Nachhaltig Bauen mit ökologischen Dämmstoffen

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Egal, ob du ein Tiny House planst, du vorhast, einen Schiffscontainer zum Wohnraum umzubauen oder ob du ganz klassisch ein neues Häuschen bauen willst, eine Frage taucht früher oder später immer auf: Wie kannst du dein Bauprojekt so dämmen, dass möglichst wenig Energie, sprich Wärme, verloren geht und gleichzeitig die Vorgaben und Ziele der Energiesparverordnung (kurz EnEv) erfüllt werden? Viele mit so einem Bauvorhaben beschäftigen sich deshalb vorab intensiv mit verschiedensten Dämmmaterialien. Bei der Recherche stoßen sie dann auch oft auf ökologische und nachhaltige Dämmstoffe.

Aber ist jeder ökologische Dämmstoff auch nachhaltig?

Um das zu überprüfen, sollte man unbedingt auch das Herstellungsverfahren näher betrachten: Wie hoch ist der energetische Aufwand, um einen ökologischen Dämmstoff zu produzieren? Wie viel Wasser wird dafür benötigt? Gibt es einen regionalen Hersteller oder muss das Material weite Transportwege zurücklegen? Wie schnell wächst der verwendete Rohstoff nach?
Neben dem Nachhaltigkeitsaspekt sollte gleichzeitig auch überprüft werden, wie hoch die Wärmeleitfähigkeit ist, wie dick die Dämmung aufgebracht werden müsste und welche Baustoffklasse (Entflammbarkeit) der Dämmstoff hat, um die Energieeinsparverordnung zu erfüllen.

Daemmung Stoffe

Auch die Form des Materials ist entscheidend. Also wie wird es geliefert und eingebaut: Als Rolle, Platten, Matten oder als Schüttgut?

„Nicht jeder Ökodämmstoff passt zum jeweiligen Bauvorhaben!”

Man erahnt es bereits: Der Vergleich und die Auswahl sind gar nicht so einfach, deshalb wollen wir eine kleine Übersicht geben, was der Markt an nachhaltigen Dämmstoffen und Materialien aktuell so hergibt.

Welche verschiedenen ökologischen Dämmstoffe gibt es?

Grundsätzlich lassen sich ökologische Dämmstoffe in drei Gruppen einteilen. Eine Gruppe besteht aus nachwachsenden Rohstoffen, wie z. B. Flachs, Hanf, Pflanzenfasern und Kork. Eine andere aus Naturmaterialien, wie z. B. Perlite und Blähton. Und die letzte Gruppe sind Dämmstoffe aus recycelten Grundstoffen, z. B. Papier, Pappe und recyceltes Kork.

Korkeiche
Die Korkernte ist ein traditionsreiches Handwerk.

Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen

Flachs (Lein)

Die Kurzfasern der Pflanze werden mechanisch verfilzt und zu Platten verarbeitet. Kartoffelstärke dient als Kleber zwischen den Fasern.

Leinen Flachs Daemmung

Pro:

  • Abfallprodukt aus Leinengewinnung
  • Guter Dämm- und Schallschutz
  • Resistent gegen Fäulnis und Insektenbefall
  • Feuchtigkeitsregulierend
  • Herstellung meist in Westeuropa
  • relativ geringer Energieverbrauch bei der Herstellung

Kontra:

  • Nur Baustoffklasse B2 (d.h. es ist normal entflammbar)
  • Nicht für Außendämmung geeignet

Hanf

Hanfdämmung wird aus Fasern und Stroh der Hanfpflanze hergestellt.

Daemmmaterial Hanf

Pro:

  • Feuchtigkeitsbeständig und fäulnisresistent
  • Anbau weitestgehend in Deutschland
  • Staubt nur wenig bei der Verarbeitung
  • Guter Dämm- und Schallschutz
  • Wächst schnell nach
  • Gute CO2-Bilanz

Kontra:

  • Zum Teil wird Polyester zur Stabilität der Dämmplatte genutzt
  • Begrenzter Anwendungsbereich
  • Zusatz von Borsalzen für die Erreichung der Brandschutzklasse B2

Kork

Die Korkrinde wird zu Granulat verarbeitet und mit Druck und unter Verwendung ihrer natürlichen Harze zu Blöcken bzw. Platten gepresst.

