Schrebergärten sind wieder Trend!

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Schrebergärten standen viele Jahre lang ganz weit oben auf der Spießer-Skala: Sie galten als der Ort, an dem schlecht gelaunte Rentner ihren Rasen mit der Nagelschere schneiden, alles voller Gartenzwerge steht und akkurat gestutzte Hecken das Aushängeschild sind. Doch langsam aber sicher erholen sich Kleingärten von ihrem verstaubten Image und mausern sich sogar zum richtigen Trend. Immer mehr junge Städter sehnen sich nach einem eigenen Fleckchen Grün zum Ausspannen und träumen von frischem, selbst angebautem Obst und Gemüse. Eine von ihnen ist die Hamburger Architektin Marie: Ein paar Fahrradminuten von ihrem Zuhause entfernt hat sie eine eigene Parzelle angemietet und sich ein Stück Natur in ihren Alltag geholt. Über ihr neu gewonnenes Gartenglück bloggt die Hamburgerin als Frau Meise und möchte andere dazu ermutigen, sich ebenfalls für das Gärtnern zu begeistern. Als Gastbloggerin erzählt sie uns heute, wie sie aus ihrer Laube ihren Traum vom eigenen Garten verwirklicht hat.

Schrebergarten Trend
© Ulrike Schacht / Callwey / Garden Girls

Der Schrebergarten im Wandel

Ich gebe zu: vor einigen Jahren war das Image von Kleingärten wirklich sehr verstaubt. Auch als mein Freund und ich vor fünf Jahren – eher durch Zufall – an unsere Parzelle gerieten, wurden wir manchmal ziemlich schräg angesehen, wenn wir uns als Kleingärtner outeten. Doch in den Kolonien vollzieht sich langsam aber sicher ein Wandel. Spießig akkurate Parzellen werden zu naturnahen Biogärten. Hier dürfen die Pflanzen üppig wachsen, es tummeln sich Bienen und Hummeln, Stadtkinder können frei herumtollen und nebenbei lernen, was Natur ist und woher unsere Lebensmittel eigentlich kommen. Fast alle Generationen sind hier vertreten: Kinder erleben kleine Abenteuer, junge Erwachsene wühlen in der Erde, Eltern entspannen und die älteren, erfahrenen Schrebergärtner stehen mit Rat und Tat zur Seite.

Schreibergarten Laune Parzelle

Vom Stadtmensch zum Garden Girl

„Früher hätten wir nie gedacht, dass wir einmal einen Schrebergarten haben würden und heute können wir uns unser Leben gar nicht mehr ohne vorstellen!”

Wie bereits erwähnt: Es war eher Zufall, dass wir dann vor fünf Jahren Schrebergärtner wurden. Wir sahen uns recht halbherzig ein paar Kolonien an, ohne dass es konkret wurde. Für besonders beliebte Gärten gab es schon damals lange Wartelisten und andere Vereine schreckten uns eher ab, so dass wir zunächst nicht wirklich überzeugt waren. Dann fragte unser Nachbar aus heiterem Himmel, ob wir nicht Lust hätten, uns einen Sommer lang um seinen Garten zu kümmern. Natürlich sagten wir zu! In diesem Sommer lernten wir die Kolonie und die Nachbarn kennen und wussten, dass wir uns hier wohlfühlen würden.

Schrebergarten Mieten

Ein halbes Jahr später erfuhren wir, dass die Parzelle gleich nebenan frei wurde und wir stellten uns direkt als Interessenten beim Vorstand vor. Da zu dieser Zeit die Nachfrage noch nicht so hoch war und der Verein nach jungem motiviertem Nachwuchs für die Kolonie Ausschau hielt, waren wir dann ein paar Monate später richtige Schrebergärtner!

Schritt für Schritt in Richtung Traumgarten

Den Garten und die Laube haben wir über die Jahre komplett umgekrempelt: Aus einer typisch langweiligen Parzelle, bestehend aus Rasenflächen und Friedhofsgewächsen, wurde unser kleines grünes Paradies, mit einem großen Gemüsegarten, einer Obst- und einer Blumenwiese.

Pazelle Kleingarten

Die ehemals schnöde, teilweise verrottete Hütte haben wir zu einer gemütlichen Laube im nordischen Stil umgebaut. Dafür haben wir das alte Dach abgerissen – das undicht war und sogar einen Marder beherbergte – und ein neues Satteldach gebaut, unter dem sogar eine kleine Schlafkammer entstanden ist. Die Wände, den Fußboden und die Innenverkleidungen mussten wir entweder erneuern oder reparieren. Wir bekamen passender Weise altes Baumaterial wie Kanthölzer, Fenster, Dachpfannen und Bretter von einem Hausumbau geschenkt und konnten alles wieder verwenden.

Interior Gartenhaus Kueche
Gartenlaube

Wenn es mich wegen des Hamburger Schmuddelwetters nicht gerade in die Laube zieht, bin ich am liebsten in meinem Gemüsegarten. Es macht großen Spaß, zu erleben, dass all die Arbeit, die man investiert, sofort sichtbar wird und man als Lohn schmackhafte Köstlichkeiten erhält. Ich  liebe es, die eigene Ernte haltbar zu machen, ob als Marmelade, Apfelchips oder Sauerkraut.

Gartenernte Tomaten
„Ich versuche, alles im Garten zu belassen und wieder zu verwenden. ”

All meine Vorstellungen von einem biologischen, nachhaltigen und naturnahen Garten kann ich hier in die Tat umsetzen: So dient das Laub im Herbst zum Beispiel als Mulchdecke auf den Beeten oder unter Büschen, Baumschnitt wird gehäckselt und auf den Wegen im Gemüsebeet verteilt, das Regenwasser sammeln wir und nutzen es für unser automatisches und pumpenloses Beet-Bewässerungssystem. Alle pflanzlichen Abfälle kommen auf den Komposthaufen, um später als Nährstoffe wieder auf die Beete gebracht zu werden.

Gartenhaus Schrebergarten

Es ist eine richtige Gartengemeinschaft entstanden

Anders als zu den Anfängen, in denen wir noch die jüngsten Gärtner in der Kolonie waren, sind die Parzellen rund um unseren Garten inzwischen an Freunde und junge Leute vergeben. Wir tauschen Samen und Pflanzen, helfen uns gegenseitig mit Ratschlägen und Werkzeug aus. Zwischendurch treffen wir uns zu einer Kaffeepause oder sitzen abends gemeinsam am Feuer und lassen bei einem Bier den Tag ausklingen.

Kleingarten Gartenhaus
„Schrebergärten können auch ganz anders aussehen als der allgemein bekannte Schrebergarten-Stereotyp. ”

Sie können ein Lebensraum für Tiere, Pflanzen und auch uns sein. Hier kann jeder das machen, woran er Spaß hat: gärtnern, werkeln, entspannen oder grillen. Allerdings sind ein paar Regeln zu beachten, die die Kleingarten-Ordnung vorschreibt: wie zum Beispiel die Heckenhöhe, Ruhezeiten und Gemeinschaftsarbeiten. Das nimmt man für ein eigenes Fleckchen Grün inmitten der Stadt aber eigentlich gerne in Kauf!

Gartenlaube Schrebergarten

Jedes Mal, wenn ich am Wochenende oder nach der Arbeit in den Garten fahre, schalte ich ab, sobald ich durch die Gartenpforte gehe. Beruflicher Stress und Alltagssorgen sind dann weit weg. Die Zeit im Grünen fühlt sich fast wie Urlaub an. Gleichzeitig liebe ich auch das Stadtleben und genieße es, mit unserem Kleingarten beides vereinen zu können.

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