Künstliche Zusatzstoffe – ein Aufklärungsversuch

| von 

Glucona-Delta-Lacton, Kaliumferrocyanid oder Polyvinylpolypyrrolidon. Namen, die nur Chemiker fehlerfrei aussprechen können, uns allen aber täglich begegnen. Zusatzstoffe. Sie bringen das Salz zum Rieseln, schwärzen die Oliven oder lassen die Rosinen im Müsli saftig bleiben. Doch wie gefährlich sind die E-Nummern in Lebensmitteln wirklich und auf was müssen wir beim Einkaufen achten?

Was Zusatzstoffe machen

Ein zartschmelzendes Eis, ein cremiger Joghurt und ein saftiges Brot. Wer sich schon mal selbst an die Zubereitung von Eis und Co gemacht hat, weiß, wie schwierig es ist, ein Produkt perfekt werden zu lassen. Dem Problem bedienen sich die Zusatzstoffe.
Zudem intensivieren sie den Geschmack. Natürliche Produkte können da gar nicht mehr mithalten. Eine selbstgemachte Erdbeermarmelade schmeckt auf einmal viel langweiliger als die aus dem Supermarktregal. Die Zusätze „helfen“ der Lebensmittelindustrie beim Herstellen, Abfüllen und Lagern der Produkte. Äpfel werden nicht braun, Soße im Glas nicht schlecht und die Ravioli in der Dose lösen sich nicht auf.

Marmelade selber kochen

Besonders gesund klingt das nicht, oder?!

Warum Zusatzstoffe nicht verboten sind

Generell gilt: nur in verarbeiteten Produkten sind Zusatzstoffe erlaubt, in unverarbeiteten Lebensmitteln sind sie verboten. In Deutschland werden Zusatzstoffe auf ihre Wirkung im Körper kontrolliert. Nur unbedenkliche Stoffe dürfen verwendet werden. Jedoch muss nicht jeder Zusatzstoff auf der Verpackung deklariert werden. Zurzeit sind in der EU 316 Zusatzstoffe als Lebensmittel mit einer E-Nummer zugelassen.

Was die E-Nummern bedeuten

Das E steht für Europa und meint, dass der Stoff kontrolliert und zugelassen wurde. Das heißt: Er ist gesundheitlich unbedenklich, technologisch notwendig, in der Anwendung nicht zur Täuschung des Verbrauchers führt und bestimmten Reinheitsgeboten entsprechen muss. Diese Zusatzstoff-Klassen gibt es:

  • E 100-199 : Farbstoffe
  • E 200-299: Konservierungsstoffe
  • E 300-399: Antioxidantien
  • E 400-499: Verdickungs- und Feuchthaltemittel
  • E 500-599: Säurungsmittel
  • E 600-699: Geschmacksverstärker
  • E 900-999: Süßstoffe

 

Da es über 300 verschiedene Stoffe gibt, empfiehlt es sich z.B. eine App zur schnellen Bestimmung der Nummern zu benutzen. Die aid-App „E-Nummern-Finder“ gibt es im iTunes Store und auch für alle Android-Geräte.

Zusatzstoffe in Bio-Lebensmitteln

In Bio-Lebensmitteln sind wesentlich weniger Zusatzstoffe zugelassen als in konventionellen Produkten. Farbstoffe, Süßstoffe, Stabilisatoren und Geschmacksverstärker sind vollständig verboten. Die EU-Richtlinien lassen jedoch deutlich mehr Stoffe zu, als die einzelnen Bio-Anbauverbände. In unserem Bio-Siegel-Guide findet ihr weitere Infos dazu.

Bio Lebensmittel Zusatzstoffe

Nicht alle Zusatzstoffe sind vegan

Tatsächlich sind viele Zusatzstoffe tierischen Ursprungs. Viele Stoffe benötigen in der Herstellung z.B. Fettsäuren, die aus Schweineschmalz oder Rindertalg stammen. Auch Bienenwachs, Karmin, Hühnereiweiß und Schellack sind typische tierische Zusatzstoffe.

Der Unterschied zwischen „Zutat“ und „Zusatzstoff“

Entscheidend ist die Tatsache, ob der Stoff zu technologischen Zwecken eingesetzt wird. Künstlich hergestellte Vitamine z.B. sind Zutaten, weil sie zur Nährwertverbesserung dienen. Ausnahme sind dabei jedoch Aminosäuren, Vitamin A und D, sowie Mineralstoffe. Die Grenze zwischen den Bezeichnungen ist fließend, entscheidend ist aber der Grund für den Einsatz.

Der Unterschied zwischen „Aroma“ und „natürliches Aroma“

Kekse Vanille Aroma

Ein typisches Beispiel ist das Vanillearoma. Vanillin kommt zwar in der Natur als Aroma vor, wird aber häufig als Aroma im Labor hergestellt. Steht allerdings natürliches Vanillearoma auf der Packung, so muss das Aroma aus der Natur kommen, jedoch kann es auch mit Hilfe von Zuckerrübenschnitzeln oder Nelkenöl intensiviert werden. Wird in einem Produkt zu 95 Prozent echte Vanille benutzt, so wird es ohne den Zusatz Aroma deklariert, sondern nur als Vanille auf der Packung zu finden sein.

