Heu­te soll Klei­dung vor allem modisch sein und gut aus­se­hen. Doch in der Zukunft könn­ten Smart Clothes oder E‑Textiles, wie die intel­li­gen­te Klei­dung auch genannt wird, eine immer grö­ße­re Rol­le spie­len. Pull­over und Jacke wür­den dann zum Bei­spiel als Power­bank-Alter­na­ti­ve dein Smart­pho­ne auf­la­den oder dei­ne Vital­da­ten auf­zeich­nen. UPDATED erklärt, was Smart Clothes genau sind, was sie kön­nen und was in Zukunft viel­leicht noch mög­lich sein wird.

Was sind Smart Clothes?

Weara­bles wie Smart­wat­ches, Fit­ness-Tra­cker und Sen­so­ren für eine bes­se­re Hal­tung sind längst im All­tag ange­kom­men. Höchs­te Zeit, dass auch die Klei­dung schlau wird. Soge­nann­te Smart Clothes sind zum Bei­spiel mit ein­ge­näh­ten Sen­so­ren aus­ge­rüs­tet, mit denen sie Daten sam­meln und/oder Aktio­nen aus­lö­sen kön­nen.

Alter­na­tiv – oder zusätz­lich – wer­den intel­li­gen­te Fasern und lei­ten­de Gar­ne zur Her­stel­lung von smar­ten Hosen, Pul­lis und Co. ver­wen­det. Sie inte­grie­ren die digi­ta­len Funk­tio­nen direkt in den Stoff, wes­halb die schlaue Klei­dung auch als E‑Textiles bezeich­net wird.

Damit das alles funk­tio­niert, arbei­ten bei der Her­stel­lung von Smart Clothes die unter­schied­lichs­ten Fach­leu­te zusam­men. Neben Mate­ri­al­for­schern, Mode- und Tex­til­de­si­gnern sind unter ande­rem Elek­tro­tech­ni­ker, Infor­ma­ti­ker, Inter­face-Desi­gner, Beklei­dungs­tech­ni­ker und Fach­leu­te für künst­li­che Intel­li­genz an der Ent­wick­lung und Ver­bes­se­rung der intel­li­gen­ten Klei­dung betei­ligt.

Wel­che Ver­fah­ren kom­men bei der Her­stel­lung von Smart Clothes zum Ein­satz?

All die­se Fach­leu­te arbei­ten dar­an, tech­ni­sche Kom­po­nen­ten wie Solar­zel­len, Bat­te­rien, Touch­screen-Ele­men­te und mehr so in den Stoff zu inte­grie­ren, dass sie mög­lichst unauf­fäl­lig und ohne zu stö­ren ihre Funk­tio­nen erfül­len kön­nen.

Trotz all die­ser fort­schritt­li­chen Tech­no­lo­gien: Bei der Her­stel­lung smar­ter Klei­dungs­stü­cke kom­men vor allem her­kömm­li­che Ver­fah­ren zum Ein­satz. Die smar­ten Fasern wer­den zusam­men mit regu­lä­ren Gar­nen gewo­ben und ver­strickt. Alt­be­kann­te Druck­ver­fah­ren wie Sieb­druck wer­den genutzt, um zum Bei­spiel spe­zi­el­le Pig­men­te auf­zu­dru­cken, die sich ver­fär­ben kön­nen und für tex­ti­le Dis­plays ver­wen­det wer­den.

Etwas unge­wöhn­li­cher geht es zu, wenn zum Bei­spiel LEDs oder Vibra­ti­ons­sen­so­ren in Smart Clothes inte­griert wer­den. Die ein­zel­nen Tei­le wer­den auf tex­ti­le Lei­ter­bah­nen auf­ge­lö­tet. In eini­gen Fäl­len wer­den die leit­fä­hi­gen Stof­fe geätzt, um kleins­te mikro­elek­tro­ni­sche Schal­tun­gen zu ermög­li­chen.

Sind Smart Clothes all­tags­taug­lich?

Im All­tag müs­sen Smart Clothes noch eini­ge Her­aus­for­de­run­gen bewäl­ti­gen. Das wohl größ­te Pro­blem: Wie alle Fasern kön­nen sich auch die intel­li­gen­ten Gar­ne und Lei­ter in Smart Clothes durch das Tra­gen ver­schie­ben oder aus­lei­ern. Auch das Waschen setzt den tech­ni­schen Kom­po­nen­ten auf Dau­er mehr oder weni­ger stark zu, eben­so wie Schweiß. Sie ver­lie­ren mit der Zeit ihre Funk­ti­ons­fä­hig­keit oder oxi­die­ren, was ihre Leit­fä­hig­keit und damit ihre Funk­ti­on beein­träch­tigt.

An die­ser Front müs­sen die Ent­wick­ler noch deut­lich nach­bes­sern, um die intel­li­gen­ten Klei­dungs­stü­cke wirk­lich all­tags­taug­lich zu machen. Zwar gibt es bereits Smart Clothes, die das Waschen unbe­scha­det über­ste­hen – die Regel ist das aller­dings nicht.

