Trag mich nach Hause: Tütentipps

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Vom Super­markt bis in unsere Woh­nung tra­gen wir die Plas­tik­beu­tel mit unseren neuesten Errun­gen­schaften in der Regel. Genau für diese weni­gen Meter sind sie auch gemacht, im Schnitt ist eine Plas­tik­tüte 25 Minuten in Gebrauch. Ganz schön unver­hält­nis­mäßig, zumal die meis­ten Tüten aus fos­silem Rohöl hergestellt wer­den und das ist nun ein­mal eine endliche Ressource. Also gilt es, möglichst viel Plas­tik im All­t­ag zu ver­mei­den.

In der EU wer­den im Schnitt 200 Plas­tik­tüten pro Per­son jährlich über den Laden­tisch gere­icht, so die Ein­schätzung des Umwelt­bun­de­samts. Green­peace schätzt die Zahl sog­ar auf 500 Stück. Deutsch­land gehört mit Ital­ien, Spanien und Großbri­tan­nien zu den Spitzen­re­it­ern beim Ver­brauch in Europa.

Das soll sich nun ändern: Seit 1. April dieses Jahres sind wesentlich mehr Plas­tik­tüten im Einzel­han­del kostenpflichtig. Damit soll der Ver­brauch in der EU stark zurück­ge­hen, so der Plan; bis 2020 sollen nur noch halb so viele Plas­tik­tüten ver­wen­det wer­den wie 2010.

Wer sich dank Jutebeutel- und Papiertütenge­brauch nicht ange­sprochen fühlt, dem sei gesagt: Auch hier gibt es einiges zu opti­mieren. Los geht´s mit unseren Tütentipps.

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Foto­lia © Peter Atkins

Klassiker und gleichzeitig bad guy unter den Plastiktüten: Die Einwegplastiktüte

Keine Über­raschung, aber trotz­dem einen kleinen Reminder wert: Die meis­ten han­del­süblichen Plas­tik­tüten wer­den aus Poly­ethylen hergestellt. Wenn so eine Plas­tik­tüte nicht recycelt wird, dauert ihr Abbau 100 bis 500 Jahre. Das geht wed­er mit einem nach­halti­gen Lebensstil kon­form, noch ist es als Notlö­sung gut. Ger­ade im Einzel­han­del bekommt man den Klas­sik­er in Tüten­form meist unge­fragt aus­ge­händigt, mit großen Logo­druck­en läuft man so näm­lich als kosten­los­es Wer­be­plakat durch die Fußgänger­zone. Ich habe mir angewöh­nt, keine kosten­losen Tüten anzunehmen. Das meiste bekommt man ja immer irgend­wie anders unter.

Die vermeintliche Öko-Alternative: „abbaubare“ Plastiktüten

Öko ist Trend. Super­märk­te sprin­gen gerne auf den Zug auf und bieten oft Tüten mit dem Auf­druck „100 % kom­postier­bar“ als Alter­na­tive zur Stan­dard­tüte an. Ich muss zugeben, dass ich diese Tütchen auch schon ein paar Mal – ohne groß darü­ber nachzu­denken – gekauft habe. Tat­säch­lich sind sie die schlecht­este Vari­ante der Ein­wegtüte, sozusagen der Wolf im Schaf­spelz. Denn sie beste­hen häu­fig zu Zwei­drit­teln aus Rohöl; der Anteil aus nachwach­senden Rohstof­fen beträgt also weit weniger als die Hälfte. Zusät­zlich hat sie einen wesentlich höheren Mate­ri­alaufwand als herkömm­liche Plas­tik­tüten. Bei ihrem Abbau wer­den wed­er Nährstoffe freige­set­zt, noch tra­gen sie zur Entste­hung von Humus bei.

Aepfel

Pix­abay © Hans

Die ja, aber-Variante: Tüten aus Papier

Die Papiertüte kommt oft im unschuldigen Umwelt­look daher, man sollte sich durch ihr nach­haltiges Äußeres aber nicht hin­ters Licht führen lassen. Die Pauscha­laus­sage „Papi­er ist bess­er als Plas­tik“ stimmt nicht ganz. Denn tat­säch­lich ist ein ganz schön hoher Mate­ri­alaufwand nötig, um die Papiertüte einiger­maßen reißfest zu machen. Daher wird laut NABU auch meis­tens nicht auf recyceltes Mate­r­i­al zurück­ge­grif­f­en, son­dern auf Frischefasern, die mit einem hohen Energie- und Wasser­aufwand und ver­schieden­sten Chemikalien hergestellt wer­den. Damit sich die Her­stel­lung ein­er Papiertüte mit Frischefasern lohnt, muss sie min­destens dreimal so häu­fig genutzt wer­den wie eine Einwegplastiktüte.

