kleine Inspirationsliste:

  • WiFi-Finder App: Damit du schnell den nächsten WLAN Hotspot findest.
  • VPN-Verbindung für öffentliche WLAN-Netze: So surfst du auch in öffentlichen Hotspots sicher.
  • Surfstick oder mobiler Hotspot: Wenn einmal kein öffentliches WLAN verfügbar ist, bleibst du auf diese Weise trotzdem online.
  • Lokale SIM Karte oder Skype-Anrufweiterleitung: So kannst du auch telefonieren, sollte einmal keine Internetverbindung vorhanden sein.
  • Scanner-App: So kannst du deine Dokumente einfach per Smartphone scannen und sogar nachträglich bearbeiten.
  • File-Sharing und Back-up-Service: Verschicke und sichere deine Daten.
  • Tool für digitale Unterschriften: Erspart dir unnötiges Ausdrucken von zu unterschreibenden Dokumenten.
  • Service zur digitalen Postnachsendung: Du erhältst deine Briefpost, Dokumente, Belege und andere Papierunterlagen einfach per Scan.

Ein paar weitere Gadgets, die dir als Digitaler Nomade helfen können, findest du auch in unserem Beitrag „5 Gadgets für echte New Worker“.

Schritte zum digitalen Nomadentum

Doch wie wirst du denn nun zu einem Digitalen Nomaden? Zunächst einmal solltest du dir darüber im Klaren sein, was du dir eigentlich von diesem Schritt erhoffst. Was stört dich an deinem aktuellen Lebensstil, was stört dich an deiner derzeitigen Arbeit? Bist du wirklich mit deinem Job selbst unzufrieden oder nur mit den Rahmenbedingungen – denn diese lassen sich oft zunächst einmal mit deinem Arbeitgeber diskutieren. Viele Arbeitgeber lassen sich mittlerweile auf flexible Arbeitsmodelle oder Remote-Work ein, sodass durch ein Gespräch oft schon attraktive Anpassungen und Alternativen gefunden werden können.

Wenn du dir sicher bist, dass du nicht mehr in deinem alten Job bleiben und den Schritt ins digitale Nomadentum wagen möchtest, dann können dir folgende Schritte als grobe Orientierung dienen:

Schritt 1: Lege fest, wie du dein Geld verdienen willst.

Möglichkeiten gibt es viele: Für Sicherheitsbedürftige eignet sich die Festanstellung in einem Unternehmen mit Jobs für Digitale Nomaden. Hier winkt ein monatliches Gehalt, dafür arbeitest du aber auch mit deutlich mehr Einschränkungen. Alternativ kannst du auch als Freelancer arbeiten oder dich selbstständig machen – wichtig ist nur, dass du dir vorab bewusst machst, womit du genau dein Geld verdienen willst und sicherstellst, dass auch eine entsprechende Nachfrage besteht. Im besten Fall hast du dein Geschäftsmodell bereits vor deinem Reisestart erfolgreich getestet und dir einen finanziellen Puffer angespart.

Schritt 2: Kümmere dich rechtzeitig um bürokratische Angelegenheiten

Gerade als Freelancer oder Selbstständiger kommt zunächst einmal ein hoher bürokratischer Aufwand auf dich zu. Du musst ein Gewerbe anmelden, dich um die Buchhaltung und Steuer kümmern, gegebenenfalls deinen Wohnsitz abmelden, dich um eine Auslandskrankenversicherung kümmern. Auch Visa sollten rechtzeitig beantragt und Ein- und Ausreisefristen geklärt werden, damit es nicht zu bösen Überraschungen am Flughafen oder Grenzübergang kommt.

Schritt 3: Vernetze dich mit anderen Digitalen Nomaden

Zusammen ist man weniger allein. Online gibt es zahlreiche Plattformen, Netzwerke, Gruppen und Meet-ups für alle, die den Schritt ins digitale Nomadentum wagen möchten. So kannst du von den Erfahrungen der Gemeinschaft profitieren, dich austauschen, schneller Jobs finden, die zu dir passen, oder dich zum gemeinsamen Arbeiten verabreden.

Mit diesen Tipps ist der erste Schritt Richtung digitales Nomadentum gemacht – nun liegt es an dir, die Entscheidung zu treffen, ob dieser Arbeits- und Lebensstil das Richtige für dich ist.

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