Smart Clothes: Was ist bereits mög­lich?

Schon heu­te kön­nen intel­li­gen­te Klei­dungs­stü­cke her­ge­stellt wer­den, die zum Bei­spiel den Puls ihres Trä­gers und die von ihm zurück­ge­leg­te Stre­cke mes­sen oder auf das Smart­pho­ne zugrei­fen. Je nach Klei­dungs­stück bie­ten Smart Clothes aber noch viel mehr Funk­tio­nen.

Smart Clothes im All­tag

m All­tag kön­nen Smart Clothes auf die unter­schied­lichs­ten Arten punk­ten. Inte­grier­te Heiz- und Kühl­me­cha­nis­men sor­gen zum Bei­spiel dafür, dass dir sogar sehr plötz­li­che Tem­pe­ra­tur­schwan­kun­gen nichts mehr aus­ma­chen. Die intel­li­gen­ten Fasern wir­ken einem Über­hit­zen des Kör­pers eben­so ent­ge­gen wie zu star­ker Aus­küh­lung – und zwar voll­kom­men selbst­stän­dig.

Immer mehr Her­stel­ler ver­bau­en in ihrer smar­ten Klei­dung Solar­zel­len, die sie zur Power­bank für dein Smart­pho­ne machen. Die inte­grier­te Bat­te­rie lädt sich wäh­rend eines Spa­zier­gangs mit­hil­fe von Son­nen­en­er­gie auf. Die Ener­gie wird bei Bedarf an dein Mobil­ge­rät abge­ge­ben oder genutzt, um den Strom­be­darf der ande­ren intel­li­gen­ten Funk­tio­nen dei­ner Klei­dung zu decken.

Berüh­rungs­emp­find­li­che Stof­fe und leit­fä­hi­ge Fasern machen zum Bei­spiel Jacken­är­mel zu einer Art Touch­screen, über den du dein Smart­pho­ne bedie­nen kannst – und zwar ohne, dass du es aus der Tasche nimmst.

Manch einem Nut­zer geht dank intel­li­gen­ter Klei­dung auch ein Licht auf – im über­tra­ge­nen Sin­ne. Vor allem im Fashion-Bereich wer­den Klei­dungs­stü­cke mit LEDs und Leucht­di­oden bestückt, die Kleid, Ober­teil und Rock zum Leuch­ten brin­gen. Die strah­len­den Effek­te kön­nen über auto­ma­ti­sier­te Rou­ti­nen, Bewe­gun­gen oder Ges­ten gesteu­ert wer­den und garan­tie­ren einen sehens­wer­ten Auf­tritt.

Bei nor­ma­ler Klei­dung kön­nen die Licht­ef­fek­te für mehr Sicher­heit sor­gen, indem sie zum Bei­spiel die Sicht­bar­keit im Stra­ßen­ver­kehr erhö­hen. Sowohl für Rad- und Auto­fah­rer als auch für Fuß­gän­ger könn­ten sol­che selbst­leuch­ten­den Smart Clothes sehr prak­tisch sein – und viel­leicht sogar Leben ret­ten.

Intel­li­gen­te Klei­dungs­stü­cke kön­nen außer­dem für Men­schen mit chro­ni­schen Krank­hei­ten einen ech­ten Mehr­wert bie­ten. Die auf­ge­zeich­ne­ten Vital­wer­te sind in der Regel genau genug, um beim Fach­arzt aus­ge­wer­tet und zur Behand­lung hin­zu­ge­zo­gen zu wer­den.

Rich­tig ein­ge­setzt kön­nen Smart Clothes außer­dem die Ver­schlech­te­rung von chro­ni­schen Krank­hei­ten ver­hin­dern: Es gibt bei­spiels­wei­se schon jetzt intel­li­gen­te Strümp­fe für Dia­be­ti­ker. Sie mes­sen mit­hil­fe spe­zi­el­ler Fasern und Sen­so­ren Tem­pe­ra­tur, Druck und Gelenk­win­kel der Füße, um Pro­ble­me früh­zei­tig zu erken­nen.

Smar­te Kin­der­klei­dung

Selbst für die Kleins­ten gibt es inzwi­schen smar­te Klei­dung. Spe­zi­el­le Schlaf­an­zü­ge, Stramp­ler oder auch Socken für Babys sind mit Vital­sen­so­ren aus­ge­rüs­tet, die Daten zu Atmung, Herz­schlag und Bewe­gung auf­zeich­nen. Die Wer­te wer­den in Echt­zeit an die zuge­hö­ri­ge Smart­pho­ne-App über­tra­gen. Ist etwas unge­wöhn­lich, macht die Anwen­dung sofort dar­auf auf­merk­sam – und die Eltern kön­nen reagie­ren. Auch bei Unre­gel­mä­ßig­kei­ten, etwa der Atmung oder des Herz­schlags, warnt die App umge­hend und kann so zum Bei­spiel nachts für mehr Sicher­heit sor­gen.

