Waschen mit Waschnüssen – ein Erfahrungsbericht

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Waschnüsse als ökol­o­gis­che Alter­na­tive zu Waschmit­tel erleben ger­ade einen echt­en Hype. Aber wie funk­tion­ieren sie und ist das Ergeb­nis zufrieden­stel­lend? Ich teile meine Erfahrun­gen mit dir und gebe Tipps.

Nachhaltig Waesche waschen

Als ich vor ein paar Jahren eine Wan­derung durch den aus­tralis­chen Regen­wald mit der Aborigine-Dame Bev­er­ly machte, staunte ich nicht schlecht über die natür­liche Seife der Ure­in­wohner­in. An einem Wasser­loch rieb sie die Blät­ter eines Baumes mit etwas Wass­er in den Hän­den. Es schäumte und roch angenehm frisch. Zu Hause machte ich mich im Inter­net auf die Suche nach ein­er natür­lichen Seife für meine Wäsche und stieß auf indis­che Waschnüsse, die ich für das Waschen mein­er Klei­dung ver­wen­den kon­nte. Seit­dem bin ich lei­den­schaftlich­er Nutzer von Waschnüssen. Es gibt allerd­ings ein paar Dinge, die du wis­sen soll­test. In meinem Erfahrungs­bericht zeige ich Pro und Con­tra auf und gebe Tipps zum Umgang mit Waschnüssen.

Was sind Waschnüsse und welche Vorteile haben sie?

Waesche Waschen ohne Waschmaschine im Fluss

Das wirk­lich Wun­der­bare an den Waschnüssen ist, dass es sich dabei um ein natür­lich­es Pro­dukt vom soge­nan­nten Waschnuss­baum han­delt. Den Baum aus der Gat­tung der Seifen­bäume gibt es in mehreren Arten mit Ver­bre­itun­gen in Süd- und Mit­te­lameri­ka und der Karibik (Sapin­dus saponar­ia) sowie Indi­en und Südostasien (Sapin­dus muko­rossi). Die meis­ten Waschnüsse hierzu­lande stam­men aus Indi­en. Waschnüsse sind eine natür­liche Frucht eines Baumes, benöti­gen keine aufwendi­ge Pro­duk­tion, keine Chemie und sind zu 100 Prozent biol­o­gisch abbaubar. Aber auch einen ökol­o­gis­chen Nachteil gibt es: Da Waschnuss­bäume vor allem in den Tropen und Sub­tropen wach­sen, sind lange Trans­portwege die Folge. Das schlägt sich in ein­er hohen CO2-Bilanz nieder. Es gibt aber auch eine regionale Alter­na­tive: Kas­tanien haben eben­falls gute Eigen­schaften als Waschmit­tel. In unserem Rat­ge­ber zeigen wir dir, wie du Waschmit­tel aus Kas­tanien sel­ber machen kannst.

Waschnüsse im Praxistest

Waschnuss Schalen im Beutel

Waschnüsse kannst du online sowie in vie­len Droge­rien kaufen. Es gibt sie als gek­nack­te und ungek­nack­te Nüsse, in Pul­ver­form oder als flüs­siges Extrakt. Die gängig­ste Form sind 1-kg-Beutel mit Nusss­chalen für 14 bis 20 Euro. Nur die Schalen wer­den zum Waschen ver­wen­det, die Kerne kön­nen direkt im Bio­müll entsorgt wer­den. Essen kannst du sie nicht und auch das Anpflanzen funk­tion­iert lei­der nicht, da wir hierzu­lande ein zu kaltes Kli­ma haben. Du kön­ntest die Nüsse aber als Deko oder zum Basteln verwenden.

Anwen­dung und Dosierung von Waschnüssen

Pro Waschgang wer­den sechs bis acht halbe Waschnuss-Schalen in einem Leinen­säckchen zur Wäsche gegeben. Je nach Grad der Ver­schmutzung kann man auch mehr oder weniger Waschnuss-Schalen hinzugeben. Da meine Wäsche meis­tens nicht son­der­lich schmutzig ist, benutze ich immer etwa sechs Waschnuss-Schalen. So kann eine 1-kg-Packung für etwa 100 Wäschen und somit qua­si ein ganzes Jahr genutzt wer­den. Das macht Waschnüsse extrem gün­stig. Sie kön­nen bei jed­er Wäsche zwis­chen 30° und 90° ver­wen­det wer­den. Beim Waschen mit niedrigeren Tem­per­a­turen bleibt noch genug Saponin in den Schalen enthal­ten, sodass die Waschnüsse noch ein- bis zweimal wiederver­wen­det wer­den kön­nen. Außer­dem sparst du Energie und belastest unsere Umwelt weniger. Weit­ere Tipps zum nach­halti­gen Waschen find­est du in unserem Ratgeber.

