Tomaten pflanzen: Tipps und Tricks vom Profi

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„Tomat­en lohnen sich immer – und die eige­nen schmeck­en am besten!”

Das weiß Garten­profi Jen vom Gartengemüsekiosk am allerbesten. Gemein­sam mit ihrem Mann, den sie liebevoll „den Gärt­ner“ nen­nt, hat sie einen Selb­stver­sorg­er­garten geschaf­fen, aus dem sie ganzjährig Obst und Gemüse ern­ten. Sie pro­bieren immer wieder Neues aus und pflanzen alles mögliche an. Und das mit Erfolg: Ihre Garten-Erfahrungen teilen sie nicht nur auf ihrem Blog, son­dern zeigen sie auch auf ihrem Youtube-Kanal. Jeden Son­ntag erscheint dort ein neues Video, in dem vom Garten­rundgang bis zum Gemüsean­bau alles mögliche erk­lärt wird. In Sachen Tomat­en pflanzen ist Jen also ein wahrer Profi. Im Inter­view ver­rät sie uns ihre besten Tipps und Tricks.

Tomaten pflanzen – so geht’s:

Tipps Tricks Tomaten Pflanzen

Liebe Jen, was ist der erste Schritt für einen erfol­gre­ichen Toma­te­nan­bau?

Zu Beginn ste­ht die Frage nach den Sorten. Wo bekomme ich Saatgut her? Tomaten­saatgut ist sehr ein­fach selb­st zu ziehen, aber dazu später mehr. Man bekommt die ver­schieden­sten Tomaten­sorten im Inter­net, bei Tomaten­samm­lern, auf Saatgut­fes­ti­vals, Tauschbörsen, bei anderen Garten­fre­un­den oder auch bei uns im Shop. Allerd­ings haben wir dort derzeit nur eine kleine Auswahl von bewährten, sehr leck­eren Tomat­en (Tomate San Marzano, Gold­en Cur­rant, Black Cher­ry und St. Pierre). Im Fokus bei der Auswahl soll­ten die Anbaube­din­gun­gen und die eige­nen Wün­sche ste­hen.

Wann begin­nt man denn dann mit der Aus­saat?

In der Regel im März, da reicht auch ein Fen­ster an der Süd­seite. Will ich meine Tomatenpflanzen eher aussäen, dann sollte ich eine Zusatz­beleuch­tung wählen. Wenn die Pflänzchen zu schnell ihre Köpfe nach oben streck­en und lange Sten­gel bekom­men, dann haben sie entwed­er zu wenig Licht und/oder es ist zu warm. Die opti­male Keimtem­per­atur liegt bei Tomat­en zwis­chen 18 und 22 Grad. Ein ein­fach­es Raumther­mome­ter bringt hier Auf­schluss. Als Aus­saa­ter­de ver­wen­den wir gerne eine nährstof­farme Erde. Erst später beim soge­nan­nten Pikieren wer­den die Pflänzchen in eine Erde umgepflanzt, die mehr Nährstoffe enthält. Bei der Aus­saat reicht es aus, eine Schale mit Erde zu ver­wen­den, in die dann die Samen einge­bracht wer­den. Dann etwas Erde drauf. Die Saatgut­tiefe sollte so ca. einen Zen­time­ter betra­gen. Ang­ießen und nicht aus­trock­nen lassen.

Tomaten Pflanzen

Nach ein bis zwei Wochen sind die Tomat­en gekeimt und sie kön­nen jet­zt pikiert wer­den. Das bedeutet, man ent­nimmt die einzel­nen Pflanzen ganz vor­sichtig und set­zt sie in einen eige­nen kleinen Pflanz­topf um. Ein­fach eine nährstof­fre­ichere Erde in ein Töpfchen füllen und ein tiefes Loch in die Mitte machen. Da wird dann das kleine Tomatenpflänzchen reinge­set­zt. Achtung! Am besten nur an den Blät­tern anfassen und tiefer set­zen, sodass nur ger­ade eben so die Keim­blät­ter rauss­chauen. Dann vor­sichtig mit Erde andrück­en, ang­ießen und weit­er wach­sen lassen. Manch ein­er sagt auch, es helfe, mit den Pflanzen zu sprechen. Sie ste­hen ja eh auf der Fen­ster­bank – schaden kann es nicht.