Smar­te Sport­be­klei­dung

Vor allem im Sport­be­reich sind smar­te Klei­dungs­stü­cke auf dem Vor­marsch. Hier mes­sen smar­te Shirts mit ein­ge­web­ten bio­me­tri­schen Sen­so­ren den Puls ihres Trä­gers. Die Daten wer­den an das gekop­pel­te Smart­pho­ne wei­ter­ge­lei­tet und dort aus­ge­wer­tet.

Dar­über hin­aus kön­nen smar­te Klei­dungs­stü­cke für Sport­ler zurück­ge­leg­te Distan­zen und ver­brauch­te Kalo­rien auf­zeich­nen oder die Inten­si­tät der Bewe­gung mes­sen. Auch den Stress­le­vel erfas­sen die smar­ten Sen­so­ren.

Die intel­li­gen­te Tech­nik behält sogar die Hal­tung ihres Trä­gers im Auge. Es gibt zum Bei­spiel Yoga-Leg­gins, die über inte­grier­te Sen­so­ren prü­fen, ob du eine Pose kor­rekt aus­führst. Ist das nicht der Fall, weist das smar­te Klei­dungs­stück dich per Vibra­ti­on an der ent­spre­chen­den Stel­le dar­auf hin. Die zuge­hö­ri­ge App lie­fert zusätz­li­che Infos und Anwei­sun­gen.

Pro­fi­sport­ler nut­zen die gesam­mel­ten Daten, um ihr Trai­ning zu opti­mie­ren. Durch ein­ge­ar­bei­te­te Kühl- und Heiz­me­cha­nis­men wer­den außer­dem län­ge­re und inten­si­ve­re Trai­nings­ein­hei­ten mög­lich.

Aus­blick: Was wird noch an intel­li­gen­ter Klei­dung kom­men? 

Aktu­ell wird intel­li­gen­te Klei­dung mit star­kem Fokus auf den Fit­ness­be­reich und Gesund­heits­fra­gen pro­du­ziert. In Zukunft dürf­te sich der Schwer­punkt immer stär­ker auf All­tags­klei­dung ver­schie­ben.

Um die­sen Schritt zu gehen, muss vor allem eine Hür­de genom­men wer­den: Smart Clothes müs­sen die Aus­wir­kun­gen von Schweiß und zahl­rei­chen Wasch­durch­gän­gen auf Dau­er unbe­scha­det über­ste­hen. Dafür wäre unter ande­rem die groß­flä­chi­ge Inte­gra­ti­on von was­ser­fes­ten und fle­xi­blen Solar­zel­len und Lei­ter­ele­men­ten not­wen­dig.

Wahr­schein­lich wird die gesam­te Tech­nik in Smart Clothes zuneh­mend direkt in die Fasern ein­ge­ar­bei­tet. Ohne Kleb­stof­fe und grö­ße­re elek­tro­ni­sche Kom­po­nen­ten bleibt die smar­te Klei­dung fle­xi­bler – und damit beque­mer, halt­ba­rer und wasch­bar.

Sind die­se Hür­den genom­men, steht dem Ein­zug der intel­li­gen­ten Tex­ti­li­en in jeden Bereich der Klei­dung eigent­lich nichts mehr im Wege: Vom smar­ten BH bis zum intel­li­gen­ten Jackett könn­te alles kom­men.

Mit der wei­te­ren Ver­brei­tung von Smart Clothes sind die Her­stel­ler wie­der­um in der Pflicht, dau­er­haft eine zuver­läs­si­ge Daten­si­cher­heit zu garan­tie­ren. Die von intel­li­gen­ten Shirts und ande­ren Klei­dungs­stü­cken gesam­mel­ten Gesund­heits­da­ten sind immer­hin hoch sen­si­bel – und soll­ten des­halb nicht in die fal­schen Hän­de gera­ten.

Smart Clothes: Vom Tech­nik-Trend zum All­tags­pro­dukt

Noch ste­cken Smart Clothes in den Kin­der­schu­hen. Vor allem im Sport- und Medi­zin­be­reich gibt es bereits intel­li­gen­te Klei­dung, die Vital­da­ten wie Herz­schlag, Atmung und Stress­le­vel über­wacht oder die zurück­ge­leg­te Weg­stre­cke trackt. Teil­wei­se lässt sich über Jacken­är­mel das Smart­pho­ne in der Tasche bedie­nen.

Mög­lich wird das mit mikro­sko­pisch klei­ner Tech­nik, die in die Fasern inte­griert ist. Die­se Tech­nik muss nun wei­ter opti­miert wer­den, damit sie wider­stands­fä­hi­ger gegen Schweiß und den Wasch­gang in der Wasch­ma­schi­ne wird. Ist das geschafft, dürf­ten die smar­ten Tex­ti­li­en den All­tag immer wei­ter erobern.

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