Kork Material

Pro:

  • Keine Zusatzstoffe zur Bindung und für Brandschutz
  • Vielseitige Verwendung, u. a. auch als Bodenbelag
  • Leicht und elastisch
  • Speichert gut Feuchtigkeit

Kontra:

  • Lange Transportwege
  • Zum Teil starker Eigengeruch

Dämmstoffe aus natürlichen mineralischen Rohstoffen

Blähton

Abgebauter Ton wird zu Granulat verarbeitet und erhitzt. Durch die Verbrennung bläht sich der Ton auf das Fünffache seines ursprünglichen Volumens aus.

Pro:

  • Guter Schall-, Brand- und Hitzeschutz
  • Beständig gegen Feuchtigkeit und Frost

Kontra:

  • Der Ton, der zur Herstellung benötigt wird, ist in Deutschland nur noch begrenzt vorhanden
  • Begrenzter Anwendungsbereich und nur als Schüttung z. B. in Zwischendecken verwendbar

Ein verwandter Rohstoff ist Perlit, ein Gestein vulkanischen Ursprungs, welches ähnlich wie Blähton zu Dämmstoff verarbeitet wird.

 

Dämmstoffe aus recycelten Grundstoffen

Holzfaser

Aus gefasertem Rest- bzw. Altholz und Wasser wird ein Brei hergestellt. Dieser wird getrocknet oder gepresst und es entstehen Holzfaserdämmplatten.

Holzfaser Platte

Pro:

  • Keine Zugabe von chemischen Bindemitteln bei der Herstellung
  • Mittlere bis gute Dämmwirkung
  • Rohstoff aus heimischen Wäldern, keine langen Transportwege
  • Fast überall einsetzbar

Kontra:

  • Relativ hoher Preis
  • Brandschutzklasse B2, zum Teil wird bei der Herstellung Ammoniumsulfat zur Verbesserung der Brandschutzeigenschaften verwendet

Zellulose

Aus zerfasertem Altpapier werden Zelluloseflocken hergestellt. Diese können als Schüttdämmung verwendet werden, aber auch unter Zuführung von Wasserdampf zu Platten verarbeitet werden.

Altpapier Platten

Pro:

  • Herstellung aus recyceltem Material
  • Kurze Transportwege
  • Sehr gute Dämmeigenschaften
  • vielseitig einsetzbar
  • Konkurrenzfähig zu konventionellen Dämmstoffen, wie z. B. Mineralwolle, bezüglich Preis und Wirtschaftlichkeit

Kontra:

  • Zugabe von Borsalz zur Verbesserung der Brandschutzeigenschaften

Auch aus recycelten Jutesäcken und Flaschenkorken werden mittlerweile Dämmstoffe hergestellt.

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So, wir hoffen, wir konnten dir einen groben Überblick über nachhaltige und ökologische Dämmstoffe verschaffen und es war nicht zu trocken und theoretisch. Wenn du also demnächst ein Bauprojekt startest und noch nicht schlüssig bist, welches Dämmmaterial dafür in Frage kommt, kannst du anhand der genannten Vor- und Nachteile eine Entscheidung treffen. Du musst ja nicht zwangsläufig nur einen Dämmstoff verwenden, sondern kannst auch, je nach Bauvorhaben, „mixen“. Egal wofür du dich entscheidest, nachhaltige und ökologische Dämmstoffe sind immer die bessere und klügere Alternative.

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Wir sind Sig und Sven und schreiben seit 2009 auf unserem Blog wohn-blogger.de über nachhaltige und alternative Wohnkonzepte gemixt mit DIY- und Upcycling-Ideen. Tiny Houses, umgebaute Schiffscontainer und Earthships haben...

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Letzte Kommentare (1)

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Helga
Dienstag, 15. Januar 2019, 5:46 Uhr

Herzlichen Danke für so eine große Übersicht von Dämmstoffen! Wir lassen uns ein umweltfreundliches Haus errichten, damit es auch Spaß im Weiteren den Kindern bringt. Die Hanfdämmung könnte ja keine schlechte Lösung in unserem Fall sein. Dank ihrer Feuchtigkeitsbeständig wird dann vielleicht die Dampfbremsfolie überflüssig? Danke im Voraus! Tolle Ideen!