Zurück zur Über­sicht

Ab wann dür­fen die Tomat­en ins Freie und was muss ich beacht­en?

Je nach Wohn­lage ab Ende April oder auch gerne erst­mal tagsüber, um sie an die Sonne zu gewöh­nen. Defin­i­tiv raus dür­fen sie, sobald der let­zte Frost vor­bei ist. Das ist generell nach den Eisheili­gen, unge­fähr Mitte Mai. Wichtig für Tomat­en ist ein Schutz vor direk­tem Regen von oben. Wass­er mögen sie näm­lich am lieb­sten nur mit der Gießkanne direkt an der Erde. Ohne Unter­stand fängt man sich schnell Krankheit­en ein und die Freude an der Tomatenpflanze ist schnell vor­bei. Das wäre zu schade. Hat man keine Möglichkeit, Tomat­en geschützt aufzustellen, ist das nicht das Ende für den eige­nen Anbau! Es gibt mit­tler­weile viele Sorten, die kein Dach über dem Kopf brauchen. Zum Beispiel die Gold­en Cur­rant. Es ist alles gar nicht so kom­pliziert, wenn man ein paar kleine Dinge beachtet. Schön ist die Vielfalt: Man ent­deckt immer neue Sorten und zieht später selb­st eigenes Saatgut. Ach ja: Das Gefäß für die Tomatenpflanzen sollte nicht zu klein sein, sie brauchen schon ein biss­chen Platz. Bei uns ste­hen zwei Pflanzen in einem 70-Liter-Kübel.

Aussäen, Pikieren und Auspflanzen der Tomat­en noch ein­mal in einem Video erk­lärt:

Welche Nährstoffe brauchen Tomat­en?

Nach­dem die Tomat­en aus ihren Pikiertöpfchen aus­ge­zo­gen sind, erwartet sie bei uns eine recht nährstof­fre­iche Erde, zum Beispiel eine gute Kom­pos­ter­de. Wir geben außer­dem noch gern etwas Urgesteins­mehl mit hinzu, zur Verbesserung des Min­er­al­haushaltes. Die unteren Blät­ter der Tomate wer­den bei uns mit den Fin­gern abgeknipst und kom­men direkt ins Pflan­zloch. Hier set­zen wir die Tomatenpflanze etwas tiefer. Sie bildet erneut Wurzeln aus und ste­ht damit sta­bil­er. Die Tomate hat gerne viele Nährstoffe, daher macht es Sinn, sie regelmäßig zu dün­gen. Eine Dün­gung mit Brennnessel- oder Bein­well­jauche ist eine natur­na­he gute Ver­sorgung mit Nährstof­fen. Bei Pflanzen, die im Kübel ste­hen, hat sich eine monatliche Gabe bei uns bewährt. Wovon wir abrat­en möcht­en, sind Horn­späne und andere tierische Dünger. Zum einen unter­stützt man damit die Massen­tier­hal­tung und zum anderen möchte ich nicht wis­sen, wieviel Antibi­oti­ka da drin steck­en kön­nte. Brennnes­sel­jauche kann man sich selb­st leicht umson­st her­stellen.

Tomaten Anpflanzen

Wie geht es dann weit­er? 

Man kann Tomat­en beispiel­sweise ein­fach wach­sen lassen, wenn es eine Wild­to­mate ist, die verträgt das sehr gut. Man kann aber auch „Aus­geizen“. Gemeint ist damit das Ent­fer­nen von Seit­en­trieben, damit die Pflanze nicht zu buschig wird und genug Luft bekommt. Wir ziehen unsere Tomat­en ein­triebig hoch, was bedeutet, dass wir die Seit­en­triebe ent­fer­nen und die Pflanze zusät­zlich mit einem Seil stützen. Oder wir ver­wen­den Tomaten­stäbe die so spi­ralar­tig geformt sind. Auch diese geben der Pflanze Halt, ins­beson­dere dann, wenn sie voll mit Frücht­en ist. Man kön­nte das Aus­geizen auch so beschreiben: In den Achseln der Triebe entste­hen neue kleine Triebe und die wer­den mit den Fin­gern aus­geknipst. Das machen wir tat­säch­lich alle ein bis zwei Wochen. In der frühen Phase kann man abgeschnit­tene Triebe direkt wieder in die Erde steck­en: Mit etwas Glück bewurzeln diese und man hat eine neue Tomatenpflanze.

