Naturnahe Waldnutzung: Eine Liebeserklärung an den Wald

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Es ist früh, die Sonne kämpft sich gerade erst durch die Nebelschwaden. Dennoch stapfen wir mit rund 30 Leuten – ganz brav in Zweierreihen – durch den Lübecker Stadtwald. Wir atmen die taufrische Morgenluft. Es ist nichts zu hören, außer Vogelgezwitscher und dem Knacken des Waldbodens unter unseren Füßen.

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Wir – das sind überwiegend forstliche Fachleute, die sich für das Beforstungskonzept des Lübecker Waldes interessieren, Anja Dillenburg, Bereichsleiterin der Corporate Responsibility-Abteilung bei OTTO, Dr. Lutz Fähser, einer der Hauptinitiatoren des Konzepts, und ich.

Damit wir den Wald vor lauter Bäumen auch sehen, begleiten uns der Betriebsleiter des Stadtwaldes Lübeck Knut Sturm und vier seiner Kollegen aus den umliegenden Forstwirtschaften.

Wie wir alle zusammen gefunden haben, um uns früh morgens im Wald zu treffen, fragt ihr euch nun sicherlich?

Tja, das ist ganz einfach: Die Otto Group ist seit 10 Jahren Mitglied des FSC ® Deutschland und hatte im Juni diesen Jahres aus diesem Anlass nach Hamburg eingeladen, um eine Diskussionsplattform zur Abstimmung des neuen deutschen FSC®-Waldstandards zu bieten. Ziel der Otto Group ist es, bis zum Jahr 2020 ausschließlich zertifizierte Massivholz-Möbel und bis 2025 ausschließlich FSC®-Möbel anzubieten und dadurch einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Naturschutz zu leisten. Noch mehr Informationen zu den FSC®-Standards und einer nachhaltigen Forstwirtschaft gibt es hier.

Wenn ihr nun auf den Geschmack gekommen seid: Ganz leicht auffindbar und garantiert FSC-zertifiziert sind die Möbel in unserem nachhaltigen Haus. Die neue Wohnungseinrichtung wird so ganz schnell zu einem nachhaltigen Hingucker.

Zurück zum Lübecker Stadtwald

Dieser ist nicht nur FSC®-zertifiziert – vielmehr stellen Dr. Lutz Fähser und alle Mitwirkenden das Wohl der Natur in den Mittelpunkt.

Wusstet ihr, dass Bäume über ein unterirdisches Netzwerk aus eigenen Wurzeln verfügen und mithilfe von Pilzen verbunden sind? Und so sogar miteinander Informationen, aber auch Wasser und Nährstoffe austauschen können? Die Verbindung könnt ihr euch so ähnlich vorstellen, wie die Übertragung von Informationen aus dem Internet via Glasfaserkabel.*

Wir stapfen immer tiefer in den Wald, um dem Geheimnis des in Fachkreisen kontrovers diskutierten Beforstungsmodells aus Lübeck auf die Spur zu kommen.

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Lehrstunde im Klassenzimmer Wald

Forstfachleute aus ganz Deutschland haben hier die Möglichkeit, alle Fragen zum Lübecker Modell zu stellen. Wie viel Ertrag bringt diese Bewirtschaftung wirklich? Was zeichnet das Lübecker Modell aus? Was sind die Vorteile und gibt es auch Nachteile?

Ich habe die wichtigsten Punkte des speziellen Vorgehens einmal für euch zusammengefasst:

Was ist das Besondere am Lübecker Modell?

  • Es gibt keine Kahlschläge.
  • Keine Verwendung von Giftstoffen und Dünger im Wald. Auch Mineraldünger, Gülle und Klärschlamm sind verboten. Spaziergänger im Lübecker Stadtwald können also ohne Bedenken einmal kräftig durchatmen und bekommen Waldluft pur.
  • Schaffung von Referenzflächen: 10 Prozent der Fläche des Lübecker Stadtwalds sind ausgewiesene Referenzflächen. Hier wird natürliche Waldentwicklung sichtbar, weil – mit Ausnahme des Jagens – keine Eingriffe in das natürliche Waldwachstum vorgenommen werden. So kann die natürliche Entwicklung beobachtet und dokumentiert werden.
  • Keine Monokulturen! Ihr seht rechts im Bild eine von Menschen angelegte Monokultur. Links im Bild beginnt die „unberührte“ Referenzfläche. Ist der Unterschied nicht erschreckend?

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  • Unterstützung des Wachstums heimischer Baumarten (vor allem Buchen) und gleichzeitig eine Vermeidung der Ansiedlung von nicht-heimischen Baumarten.
  • Kein Bearbeiten oder Verdichten des Mineralbodens, damit sich die Bäume im lockeren Erdreich tief und fest verwurzeln können. So sind sie bestens gegen starke Stürme gerüstet. Bei einer Verdichtung des Waldbodens bleibt den Baumwurzeln oft nichts anderes übrig, als nah an der Oberfläche in die Breite zu wachsen. Dadurch sind sie schnell windanfällig.
  • Kein Entwässern von Feuchtgebieten – so bleiben natürliche Wasserspeicher im Wald erhalten.