Die gute Jute: Der Stoffbeutel

Sie hat sich mit­tler­weile nicht nur in Großstädten als Pen­dant zur Hand­tasche durchge­set­zt. Ent­ge­gen der landläu­fi­gen Mei­n­ung ist allerd­ings auch der Jute­beu­tel nicht per se die nach­haltig­ste Vari­ante unter den Tüten. Damit ein Jute­beu­tel in sein­er Umwelt­bi­lanz bess­er abschnei­det als die schnöde Plas­tik­tüte, muss er näm­lich ganz schön oft wiederver­wen­det wer­den. Denn seine Her­stel­lung ist aufwendi­ger als die ein­er Plas­tik­tüte. Die Deutsche Umwelthil­fe gibt an, das ein Jute­beu­tel bis zu 83-mal wiederver­wen­det wer­den muss, bis er mit der Plas­tik­tüte ökol­o­gisch konkur­ri­eren kann. Und die meis­ten von uns haben ja mehr Jute­beu­tel daheim, als sie Hip­ster sein kön­nen. Abge­se­hen davon ist der Jute­sack aber in punc­to Abbau wieder der absolute Gewin­ner unter den Tragetaschen.

Jutebeutel

Pix­abay © Yulia24041989

Überraschung: Mehrweg-Tragetasche aus Kunststoff

Für die meis­ten bes­timmt über­raschend, zumin­d­est für mich: Die beste Öko­bi­lanz haben die kas­ten­för­mi­gen Mehrweg­taschen aus Kun­st­stoff. Laut der Deutschen Umwelthil­fe ist eine Mehrweg­trage­tasche aus Polypropy­len schon nach dreima­liger Benutzung ökol­o­gisch nach­haltiger als die ordinäre Ein­weg­plas­tik­tüte. Das liege unter anderem daran, dass viele der Taschen aus recycel­tem Mate­r­i­al wie PET-Flaschen hergestellt wer­den. Damit sind sie in der Pro­duk­tion wesentlich ressourcenscho­nen­der als Jute­beu­tel, bei denen Natur­fasern ver­wen­det werden.

Mein Faz­it? Die per­fek­te Tüte gibt es nicht. Wie so oft im nach­halti­gen Leben ist die beste Vari­ante, auf Beste­hen­des zurück­zu­greifen. Ich habe mich vor ein paar Jahren dazu entschlossen, keine Plas­tik­tüten in Läden mehr anzunehmen und das funk­tion­iert ziem­lich gut. Mein näch­stes Tüten­ziel heißt: keine Mülltüten mehr. Erstens ist es nicht wirk­lich kon­se­quent, Tüten zu benutzen, die nur für den Müll pro­duziert wer­den. Zweit­ens ist es auch absurd, Plas­tik­tüten im Super­markt zu kaufen und sie dann im Jute­beu­tel nach Hause zu tra­gen. Aber Mülleimer­auswaschen ist auch nicht richtig sexy. Wie macht ihr das denn? Freue mich über Tipps und halte euch tüten­mäßig auf dem Laufenden.

Titel­bild: Foto­lia © william87

Frühling per Fahrrad: Regional und saisonal angebaute Blumen

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Wenn man die Küche von Caroline Stephenson betritt, dann riecht man keine warme Suppe oder frisches Brot. Trotzdem duftet es überwältigend. Nach Rosen, Gerbera, Tulpen, Ranunkeln und vielen anderen umwerfenden Blumenarten. Diesen kleinen Großstadtdschungel darf Caroline ihren Arbeitsplatz nennen. 2013 in Berlin gelandet, arbeitete sie zuerst in einem großen Startup im Marketing. Es brauchte zwei Jahre, bis sie es wagte, ihre wahre Leidenschaft Botanik auch zu ihrem Beruf zu machen. Die Verwirklichung eines Traums: Eröffnung von Bloomage Daydream Inspiriert von David Bowies „Moonage Daydream“ nahm sich Caroline im Herbst 2015 ein Herz und gründete ihr eigenes Unternehmen. Bloomage Daydream liefert…

Moin, ich bin Jana und ich möchte nicht in einer Welt leben, in der es bald mehr Plastik im Ozean gibt als Fische. Genau diese schreckliche Prognose hat mich dazu...

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