Das soll­test du über Waschnüsse wissen

Ich erin­nere mich noch sehr gut an meinen ersten Waschgang mit den Waschnüssen. Zunächst war ich natür­lich skep­tisch. Doch nach dem Öff­nen der Waschmas­chine stellte ich tat­säch­lich fest, dass die Bun­twäsche sauber war. Ich kon­nte keine Fleck­en­reste erken­nen. Allerd­ings bein­hal­ten Waschnüsse keine Geruchsstoffe oder Par­füme. Gut für Allergik­er, aber wer den Geruch frisch­er Wäsche liebt, wird von den puren Waschnüssen ver­mut­lich ent­täuscht sein. Daher mein Tipp: Einige Tropfen Lavendel- oder Zitro­nenöl auf das Leinen­säckchen mit den Waschnüssen geben und dann in die Waschtrom­mel legen.

Waesche waschen mit Waschnuessen Erfahrungen

Außer­dem ist zu beacht­en, dass Waschnüsse keinen Inhaltsstoff zur Enthär­tung von Wass­er besitzen. Kalk in der Waschmas­chine und weniger weiche Klei­dung sind die Folge. Da ich sowieso keinen Weich­spüler nutze, stört mich der Effekt an der Klei­dung nicht. Doch auss­chließlich mit Waschnüssen würde ich wohl nicht lange waschen. Zusät­zlich sollte man einen Wasser­en­thärter zur Wäsche dazugeben, damit die Waschmas­chine nicht kaputt geht. Natür­lich sind Wasser­en­thärter nicht zu 100 Prozent ökol­o­gisch, aber hier muss man abwä­gen: Der Kauf ein­er neuen Waschmas­chine belastet die Umwelt viel mehr als das sparsame Dosieren von Wasser­en­thärter, selb­st wenn du den Ver­brauch von virtuellem Wass­er und grauer Energie, die bei der Pro­duk­tion anfall­en, mit in die Rech­nung einbeziehst.

Mein­er Erfahrung nach soll­test du reine weiße Wäsche nicht mit Waschnüssen waschen. Legst du sie eine Weile in Wass­er ein, wirst du bemerken, dass das Waschwass­er eine leicht gel­bliche Fär­bung bekommt. Für weiße Wäsche abso­lut ungeeignet. Denn auch Ble­ich­mit­tel sind natür­lich nicht in der Waschnuss enthal­ten, stattdessen nimmt deine Weißwäsche die leicht gel­bliche Fär­bung an. Aus dem gle­ichen Grund soll­test du nach dem Waschgang den Leinen­beu­tel mit den Nüssen auch nicht ewig mit dein­er Bun­twäsche in der Waschmas­chine lassen.

Hier noch mal alle Vor- und Nachteile von Waschnüssen im Überblick:

Vorteile beim Waschen mit WaschnüssenNachteile beim Waschen mit Waschnüssen
+ Waschnüsse sind ein natür­lich­es Produkt- Waschnüsse bein­hal­ten keine Duft­stoffe, die Wäsche riecht nicht frisch, obwohl sie es ist
+ Waschnüsse sind gün­stig und kön­nen wiederver­wen­det werden- Waschnüsse alleine kön­nen das Wass­er nicht enthärten oder weiße Tex­tilien bleichen
+ Waschnüsse sind biol­o­gisch abbaubar- Waschnüsse haben lange Trans­portwege hin­ter sich und damit eine hohe Klimabilanz
+ Waschnüsse sind san­ft zu Klei­dung und Haut und wer­den bei Allergien empfohlen

Fazit: Meine Erfahrung mit Waschnüssen

Waesche umweltschonend waschen und trocknen

Die drei Hin­weise zum Geruch, der Wasser­härte und Ble­ichkraft wirken vielle­icht etwas ernüchternd. Aber mir war vor dem Prax­is­test klar, dass dieses natür­liche Pro­dukt nicht Hun­derte Jahre Chemie-Forschung erset­zen kann. Ich nutze Waschnüsse daher als Alter­na­tive für zwis­chen­durch, für kurze und kleine Wäschen und meine Sportk­lei­dung, die ich gerne nach jed­er Nutzung wasche. Somit sind sie eine wun­der­bare Ergänzung zu herkömm­lichen Waschmit­teln. Wichtig beim The­ma Waschen: Du soll­test nicht nur beim Waschmit­tel auf Nach­haltigkeit acht­en, son­dern vor allem dein Waschver­hal­ten anpassen. Klei­dung muss nicht nach jedem Tra­gen in die Wäsche, es reicht, wenn du sie gut aus­lüftest. Der Ökowaschgang und waschen bei niedri­gen Tem­per­a­turen reichen meist völ­lig aus, um deine Wäsche sauber zu bekom­men. Und vor allem soll­test du auf den Trock­n­er verzicht­en und die Wäsche draußen trock­nen. So sparst du Energie. Das funk­tion­iert übri­gens auch im Win­ter. In unserem Rat­ge­ber „Wäsche trock­nen im Win­ter “ bekommst du alle weit­eren Infos.

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Ich bin Steven und ich liebe die Natur, verrückte Ideen, Lissabon und den Fahrtwind auf meinem Rennrad. Und ich liebe es, immer wieder meine Grenzen auszutesten. Dafür laufe ich zum...

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