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Grün in Grün: Ein Waldsee im Lübecker Stadtwald dient als natürlicher Wasserspeicher.

  • Keine Wildtier-Fütterung. Die Natur wird so gut es geht sich selbst überlassen.
  • Keine Nutzung von Großmaschinen: Auch beim Abtransport der geernteten Bäume dürfen Schlepper nur alle 40 bis 50 Meter an vorher bestimmten Stellen in den Wald hinein fahren. Zwischen den Rückegassen wird das Holz mit Pferden transportiert – das schont den Waldboden noch einmal mehr.
  • Erhaltung von Biotopbäumen: Das sind meist sehr alte und dicke Bäume, die z.B. durch Höhlen im Baumstamm vielen kleinen Waldbewohnern eine Heimat bieten. Durch ihre Erhaltung wird wertvoller Lebensraum geschützt, der das Ökosystem Wald ausmacht. Auch Totholz wird nicht entfernt und trägt somit zu einer ausgewogenen Waldlandschaft bei.

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Totholz im Lübecker Stadtwald (Referenzfläche)

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Alter Baumstumpf mit Moosen und Pilzen im Lübecker Stadtwald (Wirtschaftswald)

Noch mehr Informationen zur naturnahen Waldwirtschaft im Lübecker Stadtwald bekommt ihr in diesem Video:

So viel frische Luft macht hungrig

Ganz rustikal öffnen unsere Begleiter den Kofferraum ihres Wagens. Der Geruch frischen Brotes steigt uns in die Nase, während uns allerhand regionale Produkte präsentiert werden. Ich sehe es auch in den Gesichtern der anderen Teilnehmer: Das ist eine Brotzeit ganz nach unserem Geschmack.

Gestärkt spazieren wir noch weiter durch den Wald. Nachdem wir uns sowohl von der Referenzfläche, als auch vom Wirtschaftswald ein umfassendes Bild machen konnten, verabschieden wir uns von Knut Sturm und seinem Team. Danke für den schönen Tag!

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Ein ganzer Tag an der frischen Luft und so nah an der Natur macht nachdenklich …

… und tut so gut.

Mir ist klar geworden, dass unser Wald Hilfe braucht. Durch jahrhundertelange Bewirtschaftung haben wir Menschen großen Einfluss auf die Strukturen des empfindlichen Systems Wald genommen. Aber auch Stürme tragen ihren Teil dazu bei.

Ein Kauf. Ein Baum. Ein Wald. Ein Erfolg!

 

Im Jahr 1999 zog der Sturm „Anatol“ über die Insel Amrum und zerstörte über 200 Hektar Wald. Am 28. Oktober 2013 folgte Sturm „Christian“ und verwüstete noch mehr des ohnehin schon angeschlagenen Inselwaldes. Gerade für die Inseln, die dem stetigen Treiben der Wellen ausgeliefert sind, dient ein gesunder Wald als „Anker“ und Erosionsschutz. Hier könnt ihr lesen, wie Christiane von „Clouds & Honey“ diesen Tag erlebt hat.

Mit der OTTO-Aktion „Ein Kauf. Ein Baum. Ein Wald“ wird genau an dieser Stelle angesetzt: Jedes Jahr im Aktionszeitraum pflanzt OTTO zusammen mit seinem Partner Bergwaldprojekt e.V. und den unzähligen freiwilligen Helfern für jedes verkaufte FSC ®-zertifizierte Massivholzmöbelstück einen Baum auf Amrum.

Seit Prokjektbeginn sind bereits 60 Prozent des zerstörten Waldes durch heimische Laubbäume wiederhergestellt worden – das sind 125 Hektar! Bis 2020 soll der gesamte „Waldumbau“ abgeschlossen sein.

Also: Ihr kauft FSC ®-zertifizierte Möbel und OTTO pflanzt!

* Noch mehr spannende Einblicke zum Verhalten von Bäumen und Wäldern liefert der Bestseller „Das geheime Leben der Bäume“ von Peter Wohlleben. Ich habe das Buch an einem Wochenende verschlungen und gehe nun wirklich mit anderen Augen (und Ohren) durch den Wald.

Mein Plädoyer für einen reflektierten Konsum

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Neulich war ich seit langer Zeit mal wieder beim Einkaufen. Was für viele Menschen ein Hobby und Vergnügen darstellt, ist für mich nichts anderes als anstrengend. Einkaufszentren sind überfüllt: egal, ob die Sonne scheint oder es in Strömen regnet. Hier wird fleißig konsumiert und es scheint ein Wettbewerb zu herrschen: nämlich, wer die meisten Einkaufstüten tragen kann. Mehrere Paar Schuhe, T-Shirts, Sweatshirts, Jeans. Eine neue Handtasche, der zehnte Bikini und die fünfte Sonnenbrille. Nach dem Shoppingtrip wird dann Kaffee oder ein übersüßter Smoothie getrunken, Pizza, Döner und Eis in sich hineingestopft. Qualität ist etwas anderes, denke ich. Im Verlauf des…

Moin, ich bin Marie. Waschechte Hamburgerin und nordisch by nature. Hier bei OTTO halte ich für re:BLOG Ausschau nach spannenden Ideen und Menschen, coolen Eco-Outfits und berichte für euch von...

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