Wie pflege ich meine Tomatenpflanzen am besten? 

Tomatenpflanzen brauchen schon ein wenig Aufmerk­samkeit. Wie schon erwäh­nt, gehen wir regelmäßig durch unsere Tomat­en und geizen sie aus. Außer­dem wird hier im Gartengemüsekiosk viel gemulcht. Mulchen bedeutet, dass die Erde nicht nackt da liegt. Es liegt zum Beispiel Stroh oder Grass­chnitt auf der Erde. Das hat zwei Vorteile: Zum einen entwe­icht weniger Flüs­sigkeit und man muss weniger Gießen. Zum anderen kom­men keine neue Pflanzen (Unkraut) her­vor. Die Natur ist bestrebt, ihre Erde nicht nackt zu hal­ten, deswe­gen lässt sie über­all, wo nur Erde ist, etwas wach­sen. Das Gießen sollte man nicht übertreiben. Zu viel Wass­er ver­wässert den Geschmack der Tomat­en und schädigt die Vital­ität der Pflanzen. Wenn man gießt, ist es von Vorteil, kein kaltes Wass­er zu ver­wen­den und am besten mor­gens seine Pflanzen zu bewässern. Niemals in praller Sonne mit­tags! Und wenn du unsich­er bist, steck ein­fach mal den Fin­ger in die Erde. Ist es zu trock­en? Dann hat die Pflanze Durst. Die Bestäubung der gel­ben Blüten erfol­gt bei Tomat­en über Wind. Tomat­en sind Selb­st­be­fruchter.

Tomatenpflanze Gelbe Bluete

Welche Krankheit­sanze­ichen treten schon mal häu­figer auf und was muss ich dann tun?

Tomat­en erkranken schnell an Pilzkrankheit­en, vor allem wenn sie zu viel Laub haben, der Wind nicht durchziehen kann und/oder ihre Blät­ter zu viel Nässe abgekom­men haben. Also: Sie mögen gerne Wass­er, aber bitte nur zu den Füßen. Befal­l­ene Blät­ter soll­ten ent­fer­nt wer­den. Das regelmäßige Aus­geizen beugt also auch Krankheit­en vor. Es ist außer­dem rat­sam, seinen Kartof­fe­lan­bau nicht in der Nähe der Tomat­en zu betreiben. Eine Kraut- und Braun-Fäule springt gerne schnell von den Kartof­feln zu den Tomat­en über. Hat die Tomaten­frucht unten eine braune harte Stelle, kön­nte es die Blüte­nend­fäule sein. Das ist eine Stof­fwech­sel­erkrankung, dessen Ursache oft Kalz­i­um­man­gel ist oder eine zu hohe Luft­feuchtigkeit. Eine regelmäßige Bewässerung und ein organ­is­ch­er Dünger kön­nen Abhil­fe schaf­fen. Dann gibt es noch den Fall, dass Tomaten­früchte so gel­bliche Kra­gen bekom­men. Das kön­nte an zu viel Sonne liegen oder auch ein Kali­um­man­gel bzw. ein Über­schuss an Stick­stoff sein. Wenn Tomat­en auf­platzen, liegt es meist an einem schnellen Wet­terum­schwung. Im Regelfall bleibt man aber von vie­len Krankheits­bildern ver­schont und hat Freude am Toma­te­nan­bau.

Die richtige Pflege von Tomat­en zeigt Jen auch auf Youtube:

Ab wann kann eigentlich geern­tet wer­den? 

Erste Ern­ten, je nach Sorte und Anbaumeth­ode, kann man im Juli erwarten. Das Ern­te­fen­ster erstreckt sich, je nach Wohn- und Wet­ter­lange, manch­es mal sog­ar bis in den Novem­ber und Dezem­ber. Die Früchte soll­ten ihre Farbe erre­icht haben (manche sind ja grün, gelb, orange …) und sich ganz leicht ein­drück­en lassen – dann sind sie ern­tereif. Grund­sät­zlich gilt, lieber länger an der Pflanze lassen und erst bei Bedarf (und Reife) ern­ten. Das Ern­te­fen­ster von Tomat­en geht über viele Wochen. Dabei macht es dur­chaus Sinn, sich seine Lieblingssorten zu markieren. Falls sich die Tomaten­frucht nicht sehr leicht von der Pflanze ent­fer­nen lässt, sollte man unbe­d­ingt eine saubere Schere ver­wen­den. Wird die Pflanze ver­let­zt, ist das eine schnelle Ein­trittsquelle für Krankheit­en. Tomat­en kön­nen übri­gens auch nachreifen. Dazu brauchen sie einen war­men Platz im Haus, alle Früchte wer­den nebeneinan­der gelagert und alle ein zwei Tage kon­trol­liert. Dabei wer­den welche mit faulen Stellen direkt aus­sortiert. Sollen sie schneller nachreifen, kann man einen Apfel dazule­gen. Der fördert mit seinem Acetylen das Nachreifen der Früchte.