Wie gesundheitsgefährdend Zusatzstoffe sind

Generell gilt: Was im Supermarkt verkauft wird, muss sich im Vorfeld in strengen Lebensmittelkontrollen beweisen. Wenn ein Produkt Stoffe enthält, die als ungesund gelten, dürfte es nicht verkauft werden. Jeder Zusatzstoff besitzt einen sogenannten ADI-Wert (acceptable daily intake), der die Menge angibt, die selbst bei lebenslangen, täglichem Verzehr nicht zu gesundheitlichen Schäden führen würde. Jedoch gibt es natürliche individuelle Reaktionen auf Zusatzstoffe. Sorbit, ein Süßungsmittel, führt bei vielen Menschen z.B. zu Durchfall. Die Farbstoffe „E 102“ und „E 122“ stehen im Verdacht bei Kindern Hyperaktivität auszulösen. Daher sollte man so gut wie möglich auf diese verzichten.

Zusatzstoffe in Getränken

Limonade selbstgemacht Rezept gesund

Ein Blick auf Süßgetränke verrät: Natürlich ist hier wahrscheinlich nur das Wasser. Farbe, Zucker und Geschmack kommen aus dem Labor. Doch auch hier gilt das Prinzip „quantum satis“. So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Gestritten wird sich vor allem bei dem Stoff „E 150“ Ammonik-Zuckerkulör, der anhand von Tierversuchen ab einer bestimmten Konzentration krebserregend sein kann.

Dann also Limonaden lieber selber machen. Wie z.B. unsere Ingwer-Limonade mit Minze!

 

Häufige Zusatzstoffe, die man meiden sollte

  • E210 Benzoesäure ist ein Konservierungsstoff, der vor allem Fisch- und Salatprodukte frisch bleiben lässt. Er steht im Verdacht Allergien wie Heuschnupfen auszulösen.
  • E 220 Schwefeldioxid ist ein Konservierungsstoff, den man vor allem in Weißweinen und Trockenfrüchten findet. Er steht im Verdacht Kopfschmerzen auszulösen.
  • E320 Butylhydroxyanisol ist Antioxidationsmittel, das z.B. in Kaugummi und Tütensuppen eingesetzt wird, um die Reaktion mit Sauerstoff zu verhindern. Jedoch kann es auch ein Allergieauslöser sein.
  • E 407 Carrageen ist ein Verdickungsmittel aus Algen, das z.B. Pudding und Milchgetränken Festigkeit verschafft, aber auch die Kaliumaufnahme verhindern kann.
  • E 450 Diphosphate dienen als Emulgatoren, Stabilsatoren oder regulieren die Säure in Keksen oder Backmischungen. In hohen Konzentrationen können sie jedoch auch die Aufnahme von Eisen, Magnesium und Calcium beeinträchtigen.
  • E 620 Glutaminsäure ist ein Geschmacksverstärker, der oft in Fertiggerichten enthalten ist und bei empfindlichen Personen Allergieauslöser sein kann.
  • E 951 Aspartam ist ein Süßstoff, der 200 mal stärker süßt als Zucker. Süßstoffe gelten als versteckte Dickmacher, die Hungergefühle auslösen.
  • E 953 Isomalt wird aus Zuckerrüben gewonnen und wird vor allem in Diätprodukten verwendet. Isomalt kann Blähungen auslösen und abführend wirken.

Moin, ich bin Marie. Waschechte Hamburgerin und nordisch by nature. Hier bei OTTO halte ich für re:BLOG Ausschau nach spannenden Themen, coolen Eco-Outfits und berichte für euch von den kleinen und großen Schritten, die in Sachen Nachhaltigkeit gemacht werden. Verantwortungsvolles Handeln bedeutet für mich, bewusste Entscheidungen im Sinne einer bunten und vielfältigen Zukunft zu treffen. Das fängt für mich auch schon im Kleinen an: Zum Einkaufen geht’s mit meinen Jutebeutel, auf dem Rad. Im Körbchen liegen dann Bio-Gemüse, recycelte Haushaltstücher und der leckere Schokoriegel mit Fairtrade-Siegel. Während meines Wirtschaftsstudiums lernte ich auch die wissenschaftliche Seite dieses Themas und die globalen Zusammenhänge näher kennen. Gerade Unternehmen wie OTTO können durch nachhaltiges Handeln viel bewegen. Und da kommen Mitarbeitende wie ich ins Spiel. So heißt es für mich: Ein bisschen Öko, viel Leidenschaft.

Keine Kommentare vorhanden

Kommentar schreiben: Werde aktiv und rede mit!