Tomaten Pflanzen

Wie kann ich eine Ernte ver­längern? Was mache ich mit zu viel Ernte?

Grund­sät­zlich kön­nte eine Tomatenpflanze auch zwei oder mehrere Jahre wach­sen. Meist schafft sie das aber nicht, weil das Licht fehlt. Manch­mal raf­fen sie im Spätherb­st auch irgendwelche Krankheit­en nieder. Man kann ein­fach ver­schiedene Sorten pflanzen und ver­längert somit auch sein Anbau- bzw. Ern­te­fen­ster. Die Flaschen­to­mate „San Marzano“ beispiel­sweise hat in unserem Garten am läng­sten Tomat­en. Da heißt, es aus­pro­bieren und jedes Jahr immer ein wenig mehr auf die eige­nen Bedürfnisse und den Stan­dort anpassen. Hat man zu viel Ernte – geht das über­haupt? – kann man die Tomat­en einkochen, Ketchup machen oder was wir auch gerne machen: Trock­nen. Wir trock­nen unsere Tomat­en sehr gerne und ver­wen­den sie den ganzen Win­ter über. Auf unserem Youtubekanal haben wir auch zwei Videos über das Einkochen von unser­er Tomaten­ernte veröf­fentlicht. Ein­fach mal vor­beis­chauen und sich inspiri­eren lassen. Es gibt noch viele weit­ere Ideen über die Kon­servierung von Tomat­en. Ganz spek­takulär ist die Anfer­ti­gung von Tomaten­marme­lade, klingt komisch, schmeckt aber gut. Oder anders: Entwed­er man mag sie sehr gern oder gar nicht.

Okay let­zte Frage: Wie nehme ich eigentlich sel­ber Saatgut? 

Das ist gar nicht so schw­er. Zu Beginn am besten darauf acht­en, dass man samen­festes Saatgut hat und keine soge­nan­nten F1-Pflanzen. Bei samen­festem Saatgut kann man das Saatgut nehmen und erhält (wenn nicht eine Hum­mel kreuz und quer geflo­gen ist) die gle­iche Tomaten­qual­ität. Und die Pflanze passt sich über die Jahre den eige­nen Stan­dortbe­din­gun­gen bess­er an. Man nehme das Saatgut ein­er beson­ders schö­nen Tomaten­frucht im reifen Zus­tand und löst vor­sichtig das flüs­sige, gelier­ar­tige Frucht­fleisch aus der Tomate und versenkt es in einem Glas Wass­er. Hier lösen sich in der Regel die Samen und man kann sie nach ein paar Stunden oder ein bis zwei Tagen gut ent­nehmen. Wir spülen die gern ein­fach noch mit einem Sieb und lassen sie dann auf einem Teller oder einem Tuch trock­nen. Sind die Samen kom­plett durchgetrock­net, heißt es dann in Papiertütchen abfüllen und unbe­d­ingt gut beschriften, sowie kühl und trock­en lagern.

Tomaten Pflanzen

Vie­len Dank liebe Jen für das Inter­view!

Wir wün­schen viel Freude beim Gärt­nern und jede Menge Spaß beim Tomat­en anbauen! Vor allem das Ver­speisen der bun­ten und leck­eren Tomat­en ist ein wahres Fest im Som­mer! Die eige­nen Tomat­en schmeck­en eben immer am besten!

Einrichten mit gutem Gewissen: Holzmöbel mit FSC-Siegel

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„Holz ist ein einsilbiges Wort, aber dahinter verbirgt sich eine Welt der Märchen und Wunder.”
Theodor Heuß

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